Die Lehren der Wüstenväter
Wikipedia: "Wüstenväter ist eine später aufgekommene Bezeichnung für frühchristliche Mönche, die seit dem späten 3. Jahrhundert, entweder einzeln als Eremit oder in Gruppen, ein zurückgezogenes Leben in den Wüsten Ägyptens und Syriens führten, bestimmt durch Askese und Gebet."
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[Bearbeiten] Viel Ruhe und etwas Arbeit
Der Hauptgrundsatz der Wüstenväter lautete, dass man sich in seine Hütte (Zelle) setzen und dann den Weg des effektiven spirituellen Übens von innen heraus erspüren solle. Sie nannten es "deine Hütte wird es dich lehren."[1]
Die Kunst auf dem spirituellen Weg ist es, genau das persönlich richtige Mass an Ruhe zu finden. Durch Ruhe und Meditation (Kontemplation) lösen sich inneren Verspannungen auf, die die Ursache für viele körperlichen Krankheiten und seelische Störungen (Angst, Sucht, Aggressivität) sind.
Zu viel Ruhe macht träge. Die Wüstenväter empfahlen deshalb nicht nur in der Hütte zu sitzen und auf den Geist Gottes zu warten, sondern auch regelmäßig etwas zu arbeiten. Andererseits warnten sie vor zu viel Arbeit. Wenn man einen Bogen überspannt, bricht er.[2] Wenn ein Eremit oder Mönch äußerlich zu aktiv ist, könne sich Gott, der die Ruhe bräuchte, nicht in ihm entfalten. Die Ruhe müsse so groß sein, dass sie von sich aus den Körper und den Geist von den inneren Verspannungen heilt. [3]
Bei den Eremiten in der Wüste wurde das ausreichende Mass an Ruhe grundsätzlich bereits durch ihr abgeschiedenes Leben erreicht. Viel Ruhe fühlt sich zuerst unerträglich an, und genau dadurch kommen die inneren Prozesse in Gang, die zur inneren Heilung (Heiligkeit, Gesundheit, Ganzwerdung) führen.[4] Probleme mit der ausreichenden Ruhe ergeben sich eher im Kloster. Hier besteht die Gefahr zu viel zu arbeiten, sich durch das Miteinander von sich abzulenken (die eigenen inneren Prozesse nicht mehr zu spüren) oder sich in äußeren Regeln zu verlieren. Ein Grundsatz der Wüstenväter war, jeden Tag nur so viel zu arbeiten wie der Körper, wenn er liegt, Raum einnimmt.[5] Gott sei der Mittelpunkt und nicht die Arbeit. Die Arbeit diene nur dazu, das Leben in Gott (im Licht) zu verwirklichen und zu bewahren. Ein Eremit müsse sensibel erspüren, wie viel Arbeit ihn dabei voran bringe.
[Bearbeiten] Ängste und Süchte überwinden
Entscheidend auf dem Weg der Erleuchtung (inneres Glück, im Licht leben) ist der Umgang mit den Gedanken. Der spirituelle Mensch muss einen Weg finden, seine inneren Verspannungen (Blockaden, falschen Geisteshaltungen) so weit wie möglich aufzulösen. Dann gibt es irgendwann einen inneren Umschwung und der Mensch ist im Glück. Er ist in sich heil geworden. Der Sieg über alles Leid ist das Erwachen des inneren Lichts.[6]
'Michael Cornelius rät, dass man sich hinsetzen, schweigen und still werden solle.[7] Man solle seine Gedanken beobachten, untersuchen und bearbeiten. Wer zum inneren Frieden gefunden hatte, der ruhe in sich selbst, sei ganz da und könne jetzt seinen Geist offen der Welt um sich irgendwo herum zuwenden. Der indische Yogameister Patanjali rät sich den negativen Gedanken (das Problem) genau anzusehen und dann einen positiven Gegengedanken zu finden, mit dem der negative Gedanke aufgelöst oder überwunden werden kann. Anschließend verweilt man dann in einer ruhigen Meditation, läßt die Gefühle und Gedanken kommen wie sie wollen, von alleine zur Ruhe kommen und sich so ganz ausheilen.
Ein wichtiges Problem der Wüstenväter war der Umgang mit der Sexualität. Sie haben offen darüber geredet. Wer seine Sexualität verdrängt, blockiert in sich die innere Heilung.[8] Andererseits kann das freie und zu große Ausleben der Sexualität die Süchte verstärken und einen Menschen vom spirituellen Weg abbringen. Die Wüstenväter haben versucht, sensibel den persönlichen Weg der Auflösung von sexuellen Süchten und Beziehungssehnsüchten zu finden. [9]
Ein Wüstenvater überzeugte sich vom Alleineleben mit dem Gedanken, dass er für eine Beziehung viel arbeiten müsse. Das Leben als Eremit sei ruhiger und angenehmer.[10] Ein anderer Wüstenvater versuchte sich dahin zu bringen, Frauen nur noch als Menschen (Schwestern, Töchter, Mütter, Göttinnen) und nicht als sexuelle Wesen zu sehen. Ein dritter Wüstenvater hatte eine Freundin in einem nahegelegenen Ort. Als er von seinen Mitmönchen besucht wurde, versteckte er sie in einem geflochtenen Korb. Ein heiliger Vater entdeckte sie, verschwieg es jedoch vor den anderen Mönchen. Sanft nahm er nur nach dem Besuch den Eremit zur Seite und ermahnte ihn besser auf sich Acht zu geben. Das lässt sich auch so verstehen, dass man eine Beziehung leben kann, ohne jedoch seinen spirituellen Weg zu verlieren. Es gilt, das persönlich angemessene Maß zwischen körperlich-seelischen Bedürfnissen und spiritueller Zielstrebigkeit zu finden.
[Bearbeiten] Der Weg der umfassenden Liebe
Die Wüstenväter haben sich mit der Frage beschäftigt, ob es wichtiger ist einem Mitmenschen zu helfen oder zu beten. Wer ist heiliger, der Helfende oder der Mensch, der sich auf das Gebet zu Gott (die Meditation, Kontemplation) konzentriert? Grundsätzlich sei beides wichtig.[11] Helfen sei aber heiliger als beten.[12] Wer als Helfender lebe, gelange durch die Liebe zu seinen Mitmenschen in ein Leben im Licht. Er könne sich aber beim Helfen verbrauchen und seine innere Ruhe verlieren. Deshalb bräuchte auch ein helfender Mensch die Ruhe und das Gebet, wenn er zu Gott finden will.
[Bearbeiten] Der mittlere Weg zwischen Zielstrebigkeit und Lebensgenuss
Die Wüstenmutter Amma Synkletika wusste, dass den Eremiten, die ein Leben in Gott führen möchten, viel innere Arbeit und harte Kämpfe bevorstehen. Aber am Ende gäbe es eine unaussprechliche Freude.[13] Um diese inneren Kämpfe durchzustehen und langfristig erfolgreich den Weg ins Licht zu gehen, konzentrierten sich die Wüstenväter auf den Tod. Wer an seinen Tod denkt, überwindet jederzeit seine Schwäche. Der Gedanke an den Tod und das Paradies gibt einem spirituellen Menschen die Kraft seinen Weg bis zum Ziel zu gehen.[14]
Andererseits solle man sich als Mönch oder Eremit aber auch nicht überfordern. Die Wüstenväter hatten dafür das schöne Beispiel mit der Blume. Manche Eremiten bräuchten in ihrer Hütte eine Blume, und manche bräuchten keine Blume. Angenommen, jemand könne nicht ohne eine Blume leben, dann solle er eine pflanzen. [15] Wer etwas Freude auf seinem Weg braucht, solle sich eine ausreichende Freude geben.
[Bearbeiten] Die Botschaft der Wüstenväter für heutige Menschen
Wie kann man als Mönch oder Eremit erfolgreich sein? Anselm Grün lehrt, dass es darum gehe, das eigene Hauptproblem zu finden (welches einen an einem Leben im Licht hindert) und dann systematisch daran zu arbeiten. Dort, wo die größte Gefährdung ist, sei auch die größte Chance. Man solle seinen Typ erkennen und dann danach seinen asketischen Weg gestalten. Man solle beobachten, was einen bindet und blockiert. Und es mit geeigneten Mitteln auflösen. Dann könne die Gnade Gottes sich in einem Menschen entfalten.[16]
Im indischen Yoga wird gelehrt, dass der Mensch grundsätzlich einen erleuchteten Meister braucht, wenn er auf dem spirituellen Weg Erfolg haben will. Ein erleuchteter Meister kenne das Ziel und den Weg. Er könne die Blockaden in seinen Mitmenschen sehen und ihnen spirituelle Energie übertragen. Die Wüstenväter meinten demensprechend, dass nur der seinem Nächsten Anweisungen geben kann, der ein ganzer Mensch ist (in sich selbst ganz, ein Heiliger, ein Erleuchteter).[17] Wer nicht selbst das Licht Gottes in sich habe, der solle sich jemanden suchen, der das Ziel aus eigener Erfahrung kenne. Viele Christen wenden sich in der heutigen Zeit an erleuchtete Meister aus dem Buddhismus und dem Hinduismus, die oft bereit sind auch Christen spirituell zu helfen, ohne dass diese ihren christlichen Glauben aufgeben müssen (Anandamayi Ma, Mutter Meera, Amritanandamayi, Thich Nhat Hanh). Es gibt aber auch immer mehr Christen mit Erleuchtungserfahrungen (Frere Roger, Willigis Jäger).[18]
[Bearbeiten] Eine Vision vom heiligen Antonius
Am 27.2.2002 erschien Nils in einem Traum der heilige Antonius. Nils sah sich als Pilger in Rom. In einer großen Kirche mit einem kuppelförmigen Dach stand eine Statue des heiligen Antonius. Nils verbeugte sich vor ihm und warf sich vor ihm auf den Boden nieder. Danach fand in der Kirche ein Gottesdienst statt. Ein bärtiger Priester gab Nils etwas Brot zu essen und etwas Wein zu trinken. Der Wein war sehr süß. Darüber wunderte sich Nils in seinem Traum. So einen Wein hatte er noch nie getrunken. Es war eine Art himmlischer Nektar, eine Art echter Energieübertragung. Der ganze Körper von Nils war danach mit einer süßen Glücksenergie gefüllt.
Nach dem Aufwachen überlegte Nils, was der Traum zu bedeuten hatte. Er sieht den Traum als eine reale Segnung durch den heiligen Antonius an. Auf einem Bild vom Petersdom in Rom erkannte er die Kirche aus seinem Traum wieder. Laut Wikipedia sollen an den Wänden in Nischen überlebensgroße Statuen der Ordensgründern stehen. Der Petersdom ist die größte Kirche in Rom und das Zentrum des Vatikans (der katholischen Kirche). Er wurde über dem Grab des Apostel Petrus errichtet, der laut Bibel von Jesus die Schlüssel zum Himmel erhielt und dadurch zum Nachfolger bestimmt wurde. Petrus kannte den Weg zur Erleuchtung. Er wusste was zu lösen und was zu binden ist. Nils lebt seit 24 Jahren als Eremit. Dank seiner Erleuchtungserfahrungen weiß auch er was aufzulösen (die weltlichen Anhaftungen) und was zu binden (Gott, Jesus, die Wahrheit und die Liebe) ist.
[Bearbeiten] Zitate
Der Hauptgrundsatz der Wüstenväter lautete: "Setze dich in deine Hütte (Zelle), und deine Hütte wird dich alles lehren." Erspüre von innen heraus den für dich richtigen Weg des täglichen Übens. Was löst deine inneren Verspannungen auf? Wie kannst du deine Ängste und Süchte überwinden? Welche Übungen bringen dich am besten ins Licht?
Ein zweiter Grundsatz war: "Manche Eremiten brauchen in ihrer Hütte eine Blume, und manche brauchen keine Blume. Jeder sollte seinen eigenen spirituellen Weg gehen. Angenommen, jemand kann nicht ohne eine Blume leben, dann sollte er eine pflanzen. Wer jeden Tag etwas Freude auf seinem Weg braucht, sollte sich die Freude geben."
Amma Synkletika: "Den Eremiten, die ein Leben in Gott führen möchten, stehen Arbeit und harte Kämpfe bevor, aber danach folgt unaussprechliche Freude." Ein Wüstenvater meinte dazu: "Ein Eremit, der sich auf seinen Tod konzentriert, überwindet jederzeit seine Schwäche." Der Gedanke an den Tod und das Paradies gibt einem spirituellen Menschen die Kraft seinen Weg bis zum Ziel zu gehen."
"Sieh dich als Überwinder aller weltlichen Probleme. Erkenne, dass auch in einer äußeren Wüste innerlich ein glückliches Leben möglich ist. Visualisiere die Segnung durch den Heiligen Antonius." Konzentriere dich auf sein Bild. Denke seinen Namen als Mantra. Lass dabei sein Licht (seine Energie) in dich hineinfließen. Verweile in der Ruhe. Geh gesegnet durch dein Leben. (aus SpiritualWiki - Wüstenväter)
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ Anselm Grün: Geistliche Begleitung bei den Wüstenvätern. Seite 36. Michael Cornelius, Seite 14.
- ↑ Anselm Grün: Die Weisheit der Wüstenmönche. Seite 62.
- ↑ Anselm Grün: Die Weisheit der Wüstenmönche. Seite 173.
- ↑ Willigis Jäger in: Gregory Mayers: Weisheit aus der Wüste.' Seite 8.
- ↑ Anselm Grün: Der Weg durch die Wüste. Seite 52.
- ↑ Michael Cornelius, Seite 39.
- ↑ Michael Cornelius, Seite 14.
- ↑ Nils Horn: Yoga, Sex und Rock´n´Roll. Verlag Lulu, Hamburg 2008.
- ↑ Anselm Grün: Die Weisheit der Wüstenmönche. Seite 118.
- ↑ Anselm Grün: Geistliche Begleitung bei den Wüstenväter. Seite 74.
- ↑ Thomas Merton: Die Weisheit der Wüste. Seite 45.
- ↑ Thomas Merton: Die Weisheit der Wüste. Seite 63.
- ↑ Thomas Merton: Die Weisheit der Wüste. Seite 58.
- ↑ Thomas Merton: Die Weisheit der Wüste. Seite 79.
- ↑ Thomas Merton: Die Weisheit der Wüste. Seite 70 f.
- ↑ Anselm Grün: Geistliche Begleitung bei den Wüstenväter. Seite 96 und 106.
- ↑ Anselm Grün: Die Weisheit der Wüstenmönche. Seite 110.
- ↑ Willigis Jäger in: Gregory Mayers: Weisheit aus der Wüste.' Seite 7.
