Völkerrecht (Forschung)
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[Bearbeiten] Aktuelle Forschung: From Apology to Utopia
Die Dissertation von Martti Koskenniemi, erstmals im Jahr 1989 in einem völlig unbekannten finnischen Verlag erschienen, gehörte wohl bis vor kurzem zu den meistgesuchten völkerrechtlichen Werken des 20. Jahrhunderts. Glücklich, wer sich noch das abgegriffene Exemplar einer Bibliothek kopieren konnte, bevor es ganz verschwand oder sich auflöste. Im Jahr 2005 hat sich Cambridge University Press zu einer Neuauflage entschlossen, ergänzt durch einen ca. 50-seitigen Epilog des Verfassers (ISBN 0-521-54696-6).
In dem Werk setzt sich Koskenniemi mit der angeblichen "Objektivität" rechtlicher Argumentationen im Völkerrecht auseinander. In der ursprünglichen Fassung des Werks bearbeitete er das Völkerrecht gründlich mit den Methoden des critical legal scholarship, unterzog es insbesondere einer Ideologiekritik, und kam nach einem umfassenden Streifzug durch die Völkerrechtsgeschichte sowie grundlegende dogmatische Begriffe (Souveränität, Rechtsquellen, Gewohnheitsrecht) zu dem Schluss, dass das Völkerrecht durch eine radikale Indeterminiertheit gekennzeichnet sei: Je nachdem, ob man in argumentativ zulässiger Weise eher auf Fakten oder normative Ideen abstelle, könne man praktisch jedes beliebige Ergebnis herbeiführen. Diesem eher düsteren Ausblick setzt der neue Epilog die Hoffnung entgegen, dass eine "culture of formalism" eine "grammar of international law" herausbilden möge, womit Regeln eines fairen Diskurses gemeint sind, mit deren Hilfe der völkerrechtliche Diskurs sich vor hegemonialer Vereinnahmung schützen könnte.
Die Neufassung von "FATU" ist Gegenstand einer lesenswerten Debatte in der Ausgabe 12/2006 des German Law Journals.