Zahlentheorie (Osnabrück 2008)/Vorlesung 3
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- Der euklidische Algorithmus
Definition (Euklidische Restfolge)
Seien zwei Elemente a,b (mit
) eines euklidischen Bereichs R mit euklidischer Funktion δ gegeben. Dann nennt man die durch die Anfangsbedingungen r0 = a und r1 = b und die mittels der Division mit Rest
Satz
Seien zwei Elemente
eines euklidischen Bereichs R mit euklidischer Funktion δ gegeben. Dann besitzt die Folge ri,
, der euklidischen Reste folgende Eigenschaften.
- Es ist ri + 2 = 0 oder δ(ri + 2) < δ(ri + 1).
- Es gibt ein (minimales)
mit rk = 0. - Es ist ggT(ri + 1,ri) = ggT(ri,ri − 1).
- Sei
der erste Index derart, dass rk = 0 ist. Dann ist
Beweis
- Dies folgt unmittelbar aus der Definition der Division mit Rest.
- Solange
ist, wird die Folge der natürlichen Zahlen δ(ri) immer kleiner, so dass irgendwann der Fall ri = 0 eintreten muss. - Wenn t ein gemeinsamer Teiler von ri + 1 und von ri + 2 ist, so zeigt die Beziehung
- Dies folgt aus (3) mit der Gleichungskette

Als Beispiel zum Euklidischen Algorithmus lösen wir die folgende Aufgabe.
Aufgabe Bestimme in
mit Hilfe des euklidischen Algorithmus den größten gemeinsamen Teiler von 1071 und 1029.
Der größte gemeinsame Teiler von 1071 und 1029 wird mit dem Euklidischen Algorithmus wie folgt berechnet:
Für ein weiteres Beispiel siehe hier.
Bestimme in
mit Hilfe des euklidischen Algorithmus den größten gemeinsamen Teiler von 7 + 4i und 5 + 3i.
Wir setzen a = 7 + 4i und b = 5 + 3i und führen die Division mit Rest a / b durch. Es ist (in
)
, so dass die Division mit Rest ergibt:
Satz (Lemma von Bezout)
Sei R ein Hauptidealring. Dann gilt:
Elemente
besitzen stets einen größten gemeinsamen Teiler d, und dieser lässt sich als Linearkombination der
darstellen, d.h. es gibt Elemente
mit
.
Insbesondere besitzen teilerfremde Elemente
eine Darstellung der 1.
Beweis
Sei
das von den Elementen erzeugte Ideal. Da wir in einem Hauptidealring sind, handelt es sich um ein Hauptideal; es gibt also ein Element d mit I = (d). Wir behaupten, dass d ein größter gemeinsamer Teiler der
ist. Die Inklusionen
zeigen, dass es sich um einen gemeinsamen Teiler handelt. Sei e ein weiterer gemeinsamer Teiler der
. Dann ist wieder
, was wiederum e | d bedeutet. Die Darstellungsaussage folgt unmittelbar aus
.
Im teilerfremden Fall ist
.

Lemma (von Euklid)
Sei R ein Hauptidealbereich und
. Es seien a und b teilerfremd und a teile das Produkt bc. Dann teilt a den Faktor c.
Beweis
Da a und b teilerfremd sind, gibt es nach Lemma von Bezout (Lemma 3.3) Elemente
mit ra + sb = 1. Die Voraussetzung, dass a das Produkt bc teilt, schreiben wir als bc = da. Damit gilt

Satz
Sei R ein HauptidealbereichDefinition. Dann ist ein Element genau dann prim,
wenn es irreduzibel ist.
Beweis
Ein Primelement in einem Integritätsbereich ist nach Lemma 1.15 stets irreduzibel. Sei also umgekehrt p irreduzibel, und nehmen wir an, dass p das Produkt ab teilt, sagen wir pc = ab. Nehmen wir an, dass a kein Vielfaches von p ist. Dann sind aber a und p teilerfremd, da eine echte Inklusionskette
der Irreduzibilität von p widerspricht. Damit teilt p nach Lemma 3.4 den anderen Faktor b.

Lemma
In einem HauptidealbereichDefinition lässt sich jede Nichteinheit
darstellen als Produkt von irreduziblen Elementen.
Beweis
Angenommen, jede Zerlegung
enthalte nicht irreduzible Elemente. Dann gibt es in jedem solchen Produkt einen Faktor, der ebenfalls keine Zerlegung in irreduzible Faktoren besitzt. Wir erhalten also eine unendliche Kette
, wobei an + 1 ein nicht-trivialer Teiler von an ist. Somit haben wir eine echt aufsteigende Idealkette

Satz
In einem HauptidealbereichDefinition lässt sich jede Nichteinheit
darstellen als Produkt von Primelementen. Diese Darstellung ist eindeutig bis auf Reihenfolge und Assoziiertheit. Wählt man aus jeder Assoziiertheitsklasse von Primelementen einen festen Repräsentanten p, so gibt es eine bis auf die Reihenfolge eindeutige Darstellung
, wobei u eine Einheit ist und die pi Repräsentanten sind.
Beweis
Die erste Aussage folgt direkt aus Lemma 3.6 und Satz 3.5.
Die behauptete Eindeutigkeit bis auf Umordnung bedeutet, dass wenn
gibt derart, dass pi und qτ(i) assoziiert sind für alle
. Wir beweisen diese Aussage durch Induktion über k. Sei zuerst k = 0 (das sei zugelassen). Dann steht links eine Einheit, also muss auch rechts eine Einheit stehen, was m = 0 bedeutet.
Sei also k > 0 und die Aussage sei für alle kleineren k bewiesen. Die Gleichung ( * ) bedeutet insbesondere, dass pk das Produkt rechts teilt. Da pk prim ist, muss pk einen der Faktoren rechts teilen. Nach Umordnung kann man annehmen, dass qm von pk geteilt wird. Da qm ebenfalls prim ist, sind qm und pk assoziiert. Also ist qm = wpk mit einer Einheit w und man kann die Gleichung ( * ) nach pk kürzen und erhält

Diesen Satz kann man auch so ausdrücken, dass Hauptidealbereiche faktoriell sind im Sinne der folgenden Definition. Für solche Bereiche gilt ganz allgemein, dass die Primfaktorzerlegung eindeutig ist.
Definition (Faktorieller Bereich)
Ein Integritätsbereich heißt faktorieller Bereich, wenn folgende beiden Eigenschaften erfüllt sind.
- Jedes irreduzible Element in R ist prim.
- Jedes Element
,
, ist ein Produkt aus irreduziblen Elementen.
Korollar
Jede positive natürliche Zahl lässt sich eindeutig als Produkt von Primzahlen darstellen.
Beweis
Dies folgt sofort aus Satz 3.7.

Korollar
Sei R ein Hauptidealbereich und seien a und b zwei Elemente
mit Primfaktorzerlegungen
ist für alle Exponenten
.Beweis
Wenn die Exponentbedingung erfüllt ist, so ist
und man kann schreiben

Satz
Sei R ein HauptidealbereichDefinition und
ein Element. Dann sind folgende Bedingungen äquivalent.
- p ist ein Primelement.
- R / (p) ist ein Integritätsbereich.
- R / (p) ist ein Körper.
Beweis
Die Äquivalenz (1)
(2) gilt in jedem kommutativen Ring (auch für p = 0), und (3) impliziert natürlich (2). Sei also (1) erfüllt und sei
von null verschieden. Wir bezeichnen einen Repräsentanten davon in R ebenfalls mit a. Es ist dann
und es ergibt sich eine echte Idealinklusion
. Ferner können wir schreiben (a,p) = (b), da wir in einem Hauptidealring sind. Es folgt p = cb. Da c keine Einheit ist und p prim (also irreduzibel) ist, muss b eine Einheit sein. Es ist also (a,p) = (1), und das bedeutet modulo p, also in R / (p), dass a eine Einheit ist. Also ist R / (p) ein Körper.

















