Zahlentheorie (Osnabrück 2008)/Vorlesung 27
Aus Wikiversity
Inhaltsverzeichnis |
Wir beweisen nun die Endlichkeit der Klassenzahl für die Ganzheitsringe in quadratischen Zahlkörpern. Es sei bemerkt, dass diese Aussage für alle Zahlbereiche gilt, nicht nur für die quadratischen, wir beschränken uns aber auf diese. Wir folgen hier weitgehend dem Skript von Bruns (siehe Literaturliste).
Lemma
Sei R ein quadratischer ZahlbereichDefinition. Dann gibt es nur endlich viele Ideale
in R, deren Norm unterhalb einer gewissen Zahl liegt.
Beweis
Es genügt zu zeigen, dass es zu einer natürlichen Zahl n nur endlich viele Ideale
in R mit
gibt. Sei also
ein solches Ideal. Dann ist
nach Korollar 21.4 und damit entspricht
einem Ideal aus R / n. Dieser Ring ist aber nach Lemma 18.12 endlich und besitzt somit überhaupt nur endlich viele Ideale.

Bemerkung
Sei D quadratfrei und AD der zugehörige quadratische Zahlbereich mit Diskriminante
. Wir wollen ein von null verschiedenes Ideal
aus AD als ein Gitter
vom Rang zwei in
auffassen. Bei D < 0, also im imaginär-quadratischen Fall, verwenden wir die Einbettung
entspricht in der reellen Ebene das Element
.
Bei D > 0, also im reell-quadratischen Fall, verwenden wir stattdessen die Einbettung
mitgeschleppt wird, und dass diese Abbildung lediglich eine
-lineare Abbildung ist, während im imaginär-quadratischen Fall ein Ringhomomorphismus vorliegt.
Das Ideal
sei nun (bei positivem oder negativem D) durch die
-Basis (a,b) erzeugt, mit
und b = α + βu wie in Satz 21.1 beschrieben. Hierbei sei 1,u die übliche
-Basis von AD, also
bzw.
. Das Basiselement u wird auf
bzw. auf
geschickt. Daher wird das zum Ideal gehörige Gitter
(in
) aufgespannt durch
Wir setzen zunächst die Norm des Ideals mit dem Flächeninhalt des Gitters in Verbindung.
Lemma
Sei D eine quadratfreie ZahlDefinition, sei AD der zugehörige quadratische Zahlbereich und sei
die in Bemerkung 27.2 beschriebene Einbettung. Es sei
ein Ideal und
das zugehörige Gitter. Dann ist der Flächeninhalt der Grundmasche des Gitters gleich
Beweis
Das Ideal
sei erzeugt durch die
-Basis (a,b) mit
und b = α + βu wie in Satz 21.1 beschrieben. In Bemerkung 27.2 wurde die zugehörige Gitterbasis ausgerechnet. Der Flächeninhalt eines Gitters wird gegeben durch den Betrag der Determinante von zwei Basiselementen des Gitters. Daher ist bei 
benutzt haben.
Bei
ist

Lemma
Sei D eine quadratfreie ZahlDefinition, sei AD der zugehörige quadratische Zahlbereich mit Diskriminante
. Es sei
ein Ideal. Dann gibt es ein
,
, mit der Eigenschaft
Beweis
Wir wollen den Gitterpunktsatz von Minkowski (Satz 26.7) auf das Gitter
anwenden, das in Bemerkung 27.2 konstruiert wurde. Nach Lemma 27.3 hat die Grundmasche des Gitters den Flächeninhalt
.
Sei D < 0. Als Menge K betrachten wir den Kreis um den Nullpunkt mit Radius
. Der Kreis ist kompaktDefinition, zentralsymmetrischDefinition und konvex, und sein Flächeninhalt ist bekanntlich
. Dies ist so groß wie das Vierfache des Flächeninhalts der Grundmasche des Gitters. Also gibt es einen von null verschiedenen Gitterpunkt
, und
mit
. Die Norm von f (also das Quadrat des komplexen Betrags) ist dann
, wie behauptet.
Sei nun D > 0. Für einen Punkt
(mit
) besitzt das Element
(aus Q(AD)) die Norm
ein. Wir setzen
. Dann hat das Quadrat K mit diesen Eckpunkten den Flächeninhalt
und enthält nach dem Gitterpunktsatz von Minkowski (Satz 26.7) einen von null verschiedenen Gitterpunkt
. Dieser entspricht einem Element
,
, und

Lemma
Sei D eine quadratfreie ZahlDefinition und sei AD der zugehörige quadratische Zahlbereich mit Diskriminante
. Dann enthält jede Idealklasse aus der Klassengruppe ein Ideal
, das die Normschranke
Beweis
Sei c eine Idealklasse. Die inverse Klasse c − 1 wird repräsentiert durch ein Ideal
(Lemma 24.4). Nach Lemma 27.4 enthält
ein Element f,
, mit
. Dies ist ein Ideal, da ja
alle Elemente aus
nach R multipliziert (Aufgabe 25.1). Nach Korollar 21.8 und nach Satz 21.6 ist

Satz (Endlichkeit der Klassenzahl)
Sei R = AD ein quadratischer ZahlbereichDefinition. Dann ist die Klassengruppe von R eine endliche Gruppe.
Beweis
Nach Lemma 27.5 wird jede Klasse in der Klassengruppe repräsentiert durch ein Ideal mit einer Norm, die durch die dort angegebene Schranke beschränkt ist. D.h., dass die Ideale mit Norm unterhalb dieser Schranke alle Klassen repräsentieren. Nach Lemma 27.1 gibt es aber überhaupt nur endlich viele Ideale mit Norm unterhalb einer gegebenen Schranke.

Das im Beweis verwendete Lemma bietet prinzipiell eine Abschätzung für die Anzahl der Klassengruppe.
Definition (Klassenzahl)
Sei AD ein quadratischer Zahlbereich. Dann nennt man die Anzahl der Elemente in der Klassengruppe von AD die Klassenzahl von AD.
Korollar
Sei R = AD ein quadratischer ZahlbereichDefinition und sei
ein Ideal in R. Dann gibt es ein
derart, dass
ein Hauptideal ist.
Beweis
Für das Nullideal ist die Aussage richtig, sei also
von null verschieden. Die zugehörige Idealklasse
besitzt aufgrund von Satz 27.6 in der Idealklassengruppe endliche Ordnung, d.h., dass für ein 
ein Hauptideal ist.
Wir formulieren noch explizit die beiden folgenden Kriterien für Faktorialität.
Korollar
Sei D eine quadratfreie ZahlDefinition und sei AD der zugehörige quadratische Zahlbereich mit Diskriminante
. Es sei vorausgesetzt, dass jedes Primideal
in AD mit der Normbedingung
Beweis
Es sei
ein Ideal
unterhalb der angegebenen Normschranke. Nach dem Satz von Dedekind 23.6 ist
mit Primidealen
, und wegen der Multiplikativität der Norm (Korollar 21.8) sind die Normen dieser Primideale ebenfalls unter der Schranke. Da all diese Primideale nach Voraussetzung Hauptideale sind, ist auch
ein Hauptideal. Da nach Lemma 27.5 jede Idealklasse durch ein Ideal unterhalb der Normschranke repräsentiert wird, bedeutet dies, dass jede Idealklasse durch ein Hauptideal repräsentiert wird. Das heißt die Klassengruppe ist trivial und damit ist nach Satz 25.2 der Ring AD faktoriell.

Korollar
Sei D eine quadratfreie ZahlDefinition und sei AD der zugehörige quadratische Zahlbereich mit Diskriminante
. Es sei vorausgesetzt, dass jede Primzahl p mit
Beweis
Es sei
ein Primideal derart, dass
unterhalb der angegebenen Schranke liegt, und es sei
mit einer Primzahl p. Nach Satz 20.13 gibt es die drei Möglichkeiten
ist p oder p2, so dass auch p unterhalb der Schranke ist und somit nach Voraussetzung eine Primfaktorzerlegung für p besteht. Daraus folgt aber, dass
ein Hauptideal ist. Aus Korollar 27.9 folgt die Behauptung.
Beispiel
Sei
, also D = − 5 und
. Jede Idealklasse enthält ein Ideal
der Norm
, so dass nur Ideale mit Norm 2 zu betrachten sind. Ein Ideal
mit
ist ein Primideal
mit
. Daher ist
und
ist kein Hauptideal. Daher ist die Idealklassengruppe isomorph zu
, wobei das Nullelement durch die Hauptdivisoren (oder Hauptideale) repräsentiert werden und das andere Element durch
.Beispiel
Sei R = A − 19 der quadratische Zahlbereich zu D = − 19, also
bzw.
zu zeigen, dass sie eine Primfaktorzerlegung in R besitzen. Diese Abschätzung wird nur von p = 2 erfüllt. Für p = 2 ist der Restklassenring
![{\mathfrak a} \subseteq A_D \subset L ={\mathbb Q}[\sqrt{D}] \subset {\mathbb C} \cong {\mathbb R}^2 \, .](http://upload.wikimedia.org/math/e/5/3/e53296756bf2dd88bd18de5ce9e0a340.png)
![L = {\mathbb Q}[\sqrt{D}] \longrightarrow {\mathbb R}^2
, \, q_1 +q_2 \sqrt{D} \longmapsto (q_1,q_2 \sqrt{D}) \, .](http://upload.wikimedia.org/math/f/a/d/fade6d8f1a588240a115881342e653a1.png)












![[{\mathfrak a}]^n = [{\mathfrak a}^n]= 0 \,](http://upload.wikimedia.org/math/a/e/8/ae81a5cd0607750aec783999a3098736.png)




![A_{-19} \cong \Z[Y]/(Y^2-Y+5) \, .](http://upload.wikimedia.org/math/c/d/9/cd94342bfcb28bb96ed9ccefb5b07e1d.png)
![R/(2) \cong \Z/(2)[Y]/(Y^2+Y+1) \,](http://upload.wikimedia.org/math/e/5/e/e5e474bc60f828bed7e24cdfc3457c07.png)