Zahlentheorie (Osnabrück 2008)/Vorlesung 21
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Wir beschreiben nun die Ideale in einem quadratischen Zahlbereich genauer. Eine Strukturtheorie ist wichtig in Hinblick auf die Endlichkeit der Klassenzahl. Wir wissen bereits aufgrund von Korollar 18.7, dass jedes von null verschiedene Ideal von zwei Elementen über
erzeugt wird. Genauer gilt.
Satz (Basis für Ideale)
Sei AD ein quadratischer ZahlbereichDefinition mit Ganzheitsbasis 1,ω (siehe Satz 20.9 und die daran anschließende Bemerkung) und sei
ein von Null verschiedenes Ideal in AD. Dann besitzt
eine
-Basis aus zwei Elementen a und b, wobei
gewählt werden kann mit
und b = α + βω mit
Beweis
Seien
und b = α + βω wie im Satz beschrieben gewählt. Da a und β nicht null sind folgt, dass a und b linear unabhängig über
sind. Es bleibt also zu zeigen, dass jedes Element
sich als n1a + n2b schreiben lässt mit
. Es gibt eine Darstellung
. Dann ist
. Die Zahlen β und
beschreiben beide einen ω-Koeffizient von Elementen in
, und β war betragsmäßig minimal gewählt, so dass q2 ganzzahlig sein muss (alle ω-Koeffizienten bilden ein Ideal in
). Wir ziehen in der obigen Gleichung
ab und erhalten
. Also handelt es sich um ein ganzzahliges Vielfaches von a und somit ist auch
.
In der soeben konstruierten
-Basis von
können wir sowohl a als auch β positiv wählen. Der Restklassenring
ist eine endliche Erweiterung des endlichen Ringes
, also selbst endlich. Im folgenden Diagramm sind die beiden horizontalen Abbildungen injektiv.
mittels einer
-Basis des Ideals ausdrücken. Wegen der surjektiven Abbildung
und aufgrund von Korollar 18.9 wissen wir, dass der Restklassenring maximal a2 Elemente besitzt.
Satz (Elemente im Restklassenring)
Sei AD ein quadratischer Zahlbereich mit
-Basis 1 und ω und sei
ein von Null verschiedenes Ideal in AD. Es sei a und b = α + βω eine
-Basis (mit a,β positiv) wie im Satz 21.1 konstruiert. Dann werden die Elemente im Restklassenring
eindeutig durch die Elemente
Elemente.Beweis
Sei r + sω ein beliebiges Element in AD. Durch Addition von Vielfachen von b = α + βω kann man erreichen, dass die zweite Komponente zwischen 0 und β − 1 liegt. Durch Addition von Vielfachen von a kann man dann erreichen, dass auch die erste Komponente zwischen 0 und a − 1 liegt, ohne die zweite Komponente zu verändern. Es wird also jede Restklasse durch Elemente im angegebenen Bereich repräsentiert.
Seien nun r + sω und
im angegebenen Bereich und angenommen, dass sie das gleiche Element im Restklassenring repräsentieren. Sei
. Dann gehört die Differenz
zu
und die zweite Komponente liegt zwischen 0 und β − 1. Aufgrund der Wahl von β muss diese Komponente null sein. Dann ist aber
ein Vielfaches von a und wegen
muss
sein, so dass also die beiden Elemente übereinstimmen und der Repräsentant eindeutig ist.

Definition (Norm eines Ideals)
Sei
quadratfrei und AD der zugehörige quadratische Zahlbereich. Sei
ein von Null verschiedenes Ideal in AD. Dann nennt man die (endliche) Anzahl des Restklassenringes
die Norm von
. Sie wird mit
Mit der Norm lässt sich obiger Satz wie folgt ausdrücken.
Korollar
Sei AD ein quadratischer Zahlbereich mit
-Basis 1 und ω und sei
ein von Null verschiedenes Ideal in AD. Es sei a und b = α + βω eine
-Basis von
(mit a,β positiv) wie im Satz 21.1 konstruiert. Dann ist
Beweis
Dies folgt unmittelbar aus Satz 21.2.

Korollar
Sei AD ein quadratischer ZahlbereichDefinition mit
-Basis 1 und ω und sei
ein von Null verschiedenes Ideal in AD. Es sei u = u1 + u2ω und v = v1 + v2ω eine
-Basis von
. Dann ist
Beweis
Die Aussage ist für eine Basis der Form a und b = α + βω, wie sie im Satz 21.1 konstruiert wurde, richtig. Für eine beliebige Basisu,v gibt es eine Übergangsmatrix M mit

Für ein Element und das davon erzeugte Hauptideal stimmen die beiden Normbegriffe überein.
Satz
Sei AD ein quadratischer ZahlbereichDefinition und sei
ein Element. Setze
. Dann gilt
.
Beweis
Sei f = f1 + f2ω mit
mit Hilfe des Korollars 21.5. Eine
-Basis des Ideals ist offenbar gegeben durch f und fω, wobei

Satz
Sei AD ein quadratischer ZahlbereichDefinition und sei
ein von Null verschiedenes Ideal in AD.
Dann gilt
Beweis
Sei
durch eine
-Basis a,b = α + βω wie im Satz 21.1 gegeben. Das konjugierte Ideal
hat die Basis a und
. Das Produktideal
hat die vier Erzeuger
ist. Zunächst teilt β sowohl a als auch α: Wegen
hat man nämlich eine Darstellung
. Daraus folgt durch Koeffizientenvergleich a = δβ und andererseits γa + δα = 0, woraus nach Kürzen mit δ sich α = − γβ ergibt. Insbesondere ist
können wir wegen
und wegen
annehmen, dass β = 1 ist.
In dieser neuen Situation müssen wir
zeigen. Aufgrund von
haben wir die Inklusion
. Wir betrachten die Inklusionskette (in AD)
der Erzeuger des Ideals links. Wir behaupten zunächst, dass die linke Inklusion eine Gleichheit ist. Dafür betrachten wir die Norm und die Spur von ab / c und erhalten
, nach Lemma 20.8 ist das Element selbst ganz und damit ist ab ein Vielfaches von c. Wir wissen also
. Also wird a von c geteilt und in der Inklusionskette gilt Gleichheit.
Korollar (Multiplikativität der Norm)
Sei AD ein quadratischer ZahlbereichDefinition und seien
und
von Null verschiedene Ideale in AD. Dann gilt
Beweis
Wir wenden Satz 21.7 wiederholt für Ideale an und erhalten
.























