Zahlentheorie (Osnabrück 2008)/Probeklausur mit Lösungen
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Dauer: Zwei volle Stunden + 10 Minuten Orientierung, in der noch nicht geschrieben werden darf. Hilfsmittel: Erlaubt ist lediglich ein DinA4-Blatt (zweiseitig) mit beliebigem Inhalt. Kein Taschenrechner etc. Alle Antworten sind zu begründen. Es gibt insgesamt 64 Punkte. Zum Bestehen braucht man 16 Punkte und für eine Eins braucht man 32 Punkte. Viel Glück!
Aufgabe (4 Punkte)
.
Lösung
Wir berechnen Schritt für Schritt das Legendre-Symbol.
Also ist 1117 kein Quadratrest modulo 1861.
Aufgabe (4 Punkte)
Bestimme in
mit Hilfe des euklidischen Algorithmus den größten gemeinsamen Teiler von 23 + 2i und 1 + 23i.
Lösung
Wir multiplizieren die zweite Zahl mit der Einheit − i und erhalten 23 − i. Damit ist
- 23 + 2i = 1(23 − i) + 3i .
.
- 3 = (2 − i) + 1 + i
- (2 − i) = (1 + i)(1 − i) − i ,
Aufgabe (5 Punkte)
Finde ein primitives Element in
und in
. Man gebe ferner ein Element der Ordnung 10 und ein Element der Ordnung 11 in
an. Gibt es Elemente der Ordnung 10 und der Ordnung 11 auch in
?
Lösung
In
betrachten wir das Element 2. Die Ordnung von 2 ist ein Teiler von 10. Es ist
und
, so dass die Ordnung 10 ist, also ist 2 primitiv.
Wir betrachten 2 in
. Dieser Ring hat 110 Einheiten, also ist die Ordnung von 2 ein Teiler von 110. Andererseits folgt aus
, dass auch
ist. Dann muss k ein Vielfaches von 10 sein. An möglichen Ordnungen bleiben also k = 10 oder k = 110. Es ist
. Also ist die Ordnung 110 und 2 ist primitiv modulo 121.
Damit hat 210 = 56 die Ordnung 11 und 211 = 112 hat die Ordnung 10.
ist ein Körper und die Einheitengruppe ist zyklisch der Ordnung 120. Daher gibt es dort Elemente der Ordnung 10, aber nicht der Ordnung 11.
Aufgabe (6 Punkte)
Sei
der quadratische Zahlbereich zu D = 14. Berechne zu
Lösung
Es ist
.
p = 5:
. Hier ist X2 − 4 = (X − 2)(X + 2), es liegt also der zerlegte Fall vor. Den zwei Primidealen im Restklassenring entsprechen die Primideale
und 
und es ist
.
p = 7:
. Hier liegt also der verzweigte Fall vor. Dem Primideal im Restklassenring entspricht das Primideal
.
Für den Zähler betrachten wir
.
Für p = 13 ergibt sich:
. Hier liegt also wieder der zerlegte Fall vor, X2 − 1 = (X − 1)(X + 1). Also liegen darüber die Primideale
und 
und es ist
. Wir müssen nun bestimmen, ob
zu
oder zu
gehört. Eine direkte Rechnung ergibt
, so dass
vorliegt. Damit ist insgesamt
.
Aufgabe (3 Punkte)
Sei p eine ungerade Primzahl. Begründe unter Verwendung der Tatsache, dass die Einheitengruppe
zyklisch ist, dass − 1 ein Quadratrest modulo p genau dann ist, wenn
ist.
Lösung
Siehe [[Quadratreste/-1/Fakt mit Beweisklappe|]].
Aufgabe (3 Punkte)
Man gebe ein Polynom
an, das nicht zu
gehört, aber die Eigenschaft besitzt, dass für jede ganze Zahl n gilt:
.
Lösung
Betrachte das Polynom
. Die Koeffizienten liegen in
, aber nicht in
. Wenn man in dieses Polynom eine ganze Zahl n einsetzt, so ist genau eine der Zahlen n und n − 1 gerade. Also ist
ganzzahlig.
Aufgabe (3 Punkte)
Sei p eine Primzahl, q = pe mit
und sei
der Körper mit q Elementen und
der Polynomring darüber. Zeige, dass jeder Restklassenring
zu einem Ideal
endlich ist.
Lösung
Sei
ein Ideal. Der Polynomring über einem Körper ist ein Hauptidealbereich, daher ist
mit einem Polynom
. Man kann annehmen, dass P normiert ist, dass also der Leitkoeffizient 1 ist. Dann ist
.
ausdrücken, d.h. die Potenzen
bilden ein
-Erzeugendensystem (sogar eine Basis) dieser
-Algebra. Damit liegt ein endlich-dimensionaler Vektorraum über einem endlichen Körper vor, und dieser hat nur endlich viele Elemente.
Aufgabe (2 Punkte)
Bestimme einen Erzeuger für das gebrochene Ideal
, das durch die rationalen Zahlen
Lösung
Wir bringen die drei Brüche auf einen Hauptnenner, was
,
, 
erzeugt.
Aufgabe (2 Punkte)
Man gebe eine vollständige Liste aller kommutativer Ringe mit 6 Elementen.
Lösung
Sei R ein kommutativer Ring mit sechs Elementen und sei
der kanonische Ringhomomorphismus, der 1 auf 1 schickt. Die (additive) Ordnung der 1 in R (also die Charakteristik von R) ist ein Teiler von 6. Die Ordnung eins ist nicht möglich, das wäre der Nullring. Bei Ordnung 2 (oder 3) wäre R eine
- (bzw.
-)Algebra, also insbesondere ein Vektorraum über diesem Körper. Dann müsste aber die Anzahl eine Primzahlpotenz sein, was nicht der Fall ist. Also ist die Ordnung 6 und der kanonische Homomorphismus ist surjektiv, also
, und dies ist der einzige kommutative Ring mit sechs Elementen.
Aufgabe (4 Punkte)
Berechne explizit die Diskriminante des quadratischen Zahlbereichs A − 7. Stelle die Multiplikationsmatrix bezüglich einer geeigneten Basis für das Element
Lösung
Eine
-Basis von A − 7 ist gegeben durch 1 und
. Die vier Produkte sind demnach 1,
(zweimal) und
. Die Spuren davon sind 2, 1 (zweimal) und − 3. Daher ist die Diskriminante gleich
.
wird bezüglich der
-Basis 1 und
durch die Matrix
.
Aufgabe (4 Punkte)
Sei D eine quadratfreie Zahl mit
, und sei AD der zugehörige quadratische Zahlbereich. Man gebe eine Ganzheitsgleichung für
über
an. Man zeige, dass es keine echten Zwischenringe
gibt.
Lösung
Wir behaupten, dass
eine Ganzheitsgleichung ist. In der Tat, es ist
.
. Es ist u = 1 und
eine
-Basis rechts. In dieser Basis drückt sich die
-Basis links, also 1 und
aus als u und 2v − u. Damit ist die Restklassengruppe
und AD, dass
die Nullgruppe oder
ist. Damit ist
oder G = AD.
Aufgabe (4 Punkte)
Lösung
Wir haben zu zeigen, dass für m = 2p − 1 gilt: 2m − 1 = 1 modulo m. Es ist 2p = 2 modulo p nach dem kleinen Fermat. Damit ist m − 1 = 2p − 2 = 0 modulo p. Also ist m − 1 ein Vielfaches von p, sagen wir m − 1 = ap. Wegen 2p = 1 modulo m gilt dann 2m − 1 = (2p)a = 1 modulo m.
Aufgabe (5 Punkte)
Beweise, dass ein faktorieller Integritätsbereich normal ist. Erläutere dabei die relevanten Begriffe.
Lösung
Siehe [[Kommutative Ringtheorie/Faktoriell/ist normal/Fakt mit Beweisklappe|]].
Aufgabe (4 Punkte)
Sei D eine quadratfreie Zahl und sei AD ein quadratischer Zahlbereich. Definiere die Konjugation zu einem Element
und zu einem Element
. Definiere zu einem Ideal
das konjugierte Ideal
und zeige, dass es sich um ein Ideal handelt. Zeige, dass
und
in der Klassengruppe invers zueinander sind.
Lösung
Die Konjugation zu einem Element
ist folgendermaßen definiert: man kann f schreiben als
mit
, und definiert
. Für Elemente aus AD ist die Konjugation genauso definiert.
Zu einem Ideal
setzt man
.
und wegen
.
Nach [[Zahlentheorie/Quadratischer Zahlbereich/Ideal und konjugiertes Ideal/Produktbeschreibung/Fakt|]] ist
Aufgabe (8 Punkte)
Sei K ein Körper und sei
für alle
. Zeige, dass
Lösung
Zuerst zeigen wir, dass R ein Unterring des Körpers K ist. Es ist
. Da ν ein Gruppenhomomorphismus ist, muss ν(1) = 0 sein. Für zwei Elemente
ist
und damit
, da ein Gruppenhomomorphismus vorliegt, und ebenso
nach Voraussetzung, so dass R multiplikativ und additiv abgeschlossen ist. Ferner ist ν( − 1) + ν( − 1) = ν(( − 1)2) = ν(1) = 0, woraus aber ν( − 1) = 0 und somit
folgt. Also gehören auch die Negativen zu R, und somit liegt ein kommutativer Ring vor.
Weiterhin muss R ein lokaler Ring sein. Wir behaupten, dass
ist die Menge additiv abgeschlossen. Für
und
ist
und
und daher
, so dass die Menge abgeschlossen unter Skalarmultiplikation ist. Also liegt ein Ideal vor.
Das Komplement
besteht aus allen Elementen
mit ν(h) = 0. Dann ist aber auch ν(h − 1) = 0 und damit
, d.h. diese Elemente sind alle Einheiten. Daher ist
maximal.
Wir müssen noch zeigen dass ein diskreter Bewertungsring vorliegt. Sei hierzu
ein Element mit ν(p) = 1, was es wegen der vorausgesetzten Surjektivität gibt. Wir wollen zeigen, dass p prim ist. Es gilt generell, dass y ein Vielfaches von x (
) ist genau dann, wenn
ist, da ja die Teilbarkeitsbeziehung zu
äquivalent ist. Aus p | xy,
, folgt nun
und dann muss
oder
sein, so dass eines ein Vielfaches von p ist. Also ist p prim.
Mit dem gleichen Argument folgt, dass jedes Element
mit n = ν(x) assoziiert zu pn ist. Es liegt also ein Hauptidealbereich mit genau den Idealen 0 und (pn),
, vor.
Aufgabe (3 Punkte)
Sei R ein Zahlbereich. Zeige unter Verwendung der Norm, dass jedes Element
,
, eine Faktorisierung in irreduzible Elemente besitzt.
Lösung
Induktion über | N(f) | . Bei | N(f) | = 1 liegt eine Einheit vor und es ist nichts zu zeigen. Sei also
und die Existenz einer Zerlegung in irreduzible Elemente sei für alle g mit N(g) < n schon bewiesen. Wenn f irreduzibel ist, so ist nichts zu zeigen. Andernfalls gibt es eine Zerlegung mit f = gh, wobei | N(g) | , | N(h) | < n sind und daher nach Induktionsvoraussetzung eine Zerlegung in irreduzible Elemente besitzen. Daraus ergibt sich die Zerlegung von f in irreduzible Elemente.











![A_D/\Z[\sqrt{D}] \cong \Z^2/( (1,0), (-1,2)) \cong \Z^2/( (1,0), (0,2)) \cong \Z/(2)](http://upload.wikimedia.org/math/1/7/a/17a8f607c4a2152467fbb51195c6603c.png)



