Zahlentheorie (Osnabrück 2008)/Vorlesung 24
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Die Menge der effektiven Divisoren bilden mit der natürlichen Addition ein kommutatives Monoid, aber keine Gruppe, da ja die Koeffizienten
alle nichtnegativ sind. Lässt man auch negative ganze Zahlen zu, so gelangt man zum Begriff des Divisors, die eine Gruppe bilden. Auch den Begriff des Hauptdivisors kann man so erweitern, dass er nicht nur für ganze Elemente aus R, sondern auch für rationale Elemente, also Elemente aus dem Quotientenkörper Q(R), definiert ist.
Definition (Divisor)
Sei R ein Zahlbereich. Ein Divisor ist eine formale Summe
aus R erstreckt und wobei
ganze Zahlen sind mit
für fast alle
.Für einen diskreten Bewertungsring lässt sich die Ordnung
,
, zu einer Ordnungsfunktion auf dem Quotientenkörper fortsetzen,
Definition (Hauptdivisor)
Sei R ein Zahlbereich und
,
. Dann heißt die Abbildung, die jedem Primideal
in R die Ordnung
zuordnet, der durch q definierte Hauptdivisor. Er wird mit
bezeichnet und als formale Summe
Die Menge der Divisoren bildet eine additive freie Gruppe, die wir mit
bezeichnen. Sie enthält die Gruppe der Hauptdivisoren als Untergruppe (siehe Aufgabe 24.2), die wir mit H bezeichnen. Da wir im letzten Abschnitt eine Bijektion zwischen effektiven Divisoren und von null verschiedenen Idealen (und von effektiven Hauptdivisoren mit von null verschiedenen Hauptidealen) gestiftet haben, liegt die Frage nahe, welche (Ideal-ähnlichen) Objekte den Divisoren entsprechen. Wir wollen also wissen, durch welche Objekte wir das Fragezeichen im folgenden Diagramm ersetzen müssen.
Definition (Gebrochenes Ideal)
Sei R ein Zahlbereich mit Quotientenkörper Q(R). Dann nennt man einen endlich erzeugten R- Untermodul
des R- Moduls Q(R) ein gebrochenes Ideal.
Lemma
Sei R ein ZahlbereichDefinition mit Quotientenkörper Q(R) und sei
eine Teilmenge. Dann sind folgende Aussagen äquivalent.
ist ein gebrochenes Ideal.- Es gibt ein Ideal
und ein Element
,
, so dass
gilt.
Beweis
Sei zunächst
ein gebrochenes IdealDefinition. Dann ist
ist. Dann hat man mit dem Ideal
eine Beschreibung der gewünschten Art.
Ist umgekehrt
, so ist dies natürlich ein endlich erzeugter R-Untermodul von Q(R).

Wie für Ideale spielen diejenigen gebrochenen Ideale, die von einem Element erzeugt sind, eine besondere Rolle.
Definition (Gebrochenes Hauptideal)
Sei R ein Zahlbereich mit Quotientenkörper Q(R). Dann nennt man ein gebrochenes Ideal der Form
mit
ein gebrochenes Hauptideal.
Aus Lemma 24.4 ergibt sich sofort, dass für einen Hauptidealbereich jedes gebrochene Ideal ein gebrochenes Hauptideal ist.
Definition (Produkt von gebrochenen Idealen)
Sei R ein Zahlbereich mit Quotientenkörper Q(R). Dann definiert man für gebrochene Ideale
und
das Produkt
als den von allen Produkten erzeugten R-Untermodul von Q(R), also
Wird das gebrochene Ideal
als R-Modul von
erzeugt und wird das gebrochene Ideal
von
erzeugt, so wird das Produkt
von den Produkten figj,
, erzeugt. Also ist das Produkt in der Tat wieder endlich erzeugt und damit ein gebrochenes Ideal. Für Ideale stimmt natürlich das Idealprodukt mit dem hier definierten Produkt von gebrochenen Idealen überein. Das Produkt von gebrochenen Hauptidealen ist wieder ein gebrochenes Hauptideal. Man kann direkt zeigen, oder aber den Bijektionssatz weiter unten benutzen, dass die Menge der von null verschiedenen gebrochenen Ideale eine Gruppe bilden, und die von null verschiedenen gebrochenen Hauptideale darin eine Untergruppe.
Ein gebrochenes Ideal
ist ein sogenannter invertierbarer Modul. D.h. es ist lokal isomorph zum Ring selbst. Mit diesen Formulierungen ist folgendes gemeint: für ein maximales Ideal (also für ein von null verschiedenes Primideal)
ist
(dies ist die Lokalisierung eines Moduls an einem Primideal) ein endlich erzeugter
-Modul (
), der zugleich im Quotientenkörper liegt. Solche Moduln sind isomorph zu
. Siehe Aufgabe 24.9.
Definition (Gebrochenes Ideal zu einem Divisor)
Sei R ein Zahlbereich und
durch die Menge der Primideale
läuft). Dann nennt man
bezeichnet.Das folgende Lemma zeigt, dass man in der Tat ein gebrochenes Ideal erhält, und dass diese Definition mit der früheren Definition 23.10 verträglich ist.
Lemma
Sei R ein ZahlbereichDefinition und
ein Divisor. Dann ist die Menge
ein gebrochenes Ideal. Ist D ein effektiver Divisor, dann ist das so definierte gebrochene Ideal ein Ideal und stimmt mit dem Ideal überein, das einem effektiven Divisor gemäß der Definition Definition 23.10 zugeordnet wird.
Beweis
Sei
. Gemäß der Konvention, dass
zu interpretieren ist, ist
. Für zwei Elemente
mit
gilt
effektiv ist. Also liegt in der Tat ein R-Modul vor.
Sei nun E ein effektiver Divisor. Wir haben zu zeigen, dass
klar ist. Sei also
und angenommen, der zugehörige Hauptdivisor
sei
. Dann ist
insbesondere effektiv. Die Effektivität bedeutet
für jedes von null verschiedene Primideal
und dies bedeutet
. Das heißt, dass f zu jedem diskreten Bewertungsring zu jedem maximalen Ideal von R gehört. Dies bedeutet aber nach Bemerkung 22.19, dass
ist.
Definition (Divisor zu einem gebrochenen Ideal)
ein von null verschiedenes gebrochenes Ideal. Dann nennt man den Divisor
.Da das gebrochene Ideal
nach Definition endlich erzeugt ist, muss man das Minimum nur über eine endliche Menge nehmen. Insbesondere ist der zugehörige Divisor wohldefiniert. Für ein Ideal stimmt diese Definition offensichtlich mit der alten überein.
Lemma
Sei R ein Zahlbereich. Dann gelten folgende Aussagen.
- Sei
ein gebrochenes Ideal mit einer Darstellung
mit
und einem Ideal
. Dann ist
- Zu einem Divisor D gibt es ein
derart, dass
effektiv ist. - Zu einem Divisor D mit
effektiv ist
Beweis
Siehe Aufgabe 24.10.

Auch die Einzelheiten des Beweises des folgenden Satzes überlassen wir dem Leser, siehe Aufgabe 24.11.
Satz
Sei R ein ZahlbereichDefinition. Dann sind die Zuordnungen
Beweis
Wir haben zu zeigen, dass die hintereinandergeschalteten Abbildungen die Identität ergeben. Dies kann man mittels Lemma 24.10 auf den effektiven Fall (Satz 23.11) zurückführen.
















