Zahlentheorie (Osnabrück 2008)/Vorlesung 17
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Definition (Ganzheitsgleichung)
Seien R und S kommutative Ringe und
eine Ringerweiterung. Für ein Element
heißt eine Gleichung der Form
, zu R gehören, eine Ganzheitsgleichung für x.Definition (Ganzes Element)
Seien R und S kommutative Ringe und
eine Ringerweiterung. Ein Element
heißt ganz, wenn x eine Ganzheitsgleichung mit Koeffizienten aus R erfüllt.
Wenn R = K ein Körper und S eine K-Algebra ist, so ist
algebraisch über K genau dann, wenn es ganz über K ist. Dies stimmt aber im Allgemeinen nicht, siehe Aufgabe.
Definition (Ganzer Abschluss)
Seien R und S kommutative Ringe und
eine Ringerweiterung. Dann nennt man die Menge der Elemente
, die ganz über R sind, den ganzen Abschluss von R in S.
Definition (Ganz)
Seien R und S kommutative Ringe und
eine Ringerweiterung. Dann heißt S ganz über R, wenn jedes Element
ganz über R ist.
S ist genau dann ganz über R, wenn der ganze Abschluss von R in S gleich S ist.
Lemma
Seien R und S kommutative Ringe und
eine Ringerweiterung. Für ein Element
sind folgende Aussagen äquivalent.
- x ist ganz über R.
- Es gibt eine R-Unteralgebra T von S mit
und die ein endlicher R-Modul ist. - Es gibt einen endlichen R-Untermodul M von S, der einen Nichtnullteiler aus S enthält, mit
.
Beweis
(1)
(2). Wir betrachten die von den Potenzen von x erzeugte R-Unteralgebra R[x] von S, die aus allen polynomialen Ausdrücken in x mit Koeffizienten aus R besteht. Aus einer Ganzheitsgleichung
durch einen polynomialen Ausdruck von einem kleineren Grad ersetzen. Insgesamt kann man dann aber all diese Potenzen durch polynomiale Ausdrücke vom Grad
ersetzen. Damit ist
bilden ein endliches Erzeugendensystem von T = R[x].
(2)
(3). Sei
, T eine R-Unteralgebra, die als R-Modul endlich erzeugt sei. Dann ist
, und T enthält den Nichtnullteiler 1.
(3)
(1). Sei
ein endlich erzeugter R-Untermodul mit
. Seien
erzeugende Elemente von M. Dann ist insbesondere xyi für jedes i eine R-Linearkombination der
. Dies bedeutet
oder als Matrix geschrieben
) und nach der Cramerschen Regel ist AadjA = (detA)En, also gilt ((detA)En)y = 0. Es ist also (detA)yj für alle j und damit (detA)z für alle z. Da M nach Voraussetzung einen Nichtnullteiler enthält, muss detA = 0 sein. Die Determinante ist aber ein normierter polynomialer Ausdruck in x vom Grad n, so dass eine Ganzheitsgleichung vorliegt.
Korollar
Seien R und S kommutative Ringe und
eine Ringerweiterung.
Dann ist der ganze Abschluss von R in S eine R-Unteralgebra von S.
Beweis
Die Ganzheitsgleichungen
, zeigen, dass jedes Element aus R ganz über R ist. Seien
und
ganz über R. Nach der Charakterisierung der Ganzheit(Lemma 17.5) gibt es endliche R-Unteralgebren
mit
und
. Sei
ein R-Erzeugendensystem von T1 und
ein R-Erzeugendensystem von T2. Wir können annehmen, dass y1 = z1 = 1 ist. Betrachte den endlich erzeugten R-Modul
und
so dass diese Linearkombination zu T gehört. Dies zeigt, dass die Summe und das Produkt von zwei ganzen Elementen wieder ganz ist. Deshalb ist der ganze Abschluss ein Unterring von S, der R enthält. Also liegt eine R-Unteralgebra vor.
Definition (Ganz-abgeschlossen)
Seien R und S kommutative Ringe und
eine Ringerweiterung. Man nennt R ganz-abgeschlossen in S, wenn der ganze Abschluss von R in S gleich R ist.
Definition (normal)
Integritätsbereich heißt normal, wenn er ganz-abgeschlossen in seinem
Quotientenkörper ist.Definition (Normalisierung)
Satz (Normalität faktorieller Bereiche)
Sei R ein faktorieller Integritätsbereich.
Dann ist R normal.
Beweis
Sei K = Q(R) der Quotientenkörper von R und
ein Element, das die Ganzheitsgleichung
erfüllt. Wir schreiben q = a / b mit
, wobei wir annehmen können, dass die Darstellung gekürzt ist, dass also a und
keinen gemeinsamen Primteiler besitzen. Wir haben zu zeigen, dass b eine Einheit in R ist, da dann q = ab − 1 zu R gehört.
Wir multiplizieren obige Ganzheitsgleichung mit bn und erhalten in R
und daher auch den ersten, also an. Das bedeutet aber, dass a selbst ein Vielfaches von p ist im Widerspruch zur vorausgesetzten Teilerfremdheit.
Korollar (Wurzeln aus Elementen)
Sei R ein faktoriellerDefinition (oder normaler) Integritätsbereich und
. Wenn es ein Element
gibt mit xk = a, so ist bereits
.
Beweis
Die Voraussetzung bedeutet, dass
ganz über R ist, da es die Ganzheitsgleichung
wegen der Normalität.
Korollar (Irrationalität von Wurzeln)
Sei
die kanonische Primfaktorzerlegung der natürlichen Zahl n. Sei k eine positive natürliche Zahl und sei vorausgesetzt, dass nicht alle Exponenten αi ein Vielfaches von k sind. Dann ist die reelle Zahl
Beweis
Die Zahl
kann nach Voraussetzung keine k-te Wurzel in
besitzen, da in einer k-ten Potenz alle Exponenten zu Primzahlen Vielfache von k sind. Wegen der Faktorialität von
und der Fakt Normalität kann es auch kein
geben mit xk = n. Daher ist die reelle Zahl
irrational.

Lemma (Quotientenkörper und Ganzheit)
Sei R ein IntegritätsbereichDefinition mit Quotientenkörper K = Q(R) und sei
eine endliche Körpererweiterung. Der ganze Abschluss von R in L sei mit S bezeichnet. Dann ist L der Quotientenkörper von S.
Beweis
Sei
. Nach Voraussetzung ist L endlich über K. Daher erfüllt f eine Ganzheitsgleichung der Form
. Sei
ein gemeinsames Vielfaches der Nenner aller qi,
. Multiplikation mit rn ergibt dann
, da S der ganze Abschluss ist. Somit zeigt
, dass f als ein Bruch mit einem Zähler aus S und einem Nenner aus
darstellbar ist, also im Quotientenkörper Q(S) liegt.



![R[x]= R + Rx + Rx^2 + \ldots + Rx^{n-2} + Rx^{n-1} \,](http://upload.wikimedia.org/math/f/f/5/ff56bc7837f954aff2497e9204b691a2.png)










