Zahlentheorie (Osnabrück 2008)/Vorlesung 12
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- Die Abschätzungen von Tschebyschow
Wir wollen in diesem Abschnitt die Abschätzungen von Tschebyschow beweisen, die die Anzahl der Primzahlen unterhalb einer gewissen Zahl sowohl nach oben als auch nach unten abschätzen. Sie stellen eine Vorstufe zum Primzahlsatz von Hadamard und de la Vallée Pousin dar. Ihr Beweis benötigt einige Vorbereitungen.
Definition (Erste Tschebyschow-Funktion)
Die erste Tschebyschow-Funktion
ist gegeben durch
Lemma
Die Tschebyschow-Funktion
genügt der Abschätzung
Beweis
Der Binomialkoeffizient
geteilt, da diese den Zähler, aber nicht den Nenner teilen. Aus der Binomischen Formel ergibt sich die Abschätzung
Insbesondere erhält man für Zahlen x mit
die Abschätzung

Lemma (Identität von Legendre)
Für eine Primzahl p und eine natürliche Zahl n ist
Beweis
Hierzu muss man einfach zählen, wie viele der Zahlen zwischen 1 und n Vielfache von p, wie viele Vielfache von p2 etc. sind. Das ergibt genau die Summe rechts.

Satz (Abschätzungen von Tschebyschow)
Es gibt Konstanten C > c > 0 derart, dass die Primzahlfunktion π(x) für alle x den Abschätzungen
Beweis
Wir betrachten zuerst die Abschätzung nach oben. Für
gilt ln(x) / 2 < ln(p) und somit 2ln(p) / ln(x) > 1. Ferner gilt für
die Abschätzung
und somit
Die Abschätzung ist also mit C = 2 + 8ln(2) erfüllt.
Wir betrachten nun die Abschätzung nach unten. Nach Legendres Identität (Lemma 12.3) ist
Die Summe läuft hierbei bis zum maximalen k mit
, also bis
. Da die einzelnen Summanden der Summe links nur 0 oder 1 sein können, folgt,
ist
und damit
. Wir verwenden dies in der folgenden Aufspaltung und erhalten
Dies ergibt die Abschätzung
für n hinreichend groß. Für x zwischen 2n und 2n + 2 hat man
für eine geeignete positive Schranke N (und für x hinreichend groß). Dann gibt es aber auch eine positive Schranke c mit
für alle
. Aus
wie behauptet.
Korollar
Es ist
Beweis
Nach der Abschätzung von Tschebyschow (Satz 12.4) nach oben gilt

Die Aussage dieses Korollars bedeutet, dass die Wahrscheinlichkeit, dass eine zufällig aus dem Intervall [1,x] gewählte natürliche Zahl prim ist, bei x hinreichend groß beliebig klein ist.
Satz
Es gibt eine reelle Zahl D > 1 derart, dass es für jede natürliche Zahl
zwischen n + 1 und Dn stets eine Primzahl gibt.
Beweis
In Lemma 12.2 und im Beweis zur Abschätzung von Tschebyschow nach unten haben wir gesehen, dass es reelle positive Konstanten b und B gibt mit

In diesem Satz kann man sogar D = 2 erreichen. Dies war von Joseph Bertrand vermutet worden und wurde von Tschebyschow bewiesen.
Satz (Bertrandsches Postulat)
Für jede natürliche Zahl n gibt es eine Primzahl zwischen n + 1 und 2n.
Beweis
Dies werden wir hier nicht beweisen. Die Ausage ist aber prinzipiell mit den in diesem Abschnitt verwendeten Methoden beweisbar.

Ein offenes Problem ist hingegen die Vermutung von Legendre, die besagt, dass es zwischen zwei aufeinanderfolgenden Quadratzahlen, also zwischen n2 und (n + 1)2 stets eine Primzahl gibt.

























