Kurs:Analysis I/Kapitel III: Die elementaren Funktionen/§2 Die trigonometrischen Funktionen
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[Bearbeiten] Definition 1
- Für alle
erklären wir die Cosinusfunktion
,- sowie die Sinusfunktion
.[Bearbeiten] Hilfssatz 1
- Für alle
gilt sinx > 0.
[Bearbeiten] Beweis
Für alle
mit
ist die Abschätzung


richtig. Wegen
usw. für
sind nämlich alle alle Summanden positiv.
q.e.d.
[Bearbeiten] Hilfssatz 2
Es gilt
.
[Bearbeiten] Beweis
Wir ermitteln


An der Stelle x = 2 folgt wegen
usw. die Behauptung
.
q.e.d.
[Bearbeiten] Hilfssatz 3
- Die Gleichung cosx = 0 besitzt für
genau eine Lösung.
[Bearbeiten] Beweis
Zuerst weisen wir die Existenz einer Lösung
nach. Es ist cos0 = 1 > 0 erfüllt und gemäß Hilfssatz 2 gilt
. Nach dem Zwischenwertsatz von Bolzano-Weierstraß aus §1 in Kapitel II existiert ein
mit cosξ = 0. Wir zeigen jetzt die Eindeutigkeit der Lösung. Gemäß Hilfssatz 2 gilt
, für alle 0 < x < 2Somit ist die Cosinusfunktion streng monoton fallend im Intervall
, wie der Mittelwertsatz der Differentialrechnung lehrt. Damit ist ξ die einzige Nullstelle von
im Intervall
.
[Bearbeiten] Definition 2
- Für die gemäß Hilfssatz 3 existierende kleinste positive Nullstelle
der Cosinusfunktion
setzen wir
.[Bearbeiten] Satz 1
- Die Funktion
vermöge
ist im Intervall
streng monoton steigend und wir haben
und
.
[Bearbeiten] Beweis
Mit der Definition 2 ergibt sich
für alle
.Da die Cosinusfunktion gerade ist, folgt auch für
die Ungleichung cosx > 0. Also gilt
für alle 
und somit ist f im Intervall
streng monoton wachsend. Formel (12) liefert

und zusammen mit Hilfssatz 1 folgt
sowie
.q.e.d.
[Bearbeiten] Bemerkungen
Für die Exponentialfunktion gilt

und somit folgt
für alle
.[Bearbeiten] Satz 2
- Die Funktionen (1) und (2) sind holomorph und es gilt
und
für alle
.- Sie sind darstellbar durch die konvergenten Potenzreihen

- und
.- Sie sind miteinander verknüpft durch die Eulersche Formel (3) und es gilt die Identität
.- Schließlich geben wir die Gesamtheit der Stammfunktionen an
und
mit
.[Bearbeiten] Beweis
1. Für alle
gilt
.Analog zeigt man
.
2. Da die komplexe Exponentialfunktion eine konvergente Potenzreihe in
darstellt, müssen nach Definition 1 auch die Sinus- und Cosinusfunktion dort durch eine konvergente Potenzreihe gegeben sein. Deren Koeffizienten bestimmen wir mit den Überlegungen in §6 von Kapitel II als Taylor-Koeffizienten ihrer Einschränkung auf die reelle Achse
. Eben diese reellen Taylor-Reihen kennen wir schon aus (10) bzw. (11). Also stellen die Reihen (18) und (19), welche nach Satz 14 aus Kapitel I in
absolut konvergieren, die entsprechenden trigonometrischen Funktionen dar.
3. Nach Formel (12) gilt die Identität (20) bereits für alle reellen Argumente. Zumal die angegebene Funktion aus (20) in eine konvergente Potenzreihe in
entwickelbar ist, liefert der nachfolgende Satz – spezialisiert auf einfache Reihen – die angegebene Identität.
4. Die Stammfunktionen verifizieren wir sofort mit den obigen Differentiationsregeln.
q.e.d.
[Bearbeiten] Satz 3 (Identitätssatz für Doppelreihen)
- Es sei in
die absolut konvergente Doppelreihe
für 
- mit den Koeffizienten
für
gegeben. Wenn auf der reellen Ebene
verschwindet, so folgt die Identität
für alle
. Stimmen also zwei durch absolut konvergente Doppelreihen dargestellte Funktionen auf der reellen Ebene
überein, so ist dieses auch auf der komplexen Ebene
der Fall.
[Bearbeiten] Beweis
Wie in §6 von Kapitel II differenzieren wir die Doppelreihe (23)
mal reel nach x1 sowie
mal reel nach x2 und erhalten
.Setzen wir dann die Stelle x1 = 0 = x2 ein, so folgt
bzw.
für alle Indices
.Der Potenzreihendarstellung (23) entnehmen wir schließlich die Behauptung.
q.e.d.
[Bearbeiten] Satz 4
- Für alle
gelten die Additionstheoreme:
und
.- Desweiteren gelten für alle
folgende Duplikationsformeln:

.[Bearbeiten] Beweis von (26) und (27)
Wegen Satz 3 reicht es aus, die Additionstheoreme nur für reelle Argumente nachzuweisen – zumal die darin erscheinenden Funktionen in absolut konvergente Doppelreihen entwickelbar sind. Mit der Funktionalgleichung der Exponentialfunktion berechnen wir für alle
:


.Der Vergleich von Real- und Imaginärteil liefert die o. a. Additionstheoreme.
[Bearbeiten] Beweis von (28) und (29)
Wir setzen in (26) z1 = z2 = z ein und erhalten
.Analog folgt aus (27) die Duplikationsformel (29).
q.e.d.
[Bearbeiten] Bemerkungen
Sehr praktisch zum Integrieren sind die Identitäten
und
,welche man leicht nachweist.
[Bearbeiten] Satz 5 (Phasenverschiebung)
- Für alle
gelten
und
.[Bearbeiten] Beweis
Mit dem Additionstheorem (27) erhalten wir
.Setzen wir in diese Identität
mit
, so folgt
.q.e.d.
[Bearbeiten] Satz 6
- Die Funktion
vermöge
ist im Intervall
streng monoton fallend und es gilt cos0 = 1 und cosπ = − 1.
[Bearbeiten] Beweis
Nach Satz 5 ist die Identität
mit ![x \in [0,\pi]](http://upload.wikimedia.org/math/e/d/0/ed0d5fb967bb60be6166d88803441d2f.png)
gültig. Damit können wir alle Aussagen dem obigen Satz 1 entnehmen.
q.e.d.
[Bearbeiten] Hilfssatz 4
- Alle Lösungen von der Gleichung expz = 1 mit
sind in der Form z = 2kπi mit
darstellbar.
[Bearbeiten] Beweis
Der Formel (16) entnehmen wir, dass die angegebenen komplexen Zahlen die Gleichung lösen. Sei nun umgekehrt z = x + iy mit
eine Lösung der Gleichung
,so folgt
und damit x = 0. Wir ermitteln

und wählen
so, dass
erfüllt ist. Nach Satz 1 folgt aus der Bedingung sint = 0 dann t = 0 und wir finden y = 2kπ bzw. z = 2kπi, wie es oben behauptet wurde.
q.e.d.
[Bearbeiten] Satz 7 (Periodizität der Exponentialfunktion)
- Die komplexe Exponentialfunktion hat die Periode 2πi. Die Gleichung expw = expz mit
ist genau dann erfüllt, falls w − z = 2kπi mit geeignetem
gültig ist.
[Bearbeiten] Beweis
Seien
mit ew = ez, so ist äquivalent ew − z = 1 erfüllt. Gemäß Hilfssatz 4 bedeutet dieses w − z = 2kπi mit geeignetem
.
q.e.d.
[Bearbeiten] Satz 8
- Die Komplexen trigonometrischen Funktionen cosz und sinz haben die Periode 2π. Alle komplexen Nullstellen von cosz sind durch
und von sinz durch kπ mit
gegeben.
[Bearbeiten] Beweis
Für alle
und
gilt nach Hilfssatz 4 für die Cosinusfunktion
.Wir berechnen jetzt alle Nullstellen der Cosinusfunktion. Für alle
gilt



.Die angegebenen Eigenschaften der Sinusfunktion ergeben sich aus der Phasenverschiebung gegenüber der Cosinusfunktion.
q.e.d.
[Bearbeiten] Definition 3
- Für alle
erklären wir die Tangensfunktion

- und für alle
erklären wir die Cotangensfunktion
.[Bearbeiten] Satz 9
- Die Funktionen aus Definition 3 sind holomorph in ihren Definitionsbereichen und es gilt
für
und
,
für
und
.[Bearbeiten] Beweis
Die komplexen trigonometrischen Funktionen (35) und (36) sind holomorph, da sie als Quotient holomorpher Funktionen definiert sind. Für alle
und
mit
gilt
.Für alle
und
mit
berechnen wir
.[Bearbeiten] Satz 10 (Additionstheorem für tan und cot)
- Für alle
gilt
.- Für alle
gilt
.[Bearbeiten] Beweis
Für alle
gilt

.Analog beweisen wir (40).
q.e.d.
[Bearbeiten] Satz 11
- Für alle
mit
haben wir
.[Bearbeiten] Beweis
Mit Hilfe von Satz 5 berechnen wir
.q.e.d.
Wir wollen schließlich die reelle Tangens- und Cotangensfunktion untersuchen.
[Bearbeiten] Satz 12
- Die Funktion
vermöge
ist im Intervall
streng monoton steigend. Diese Funktion ist ungerade, erfüllt tan0 = 0 und besitzt folgendes asymptotische Verhalten:
und
.[Bearbeiten] Beweis
Wegen (37) gilt
sowie
.Somit ist diese Funktion im Definitionsbereich streng monoton steigend und ungerade mit der Eigenschaft
.Wir ermitteln nun ihr asymptotisches Verhalten
.q.e.d.
[Bearbeiten] Satz 13
- Die Funktion
vermöge
ist im Intervall 0 < x < π streng monoton fallend und es gilt
.[Bearbeiten] Beweis
Wir beachten
für alle 0 < x < π und Satz 12 liefert die angegebenen Eigenschaften.
q.e.d.
[Bearbeiten] Satz 14
- Die Gesamtheit der reellen Stammfunktionen ist gegeben durch

- und

- mit den reellen Integrationskonstanten
.