Zahlentheorie (Osnabrück 2008)/Vorlesung 18

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Wir werden uns in dieser Vorlesung hauptsächlich für den ganzen Abschluss von \Z in einem endlichen Erweiterungskörper der rationalen Zahlen \mathbb Q interessieren.


Definition (Zahlbereiche)  

Sei {\mathbb Q}\subseteq L eine endliche Körpererweiterung. Dann nennt man den ganzen Abschluss von \Z in L den Ring der ganzen Zahlen in L. Solche Ringe nennt man auch Zahlbereiche.

Den endlichen Erweiterungskörper L von \mathbb Q nennt man übrigens einen Zahlkörper.



Satz

Sei R ein Zahlbereich. Dann ist R ein normaler Integritätsbereich.

Beweis

Nach  Satz 17.13 ist L der Quotientenkörper des Ganzheitsrings R. Ist q \in Q(R)=L ganz über R, so ist q nach  Aufgabe 17.3 auch ganz über \Z und gehört selbst zu R.

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Lemma  

Sei R ein Zahlbereich. Dann enthält jedes von null verschiedene Ideal \mathfrak a in R eine Zahl m \in \mathbb{Z} mit m \neq 0.

Beweis  

Sei 0 \neq f \in {\mathfrak a}. Dieses Element ist nach der Definition eines ZahlbereichesDefinition ganzDefinition über \Z und erfüllt demnach eine Ganzheitsgleichung

 f^n+ k_{n-1}f^{n-1} + k_{n-2}f^{n-2} + \ldots + k_1f +k_0 = 0 \,
mit ganzen Zahlen ki. Bei k0 = 0 kann man die Gleichung mit f kürzen, da f \neq 0 ein Nichtnullteiler ist. So kann man sukzessive fortfahren und erhält schließlich eine Ganzheitsgleichung, bei der der konstante Term nicht 0 ist. Sei also in obiger Gleichung k_0 \neq 0. Dann ist
 f( f^{n-1}+ k_{n-1}f^{n-2} + k_{n-2}f^{n-3} + \ldots + k_1) = -k_0 \,
und somit ist k_0 \in (f) \cap \Z.
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Satz  

Sei R ein Zahlbereich und sei f \in Q(R)=L. Dann ist f genau dann ganz über \Z, wenn die Koeffizienten des Minimalpolynoms von f über \mathbb Q alle ganzzahlig sind.

Beweis  

Das Minimalpolynom P von f über \mathbb Q ist ein normiertes irreduzibles Polynom mit Koeffizienten aus \mathbb Q. Wenn die Koeffizienten sogar ganzzahlig sind, so liegt direkt eine Ganzheitsgleichung für f über \Z vor.

Sei umgekehrt f ganz über \Z, und sei S \in \Z[X] ein normiertes ganzzahliges Polynom mit S(f) = 0, das wir als irreduzibel in \Z[X] annehmen dürfen. Wir betrachten S \in {\mathbb Q}[X]. Dort gilt

 S = PT \,  .
Da nach dem Lemma von Gauß  (siehe Aufgabe 18.2) ein irreduzibles Polynom von \Z[X] auch in {\mathbb Q}[X] irreduzibel ist, folgt S = P und daher sind alle Koeffizienten von P ganzzahlig.
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Es ergibt sich insbesondere, dass die Norm und die Spur von Elementen aus einem Zahlbereich zu \Z gehören.



Lemma  

Sei {\mathbb Q}\subseteq L eine endliche Körpererweiterung vom Grad n und R der zugehörige Zahlbereich. Sei \mathfrak a ein von null verschiedenes Ideal in R. Dann enthält \mathfrak a Elemente b_1, \ldots, b_n, die eine \mathbb Q-Basis von L sind.

Beweis  

Es sei v_1, \ldots , v_n eine \mathbb Q-Basis von L. Das Ideal \mathfrak a enthält nach Lemma 18.3 ein Element 0 \neq m \in \mathfrak a \cap \Z. Nach (dem Beweis von) Satz 17.13 kann man schreiben v_i = \frac{r_i}{n_i} mit r_i \in R und n_i \in \Z - \{0\}. Dann sind die m (n_i v_i) \in \mathfrak a und bilden ebenfalls eine \mathbb Q-Basis von L.

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Satz  

Sei {\mathbb Q}\subseteq L eine endliche KörpererweiterungDefinition vom Grad n und R der zugehörige Zahlbereich. Sei \mathfrak a ein von null verschiedenes Ideal in R. Seien b_1, \ldots ,b_n \in \mathfrak a Elemente, die eine \mathbb Q-Basis von L bilden und für die der Betrag der Diskriminante

 \mid\! \triangle(b_1, \ldots , b_n)\!\mid \,
unter all diesen Basen aus \mathfrak a minimal sei. Dann ist
 \mathfrak a = \Z b_1 + \ldots +\Z b_n \,  .

Beweis  

Sei f \in \mathfrak a ein beliebiges Element. Wir haben zu zeigen, dass sich f als eine \Z-Linearkombination f=k_1b_1+ \ldots +k_nb_n mit k_i \in \Z schreiben lässt, wenn die b_1, \ldots ,b_n \in \mathfrak a eine \mathbb Q-Basis von L mit minimalem Diskriminantenbetrag bilden. Es gibt eine eindeutige Darstellung

 f=q_1b_1+ \ldots +q_nb_n \,
mit rationalen Zahlen q_i \in \mathbb Q. Sei angenommen, dass ein qi nicht ganzzahlig ist, wobei wir i = 1 annehmen dürfen. Wir schreiben dann q1 = k + δ mit k \in \Z und einer rationalen Zahl δ zwischen 0 und 1. Dann ist auch
 c_1=f-kb_1= \delta b_1 + \sum_{i=2}^n q_ib_i,\, b_2, \ldots, b_n \,
eine \mathbb Q-Basis von L, die in \mathfrak a liegt. Die Übergangsmatrix der beiden Basen ist
 T= \begin{pmatrix}
 \delta    & q_2 & q_3 & \cdots & q_n      \\
0    & 1 & 0 & \cdots & 0      \\
0    & 0 & 1 & \cdots & 0      \\
  \vdots & \vdots & \vdots & \ddots & \vdots \\ 
  0   &0 &0   & \cdots & 1
\end{pmatrix} \,  .
Nach Lemma 16.2 gilt für die beiden Diskriminanten die Beziehung
 \triangle (c_1,b_2, \ldots ,b_n) = (\det(T))^2 \triangle (b_1,b_2, \ldots ,b_n) \,  .
Wegen = (det(T))2 = δ2 < 1 und da die Diskriminanten nach Lemma 16.3 nicht null sind, ist dies ein Widerspruch zur Minimalität der Diskriminanten.
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Korollar (Struktur von Idealen)  

Sei {\mathbb Q}\subseteq L eine endliche KörpererweiterungDefinition vom Grad n und R der zugehörige Zahlbereich. Sei \mathfrak a ein von null verschiedenes Ideal in R. Dann ist \mathfrak a eine freie Gruppe vom Rang n, d.h. es gibt Elemente b_1, \ldots ,b_n \in \mathfrak a mit

 \mathfrak a = \Z b_1 + \ldots +\Z b_n \,  .

Beweis  

Nach Lemma 18.5 gibt es überhaupt Elemente b_1, \ldots ,b_n \in \mathfrak a, die eine \mathbb Q-Basis von L bilden. Daher gibt es auch solche Basen, wo der Betrag der Diskriminante minimal ist. Für diese gilt nach Satz 18.6, dass sie ein \Z-Erzeugendensystem von \mathfrak a bilden.

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Korollar (Additive Struktur der Zahlbereiche)  

Sei {\mathbb Q}\subseteq L eine endliche KörpererweiterungDefinition vom Grad n und R der zugehörige Zahlbereich. Dann ist R eine freie Gruppe vom Rang n, d.h. es gibt Elemente b_1, \ldots ,b_n \in R mit

 R = \Z b_1 + \ldots +\Z b_n \,  .

Beweis  

Dies folgt direkt aus Korollar 18.7, angewendet auf das Ideal \mathfrak a = R.

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Ein solches System von Erzeugern b_1, \ldots , b_n nennt man auch eine Ganzheitsbasis.



Korollar  

Sei {\mathbb Q}\subseteq L eine endliche KörpererweiterungDefinition vom Grad n und R der zugehörige Zahlbereich. Es sei m \in \Z. Dann gibt es einen Gruppenisomorphismus

 R/(m) \cong (\Z/(m))^n \,  .
Für eine Primzahl m = p ist R / (m) eine Algebra der Dimension n über dem Körper \Z/(p). Zu jeder Primzahl p gibt es Primideale \mathfrak p in R mit \mathfrak p \cap \Z=(p).

Beweis  

Nach Korollar 18.8 ist R \cong \Z^n (als abelsche Gruppen). Das von m in R erzeugte Ideal besteht (unter dieser Identifizierung) aus allen Elementen der Form

 m(a_1,\ldots, a_n) = (ma_1,\ldots, ma_n) \,  ,
d.h. in jeder Komponente steht ein Vielfaches von m. Die Restklassengruppe R / (m) ist demnach gleich (\Z/(m))^n und besitzt mn Elemente. Aufgrund der Ganzheit ist mR \cap \Z = m \Z (siehe Aufgabe 18.4) und aufgrund des Isomorphiesatzes hat man einen injektiven Ringhomomorphismus
 \Z/(m) \longrightarrow R/(m) \,  ,
so dass R / (m) eine von null verschiedene \Z/(m)-Algebra ist.

Für eine Primzahl p ist R / (p) ein Vektorraum über \Z/(p) der Dimension n. Deshalb gibt es darin (mindestens) ein maximales Ideal, und dieses entspricht einem maximalen Ideal \mathfrak m in R mit p \in \mathfrak m. Daher ist (p) = (p)R \cap \Z \subseteq \mathfrak m \cap \Z, und dieser Durchschnitt ist ein Primideal, also gleich (p).

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Definition (Noethersche Ringe)  

Ein kommutativer Ring R heißt noethersch, wenn jedes Ideal darin endlich erzeugt ist.



Korollar (Zahlbereiche sind noethersch)  

Beweis  

Nach Satz 18.6 ist jedes von null verschiedene Ideal als additive Gruppe isomorph zu \Z^n, also ist insbesondere jedes Ideal als abelsche Gruppe endlich erzeugt. Insbesondere sind die Ideale dann als Ideale (also als R-Moduln) endlich erzeugt.

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Satz  

Sei R ein Zahlbereich. Dann ist jeder echte Restklassenring von R endlich.

Beweis  

Nach 18.3 gibt es ein m \in \Z \cap {\mathfrak a}, m \neq 0. Damit ist mR \subseteq \mathfrak a und damit hat man eine surjektive Abbildung

 R/(m) \longrightarrow R/{\mathfrak a} \,  .
Der Ring links ist nach 18.9 endlich (mit mn Elementen), also besitzt der Ring rechts auch nur endlich viele Elemente.
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Satz  

Sei R ein ZahlbereichDefinition. Dann ist jedes von null verschiedene Primideal von R bereits ein maximales Ideal.

Beweis  

Sei \mathfrak p ein Primideal \neq 0 in R. Dann ist der Restklassenring R/\mathfrak p nach Lemma 16.13 ein IntegritätsbereichDefinition und nach Satz 18.12 endlich. Ein endlicher Integritätsbereich ist aber bereits ein Körper, so dass nach Satz 18.12 ein maximales Ideal vorliegt.

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Die bisher etablierten Eigenschaften von Zahlbereichen lassen sich im folgenden Begriff zusammenfassen.


Definition (Dedekindbereiche)  

Einen Integritätsbereich R nennt man einen Dedekindbereich, wenn er noethersch und normal ist und wenn jedes von null verschiedene Primideal darin maximal ist.





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