Kurs:Analysis II/Kapitel IV: Partielle Differentiation für Funktionen mehrerer Veränderlicher/Impliziert definierte Funktionen und restringierte Extremwertaufgaben (§5)
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[Bearbeiten] Beispiel 1
Auf der offenen Menge
sei die Funktion

.Uns interessiert die Frage, ob es eine Funktion
auf einem Intervall
so gibt, dass folgendes gilt:
.Im Falle der Existenz von g erhält man durch Differentiation aus (1)
und somit
für alle
.Die Auflösbarkeit der impliziten Gleichung f(x,y) = 0 in die explizite Funktion x = g(y) erfordert also
für alle
als Bedingung.
[Bearbeiten] Beispiel 2
Auf der offenen Menge

seien die Komponentenfunktionen von
gegeben durch
für
.Dann stellt die Menge

eine Kurve im
dar. Sie entsteht als Durchschnitt der Flächen
für 
mit den Normalenvektoren
, die senkrecht auf den Flächen Fi stehen. Der Tangentialvektor an die Kurve Gamma ist orthogonal zu allen Flächennormalen. Somit hat die Tangente
die Richtung des Kreuzproduktvektors im
, nämlich
. Wollen wir nun die Kurve Γ in der Form

darstellen, so darf die Komponente von
in y-Richtung nicht verschwinden. Es muss also die Bedingung

gelten, wobei wir noch folgendes beachten
.[Bearbeiten] Beispiel 3
Bezeichne M eine
-Matrix und N eine
-Matrix, so betrachten wir die lineare Abbildung
.Wir beachten
genau dann wenn
.Die Auflösung setzt also die folgende Bedingung voraus:
.Allgemein wollen wir jetzt das folgende implizite Gleichungssystem

auflösen. Wir fassen dieses mit Hilfe der Setzungen

zur Gleichung
zusammen, welche zum System (5) äquivalent ist. Die Auflösung des Systems (7) bedeutet eine Abbildung x = g(y) so zu finden, dass f(g(y),y) = 0 gilt. Wie die obigen Beispiele zeigen, ist eine Auflösung im nichtlinearen Fall nur lokal möglich!
[Bearbeiten] Satz 1 (Implizierte Funktionen)
- Voraussetzungen: Seien die natürlichen Zahlen
gewählt. Auf der offenen Menge
sei die Funktion

- gegeben. Ferner sei
ein fester Punkt mit
.- Behauptung: Dann gibt es eine offene Umgebung B von b im
und eine eindeutig bestimmte Abbildung
mit den folgenden Eigenschaften:
- Es sind die Bedingungen g(b) = a und
erfüllt. - Für alle
gilt die Identität f(g(y),y).
[Bearbeiten] Beweis
1. Teil:
Wir erweitern die Abbildung f zu einer Abbildung
vermöge

für
. Nach Voraussetzung gehört F der Klasse
an. Wir berechnen nun
.Für die Funktionaldeterminante von F erhält man
in Ω.Für x = a und y = b gilt also
.2. Teil:
Wir setzen nun
sowie
mit
und
. Nach dem Fundamentalsatz über die inverse Abbildung gibt es eine Umgebung
des Punktes (0,b) und eine Abbildung

mit der Eigenschaft
.Setzen wir nun
vermöge
,so gilt
und
für alle
.Wir erklären eine – im
offene – Umgebung von b durch

und eine Abbildung
vermöge
.Nun folgt
und
für alle
.Die Eindeutigkeit der Abbildung
ist aus der Konstruktion klar.
q.e.d.
[Bearbeiten] Bemerkung
Wir differenzieren das implizite Gleichungssystem

nach den Variablen yk für
. Dann erhalten wir
für
.Wir definieren die Funktionalmatrizen

Wir erhalten nun den folgenden Ausdruck für die Funktionalmatrix der inversen Abbildung

bzw.
.Wir betrachten jetzt restringierte Extremwertaufgaben, die J. L. Lagrange in der Analytischen Mechanik ursprünglich behandelt hat.
[Bearbeiten] Satz 2 (Extrema mit Nebenbedingungen)
- Voraussetzungen: Sei
eine offene Menge mit ihren Punkten
, wobei
gewählt sind. Weiter seien die Funktionen

- und
für 
- gegeben. Außerdem sei z0 ein regulärer Punkt der Mannigfaltigkeit
,- d. h. ihre Funktionalmatrix habe maximalen Rang gemäß
.- Die Funktion Φ nehme im Punkt
ein Extremum unter den Nebenbedingungen fi = 0 mit
an: Es gilt also
oder
für alle
,- wobei
mit einem hinreichend kleinen
erklärt ist. - Behauptung: Dann folgt
, wobei
der von den Vektoren
aufgespannte n-dimensionale Untervektorraum des Vektorraums
ist.
[Bearbeiten] Beweis
Da z0 ein regulärer Punkt von
ist, können wir ohne Einschränkung folgendes annehmen:
.Nun setzen wir

mit
und
. Wir wenden den Satz über implizite Funktionen auf

an. Erklären wir
, dann gibt es eine Umgebung
von b und eine Funktion

mit f(g(y),y) = 0 für alle
. Somit nimmt die Funktion

mit
ein freies Extremum im Punkt y = b an. Damit verschwindet an diesem Punkt der Gradient von Θ und wir erhalten aus (13) durch Differentiation die Identitäten
für
.Wir führen nun die Tangentialvektoren
mittels
für 
ein. Wegen (14) folgt
für
.Somit steht
orthogonal zu den Vektoren
. Ebenso erhalten wir aus den Nebenbedingungen
für 
durch Differentiation nach yk die Gleichungen
für
und
.Somit spannen die n linear unabhängigen Vektoren
den n-dimensionalen Orthogonalraum zu den m linear unabhängigen Vektoren
im
auf. Damit ist die Basisdarstellung

mit geeigneten Skalaren
möglich.
q.e.d.
[Bearbeiten] Bemerkungen
Da die Vektoren
mit
eine Basis des Untervektorraums
bilden, kann man
als deren Linearkombination mittels reeller Skalare
darstellen, so dass folgendes gilt:
.Zur Lösung des Extremwertproblems unter Nebenbedingungen betrachten wir also die Funktion
.Es sind nun die kritischen Punkte z0 mit
zu bestimmen, wobei
zunächst freie, später zu bestimmende Parameter sind. Diese nennt man Lagrangesche Multiplikatoren.