Kurs:Analysis I/Kapitel II: Differential- und Integralrechnung für Funktionen einer Veränderlichen
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[Bearbeiten] Stetigkeit von Funktionen mehrerer Veränderlicher (§1)
[Bearbeiten] Definition 1
- Seien die Dimensionen
und die Menge

- sowie der Raum

- gegeben. Jedem Punkt
werde vermöge der Funktion

- genau ein Punkt

- zugeordnet. Wir nennen
den Definitionsbereich und

- den Wertebereich der Funktion
. Genauer schreiben wir:
.- Wir sprechen von einer beschränkten Funktion
, wenn es eine Konstante
gibt, so dass die Abschätzung
für alle 
- richtig ist. Andernfalls sprechen wir von einer unbeschränkten Funktion.
[Bearbeiten] Definition 2
- Sei im Definitionsbereich
der Funktion
ein Häufungspunkt
gewählt. Weiter existiere ein Punkt
, so dass es für alle
ein
gibt mit der Eigenschaft
für alle
mit
.- Dann heißt A der Limes der Funktion f an der Stelle x und man schreibt:
oder
.[Bearbeiten] Definition 3
- Auf dem Intervall
mit a < b sei die Funktion
gegeben. Dann nennen wir

- den rechtsseitigen Limes der Funktion f an der Stelle x und

- den linksseitigen Limes der Funktion f an der Stelle x.
[Bearbeiten] Satz 1
- Sei die Funktion
auf dem Definitionsbereich
gegeben, welcher den Häufungspunkt
enthält. Weiter sei der Punkt
gewählt. Dann gilt die beziehung

- genau dann, wenn für jede Punktfolge
mit 
- die Aussage

- gilt.
[Bearbeiten] Beweis
„
“: Sei

erfüllt. Dann gibt es nach Definition 2 für alle
ein
, so dass
für alle
mit 
ausfällt. Für eine konvergente Punktfolge
mit 
erhalten wir
für alle 
und somit folgt
. Also ergibt sich
.„
“: Wir zeigen diese Implikation indirekt – unter der Voraussetzung
mit
gilt
.Wäre die Aussage

falsch – also die folgende Behauptung:
existiert ein
, so dass
für alle
mit
erfüllt ist.Dann existiert ein
, sodass es zu jedem δ > 0 einen Punkt
mit
gibt, welcher
erfüllt. Wählen wir nun sukzessiv
so finden wir Punkte
mit
und
.Offenbar ist nun
aber
erfüllt – im widerspruch zur voraussetzung (1).
q.e.d.
[Bearbeiten] Definition 4
- Sei der Punkt
und die Funktion
auf dem Definitionsbereich
gegeben. Dann heißt die Funktion f stetig im Punkt x, wenn es zu jedem
ein
mit der Eigenschaft
für alle
mit 
- gibt.
[Bearbeiten] Satz 2
- Sei die Funktion
auf dem Definitionsbereich
erklärt und
ein Häufungspunkt von D. Dann sind die folgenden Aussagen äquivalent
- 1. Es ist f stetig im Punkt x;
- 2. Es gilt
;-
- 3. Für alle Folgen
mit 
-
- haben wir
.[Bearbeiten] Beweis
Dieser folgt sofort aus den Definitionen 2 und 4 sowie Satz 1.
q.e.d.
[Bearbeiten] Satz 3
- Seien die Funktionen
im Punkt
stetig und die Skalare
beliebig gewählt. Dann ist auch die Funktion

- im Punkt x stetig.
[Bearbeiten] Beweis
Sei
eine Folge mit
. Dann erhalten wir

.q.e.d.
[Bearbeiten] Satz 4
- Seien die Funktionen
im Punkt
stetig. Dann ist auch die Funktion

- im Punkt x stetig. Falls zusätzlich
für alle
erfüllt ist, so ist auch die Funktion

- stetig im Punkt x.
[Bearbeiten] Beweis
Sei
eine Folge mit
. Dann liefern die grenzwertsätze

sowie
.q.e.d.
[Bearbeiten] Satz 5 (Komposition stetiger Abbildungen)
- Seien die Punkte
und
gegeben sowie die Funktionen
und
mit
– dabei sind die Dimensionen
gewählt. Weiter sei f stetig im Punkt x und g stetig im Punkt y. Dann ist auch die verkettete Funktion bzw. die Komposition


- im Punkt x stetig.
[Bearbeiten] Beweis
Sei
eine Folge mit
, dann ist

die Folge der Funktionswerte. Da f im Punkt x stetig ist gilt
.Da nun g im Punkt y stetig ist, folgt
.Also ist
im Punkt x stetig.
[Bearbeiten] Definition 5
- Sei die Funktion
auf dem Definitionsbereich
gegeben. Dann heißt die Funktion f stetig auf D, wenn f in jedem Punkt
stetig ist.
[Bearbeiten] Definition 6
- Den Vektorraum der stetigen Funktionen
auf dem Definitionsbereich
bezeichnen wir mit
. Hierbei haben wir für
und
die Verknüpfungen:
sowie
.- Falls m = 1 die Bilddimension darstellt, schreiben wir kurz
. Auch wenn aus dem Zusammenhang der Bildraum hervorgeht, lassen wir diesen unerwähnt. Mit
deuten wir im Fall m = 2 an, dass wir im Bildbereich die komplexe Multiplikation verwenden.
[Bearbeiten] Satz 6 (Stetigkeit der Umkehrfunktion)
- Auf der kompakten Menge
sei die stetige Funktion
vermöge
mit dem Wertebereich

- gegeben. Weiter sei
injektiv, d. h. für je zwei Punkte
mit
folgt
. Dann ist die Umkehrfunktion

- von f erklärt durch
für
und
mit 
- stetig auf D. Dabei erfüllt die Umkehrfunktion die Identitäten:
für alle
und
für alle
.[Bearbeiten] Beweis
Sei
und
eine Folge mit
. Dann haben wir

zu zeigen. Hierzu setzen wir
und
. Wäre die Aussage (6) falsch, so gäbe es von der Folge
in der kompakten Menge D eine Teilfolge
mit
.Da die Funktion f stetig ist, erhalten wir
.Wegen der Injektivität von f folgt mit x * = x * * ein Widerspruch – und (6) ist richtig.
q.e.d.
[Bearbeiten] Definition 7
- Sei die Funktion
auf dem Definitionsbereich
gegeben. Dann heißt die Funktion f gleichmäßig stetig auf D, wenn es zu jedem
ein
mit der Eigenschaft
für alle
mit 
- gibt.
[Bearbeiten] Satz 7
- Sei
eine beschränkte und abgeschlossene – d. h. kompakte – Punktmenge und
eine stetige Funktion. Dann ist f gleichmäßig stetig auf K.
[Bearbeiten] Beweis
Sei
vorgegeben. Da die Funktion
in jedem Punkt
stetig ist, gibt es zu jedem
ein
derart, dass für alle
mit
die Ungleichung
gilt. Zu jedem
definieren wir nun die offene Teilmenge

Diese Menge
bilden eine offene Überdeckung von K. Da K nach Voraussetzung beschränkt und abgeschlossen ist, gibt es nach dem Überdeckungssatz von Heine und Borel endlich viele Punkte

mit
, so dass

gilt. Wir setzen jetzt
.Nun seien
beliebige Punkte mit
. Da die Mengen

ein Überdeckungssystem von K bilden, finden wir ein
mit der Eigenschaft
.Weiter gilt dann:

.Wegen der Stetigkeit folgt hieraus
und 
für alle
mit
.Also ist f gleichmäßig stetig auf K.
q.e.d.
[Bearbeiten] Satz 8 (Fundamentalsatz von Weierstrass über Maxima und Minima)
- Auf der kompakten Menge
sei die reellwertige Funktion
stetig. Dann gibt es Punkte
und
, so dass
für alle 
- erfüllt ist.
[Bearbeiten] Beweis
Wir zeigen nur die Existenz von
. Durch die Spiegelung
folgt dann die Existenz von
. Wir erklären

und finden eine Folge
mit der Eigenschaft
.Die Folge
ist beschränkt, da die Menge
beschränkt ist. Nach dem Häufungsstellensatz von Weierstrass gibt es eine konvergente Teilfolge

mit der Eigenschaft
,denn die Menge
ist abgeschlossen. Wegen der Stetigkeit von
auf
gilt weiter
.Mit
haben wir einen Punkt gefunden, an dem
das Minimum annimmt.
q.e.d.
[Bearbeiten] Satz 9 (Zwischenwertsatz von Bolzano und Weierstrass)
- Sei das Intervall
mit
gegeben sowie eine stetige Funktion
mit der Eigenschaft
. Dann gibt es zu jedem Wert
ein
mit
.
[Bearbeiten] Beweis
Nach Voraussetzung ist die Menge

nicht leer. Wir erklären

und sehen
ein. Es gilt
für alle 
und wir finden eine Folge
mit
. Somit gilt
.Wäre nun
richtig, so gäbe es wegen der Stetigkeit von
ein
, so dass
für alle 
gilt. Dieses steht im Widerspruch zur Wahl von
und es folgt
.
q.e.d.
[Bearbeiten] Definition 8
- Eine reellwertige Funktion
auf dem Definitionsbereich
heißt (schwach) monoton steigend, wenn für alle
mit x − < x + die Ungleichung
(bzw.
) erfüllt ist. Sie heißt (schwach) monoton fallend, wenn für alle
mit x − < x + die Ungleichung
(bzw.
) gilt.
[Bearbeiten] Satz 10 (Monotone Umkehrfunktion)
- Sei auf dem Intervall
die monoton steigende Funktion
erklärt und
gesetzt. Dann hat die Gleichung
für jedes
die eindeutig bestimmte Lösung
. Die so definierte Funktion
ist auf dem Intervall
stetig und es gilt:
für alle
und
für alle
.[Bearbeiten] Beweis
Nach dem Zwischenwertsatz hat die Gleichung
![f(x)=y, \quad x \in [a,b]](http://upload.wikimedia.org/math/c/e/5/ce5e177fa27ab426c835afd51c70edf8.png)
für alle
mindestens eine Lösung. Wir zeigen nun die Eindeutigkeit der Lösung: Gäbe es nämlich zwei Lösungen
mit
, so entsteht ein Widerspruch zur Monotonie der Funktion f. Also gibt es zu jedem
genau ein
mit
. Wir erhalten mittels
die Umkehrfunktion
. Die Stetigkeit der Umkehrfunktion entnehmen wir sofort dem Satz 6.
q.e.d.
[Bearbeiten] Gleichmäßige Konvergenz von Funktionenfolgen (§2)
[Bearbeiten] Definition 1
- Auf dem Definitionsbereich
sei die Folge der Funktionen

- gegeben; dabei sind die Dimensionen
gewählt. Dann heißt diese Funktionenfolge (punktweise) konvergent, wenn für jedes
der Grenzwert
existiert. Wir nennen dann

- ihre Grenzfunktion.
[Bearbeiten] Definition 2
- Auf dem Definitionsbereich D \subset \mathbb{R}^n sei die Folge der stetigen Funktionen

- gegeben; dabei sind die Dimensionen
gewählt. Dann heißt diese Funktionenfolge gleichmäßig konvergent, wenn für jedes
ein Index
mit der eigenschaft
für alle
und alle 
- existiert.
[Bearbeiten] Satz 1 (Konvergenzsatz von Weierstrass)
- Auf dem Definitionsbereich
konvergiere die Folge stetiger Funktionen

- gleichmäßig gegen die Grenzfunktion
. Dann ist
stetig auf
.
[Bearbeiten] Beweis
Sei
beliebig gewählt. Zu vorgegebenem
existiert ein Index
, so dass (3) erfüllt ist. Da die Funktion
im Punkt
stetig ist, gibt es ein
, so dass
für alle
mit 
richtig ist. Somit folgt
für alle
mit
.Also ist
stetig in
.
q.e.d.
[Bearbeiten] Satz 2 (Vollständigkeit des C0-Raums)
- Sei die Folge stetiger Funktionen

- auf dem Definitionsbereich
gegeben. Dann konvergiert die Funktionenfolge
gleichmäßig gegen die stetige Grenzfunktion
genau dann, wenn es zu jedem
einen Index
gibt, so dass
für alle
und alle 
- erfüllt ist.
[Bearbeiten] Beweis
Die Funktionenfolge
konvergiere gleichmäßig auf D gegen die Grenzfunktion f. Dann gibt es zu jedem
einen Index
, so dass
für alle
und alle
ausfällt. Damit folgt
für alle
und alle
.
Zu vorgegebenem
existiert nun ein Index
mit der Eigenschaft (6). Damit ist die Punktfolge eine Cauchyfolge im
. Wegen der Vollständigkeit dieses Raumes existiert der Grenzwert

für alle
. In der Ungleichung (6) vollziehen wir den Grenzübergang
und wir erhalten für jedes
ein
mit folgender Eigenschaft:
für alle
und alle
.Also konvergiert die Funktionenfolge
gleichmäßig auf D gegen f.
q.e.d.
[Bearbeiten] Definition 3
- Auf dem Raum
mit
erklären wir die Supremumsnorm oder auch C0-Norm wie folgt:
.[Bearbeiten] Definition 4
- Auf dem Definitionsbereich
sei die Folge stetiger Funktionen

- gegeben; dabei ist die Dimension
gewählt. Dann heißt die Funktionenreihe
– vermöge
erklärt –- gleichmäßig konvergent auf D, wenn die Folge der Partialsummen

- gleichmäßig auf D konvergiert.
[Bearbeiten] Satz 3 (Weierstraßscher Majorantentest bzw. M-Test)
- Auf dem Definitionsbereich
sei die Folge stetiger Funktionen

- gegeben, welche der Ungleichung

- für alle
genügen. Dabei bilden die Zahlen

- gemäß

- eine konvergente Reihe. Dann konvergiert die Funktionenreihe

- gleichmäßig auf D.
[Bearbeiten] Beweis
Zu vorgegebenem
gibt es einen Index
dass für alle
mit
die Ungleichung

gilt. Damit ist
für alle
und alle 
erfüllt, sodass die Folge der Partialsummen \{s_q\}_{q \in \mathbb{N}_0} gleichmäßig konvergent ist.
q.e.d.
[Bearbeiten] Satz 4 (Stetigkeit von Potenzreihen)
- Die Potenzreihe

- konvergiere für alle
mit
bei festem Radius
. Dann konvergiert für jeden Radius 0 < R0 < R die Potenzreihe
mit 
- gleichmäßig. Somit stellt
mit 
- eine stetige Funktion dar.
[Bearbeiten] Beweis
Für alle Punkte
mit
gilt
.Der Satz 12 aus §6 in Kapitel I liefert die konvergenz der Reihe
.Der Weierstraßsche Majorantentest impliziert die gleichmäßige Konvergenz der Reihe
in der abgeschlossenen Kreisscheibe
und folglich ist
dort stetig. Da der Radius 0 < R0 < R beliebig gewählt wurde, ist
sogar stetig in der offenen Kreisscheibe
.
q.e.d.
[Bearbeiten] Satz 5 (Leibnizsche Potenzreihe)
- Sei
eine absteigende reelle Zahlenfolge mit

- und dem Grenzwert
. Dann ist die durch

- definierte Funktion stetig auf ihrem Definitionsbereich.
[Bearbeiten] Beweis
Nach Satz 4 stellt
für
eine stetige Funktion dar. Zu zeigen bleibt die Stetigkeit für
und
. Hierzu betrachten wir die Folge stetiger Funktionen.

mit einem δ > 0. Wir zeigen mittels partieller Summation, dass
dort gleichmäßig gegen
konvergiert. Wenn wir über N später verfügen, so ergibt sich für
die Ungleichung
,wie man den Abschätzungen

und


entnimmt. Also erhalten wir
für alle
mit
und
,falls
erfüllt ist – mit einem hinreichend großen
. Somit stellt

für alle δ > 0 eine stetige Funktion dar.
q.e.d.
[Bearbeiten] Satz 6 (Abelscher Stetigkeitssatz)
- Sei
eine komplexe Zahlenfolge, so dass die Reihe
konvergiert. Dann folgt die Stetigkeit der Funktion
definiert durch
.[Bearbeiten] Beweis
Da die Reihe
konvergiert, ist auch die Reihe
für alle
konvergent. Es bleibt nur die Stetigkeit von f im Punkt x = 1 zu zeigen: Hierzu weisen wir die gleichmäßige Konvergenz der Funktionenfolge

nach. Zu vorgegebenem
gibt es ein
, so dass
für alle 
richtig ist. Somit folgt für alle
mittels partieller Summation
.Da die Funktionen fn auf [0,1] stetig sind für
und sie dort konvergieren liefert Satz 1 die Stetigkeit der Grenzfunktion
.q.e.d.
[Bearbeiten] Satz 7 (Cauchyscher Produktsatz)
- Seien
und
Folgen komplexer Zahlen, so dass die Reihen

- mit den Koeffizienten

- konvergieren. Dann gilt die Identität
.[Bearbeiten] Beweis
Wir definieren die Funktionen
,welche nach dem Abelschen Stetigkeitssatz auf dem intervall
stetig sind. Für alle Punkte
gilt nun
,da die Reihen dort absolut konvergieren. Beim Grenzübergang
erhalten wir
.q.e.d.
[Bearbeiten] Reelle und komplexe Differenzierbarkeit (§3)
[Bearbeiten] Definition 1
- Sei das offene Intervall
mit den Grenzen
sowie die Dimension
gegeben. Dann nennen wir die Funktion

- im Punkt
(reell) differenzierbar, falls der Grenzwert

- existiert. Wir nennen
die Ableitung von f im Punkt x0.
[Bearbeiten] Bemerkung
Die Existenz des obigen Grenzwerts (1) bedeutet, dass für jede Folge
mit
folgendes gilt:
.[Bearbeiten] Satz 1
- Die Funktion f aus definition 1 ist genau dann im Punkt
differenzierbar, wenn es eine stetige Funktion
mit der Eigenschaft φ(x0) = 0- so gibt, dass die linear approximative Darstellung

- erfüllt ist.
[Bearbeiten] Beweis
Sei f an der Stelle x0 differenzierbar. Dann erklären wir die Hilfsfunktion
für
für x = x0.Die Differenzierbarkeit liefert

Stellen wir (4) geeignet um, so finden wir die gesuchte Darstellung (3).
Wir gehen nun von der Darstellung (3) aus, subtrahieren f(x0) und dividieren durch x − x0:
.Hieraus ermitteln wir
,womit die Differenzierbarkeit von f im Punkt x0 folgt.
q.e.d.
[Bearbeiten] Satz 2
- Sei die Funktion f aus Definition 1 im Punkt
differenzierbar. Dann ist sie dort auch stetig.
[Bearbeiten] Definition 2
- Sei die Funktion f aus Definition 1 gegeben. Falls diese in allen Punkten
differenzierbar ist, nennen wir f differenzierbar in I. Wir erhalten dann die abgeleitete Funktion
vermöge 
- oder kurz die Ableitung von f auf I.
[Bearbeiten] Satz 3 (Linearität der Differentiation)
- Seien im offenen Intervall I: = (a,b) mit den Grenzen
die Funktionen

- im Punkt
differenzierbar und die Skalare
beliebig gewählt. Dann ist auch die Funktion

- im Punkt x0 differenzierbar und es gilt
.[Bearbeiten] Beweis
Für alle
ermitteln wir die Identität
.Hieraus folgt durch Grenzübergang
die Gleichung (9).
[Bearbeiten] Definition 3
- Falls die differenzierbare Funktion f aus Definition 2 eine stetige Ableitung

- besitzt, so sprechen wir von einer in I stetig differenzierbaren Funktion. Der Vektorraum der 1-mal stetig differenzierbaren Funktionen auf dem offenen Intervall I wird gegeben durch


- mit den Verknüpfungen aus Definition 6 in §1. Falls die intervallgrenzen
erfüllen, so erklären wir den Vektorraum der 1-mal stetig differenzierbaren Funktionen auf dem kompakten Intervall
wie folgt:

.[Bearbeiten] Satz 4 (Produktregel)
- Seien im offenen Intervall I: = (a,b) mit den Grenzen
die Funktionen

- im Punkt
differenzierbar. Dann ist auch die Funktion

- im Punkt x0 differenzierbar und es gilt
.[Bearbeiten] Beweis
Für alle
berechnen wir


.Der Grenzübergang
liefert schließlich die Identität (13).
q.e.d.
[Bearbeiten] Satz 5 (Quotientenregel)
- Seien im offenen Intervall I: = (a,b) mit den Grenzen
die Funktionen

- im Punkt
differenzierbar. Weiter sei die Bedingung
für alle 
- erfüllt. Dann ist auch die Funktion

- im Punkt x0 differenzierbar und es gilt
.[Bearbeiten] Beweis
Für alle
ermitteln wir


.Wiederum liefert der Grenzübergang
die behauptete Identität (15).
[Bearbeiten] Satz 6 (Kettenregel)
- Sei im offenen Intervall I: = (a,b) mit den Grenzen
die Funktion

- im Punkt
differenzierbar und der Bildpunkt y0: = f(x0) erklärt. Auf dem Intervall J: = (A,B) mit den Grenzen
sei die Funktion

- im Punkt
differenzierbar und die Inklusion
sei erfüllt. Dann ist auch die Funktion

- im Punkt x0 differenzierbar und es gilt die Kettenregel
.[Bearbeiten] Beweis
Wir betrachten beliebige Folgen
mit dem Grenzwert
. Wir definieren
sowie y0: = f(x0)und setzen zunächst die Bedingung
für alle 
mit einem hinreichend großen Index
voraus. Dann erweitern wir die Differenzenquotienten


Hieraus folgt durch Grenzübergang
die Gleichung (17). Insofern die Bedingung (18) verletzt ist, so gibt es eine Teilfolge
mit f(x'n) = f(x0) für alle
.Wir erhalten dann für die Differenzenquotienten
.Beim Grenzübergang
erhalten wir wiederum
.q.e.d.
[Bearbeiten] Satz 7 (Differentiation der Umkehrfunktion)
- Seien die offenen Intervalle I: = (a,b) mit den Grenzen
und J: = (A,B) mit
gegeben. Die stetige, streng monotone, surjektive Funktion

- besitze die Umkehrfunktion
.- Weiter sei f in I differenzierbar und erfülle
für alle
. Dann ist die Funktion

- im offenen Intervall J differenzierbar und es gilt
.[Bearbeiten] Beweis
Wir wählen einen Punkt
beliebig sowie eine Folge
mit
.Wegen der Stetigkeit der Umkehrfunktion ist für die Folge

die Relation
erfüllt. Wir erhalten dann

für alle
. Wegen
erhalten wir
.q.e.d.
[Bearbeiten] Satz 8 (Rollescher Satz)
- Sei die Funktion
auf dem abgeschlossenen Intervall
mit den Grenzen
stetig und auf dem offenen Intervall
differenzierbar. Weiter sei
erfüllt. Dann gibt es eine Stelle
mit
.
[Bearbeiten] Beweis
Falls
erfüllt ist, so folgt
und die Aussage des Satzes ist richtig.
Andernfalls gibt es ein
mit
und wir können ohne Einschränkung
annehmen. Nach Satz 8 aus §1 gibt es eine Maximalstelle
mit der Eigenschaft
für alle
.Wir betrachten jetzt den Differenzenquotienten mit den Eigenschaften
für alle
und
für alle
.Da f im Punkt ξ differenzierbar ist, liefern der links- und rechtsseitige Grenzwert in (23) die Beziehung
bzw.
.Somit folgt
.
q.e.d.
[Bearbeiten] Satz 9 (Allgemeiner Mittelwertsatz der Differentialrechnung)
- Seien die Funktionen
auf dem abgeschlossenen Intervall
mit den Grenzen
stetig und auf dem offenen Intervall
differenzierbar. Weiter gelte
für alle 
- und
. Dann gibt es eine Stelle
mit
.[Bearbeiten] Beweis
Wir betrachten die Hilfsfunktion
.Wir ermitteln, dass h in
stetig und in
differenzierbar ist sowie
.Nach dem Rolleschen Satz gibt es einen Punkt
mit der Eigenschaft

bzw.
.q.e.d.
[Bearbeiten] Satz 10 (Mittelwertsatz der Differentialrechnung)
- Sei die Funktion
auf dem abgeschlossenen Intervall
mit den Grenzen
stetig und auf dem offenen Intervall
differenzierbar. Dann gibt es eine Stelle
mit der Eigenschaft
.[Bearbeiten] Bemerkungen
- Man findet also im Innern des Intervalls einen Punkt, wo das Steigungsmaß der Tangente an die Funktion f mit dem der Sekante durch die Punkte (a,f(a)) und (b,f(b)) übereinstimmt.
- Über den Mittelwertsatz sieht man leicht ein, dass eine Funktion schwach monoton steigend bzw. fallend ist, falls ihre Ableitung nicht negativ bzw. nicht positiv in ihrem Definitionsintervall ist.
[Bearbeiten] Definition 4
- Auf der offenen Menge
sei die Funktion
erklärt und der Punkt
sei gewählt. Dann heißt f im Punkt z0 komplex differenzierbar, wenn der Grenzwert

- existiert. Wir nennen
die komplexe Ableitung der Funktion f an der Stelle z0. Falls
für alle
existiert und die Funktion
stetig ist, nennen wir die Funktion f holomorph in Ω.
[Bearbeiten] Bemerkungen
Mit den konvergenten Potenzreihen werden wir in Satz 15 wichtige Beispiele holomorpher Funktionen kennen lernen. Insbesondere stellen also die Polynome holomorphe Funktionen dar. Wir geben nun mit der Funktion

eine nicht holomorphe Funktion an. Für einen beliebigen Punkt
betrachten wir die Grenzwerte

sowie

Somit ist f für kein
komplex differenzierbar.
Wir notieren nun die Differentiationsregeln für holomorphe Funktionen, die wir wie im Reellen beweisen können; dieses überlassen wir dem Leser zur Übung.
[Bearbeiten] Satz 11 (Linearitäts-, Produkt- und Quotientenregel für holomorphe Funktionen)
- Auf der offenen Menge
seien die holomorphen Funktionen
sowie die komplexen Konstanten
gegeben. Dann sind auch die Funktionen
und 
- holomorph und es gilt die Linearitätsregel

- bzw. die Produktregel

- Falls zusätzlich
für alle
gilt, so erfüllt die holomorphe Funktion

- die Quotientenregel
.[Bearbeiten] Satz 12 (Kettenregel für holomorphe Funktionen)
- Seien
und
zwei offene Mengen, auf denen die holomorphen Funktionen
und 
- erklärt sind. Dann ist auch die Funktion

- holomorph und es gilt die Kettenregel
.[Bearbeiten] Satz 13 (Komplexe Kettenregel)
- Auf der offenen Menge
sei die Funktion
holomorph – mit der komplexen Ableitung
. Weiter sei im offenen Intervall I: = (a,b) mit den Grenzen
die Funktion
reell differenzierbar mit der stetigen Ableitung
. Dann ist auch die komponierte Funktion

- im Intervall I stetig differenzierbar und es gilt die komplexe Kettenregel
.[Bearbeiten] Beweis
Verwende die Argumente aus dem Beweis zu Satz 6.
[Bearbeiten] Satz 14 (Holomorphe Umkehrfunktion)
- Seien
und
zwei offene Mengen, auf denen die holomorphe und bijektive Funktion
mit der Eigenschaft
für alle
erklärt ist. Dann ist auch ihre Umkehrfunktion
holomorph und es gilt
.[Bearbeiten] Satz 15 (Differentiation von Potenzreihen)
- Die Potenzreihe

- konvergiere in der Kreisscheibe
mit dem festen Konvergenzradius
. Dann ist die Funktion
holomorph und es gilt

- für ihre komplexe Ableitung.
[Bearbeiten] Beweis
1. Zunächst zeigen wir die Konvergenz der gliedweise differenzierten Reihe
für alle
. Nach dem Cauchyschen Konvergenzkriterium für Reihen ist die Konvergenz dieser Reihe äquivalent zur Konvergenz der Reihe
mit bn: = nan für alle
.Nun ermitteln wir
.Folglich hat die gliedweise differenzierte Reihe den gleichen Konvergenzradius wie die ursprüngliche Reihe.
2. Zu festem
mit | z | < R0 < R wählen wir
mit
sowie
beliebig und betrachten den Differenzenquotienten
.Hier verwenden wir die Hilfsfunktion

für alle
. Wegen der Abschätzung
für alle
mit 
für alle
und der Aussage

liefert der Weierstraßsche Majorantentest (M-Test) die gleichmäßige Konvergenz der Reihe aus (33) für alle
mit
. Somit erhalten wir eine in w und z stetige Funktion. Beim Grenzübergang
ergibt sich schließlich
.[Bearbeiten] Riemannsches Integral für stetige Funktionen (§4)
Wir betrachten ein kompaktes Intervall Q: = [a,b] mit den Grenzen
und der Länge | Q | = b − a sowie eine reellwertige, beschränkte Funktion

Nun wählen wir eine Zerlegung
des Intervalls Q in
Teilintervalle wie folgt:
![\begin{matrix} \mathcal{Z}: \text{Es gibt } p = p(\mathcal{Z}) \in \mathbb{N} \text{ Teilintervalle } Q_j := [x_{j - 1}, x_j] \\ \mathrm{der\ L\ddot angen\ } |Q_j| = x_j - x_{j - 1}, \quad j = 1, ..., p \\ \text{mit den Teilungspunkten } a = x_0 < x_1 < x_2 < ... < x_{p - 1} < x_p = b. \end{matrix}](http://upload.wikimedia.org/math/a/1/8/a1880ec40ba6f041f06b4e9664232a1c.png)
[Bearbeiten] Definition 1
- Wir nennen
das Feinheitsmaß der Zerlegung
.
[Bearbeiten] Definition 2
- Wählen wir zur Zerlegung
aus (1) beliebige Zwischenpunkte
für
, welche wir zum Vektor
zusammenfassen, so definiert man mittels

- die Riemannsche Zwischensumme in Abhängigkeit von
und ξ.
[Bearbeiten] Satz 1 (Integrabilität stetiger Funktionen auf kompakten Intervallen)
- Sei
eine stetige Funktion auf dem kompakten Intervall Q. Dann gibt es zu jedem
ein
mit folgender Eigenschaft: - Für je zwei beliebige Zerlegungen
gemäß (1) mit den Feinheitsmaßen
sowie beliebig ausgewählten Zwischenpunkten

- ist die nachfolgende Abschätzung

- richtig.
[Bearbeiten] Beweis
1. Da stetige Funktionen auf kompakten Mengen gemäß Satz 7 aus §1 gleichmäßig stetig sind, gibt es zu vorgegebenem
ein
mit der folgenden Eigenschaft
mit
.2. Mit k = 1,2 betrachten wir nun zwei Zerlegungen
des Intervalls Q in die
Teilintervalle
![Q_j^{(k)} := [x_{j-1}^{(k)}, x_j^{(k)}], \quad j = 1,\ldots, p^{(k)}](http://upload.wikimedia.org/math/7/a/6/7a6814f34d3086ea7157044d572eab80.png)
mit den Teilungspunkten
,deren Feinheitsmaße
erfüllen. Wir verwenden jetzt die Verfeinerung der beiden Zerlegungen
und
, nämlich

gemäß (1). Dabei bestehen die Teilungspunkte von
aus den Punkten

und sie bilden die Intervalle
![Q_j = [x_{j-1},x_j] \quad j = 1, \ldots, p](http://upload.wikimedia.org/math/6/f/4/6f4a0c07fafd796962cdb1565c6dc2b4.png)
der Gesamtzahl
.3. Seien nun zu den Zerlegungen
beliebige zwischenpunkte

mit k = 1,2 ausgewählt. Dann setzen wir für
und k = 1,2 folgendermaßen Zwischenwerte fest:
, falls
für ein
.Mit Hilfe von (4) und (5) und der Ungleichung
schätzen wir wie folgt ab:
für
.Die Riemannschen Zwischensummen
ermitteln wir folgendermaßen:
.4. Mit Hilfe der Ungleichungen (6) und (7) schätzen wir nun ab:


.q.e.d.
[Bearbeiten] Definition 3
- Eine Folge von Zerlegungen
nennen wir ausgezeichnet, wenn deren Feinheitsmaß gemäß

- gegen Null strebt.
[Bearbeiten] Definition 4
- Eine beschränkte Funktion
auf dem kompakten Intervall I nennen wir Riemann-integrierbar oder kurz integrierbar, wenn für jede ausgezeichnete Zerlegungsfolge
und beliebig ausgewählte Zwischenpunkte

- die Folge der Riemannschen Zwischensummen

- konvergiert. In diesem Falle nennen wir

- das (Riemannsche) Integral von f über das Intervall
.
[Bearbeiten] Satz 2 (Integration stetiger Funktionen auf kompakten Intervallen)
- Es gelten die folgenden Aussagen:
- 1. Jede stetige Funktion
ist Riemann-integrierbar. - 2. Für stetige Funktionen
und Skalare
gilt die Linearitätsregel
- 1. Jede stetige Funktion
.-
- 3. Für jede stetige Funktion
gilt die Abschätzung
- 3. Für jede stetige Funktion
.[Bearbeiten] Beweis
1. Die Integrabilität folgt sofort aus obigem Satz 1.
2. Für beliebige Zerlegungen
von Q und beliebige Zwischenpunkte ξ gilt die Identität
.Betrachten wir dann eine ausgezeichnete Zerlegungsfolge mit entsprechenden beliebigen Zwischenpunkten, so folgt

.Damit erhalten wir die Linearitätsregel.
3. Wiederum gehen wir auf die Riemannschen Zwischensummen zurück und schätzen wie folgt ab:

.Dann lassen wir die Zerlegungen eine ausgezeichnete Folge mit ihren Zwischenpunkten durchlaufen und wir erhalten beim Grenzübergang auch diese Aussage.
q.e.d.
[Bearbeiten] Bemerkungen
1. Wenn wir eine positive Funktion
betrachten, so approximiert das Integral offenbar den Flächeninhalt des ebenen Bereichs
.2. Bei der Dirichletschen Sprungfunktion
, f(x): = 0 für ![x \in [0, 1] \setminus \mathbb{Q}](http://upload.wikimedia.org/math/0/d/6/0d6625a24aab7643738c8d305778fd35.png)
wählen wir zu jeder ausgezeichneten Zerlegungsfolge des Intervalls [0,1] alternierend nur rationale oder irrationale Zwischenpunkte, so dass dann die Riemannschen Zwischensummen alternierend die Werte + 1 bzw. 0 annehmen. Somit ist gemäß Definition 4 die Dirichletsche Sprungfunktion nicht Riemann-integrierbar.
3. In Kapitel V werden wir eine Riemannsche Integrationstheorie für reellwertige Funktionen in n Veränderlichen entwickeln. Wir werden insbesondere die Frage beantworten, wie groß die Menge der Unstetigkeiten einer Funktion sein darf, damit sie noch Riemann-integrierbar ist
[Bearbeiten] Integration mittels reeller und komplexer Stammfunktionen (§5)
[Bearbeiten] Hilfssatz 1
- Für jede stetig differenzierbare Funktion

- gilt die Leibnizsche Identität
.[Bearbeiten] Beweis
Wir wählen eine beliebige Zerlegung

des Intervalls Q. In jedem Teilintervall Qj finden wir mit dem Mittelwertsatz der Differentialrechnung einen Punkt
, so dass

für
richtig ist. Als Riemannsche Zwischensumme für die Ableitung f' erhalten wir dann
.Lassen wir nun die Zerlegungen eine ausgezeichnete Folge durchlaufen, so ergibt sich die Leibnizsche Identität. Hierbei beachten wir, dass die Ableitung als stetige Funktion auf Q integrierbar ist.
q.e.d.
[Bearbeiten] Definition 1
- Die komplexwertige Funktion
heißt genau dann integrierbar, wenn sowohl ihr Realteil
als auch ihr Imaginärteil
integrierbar ist. In diesem Fall setzen wir
.[Bearbeiten] Definition 2
- Für die komplexwertige, integrierbare Funktion
erklären wir mit Hilfe von Definition 1 wie folgt ein orientiertes Integral. Seien die Punkte
beliebig, so definieren wir
, falls x0 < x1 gilt;
, falls x0 = x1 gilt;
, falls x0 > x1 gilt.[Bearbeiten] Hilfssatz 2 (Additivität des orientierten Integrals)
- Für die komplexwertige, integrierbare Funktion
gilt die Additivitätsregel

- bei beliebigen Zwischenpunkten
.
[Bearbeiten] Beweis
Falls
für die Zwischenpunkte erfüllt ist, sehen wir die Additivitätsregel durch Approximation mit den Riemannschen Summen ein. Mit Hilfe von Definition 2 des orientierten Integrals erhalten wir dann die Identität auch im allgemeinen Fall.
q.e.d.
[Bearbeiten] Satz 1 (Fundamentalsatz der Integral- und Differentialrechnung)
- Für jede stetig differenzierbare Funktion

- und je zwei Punkte
gilt die Identität
.[Bearbeiten] Beweis
Im Falle x0 < x1 wenden wir Hilfssatz 1 sowohl auf den Realteil als auch auf den Imaginärteil der Funktion an:
für j = 1,2.Addition liefert dann die Leibnizsche Identität. Im Falle x0 > x1 ermitteln wir
.q.e.d.
[Bearbeiten] Satz 2 (Partielle Integration)
- Für zwei stetig differenzierbare Funktionen

- gilt die Identität
![\int^b_a \Bigl( f'(x) \cdot g(x) \Bigr) \, dx = \Bigl[ f(x) \cdot g(x) \Bigr]^{x = b}_{x=a}- \int^b_a \Bigl( f(x) \cdot g'(x) \Bigr) \, dx](http://upload.wikimedia.org/math/7/e/8/7e8bbcf2f919f102dd5532eda24be4e7.png)
- mit der üblichen Abkürzung
.[Bearbeiten] Beweis
Wir differenzieren mit der Produktregel

und integrieren anschließend mit Hilfe von Satz 1 wie folgt: ![\int^b_a \Bigl( f'(x) \cdot g(x) \Bigr) \, dx + \int^b_a \Bigl( f(x) \cdot g'(x) \Bigr) \, dx = \Bigl[ f(x) \cdot g(x) \Bigr]^{x=b}_{x = a}](http://upload.wikimedia.org/math/f/c/b/fcbfa2d6065dcb833964c6bac94ebc36.png)
q.e.d.
[Bearbeiten] Definition 3
- Die Funktion
heißt reelle Stammfunktion der Funktion
, falls deren reelle Ableitung die Identität

- erfüllt. Die Gesamtheit der reellen Stammfunktionen bezeichnen wir mit
.[Bearbeiten] Satz 3 (Integrationskonstanten)
- Ist
eine reelle Stammfunktion von
, so wird die Gesamtheit aller reellen Stammfunktionen gegeben durch
mit einer Konstante
.[Bearbeiten] Satz 4 (Unbestimmtes Integral)
- Sei
eine stetige Funktion und
beliebig gewählt. Dann liefert das unbestimmte Integral

- eine reelle Stammfunktion von f.
[Bearbeiten] Beweis
1. Zunächst betrachten wir reellwertige stetige Funktionen
und wählen
mit der Eigenschaft f(x1) = 0. Die Additivität des Integrals liefert
.Teil 3.) aus Satz 2 in §4 ergibt die Abschätzung

![\le \frac{|x-x_1|\cdot \sup \{f(\xi):\xi = \lambda x + (1 - \lambda)x_1, \lambda \in [0,1]\}}{|x-x_1|}](http://upload.wikimedia.org/math/9/9/e/99efd442de0cf0c356ac5dec8d3ea6d0.png)
.Beim Grenzübergang
folgt
wegen der Stetigkeit von f im Punkr x1.
2. Sei nun
eine reellwertige Funktion und
beliebig gewählt. Mit dem Fundamentalsatz der Differential- und Integralrechnung ermitteln wir für die konstante Funktion
das unbestimmte Integral
.Mit Hilfe von Teil 1.) differenzieren wir die Stammfunktion

im Punkt x1 wie folgt:
3. Für die komplexwertige stetige Funktionen
differenzieren wir ihr unbestimmtes Integral

getrennt im Real- bzw. Imaginärteil gemäß Teil 2.) und erhalten:
.q.e.d.
[Bearbeiten] Definition 4
- Eine nicht leere, offene Menge
heißt ein Gebiet, falls sie in folgendem Sinne zusammenhängend ist: Zu je zwei Punkten
gibt es eine stetige Funktion
mit dem Anfangswert ζ(0) = z0 und dem Endpunkt ζ(1) = z1.- Wir nennen ζ einen stetigen Weg von z0 nach z1 in Ω.
Im nachfolgenden Beweis wird ein Fortsetzungsargument in Gebieten präsentiert, das oft in der Analysis verwandt wird.
[Bearbeiten] Satz 5
- Sei die holomorphe Funktion
auf dem Gebiet
mit der Eigenschaft

- gegeben. Dann folgt f(z) = c für alle
mit einer Konstanten
.
[Bearbeiten] Beweis
1. Seien
zwei Punkte, die durch einen differenzierbaren Weg
mit dem Anfangswert ζ(0) = z0 und dem Endpunkt ζ(1) = z1verbunden werden können. Wir betrachten dann die Funktion

und differenzieren sie mit Hilfe der komplexen Kettenregel. Wir erhalten
.Mit den Argumenten zum Beweis von Satz 2 ist diese Funktion auf ihrem Definitionsintervall konstant. Damit ergibt sich
2. Ist nun
und
so gewählt, dass die Kreisscheibe

die Inklusion
erfüllt. Da jetzt jeder Punkt
mit z0 durch den differenzierbaren Weg
![\zeta(t):=z_0 + t (z-z_0), \quad t \in [0,1]](http://upload.wikimedia.org/math/2/9/c/29ccca515aedc5717eaef9239b7da7d6.png)
verbunden werden kann, liefert Teil 1.) die Aussage
.Somit ist die Funktion f lokal konstant
3. Sind nun z0,z1 zwei beliebige Punkte in Ω, so können wir sie durch einen stetigen Weg
mit ζ(0) = z0 und ζ(1) = z1miteinander verbinden. Wir betrachten nun die stetige Funktion
.Nun wählen wir
maximal, so dass
![t \in [0, t_*]](http://upload.wikimedia.org/math/e/8/c/e8cff7fd71a25a844a61d5d7168c04fe.png)
gilt. Wäre t * < 1 erfüllt, so gäbe es es wegen Teil 2.) ein
, so dass

richtig ist – denn f ist lokal konstant. Dieses steht im Widerspruch zur Wahl von t * . Somit folgt t * = 1 und schließlich
q.e.d.
[Bearbeiten] Definition 5
- Die auf dem Gebiet Ω holomorphe Funktion

- heißt komplexe Stammfunktion der Funktion
, falls deren komplexe Ableitung die Identität

- erfüllt. Die Gesamtheit der komplexen Stammfunktionen bezeichnen wir mit
.[Bearbeiten] Bemerkung
Nach Satz 5 sind die komplexen Stammfunktionen auf einem Gebiet
bis auf eine Konstante bestimmt: Ist
eine komplexe Stammfunktion von
, so wird die Gesamtheit aller komplexen Stammfunktionen gegeben durch
mit einer Konstante
.[Bearbeiten] Satz 6 (Komplexe Substitutionsregel)
- Sei die holomorphe Funktion
auf dem Gebiet
mit der stammfunktion
gegeben. Weiter sei der differenzierbare Weg
mit dem Anfangspunkt ζ(0) = z0 und dem Endpunkt ζ(1) = z1 beliebig in Ω gewählt. Dann gilt
.- Der Wert des Integrals hängt also nur von dem Anfangs- und Endpunkt – aber nicht vom gewählten Weg – ab.
[Bearbeiten] Beweis
Mit hilfe der komplexen kettenregel und des fundamentalsatzes der Differential- und integralrechnung ermitteln wir:

.q.e.d.
[Bearbeiten] Satz 7 (Substitutionsregel)
- Wir betrachten eine reellwertige Kurve
,- definiert auf einem kompakten Intervall mit den Grenzen
und wir setzen als Bildpunkte
sowie
. Weiter wählen wir ein Intervall
mit den Grenzen
, welches die Inklusion
erfüllt. Dann haben wir für jede stetige Funktion
die Identität
.[Bearbeiten] Beweis
Die Funktion
besitzt das uneigentliche Integral

als Stammfunktion. Wie im Beweis zu Satz 6 integrieren wir jetzt die Ableitung der Komposition
,nämlich
![f(\xi(t)) \cdot \xi'(t), \quad t \in [\alpha, \beta]](http://upload.wikimedia.org/math/6/1/c/61c06d56ef1ebbbdeb1e43e834cf63ad.png)
und erhalten
.Wählen wir nun speziell
![\xi(t):=x, \quad x\in[a,b]](http://upload.wikimedia.org/math/4/b/3/4b368ed4e5328c67694007ce2de39564.png)
in (18), so erhalten wir
.Aus den Identitäten (18) und (19) folgt die Substitutionsregel (17).
q.e.d.
[Bearbeiten] Satz 8 (Reelle Stammfunktionen)
- Zur Bestimmung von reellen Stammfunktionen sind die folgenden Aussagen richtig:
- 1. Unbestimmte Linearitätsregel: Seien
beliebige Funktionen und die Skalare
gewählt, so gilt
- 1. Unbestimmte Linearitätsregel: Seien
.-
- 2. Unbestimmte partielle Integration: Für beliebige Funktionen
gilt
- 2. Unbestimmte partielle Integration: Für beliebige Funktionen

-
- 3. Unbestimmte Substitution: Wir betrachten eine reellwertige Funktion
,-
- welche auf einem kompakten Intervall mit den Grenzen
definiert ist. Weiter wählen wir ein Intervall P: = [A,B] mit den Grenzen
, welches die Inklusion
erfüllt. Dann haben wir für jede stetige Funktion
die Identität
- welche auf einem kompakten Intervall mit den Grenzen

[Bearbeiten] Beweis
Nach Satz 3 ist die stammfunktion einer stetigen funktion bis auf eine Konstante bestimmt und sie kann durch das unbestimmte Integral aus Satz 4 berechnet werden. Somit liefern der Satz 2 aus §4 und die Sätze 2 sowie 7 über bestimmte Integrale durch differentiation nach der oberen Grenze die angegebenen rechenregeln. Zum Beispiel wird die Regel für die unbestimmte partielle Integration aus der identität (5) mit der oberen Grenze b = x, nämlich
,
gewonnen.
q.e.d.
[Bearbeiten] Satz 9 (Integration von Potenzreihen)
- Die Potenzreihe

- mit den komplexen Koeffizienten
konvergiere in der Kreisscheibe
mit dem festen Konvergenzradius
. Dann ist die Gesamtheit der Stammfunktionen von f gegeben durch

- mit einer Integrationskonstante
.
[Bearbeiten] Beweis
Ebenso wie im Beweis zu Satz 15 in §3 zeigt man mit dem Wurzelkriterium die Konvergenz der gliedweise integrierten Reihe
.Nach Satz 15 aus §3 stellt die angegebene Potenzreihe eine holomorphe Funktion in KR dar und gliedweise Differentiation ergibt
.Nach Satz 15 aus §3 stellt die angegebene Potenzreihe eine holomorphe Funktion in KR dar und gliedweise Differentiation ergibt
.q.e.d.
[Bearbeiten] Bemerkungen
- Um allgemeiner für beliebige holomorphe Funktionen eine komplexe Stammfunktion zu bestimmen, benötigen wir die Theorie der Kurvenintegrale, welche von A. Cauchy begründet wurde.
- Im folgenden werden wir einfach von Stammfunktionen sprechen, wenn aus dem Zusammenhang klar ist, ob es sich um reelle oder komplexe Stammfunktionen handelt.
[Bearbeiten] Die Taylorsche Formel (§6)
[Bearbeiten] Definition 1
- Sei
eine differenzierbare Funktion
auf dem offenen Intervall
mit den Grenzen
. Ist
wiederum eine differenzierbare Funktion auf I mit der Ableitung
, so nennen wir f 2-mal differenzierbar auf I. Entsprechend erklären wir die k-malige Differenzierbarkeit induktiv. Für eine k-mal differenzierbare Funktion f bezeichnen wir deren Ableitungen 0-ter bis k-ter Ordnung mit

- Hierbei ist
gewählt worden. Eine k-mal differenzierbare Funktion nennen wir k-mal stetig differenzierbar, wenn die k-te Ableitung

- eine stetige Funktion auf I darstellt.
[Bearbeiten] Definition 2
- Mit den Bezeichnungen aus Definition 1 erklären wir den Vektorraum der k-mal stetig differenzierbaren Funktionen auf dem offenen Intervall I (oder kurz den
-Raum) wie folgt:
.- Die Verknüpfungen hatten wir bereits im Raum
in Definition 6 aus §1 erklärt. Falls m = 1 gilt, schreiben wir kurz
. Falls m = 2 ist, setzen wir
und verwenden im Bildraum die komplexe Multiplikation. Unter der Menge

- verstehen wir den Vektorraum der beliebig oft differenzierbaren Funktionen auf dem Intervall I – oder kurz den
-Raum.
Mit den Differentiationsregeln aus §3 und den Stetigkeitsaussagen in §1 prüft man leicht nach, dass diese Funktionenräume mit den angegebenen Verknüpfungen Vektorräume sind.
[Bearbeiten] Definition 3
- Seien die Intervallgrenzen
für das Intervall I in Definition 1 gegeben und
. Dann erklären wir den Vektorraum der k-mal stetig differenzierbaren Funktionen auf dem kompakten Intervall
oder kurz den
-Raum wie folgt:

.- Die Verknüpfungen haben wir im Raum
in Definition 6 aus §1 erklärt. Falls m = 1 gilt, schreiben wir kurz
. Falls m = 2 ist, setzen wir
und verwenden im Bildraum die komplexe Multiplikation.
Auch hier prüft man sofort die Vektorraumeigenschaften mit Hilfe der Stetigkeitsaussagen aus §1 nach.
Wir wollen nun die Taylorsche Formel und die Taylorsche Reihe behandeln, die wir dem englischen Mathematiker B. Taylor verdanken. Mit der Taylorschen Formel können wir Ck-Funktionen durch Polynome (k − 1)-ten Grades so approximieren, dass die Abweichung kontrolliert werden kann. Wir wählen als Entwicklungspunkt
sowie den Konvergenzradius
und wir betrachten im Intervall I: = (x0 − r,x0 + r) die konvergente Potenzreihe

mit den reellen Koeffizienten
für alle
.Gemäß Satz 15 aus §3 können wir nun diese Reihe beliebig oft differenzieren und der Konvergenzradius r bleibt dabei erhalten! Für die m-te Ableitung ermitteln wir
,wobei
durchläuft. Wir setzen jetzt in (3) x = x0 ein und berechnen
.Somit sind die Koeffizienten der Potenzreihe durch

eindeutig bestimmt. Wir nennen letztere die Taylorkoeffizienten der Potenzreihe (2). Setzen wir sie in die Potenzreihe ein, so erhalten wir die Taylorreihe
.Zu einem vorgegebenen Differenzierbarkeitsgrad
gehen wir jetzt von einer Funktion

aus. Diese ist n-mal stetig differenzierbar in I: = (x0 − r,x0 + r) mit stetig fortsetzbaren Ableitungen der Ordnungen
auf das kompakte Intervall
vom endlichen Radius
. Wir erklären das Taylorpolynom (n − 1)-ten Grades an der Stelle x0 mittels
,indem wir die Taylorreihe beim Term n-ter Ordnung abbrechen. Nun betrachten wir die Taylorsche Identität

mit dem Restglied n-ter Ordnung Rn(x,x0). Da dieses die Abweichung zwischen der Cn-Funktion f und dem Taylorpolynom (n − 1)-ten Grades misst, wollen wir es genauer bestimmen: Hierzu führen wir die Hilfsfunktion

der Regularitätsklasse
ein. Dann beachten wir die Randwerte

sowie
.Die Hilfsfunktion (10) differenzieren wir wie folgt:



Ferner verwenden wir die Funktion
mit
und Ψ'(λ) = − nλn − 1.Wir ziehen jetzt den Mittelwertsatz der Differentialrechnung heran und mit Hilfe der Identitäten (11) – (14) ermitteln wir

mit einem
. Damit ist der folgende Satz bewiesen:
[Bearbeiten] Satz 1 (Taylorsche Formel)
- Die Funktion f aus (7) auf dem Intervall I vom Differenzierbarkeitsgrad
besitzt die Darstellung
.- Dabei ist im Lagrangeschen Restglied

- der Zwischenwert
– nach dem Mittelwertsatz – geeignet zu wählen.
[Bearbeiten] Satz 2 (Taylorsche Reihe)
- Genau dann ist die Funktion
im Punkt x0 in ihre taylorreihe (6) entwickelbar, wenn für alle
das Langrangesche Restglied die beziehung

- erfüllt.
[Bearbeiten] Beweis
Dieser folgt sofort aus Satz 1.
q.e.d.
[Bearbeiten] Bemerkung
Wir werden in §1 des nächsten Kapitels eine
-Funktion kennen lernen, welche nicht in ihre Taylorreihe entwickelt werden kann.
[Bearbeiten] Definition 4
- Eine konvexe Funktion ist ein Element der Menge
.[Bearbeiten] Satz 3
- Für eine konvexe Funktion
haben wir folgende Aussagen:
- 1. Die Ungleichung
für alle
ist erfüllt, d. h. f ist superlinear. - 2. Es gilt die Jensensche Ungleichung
- 1. Die Ungleichung

-
- für alle
und
mit
.
- für alle
[Bearbeiten] Beweis
1. Auf die konvexe Funktion f wenden wir die Taylorsche Formel vom Differenzierbarkeitsgrad 2 mit dem Lagrangeschen Restglied an. Für alle
finden wir ein
, so dass die Ungleichung

richtig ist, da nach Voraussetzung
für alle
gilt.
2. Wir wenden nun den ersten Teil auf
sowie x: = xj an und erhalten die Ungleichungen
für
.Multiplikation mit λj und Summation liefert

,wenn wir
beachten.
q.e.d.
[Bearbeiten] Definition 5
- Eine konkave Funktion ist ein Element der Menge
.