Zahlentheorie (Osnabrück 2008)/Vorlesung 14

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Fermatsche Primzahlen

Definition (Fermatsche Primzahlen)  

Eine Primzahl der Form 2s + 1, wobei s eine positive natürliche Zahl ist, heißt Fermatsche Primzahl.



Lemma  

Bei einer Fermatschen PrimzahlDefinition 2s + 1 hat der Exponent die Form s = 2r mit einem r \in \mathbb N.

Beweis  

Wir schreiben s = 2ku mit u ungerade. Damit ist

 2^{2^ku}+1 =(2^{2^k})^{u} +1 \,  .
Für ungerades u gilt generell die polynomiale Identität (da − 1 eine Nullstelle ist)
 X^{u}+1= (X+1)(X^{u-1}-X^{u-2}+X^{u-3}- \ldots + X^2 - X +1) \,  .
Also ist 2^{2^k}+1 \geq 3 ein Teiler von 2^{2^ku}+1. Da diese Zahl nach Voraussetzung prim ist, müssen beide Zahlen gleich sein, und dies bedeutet u = 1.
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Eine Fermatsche Primzahl ist nach diesem Lemma also insbesondere eine Fermat-Zahl im Sinne der folgenden Definition.


Definition (Fermat-Zahl)  

Eine Zahl der Form 2^{2^r}+1, wobei r eine natürliche Zahl ist, heißt Fermat-Zahl.



Satz

Ein reguläres n-Eck ist genau dann mit Zirkel und Lineal konstruierbar, wenn die Primfaktorzerlegung von n die Gestalt hat

 n=2^\alpha p_1 \cdots p_k \,  ,
wobei die pi verschiedene Fermatsche Primzahlen sind.

Beweis

Dieser Satz wird in einer Vorlesung über Körpertheorie bzw. Galoistheorie bewiesen.

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Konstruktion eines regulären Fünfecks mit Zirkel und Lineal

Es ist unbekannt, ob es unendlich viele Fermatsche Primzahlen gibt. Es ist noch nicht mal bekannt, ob es außer den ersten fünf Fermat-Zahlen

 3,5,17,257,65537 \,
überhaupt weitere Fermat-Zahlen gibt, die prim sind. Der folgende Satz hilft bei der Auffindung von Primteilern, da er die Suche wesentlich einschränkt.



Satz  

Sei F_r=2^{2^r}+1 eine Fermat-ZahlDefinition mit r \geq 2. Dann erfüllt jeder Primfaktor p von Fr die Bedingung

 p= 2^{r+2}a +1 \,
mit einem a \in {\mathbb N}_+.

Beweis  

Sei also p ein Primteiler von F_r=2^{2^r}+1. Dies bedeutet, dass in \Z/(p) die Gleichung

 2^{2^r}=-1 \,
vorliegt. Nach quadrieren ist 2^{2^{r+1} }=1 und die Ordnung von 2 ist 2r + 1 (eine kleinere Ordnung ist nicht möglich, da diese ein Teiler von 2r + 1 sein muss, aber 2^{2^{r} } \neq 1 ist). Diese Ordnung ist ein Teiler von p − 1, woraus folgt, dass p=1 \mod 8 ist. Dies bedeutet nach dem zweiten Ergänzungssatz (Satz 7.9) zum quadratischen Reziprozitätsgesetz, dass 2 ein Quadratrest modulo p ist. Sei x^2=2 \mod p. Dann ist aber die Ordnung von x genau 2r + 2. Nach dem Schluss von eben ist 2r + 2 ein Teiler von p − 1, was p = 2r + 2a + 1 bedeutet.
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Satz  

Zwei verschiedene Fermatsche Zahlen Fm und Fn sind teilerfremd.

Beweis  

Sei m > n. Dann ist

 F_m-2 = 2^{2^m}-1 = (2^{2^n})^{2^{m-n} }-1 \,  .
Hierbei ist 2mn gerade, und daher ist F_n=2^{2^n}+1 ein Teiler von dieser Zahl. Das bedeutet, dass ein gemeinsamer Teiler von Fm und von Fn auch ein Teiler von Fm − 2 ist, also ein Teiler von 2. Da alle Fermat-Zahlen ungerade sind, bleibt nur 1 als gemeinsamer Teiler übrig.
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Bemerkung  

Aus  Satz 14.6 folgt erneut, dass es unendlich viele Primzahlen gibt. Jede Fermatzahl F_r=2^{2^r}+1 hat mindestens einen Primfaktor pr, und diese sind alle verschieden.





Sophie Germain Primzahlen

Definition (Sophie Germain Primzahlen)  

Eine Primzahl p mit der Eigenschaft, dass auch 2p + 1 eine Primzahl ist, heißt Sophie Germain Primzahl.

Beispiele sind (2,5), (3,7), (5,11), (11,23), (23,47), (29,59), etc. Es ist unbekannt, ob es unendlich viele Sophie Germain Zahlen gibt.

Wir kommen nochmal zurück zu Mersenne-Zahlen und besprechen einige Situation, wo man Aussagen über mögliche Primteiler machen kann.


Satz (Mersenne-Zahlen zu Sophie Germain Primzahlen)  

Sei p eine Sophie Germain PrimzahlDefinition, q = 2p + 1 und Mp die zugehörige Mersenne Zahl. Dann ist q ein Teiler von Mp genau dann, wenn q=\pm1 \mod 8 ist.

Beweis  

Es ist q = 2p + 1 ein Teiler von Mp = 2p − 1 genau dann, wenn 2p = 1 in \Z/(q) ist. Wegen p=\frac{q-1}{2} ist dies nach Euler-Kriterium genau dann der Fall, wenn 2 ein Quadratrest modulo q ist. Dies ist nach dem zweiten Ergänzungssatz (Satz 7.9) genau bei q=\pm 1 \mod 8 der Fall.

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Bemerkung  

Ist p eine Sophie-Germain Primzahl, die modulo 4 den Rest 3 hat, so ist q=2p+1 = -1 \mod 8 und nach  Satz 14.9 ist q ein Teiler von Mp. Bei p > 3 ist dies ein echter Teiler und Mp ist nicht prim.

Für p = 3 ist M3 = 23 − 1 = 7 = 2p + 1. Für p = 11 ist q = 23 prim und es ist 23 | M11 = 2047. Für p = 23 ist q = 47 wieder prim und es folgt, dass M23 ein Vielfaches von 47 ist.


Andere notwendige Bedingungen für Primteiler von Mersenne-Zahlen werden im folgenden Satz ausgedrückt.


Satz  

Sei p eine ungerade Primzahl und Mp = 2p − 1 die zugehörige Mersenne-Zahl. Ist q ein Primfaktor von Mp, so ist

 q=1 \mod 2p \mbox{ und } q= \pm 1 \mod 8 \,  .

Beweis  

Es sei q ein Teiler von Mp = 2p − 1. Dies bedeutet

 2^p=1 \mod q \,  .
Dann ist p die Ordnung von 2 und nach Lagrange/Fermat (Satz 4.6) ist p ein Teiler von q − 1. Dies bedeutet wiederum
 q=1 \mod p \,  .
Da p und q ungerade sind, folgt sogar q=1 \mod 2p. Wenn x ein primitives Element von \Z/(q) ist, so ist 2=x^{\frac{q-1}{p} j}, da alle Elemente der Ordnung p sich so schreiben lassen. Da dieser Exponent gerade ist, muss 2 ein Quadratrest sein, und der zweite Ergänzungssatz (Satz 7.9) liefert die Kongruenzbedingung modulo 8.
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Pseudo-Primzahlen

Als Pseudo-Primzahlen bezeichnet man grob gesprochen solche Zahlen, die zwar nicht prim sind, aber wesentliche Eigenschaften mit Primzahlen gemeinsam haben.


Definition (Quasiprim)  

Eine natürliche Zahl n heißt quasiprim zur Basis a, wenn an − 1 = 1 modulo n gilt.


Definition (Carmichael-Zahl)  

Eine natürliche Zahl n, die nicht prim ist, mit der Eigenschaft, dass für jede zu n teilerfremde ganze Zahl a gilt

 a^{n-1} = 1 \mod n \,  ,
heißt Carmichael-Zahl.

Eine Carmichael-Zahl hat also die Eigenschaft, dass sie quasiprim zu jeder zu n teilerfremden Basis a ist.



Satz  

Eine natürliche nicht-prime Zahl n \geq 2 ist genau dann eine Carmichael-Zahl, wenn für jeden Primteiler p von n gilt, dass p − 1 die Zahl n − 1 teilt und dass er einfach vorkommt.

Beweis  

Sei n=p_1^{r_1} \cdots  p_k^{r_k} die kanonische Primfaktorzerlegung. Nach dem chinesischen Restsatz (Satz 4.13) ist

 ({\mathbb Z}/(n))^\times \cong  ({\mathbb Z}/({p_1^{r_1} }))^\times  \times \cdots \times ({\mathbb Z}/({p_k^{r_k} }))^\times \,  .
Sei a=(a_1, \ldots , a_k) eine zu n teilerfremde Zahl und sei vorausgesetzt, dass n eine Carmichael-Zahl ist. Dann ist insbesondere
 (a_i)^{n-1}=1 \mod p_i^{r_i} \,
für jeden Index i. Wählt man für ai ein primitives Element (was nach Satz 5.11 möglich ist; für pi = 2 ist nichts zu zeigen), so hat dies die Ordnung (p_i-1)p_i^{r_i-1}. Da n − 1 ein Vielfaches der Ordnung ist und da p und n − 1 teilerfremd sind, folgt, dass n − 1 ein Vielfaches von p − 1 ist. Bei r_i \geq 2 gibt es Elemente der Ordnung p in (\Z/(p^{r_i}))^\times (auch bei p = 2), und es ergibt sich der Widerspruch p | (n − 1). Also sind alle Exponenten einfach.

Für die Umkehrung ist nach Voraussetzung ri = 1. Sei wieder a=(a_1, \ldots , a_k) eine Einheit. Dann ist

 a^{n-1} = (a_1^{n-1}, \ldots , a_k^{n-1}) = ((a_1^{p_1-1}){^\frac{n-1}{p_1-1} }, \ldots , (a_k^{p_k-1}){^\frac{n-1}{p_k-1} }) = (1, \ldots, 1)=1 \,  .
Also ist n eine Carmichael-Zahl.
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Beispiel (561)  

Die kleinste Carmichael-Zahl ist

 561 = 3 \cdot 11 \cdot 17 \,  .
Dies folgt aus der Charakterisierung (Satz 14.14), da 2, 10 und 16 Teiler von 560 sind.

Es ist inzwischen bekannt, dass es unendlich viele Carmichael-Zahlen gibt.


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