Zahlentheorie (Osnabrück 2008)/Vorlesung 2
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Definition (Ideal)
Eine nichtleere Teilmenge
eines kommutativen Ringes R heißt Ideal, wenn die beiden folgenden Bedingungen erfüllt sind:
- Für alle
ist auch
. - Für alle
und
ist auch
.
Bemerkung (Ideal)
Ein Ideal ist eine Untergruppe der additiven Gruppe von R, die zusätzlich die zweite oben angeführte Eigenschaft erfüllt. Ein Ideal ist das Gleiche wie ein R- Untermodul von R.
Definition (erzeugtes Ideal)
Zu einer Familie von Elementen
,
, in einem kommutativen Ring R bezeichnet
das von den aj erzeugte Ideal. Es besteht aus allen (endlichen) Linearkombinationen
eine endliche Teilmenge und
ist.Definition (Hauptideal)
Ein Ideal
in einem kommutativen Ring R der Form
Mit dem Idealbegriff lassen sich Teilbarkeitsbeziehungen ausdrücken.
Lemma
Sei R ein kommutativer Ring und
. Dann gelten folgende Aussagen.
- Das Element a ist ein Teiler von b (also a | b), genau dann, wenn
. - a ist eine Einheit genau dann, wenn (a) = R = (1).
- Ist R ein Integritätsbereich, so gilt (a) = (b) genau dann, wenn a und b assoziiert sind.
Beweis
Siehe Aufgabe 2.4.

Definition (Hauptidealbereich)
Ein kommutativer Ring, in dem jedes Ideal ein Hauptideal ist, heißt Hauptidealring. Ein integrer Hauptidealring heißt Hauptidealbereich.
- Größter gemeinsamer Teiler
Definition (Gemeinsamer Teiler)
Sei R ein kommutativer Ring und
. Dann heißt ein Element
gemeinsamer Teiler der
, wenn t jedes ai teilt (
). Ein Element
heißt größter gemeinsamer Teiler der
, wenn g ein gemeinsamer Teiler ist und wenn jeder gemeinsame Teiler t dieses g teilt.
Die Elemente
heißen teilerfremd, wenn 1 ihr größter gemeinsamer Teiler ist.
Bemerkung (Gemeinsamer Teiler)
Eine Einheit ist immer ein gemeinsamer Teiler für jede Auswahl von Elementen. Ein größter gemeinsamer Teiler muss nicht existieren im Allgemeinen. Ist t ein gemeinsamer Teiler der
und u eine Einheit, so ist auch ut ein gemeinsamer Teiler der
. Die Elemente
sind teilerfremd genau dann, wenn jeder gemeinsame Teiler davon eine Einheit ist (es gibt noch andere Definitionen von teilerfremd, die nicht immer inhaltlich mit dieser übereinstimmen).
Lemma
Sei R ein kommutativer Ring,
und
das davon erzeugte Ideal. Ein Element
ist ein gemeinsamer Teiler von
genau dann, wenn
ist, und t ist ein größter gemeinsamer Teiler genau dann, wenn für jedes
mit
folgt, dass
ist. Ein größter gemeinsamer Teiler erzeugt also ein minimales Hauptoberideal von
.
Beweis
Aus
folgt sofort
für
, was gerade bedeutet, dass t diese Elemente teilt, also ein gemeinsamer Teiler ist. Sei umgekehrt t ein gemeinsamer Teiler. Dann ist
und da
das kleinste Ideal ist, das alle ai enthält, muss
gelten. Der zweite Teil folgt sofort aus dem ersten.

Bevor wir mit der Teilbarkeitstheorie für Hauptidealbereiche fortfahren, wollen wir zunächst zeigen, dass die ganzen Zahlen einen Hauptidealbereich bilden. Dies geschieht über den Begriff des Euklidischen Bereiches, der an die Division mit Rest anknüpft. Im Ring der ganzen Zahlen gilt die Division mit Rest. Ihre Bedeutung liegt grob gesprochen darin, dass sie ein Maß dafür liefert, wie weit eine Zahl davon entfernt ist, eine andere zu teilen.
- Division mit Rest
Für ganze Zahlen a,b,
,, gibt es (eindeutig bestimmte) ganze Zahlen q,r mit
den Betrag einer ganzen Zahl. Das Symbol q soll dabei an Quotient erinnern und r an Rest. Teilt man die Gleichung durch b, so erhält man in
die Beziehung
Definition (Euklidischer Bereich)
Ein euklidischer Bereich (oder euklidischer Ring) ist ein Integritätsbereich R, für den eine Abbildung
existiert, die die folgende Eigenschaft erfüllt:
Für Elemente a,b mit
gibt es
mit
Die in der Definition auftauchende Abbildung δ nennt man auch euklidische Funktion. Die ganzen Zahlen
bilden also einen euklidischen Ring mit dem Betrag als euklidischer Funktion.
Beispiel (Polynomring über Körper)
Für einen Körper K ist der Polynomring K[X] in einer Variablen ein euklidischer Bereich, wobei die euklidische Funktion δ durch die Gradfunktion gegeben ist. Viele Parallelen zwischen dem Polynomring K[X] und
beruhen auf dieser Eigenschaft. Die Gradfunktion hat die Eigenschaft
Beispiel (Der Ring der Gaußschen Zahlen)
Eine Gaußsche Zahl z ist durch z = a + bi gegeben, wobei a und b ganze Zahlen sind. Die Menge dieser Zahlen wird mit
bezeichnet. Die Gaußschen Zahlen sind die Gitterpunkte, d.h. die Punkte mit ganzzahligen Koordinaten, in der komplexen Ebene. Sie bilden mit komponentenweiser Addition und mit der induzierten komplexen Multiplikation einen kommutativen Ring.
Eine euklidische Funktion ist durch die Norm N gegeben, die durch N(a + bi): = a2 + b2 definiert ist. Man kann auch schreiben
, wobei
die komplexe Multiplikation bezeichnet. Die Norm ist das Quadrat des komplexen Absolutbetrages und wie dieser multiplikativ, also N(zw) = N(z)N(w).
Mit der Norm lassen sich auch leicht die Einheiten von
bestimmen: ist wz = 1, so ist auchN(zw) = N(z)N(w) = 1, also
. Damit sind genau die Elemente {1, − 1,i, − i} diejenigen Gaußschen Zahlen, die Einheiten sind.
Lemma
Der Ring der Gaußschen Zahlen ist mit der Normfunktion ein euklidischer Bereich.
Beweis
Seien
,
. Wir betrachten den Quotienten
. Es gibt ganze Zahlen a1,a2 mit
. Damit ist
. Ferner ist

Für eine unvollständige Liste von Primfaktorzerlegungen im Ring der Gaußschen Zahlen siehe hier oder hier.
Folgendes Lemma hilft bei der Bestimmung der Primelemente der Gaußschen Zahlen und in ähnlichen Ringen.
Lemma
Sei R ein euklidischer Bereich mit einer multiplikativen euklidischen Funktion
(es werden also nur positive Werte angenommen). Ist dann für
die Zahl N(f) prim, so ist f irreduzibel in R.
Beweis
Sei f = gh eine Faktorzerlegung. Dann ist N(f) = N(g)N(h) und da nach Voraussetzung N(f) eine Primzahl ist, folgt, dass einer der Faktoren, sagen wir N(h), eine Einheit ist, also N(h) = 1. Wir wenden auf 1 und h die Division mit Rest an und erhalten

Wir werden später sehen, dass in euklidischen Bereichen irreduzible Elemente bereits prim sind. Das vorstehende Lemma ist also ein Kriterium für Primelemente. Die Umkehrung gilt übrigens nicht. Z. B. ist 3 ein Primelement in
, aber N(3) = 9 ist keine Primzahl.
Nach den Gaußschen Zahlen sind die sogenannten Eisenstein-Zahlen ein wichtiges Beispiel für quadratische Zahlbereiche.
Beispiel (Eisenstein-Zahlen)
Die Eisenstein-Zahlen sind komplexe Zahlen der Form
gilt die Gleichung
Die Eisenstein-Zahlen enthalten den Ring
. Im obigen Bild besteht dieser Ring aus jeder zweiten horizontalen Zeile des Gitters und ist damit ein rechtwinkliges Gitter. Es gilt der folgende Satz.
Satz
Für den Ring
ist die Norm (das Quadrat des komplexen Betrages) keine euklidische Funktion, aber für den Ring der Eisenstein-Zahlen
mit
ist die Norm eine euklidische Funktion.
Beweis
Wie dem Beweis zur Euklidizität der Gaußschen Zahlen zu entnehmen ist, ist für einen Unterring der komplexen Zahlen der Form
(mit
) die Norm eine euklidische Funktion genau dann, wenn sich zu jedem Element
ein Element
findet, das zu z einen Abstand kleiner als 1 besitzt. Sei zunächst
. Das Element
hat den minimalen Abstand zu den vier Gitterpunkten
, und dieser ist stets
sind die Gittermaschen gleichmäßige Dreiecke mit Seitenlänge eins, und jede komplexe Zahl hat zu mindestens einem Gitterpunkt einen Abstand < 1.
Es lässt sich zeigen, dass der Ring
auch keine andere euklidische Funktion besitzt (er ist auch kein Hauptidealbereich, noch nicht mal, wie wir später sehen und erklären werden, normal).
Eine wichtige Konsequenz aus der Existenz einer euklidischen Funktion ist, dass ein Hauptidealbereich vorliegt.
Satz (Euklidische Bereiche sind Hauptidealbereiche)
Ein euklidischer Bereich ist ein Hauptidealbereich.
Beweis
Sei I ein von null verschiedenes Ideal. Betrachte die nicht-leere Menge
herrührt, sagen wir m = δ(b). Wir behaupten, dass I = (b) ist. Sei hierzu
gegeben. Aufgrund der Definition eines euklidischen Bereiches gilt a = qb + r mit r = 0 oder δ(r) < δ(b). Wegen
und der Minimalität von δ(b) kann der zweite Fall nicht eintreten. Also ist r = 0 und a ist ein Vielfaches von b.
















