Goethes Faust. Eine heitere Tragödie. Rittersaal.

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Mephistopheles und Faust sind Mitglieder des Kaiserlichen Hofstaats geworden. Mephistopheles hat den Platz des von ihm beseitigten Hofnarren eingenommen, Faust ist Magier und Unterhaltungs-Veranstalter. In dieser Rolle soll er auf Geheiß des Kaisers eine „okkultistische Geisterbeschwörung“ [1] bewerkstelligen, in der Helena und Paris auftreten.

Zuvor hatte Mephistopheles den ruinierten kaiserlichen Staatshaushalt mit der Einführung von Papiergeld (das Papiergespenst der Gulden(6198)) wieder flott gemacht. Faust zu Mephistopheles:

Erst haben wir ihn reich gemacht,
Nun sollen wir ihn amüsieren. (6191 - 92)

Mephistopheles weiß auch hier Rat, allerdings muss Faust hinab in die Tiefen der Vergangenheit, zu den Müttern, den Hüterinnen der Mythen. Der Gedanke daran lässt Faust schaudern. Trotzdem wagt er den Schreckensgang. (6489) Mephistopheles sieht Faust hinterher:

Neugierig bin ich, ob er wieder kommt? (6306)

Zurück von der Hadesfahrt gelingt Faust das magisches Kino.[2] Im Rittersaal erscheinen zuerst Paris, darauf Helena. Mephistopheles, homosexuell orientiert,[3] zu sich:

Das wär’ sie denn! Vor dieser hätt’ ich Ruh';
Hübsch ist sie sie wohl, doch sagt sie mir nicht zu. (6479 - 80)

Faust ist von der Schönheit des Phantoms hingerissen. Mephistopheles mahnt:

So fasst euch doch und fallt nicht aus der Rolle! (6501)

Faust wird eifersüchtig, als das Kunstgebilde Paris das Kunstgebilde Helena küsst. Mephistopheles:

Ruhig! Still!
Laß das Gespenst doch machen was es will. (6514 - 15)

Faust erregt sich immer mehr. Mephistopheles:

Machst du's doch selbst, das Fratzengeisterspiel! (6546)

Faust kann nicht mehr an sich halten und greift nach dem Phantom Helena. Szenenanweisung: „Explosion, Faust liegt am Boden. Die Geister gehen in Dunst auf“.

Mephistopheles, der Faust auf die Schulter genommen hat:

Da habt ihr’s nun! Mit Narren sich beladen,
Das kommt zuletzt dem Teufel selbst zu Schaden. (6564 - 65)


Faust, so die hintergründige Ironie der Szene Rittersaal, verwechselt die Kunst mit der Wirklichkeit. Ovids Pygmalion hatte sich ähnlich Faust in ein selbst geschaffenes Kunstgebilde verliebt,[4] - war sich aber bewusst, dass er unbelebtes Elfenbein vor sich hatte.


  1. Schöne, Albrecht: Johann Wolfgang Goethe Faust Kommentare. Frankfurt am Main: Klassiker Verlag 1994, S.465
  2. Zu Goethes Zeit stand bühnentechnisch die Laterna magica zur Verfügung.
  3. Vgl. Grablegung. Dort Mephistopheles' erotische Faszination von der Rückseite der nackten Engel.
  4. Auf diese Analogie wird in der tradierten Sekundär-Literatur verwiesen.



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