Zahlentheorie (Osnabrück 2008)/Vorlesung 23
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Definition (Ordnung an Primstelle)
Sei R ein Zahlbereich,
ein Primideal in R und
,
. Dann heißt die Ordnung ord(f) im diskreten Bewertungsring
die Ordnung von f am Primideal
(oder an der Primstelle
oder in
). Sie wird mit
bezeichnet.
Lemma
Sei R ein ZahlbereichDefinition und
ein Primideal in R. Dann hat die Ordnung an
, also
.
.
genau dann, wenn
.
Beweis
(1) und (2) folgen direkt aus Lemma 22.14. Bei (3) ist zu beachten, dass für
gilt, dass
ist genau dann, wenn
ist. Letzteres bedeutet nämlich, dass
ist mit
und
, also
mit
. Mit dem Hauptnenner
ist dann
, woraus
folgt. Damit folgt die Behauptung aus Lemma 22.14(3).

Definition (Hauptdivisor)
Sei R ein Zahlbereich und
,
. Dann heißt die Abbildung, die jedem Primideal
in R die Ordnung
zuordnet, der durch f definierte Hauptdivisor. Er wird mit
bezeichnet und als formale Summe
Lemma
Sei R ein ZahlbereichDefinition. Dann hat die Abbildung, die einem Ringelement den Hauptdivisor zuordnet, also
.
.
Hierbei sind die Operationen rechts punktweise definiert.
Beweis
Dies folgt direkt aus Lemma 23.2 durch Betrachtung an den einzelnen Primidealen.

Lemma
Sei R ein ZahlbereichDefinition und
,
. Dann ist nur für endlich viele Primideale
in R die Ordnung
von null verschieden. Das heißt, dass der Hauptdivisor
eine endliche Summe ist.
Beweis
Sei
ein PrimidealDefinition in R und
. Dann ist f in
eine EinheitDefinition. Damit ist
. Da der Restklassenring R / (f) endlich ist nach Satz 18.12, folgt sofort, dass f nur in endlich vielen Primidealen enthalten ist, und nur für diese ist
.

Definition (Effektiver Divisor)
Sei R ein Zahlbereich. Ein effektiver Divisor ist eine formale Summe
aus R erstreckt und wobei
natürliche Zahlen sind mit
für fast alle
.Obiges Lemma zeigt, dass ein Hauptdivisor zu einem ganzen Element wirklich ein effektiver Divisor ist. Wir werden im Weiteren sehen, dass die Frage, welche Divisoren Hauptdivisoren sind, eng mit der Frage nach der Faktorialität von Zahlbereichen zusammenhängt. Der Zugang über Divisoren hat den Vorteil, dass er erlaubt (siehe weiter unten), eine Gruppe, die sogenannte Divisorenklassengruppe einzuführen, die die Abweichung von der Faktorialität messen kann.
Definition (Effektiver Divisor zu einem Ideal)
Sei R ein Zahlbereich und
ein von null verschiedenes Ideal in R. Dann nennt man den Divisor
.Bemerkung
Man kann den Divisor zu einem Ideal auch durch
der zugehörige Hauptdivisor nur an endlich vielen Stellen von null verschieden ist, gilt das erst recht für den Divisor zu einem Ideal.
Die Ordnung
kann man auch als Ordnung des Ideals
im diskreten Bewertungsring
ansehen. Dieses Ideal hat einen Erzeuger pk, wobei p ein Primelement im diskreten Bewertungsring ist; die Ordnung ist dann k.
Lemma
Sei R ein ZahlbereichDefinition. Dann erfüllt die Zuordnung (für von null verschiedene Ideale)
für ein Primideal
.
.- Für
ist
.
.
Beweis
- Für jedes Element
gilt auch
und daher ist
. Umgekehrt besitzt der diskrete Bewertungsring
ein Element p, das das maximale Ideal
erzeugt und die Ordnung eins hat. Man kann schreiben p = a / b mit
und
. Dabei ist
und a hat in
die Ordnung eins. Sei nun
ein weiteres Primideal
. Da beide maximal sind gibt es ein Element
,
. Dieses hat dann in
die Ordnung 0. - Fixiere ein Primideal
. Sei
und schreibe
mit
und
. Dann ist nach Lemma 23.4
und
. Zu fixiertem
gibt es ein
und ein
mit
und
. Dann ist
und
- Das ist trivial.
- Die Abschätzung „
“ folgt aus
. Die Abschätzung „
“ folgt aus Teil (3).

Definition (Ideal zu einem effektiven Divisor)
Sei R ein Zahlbereich und
durch die Menge der Primideale
läuft). Dann nennt man
bezeichnet.In der vorstehenden Definition verwenden wir die Konvention, dass in Ungleichungen der Ausdruck
als
zu verstehen ist. Damit gehört also 0 zu
. Es ergibt sich sofort, dass es sich in der Tat um ein Ideal handelt. Es ist auch nicht das Nullideal, da wir zu den endlich vielen Primidealen
,
, mit
Elemente
wählen können. Dann gehört aber das Produkt
zu dem zu D gehörenden Ideal.
Der folgende Satz zeigt, dass die beiden soeben eingeführten Zuordnungen zwischen den effektiven Divisoren und den von null verschiedenen Idealen in einem Zahlbereich invers zueinander sind. Dies sollte man als eine einfache und übersichtliche Beschreibung für die Menge aller Ideale ansehen.
Satz (Ideale und effektive Divisoren)
Sei R ein ZahlbereichDefinition. Dann sind die Zuordnungen
Beweis
Wir starten mit einem Ideal
und vergleichen
und
. Sei zunächst
. Es ist dann
für jedes Primideal
, so dass natürlich
gilt. Also ist
. Ist hingegen
, so gibt es (nach Aufgabe 22.7) auch ein Primideal
mit
. Da
ein diskreter Bewertungsring ist, gilt
. Also ist
und somit
.
Wir starten nun mit einem effektiven Divisor D und vergleichen D mit
. Die Abschätzung
ist trivial. Für die andere Richtung fixieren wir ein Primideal
und bezeichnen mit
die Ordnung von D an dieser Primstelle. Wir haben ein
zu finden, das an der Stelle
die Ordnung
besitzt. Es sei
ein Element in R derart, dass p in
das maximale Ideal erzeugt. Es seien
alle Primideale
, an denen D von null verschieden ist. Da alle von null verschiedenen Primideale in R maximal sind, gibt es zu jedem
ein hi mit
und
. Dann hat, für hinreichend große νi, das Element
, also
, und andererseits die Eigenschaft
wie gewünscht, da die hi in
die Ordnung null haben.
Der Zusatz folgt aus Lemma 23.9.

Korollar
Sei R ein Zahlbereich und seien
und
Ideale in R. Dann gilt
genau dann, wenn es ein Ideal
gibt mit
.
Beweis
Die Implikation „
“ gilt in beliebigen kommutativen Ringen. Die andere Implikation ist richtig, wenn
ist. Wir können also annehmen, dass die beteiligten Ideale von null verschieden sind. Die Bedingung impliziert nach Lemma 23.9, dass
ist. Somit ist
mit einem effektiven Divisor E. Nach dem Bijektionssatz (Satz 23.11) übersetzt sich dies zurück zu
, so dass mit
die rechte Seite erfüllt ist.

Satz (Eindeutige Idealzerlegung nach Dedekind)
Sei R ein ZahlbereichDefinition und
ein Ideal in R. Dann gibt es eine Produktdarstellung
aus R und eindeutig bestimmten Exponenten ri,
.Beweis
Wir benutzen die bijektive Beziehung (Satz 23.11) zwischen Idealen
und effektiven Divisoren. Auf der Seite der Divisoren haben wir offenbar eine eindeutige Darstellung
. Wendet man auf diese Darstellung die Abbildung
an, so erhält man links das Ideal zurück. Es genügt also zu zeigen, dass der Divisor rechts auf das Ideal
abgebildet wird. Dies folgt aber sofort aus Teil (1) und (2) des Lemmas 23.9.
Korollar
Sei R ein ZahlbereichDefinition und
,
. Dann gibt es eine Produktdarstellung für das Hauptideal
aus R und eindeutig bestimmten Exponenten ri,
.Beweis
Dies folgt direkt aus Satz 23.13.

















