Zahlentheorie (Osnabrück 2008)/Vorlesung 16
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- Diskriminanten
Definition (Diskriminate einer Basis)
Sei
eine endliche Körpererweiterung vom Grad n und seien
Elemente in L. Dann wird die Diskriminante von
definiert durch
Die
Produkte bibj,
, sind dabei Elemente in L, von denen man die Spur nimmt, die in K liegt. Man erhält also eine quadratische
-Matrix über K. Deren Determinante ist nach Definition die Diskriminante. Im folgenden werden wir vor allem an der Diskriminante von speziellen Basen interessiert sein, so dass sich die Diskriminante als Invariante eines Zahlkörpers erweist.
Bei einem Basiswechsel verhält sich die Diskriminante wie folgt.
Lemma
Sei
eine endliche Körpererweiterung vom Grad n und seien
und
zwei K-Basen von L. Der Basiswechsel werde durch c = Tb mit der Übergangsmatrix T = (tij)ij beschrieben. Dann gilt für die Diskriminanten die Beziehung
Beweis
Ausgeschrieben haben wir die Beziehungen
. Damit gilt

Lemma
Sei
eine separable endliche Körpererweiterung vom Grad n und sei
eine K-Basis von L. Dann ist
Beweis
Wir beweisen diese Aussage nur in Charakteristik null.
Sei angenommen, dass die Diskriminante null ist. Das bedeutet, dass das durch die Matrix S(bibj)ij definierte lineare Gleichungssystem eine nicht-triviale Lösung
besitzt. Es ist also
. Dann ist für jedes j
eine Basis und es folgt, dass die Spur überall den Wert null hat. Dies ist aber bei einer separablen Erweiterung nicht möglich: in Charakteristik null folgt dies sofort aus 15.14.
- Beschreibung von Spur und Norm mit Einbettungen
Satz
Sei
eine endliche KörpererweiterungDefinition vom Grad n. Dann gibt es genau n Einbettungen von L in die komplexen Zahlen
.
Beweis
Nach dem Satz vom primitiven Element (Satz 15.17) wird L durch ein Element erzeugt, es ist also
vom Grad n. Da F irreduzibel ist und da die Ableitung
ist folgt, dass F und F' teilerfremd sind. Nach dem Satz 2.17 ergibt sich, dass F und F' das Einheitsideal erzeugen, also AF + BF' = 1 ist. Wir betrachten diese Polynome nun als Polynome in
, wobei die polynomialen Identitäten erhalten bleiben. Über den komplexen Zahlen zerfallen F und F' in Linearfaktoren, und wegen der Teilerfremdheit bzw. der daraus resultierenden Identität haben F und F' keine gemeinsame Nullstelle. Daraus folgt wiederum, dass F keine mehrfache Nullstelle besitzt, sondern genau n verschiedene komplexe Zahlen
als Nullstellen besitzt. Jedes zi definiert nun einen Ringhomomorphismus
geben, da jeder solche durch
gegeben ist und F(z) = 0 sein muss.
Man beachte im vorstehenden Satz, dass das Bild von verschiedenenen Einbettungen
der gleiche Unterkörper sein kann. Dies gilt bereits für quadratische Erweiterungen wie
. Man hat die beiden Einbettung
, wobei die eine i auf i und die andere i auf − i schickt. Das Bild ist aber beidesmal gleich.
Wenn das Bild einer Einbettung ganz in den reellen Zahlen liegt, so spricht man auch von einer reellen Einbettung. Allgemein spricht man von konjugierten Einbettungen. Zu einem Element
nennt man die verschiedenen komplexen Zahlen
Lemma
Sei
eine endliche KörpererweiterungDefinition und
ein Element. Es seien
die verschiedenen komplexen Einbettungen und es sei
die Menge der verschiedenen Werte ρi(z). Dann gilt für das Minimalpolynom G von z die Gleichung
Beweis
Sei
der von z erzeugte Unterkörper von L. Es ist dann
, und K (bzw. G) haben den Grad k über
. Die Einbettungen
entsprechen den komplexen Nullstellen M' von G, und daher ist
induzieren eine Einbettung σi = ρi und somit ist ρi(z) = σi(z), also
. Andererseits lässt sich eine Einbettung
zu einer Einbettung
fortsetzen, da L über K separabel ist und von einem Element erzeugt wird und das zugehörige Minimalpolynom über
zerfällt. Daher ist auch
.
Wir erwähnen ohne Beweis die folgende Beschreibung von Norm und Spur, die wir aber in der Vorlesung nicht intensiv verwenden werden.
Lemma
Sei
eine endliche Körpererweiterung vom Grad n und seien
die n verschiedenen komplexen Einbettungen. Es sei
und zi = ρi(z),
. Dann ist
Beweis

- Moduln und Ideale
Für den Begriff des Ganzheitsringes in einem Erweiterungskörper
benötigen wir den Begriff des Moduls, der den eines Vektorraums in dem Sinne verallgemeinert, dass der Skalarenbereich kein Körper mehr sein muss, sondern ein beliebiger kommutativer Ring sein darf.
Definition (Modul)
Sei R ein kommutativer Ring und M = (M, + ,0) eine kommutative Gruppe. Man nennt M einen R-Modul, wenn es eine Operation
und
beliebig):
- r(su) = (rs)u,
- r(u + v) = (ru) + (rv),
- (r + s)u = (ru) + (su),
- 1u = u.
Definition (Untermodul)
Sei R ein kommutativer Ring und M ein R-Modul. Eine Teilmenge
heißt Untermodul, wenn sie eine Untergruppe von M ist und wenn für jedes
und
gilt, dass auch
ist.
Definition (Erzeugendensystem)
Sei R ein kommutativer Ring und M ein R-Modul. Eine Teilmenge
,
, heißt Erzeugendensystem für M, wenn es für jedes Element
eine Darstellung
endlich ist und
.Definition (Endlicher Modul)
Sei R ein kommutativer Ring und M ein R-Modul. Der Modul M heißt endlich erzeugt oder endlich, wenn es ein endliches Erzeugendensystem vi,
, für ihn gibt (also mit einer endlichen Indexmenge).
Ein kommutativer Ring R selbst ist in natürlicher Weise ein R-Modul, wenn man die Ringmultiplikation als Skalarmultiplikation interpretiert. Die Ideale sind dann genau die R-Untermoduln von R. Die Begriffe Ideal-Erzeugendensystem und Modul-Erzeugendensystem stimmen für Ideale überein.
Unter den Idealen sind besonders die Primideale und die maximalen Ideale relevant.
Definition (Primideal)
Ein Ideal
in einem kommutativen Ring R heißt Primideal, wenn
ist und wenn für
mit
folgt:
oder
.
Lemma (Charakterisierung von Primhauptideal)
Sei R ein Integritätsbereich und
,
. Dann ist p genau dann ein Primelement, wenn das von p erzeugte Hauptideal (p) ein Primideal ist.
Beweis

Lemma (Charakterisierung von Primideal)
Sei R ein kommutativer Ring und
ein Ideal in R.
Dann ist
ein Primideal genau dann, wenn der Restklassenring
ein Integritätsbereich ist.
Beweis
Sei zunächst
ein Primideal. Dann ist insbesondere
und somit ist der Restklassenring
nicht der Nullring. Sei fg = 0 in
wobei f,g durch Elemente in R repräsentiert seien. Dann ist
und damit
oder
, was in
gerade f = 0 oder g = 0 bedeutet.
Ist umgekehrt
ein Integritätsring, so handelt es sich nicht um den Nullring und daher ist
. Sei
. Dann ist
in
und daher
in
, also ist
.

Definition (Maximales Ideal)
Ein Ideal
in einem kommutativen Ring R heißt maximales Ideal, wenn
ist und wenn es zwischen
und R keine weiteren Ideale gibt.
Lemma (Charakterisierung von maximalen Idealen)
Sei R ein kommutativer Ring und
ein Ideal in R.
Dann ist
ein maximales Ideal genau dann, wenn der Restklassenring
ein Körper ist.
Beweis
Nach Aufgabe 16.10 entsprechen die Ideale im Restklassenring
eindeutig den Idealen in R zwischen
und R. Nun ist
ein Körper genau dann, wenn es genau nur zwei Ideale gibt, und dies ist genau dann der Fall, wenn
ist und es dazwischen kein weiteres Ideal gibt. Dies bedeutet, dass
maximal ist.

Korollar (Maximale Ideale sind prim)
Sei R ein kommutativer Ring und
ein maximales Ideal.
Dann ist
ein Primideal.
Beweis
Dies folgt sofort aus den Charakterisierungen für Primideale und für maximale Ideale mit den Restklassenringen.









![L={\mathbb Q}(x) \cong {\mathbb Q}[X]/(F) \,](http://upload.wikimedia.org/math/2/e/1/2e1e1e3de6b4f541193d70042a7e6d3a.png)
![\rho_i: L \cong \mathbb Q[X]/(F) \longrightarrow \mathbb C,\, X \longmapsto z_i \, .](http://upload.wikimedia.org/math/7/f/0/7f08b93b4a846507f33200f20a7633f6.png)





