Kurs:Analysis II/Kapitel V: Das Riemannsche Integral im R^n/Uneigentliche Integrale im R^n (§5)
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[Bearbeiten] Definition 1
- Es seien
eine offene Menge und
eine Folge von kompakten Mengen mit
für alle
. Dann vereinbaren wir
bzw.
,- wenn es zu jeder kompakten Menge
eine Zahl
gibt mit der Eigenschaft
für alle
.- In dieser Situation schöpfen die Kompakta
die offene Menge Ω aus. Falls zusätzlich alle Mengen Jm mit
Jordanbereiche sind, sprechen wir von einer Ausschöpfung der offenen Menge Ω durch die Jordanbereiche
.
[Bearbeiten] Definition 2
- Für zwei nichtleere Mengen
ist der Abstand oder auch die Distanz der Mengen A und B durch

- erklärt. Insbesondere definieren wir den Abstand eines Punktes
von der Menge A durch
.[Bearbeiten] Hilfssatz 1 (Distanzlemma)
- Es seien
zwei nichtleere Mengen. Sei A abgeschlossen und K kompakt sowie
erfüllt, dann folgt dist(A,K) > 0.
[Bearbeiten] Beweis
Angenommen, es würde dist(A,K) = 0 eintreten. Dann existieren Punktfolgen
und
mit der Eigenschaft
. Da K beschränkt ist, gibt es nach Satz 3 von Kap. I, §4 eine konvergente Teilfolge
mit
. Da K eine abgeschlossene Menge bildet, folgt
. Wegen
erhalten wir
, denn A ist abgeschlossen. Also gibt es einen Punkt
– im Widerspruch zu
. Somit muss dist(A,K) > 0 richtig sein.
q.e.d.
[Bearbeiten] Hilfssatz 2 (Ausschöpfungslemma)
- Zu jeder offenen Menge
gibt es eine Folge von Jordan-Bereichen
mit
.[Bearbeiten] Beweis
Für festes
betrachten wir den Würfel
.Wir konstruieren eine gleichmäßige Zerlegung von Wm in die Teilquader
der Seitenlänge
gemäß

vom Feinheitsmaß
. Man zeigt leicht, dass die Folge von Jordan-Bereichen

die offene Menge Ω ausschöpft. Offenbar sind
Jordan-Bereiche und es bleibt (1) zu zeigen: Sei
eine beliebige kompakte Menge. Dann existiert nach dem Distanzlemma ein
, so dass der Abstand zwischen K und
die Bedingung
realisiert. Wählen wir nun
so groß, dass die Diagonale des Quaders
eine Länge
besitzt, dann finden wir zu jedem
einen Teilquader
mit
. Also folgt
für alle
.
q.e.d.
[Bearbeiten] Definition 3
- Es seien
eine offene Menge und
eine stetige Funktion. Wenn die Folge der Integrale
für jede die Menge Ω ausschöpfende Folge
von Jordan-Bereichen konvergiert, dannn setzen wir

- als das uneigentliche Riemannsche Integral von f über Ω.
[Bearbeiten] Satz 1 (Existenz des uneigentlichen Integrals)
- Es seien
eine offene Menge und
eine stetige Funktion. Weiter gebe es eine Konstante
, so dass die Ungleichung
für jeden Jordan-Bereich 
- richtig ist. Dann existiert das uneigentliche Integral (3).
[Bearbeiten] Beweis
Wegen Hilfssatz 2 gibt es eine Folge
von Jordan-Bereichen, welche die offene Menge Ω ausschöpft. Ersetzen wir ggf. Jm durch
für
, so können wir ohne Einschränkung

annehmen. Die Folge der Integrale
ist monoton nicht fallend und durch die Konstante
nach oben beschränkt. Somit konvergiert diese und bildet eine Cauchy-Folge. Zu jedem
gibt es eine natürliche Zahl
mit der Eigenschaft
für alle
.Es sei nun
eine beliebige Folge von Jordan-Bereichen, welche die offene Menge Ω ausschöpft. Da die Menge
kompakt ist, gibt es eine Zahl
mit der Eigenschaft
für alle
. Also finden wir zu jedem Indexpaar
ein K > M, so dass die Inklusionsbedingung

erfüllt ist. Somit folgt die Abschätzung

Daher bildet
eine Cauchy-Folge und ist konvergent. Schließlich existiert der Grenzwert
.
q.e.d.
[Bearbeiten] Satz 2
- Es sei
eine Folge stetiger Funktionen auf dem Jordan-Bereich
, die gleichmäßig gegen die Funktion f konvergiere. Dann gilt
.[Bearbeiten] Definition 4
- Eine Folge stetiger Funktionen
konvergiert kompakt gleichmäßig, wenn für jede kompakte Teilmenge
die eingeschränkten Funktionen
auf K gleichmäßig konvergieren.
[Bearbeiten] Satz 3 (Konvergenzsatz für uneigentliche Riemann-Integrale)
- Auf einer offenen Menge
sei eine Folge stetiger Funktionen
für 
- gegeben, die auf jeder kompakten Menge
gleichmäßig gegen eine stetige Funktion
konvergiert. Weiter habe diese Funktionenfolge eine integrierbare, stetige Majorante

- erfüllt ist. Dann existiert das uneigentliche Integral
und es gilt die Identität
.[Bearbeiten] Beweis
Aus (12) folgt
für alle
und Satz 1 impliziert die Existenz des uneigentlichen Integrals
für
sowie
. Zu jedem
existiert eine kompakte Teilmenge
mit der Eigenschaft
für alle 
sowie

Da die Funktionen
für
gleichmäßig gegen
konvergieren, gibt es nach Satz 2 eine natürliche Zahl
mit der folgenden Eigenschaft:
für alle
.Insgesamt erhalten wir für alle
die Abschätzung

bei beliebigem
. Damit ist die obige Identität (13) gezeigt.
q.e.d.
[Bearbeiten] Satz 4 (Oszillierende Integrale)
- Es sei der Exponent
gewählt. Wenn die stetige Funktion
eine beschränkte Stammfunktion
besitzt, so existiert das uneigentliche Integral
.[Bearbeiten] Beweis
Für alle x > 1 erhalten wir die Identität
![\int^x_1 \frac{f(t)}{t^\beta}\, dt = \int^x_1 t^{-\beta} \cdot f(t)\, dt = [t^{-\beta} \cdot F(t)]^x_{t = 1} + \beta \cdot \int^x_1 \frac{F(t)}{t^{\beta + 1}}\, dt](http://upload.wikimedia.org/math/f/d/8/fd8464331826cdd98883d3f38947e407.png)
mittels partieller Integration. Da die Funktion F beschränkt ist gemäß
mit einer Konstante c > 0,so ermitteln wir
.Weiter entnehmen wir obigem Beispiel 1 die Abschätzung
.Somit existiert das uneigentliche Integral
.q.e.d.
[Bearbeiten] Satz 5 (Transformationsformel für mehrfache Integrale)
- Zu einer festen Dimension
seien
offene Mengen und
vermöge 
- eine bijektive Abbildung mit den Eigenschaften
und
für alle
.- Wenn für die stetige Funktion
das uneigentliche Integral
existiert, dann gilt die Transformationsformel
.[Bearbeiten] Beweis
Der Beweis wird in §6 geführt.
[Bearbeiten] Definition 5
- Die stetige Funktion

- auf dem offenen Intervall I: = (a,b) mit
definiert eine Ck-Kurve
. Dabei haben wir die Raumdimension
und den Differenzierbarkeitsgrad
fest gewählt. Im Falle k = 0 sprechen wir von einer stetigen Kurve; für
erhalten wir eine differenzierbare Kurve. Letztere nennen wir eine reguläre Kurve, falls die folgende geometrische Regularitätsbedingung erfüllt ist:
für alle
.Betrachten wir eine beliebige Zerlegung
in I gemäß
![\begin{matrix} \mathcal{Z}: a < t_0 < t_1 < \ldots < t_{N - 1} < t_N < b\text{ in }N \in \mathbb{N}\text{ Teilintervalle }[t_{k - 1}, t_k] \mathrm{\ f\ddot ur\ } \\ k = 1, \ldots, N \text{ mit } \bigcup_{k = 1}^N [t_{k - 1}, t_k] = [t_0, t_N] \subset \subset (a, b), \end{matrix}](http://upload.wikimedia.org/math/0/c/e/0ce0bbec988c00f872533f7d259f2e6a.png)
dann beschreibt
die Länge des zugehörigen Polygonzuges durch die Punkte
.
[Bearbeiten] Definition 6
- Unter der Länge der Kurve
verstehen wir die Größe
.- Falls
ausfällt, sprechen wir von einer rektifizierbaren Kurve.
[Bearbeiten] Satz 6 (Bogenlänge)
- Es sei durch
eine rektifizierbare C1-Kurve
gegeben. Dann können wir deren Länge durch das folgende uneigentliche Integral der Bogenlänge berechnen:
.[Bearbeiten] Beweis
1. Wir betrachten eine beliebige Zerlegung
im Intervall I gemäß (21). Die Länge des zugehörigen Polygonzuges im
entnehmen wir der Identität

unter Anwendung des Mittelwertsatzes der Differentialrechnung auf jede Komponente fμ für
. Wir führen die Riemann-integrierbare Funktion

ein und erhalten
.2. Wählen wir nun eine Folge von Zerlegungen
in I mit den zugehörigen Funktionen
, so dass

erreicht wird. Wegen der gleichmäßigen Stetigkeit der Ableitungsfunktion
auf jedem kompakten Intervall von I konvergiert dort die Folge
gleichmäßig gegen die stetige Funktion
.Zumal wir eine konvergente Majorante angeben können liefert obiger Satz 3

und die Identität (23) ist gezeigt.
q.e.d.
[Bearbeiten] Bemerkungen
1. Es sei
eine äquivalente Darstellung der Kurve
mit der bijektiven Parametertransformation
der Klasse
mit t'(τ) > 0 für alle
. Dann liefert die eindimensionale Transformationsformel
.Folglich ist für reguläre Kurven die Länge invariant unter Parametertransformation.
2. Beschreibt man in einem Zylindermantel

Polyederflächen P ein und misst deren elementargeometrischen Flächeninhalt | P | , so wird das Supremum unendlich gemäß
.Diese erstaunliche Beobachtung verdankt man H. A. Schwarz. Sie macht eine einfache Übertragung von Definition 6 auf die höherdimensionale Situation der Flächenmessung unmöglich.