Zahlentheorie (Osnabrück 2008)/Vorlesung 4
Aus Wikiversity
- Die Restklassenringe

Satz (Einheiten modulo n)
Genau dann ist
eine EinheitDefinition modulo n (d.h. a repräsentiert eine Einheit in
) wenn a und n teilerfremd sind.
Beweis
Sind a und n teilerfremd, so gibt es nach Lemma von Bezout (Lemma 3.3) eine Darstellung der 1, es gibt also natürliche Zahlen r,s mit ra + sn = 1. Betrachtet man diese Gleichung modulo n, so ergibt sich ra = 1 in
. Damit ist a eine Einheit mit Inversem a − 1 = r.
Ist umgekehrt a eine Einheit in
, so gibt es ein
mit ar = 1 in
. Das bedeutet aber, dass ar − 1 ein Vielfaches von n ist, so dass also ar − 1 = sn gilt. Dann ist aber wieder ar − sn = 1 und a und n sind teilerfremd.

Korollar
Beweis
Die Zahl n ist genau dann prim, wenn sie teilerfremd zu jeder Zahl a, 0 < a < n, ist. Dies ist nach Lemma zu modularen Einheiten (Satz 4.1) genau dann der Fall, wenn in
jedes von null verschiedene Element eine Einheit ist.

Definition (Eulersche Funktion)
Zu einer natürlichen Zahl n bezeichnet
die Anzahl der Elemente von
. Man nennt
die Eulersche Funktion.
Bemerkung (Eulersche Funktion)
Die Eulersche Funktion
gibt also (nach Lemma zu modularen Einheiten (Satz 4.1)) an, wie viele Zahlen r, 0 < r < n, zu n teilerfremd sind.
Satz (Euler)
Sei n eine natürliche Zahl.
Dann gilt für jede zu n teilerfremde Zahl a die Beziehung
Beweis
Das Element a gehört zur Einheitengruppe
, die
Elemente besitzt. Nach Satz von Lagrange ist aber die Gruppenordnung ein Vielfaches der Ordnung des Elementes.

Als Spezialfall erhalten wir den sogenannten kleinen Fermatschen Satz:
Lemma (Kleiner Fermat)
Für eine Primzahl p und eine beliebige ganze Zahl a gilt
Beweis
Ist a nicht durch p teilbar, so definiert a ein Element
in der Einheitengruppe
; diese Gruppe hat die Ordnung
, und nach Satz von Lagrange gilt
. Durch Multiplikation mit a ergibt sich die Behauptung. Für Vielfache von p gilt die Aussage ebenso, da dann beidseitig null steht.

Beispiel
Sei beispielsweise p = 5. Dann ist für
Definition (Endlicher Körper)
Ein Körper heißt endlich, wenn er nur endlich viele Elemente besitzt.
Satz
Sei K ein endlicher Körper.
Dann ist das Produkt aller von 0 verschiedener Elemente aus K gleich − 1.
Beweis
Die Gleichung x2 = 1 hat in einem Körper nur die Lösungen 1 und − 1, die allerdings gleich sein können. Das bedeutet, dass für
immer
ist. Damit kann man das Produkt aller Einheiten schreiben als
, so ist das Produkt − 1. Ist hingegen − 1 = 1, so fehlt in dem Produkt der zweite Faktor und das Produkt ist 1 = − 1.
Korollar (Wilson)
Sei p eine Primzahl.
Dann ist
Beweis
Dies folgt unmittelbar aus Satz 4.9, da ja die Fakultät durch alle Zahlen zwischen 1 und p − 1 läuft, also durch alle Einheiten im Restklassenkörper
.

Wir wollen im folgenden die Struktur der Restklassenringe
verstehen, insbesondere, wenn die Primfaktorzerlegung von n bekannt ist.
Lemma
Seien n und k positive natürliche Zahlen, und k teile n.
Dann gibt es einen kanonischen Ringhomomorphismus
Beweis
Wir betrachten die Ringhomomorphismen

Zur Formulierung des Chinesischen Restsatzes erinnern wir an den Begriff des Produktringes.
Definition (Produktring)
Seien
kommutative Ringe. Dann heißt das Produkt
.Satz (Chinesischer Restsatz (Z))
Sei n eine positive natürliche Zahl mit kanonischer Primfaktorzerlegung
(die pi seien also verschieden und
).
Dann induzieren die kanonischen Ringhomomorphismen
einen Isomorphismus
Zu einer gegebenen ganzen Zahl
gibt es also genau eine natürliche Zahl a < n, die die simultanen Kongruenzen
Beweis
Da die Ringe links und rechts beide endlich sind und die gleiche Anzahl von Elementen haben, nämlich n, genügt es, die Injektivität zu zeigen. Sei x eine natürliche Zahl, die im Produktring (rechts) zu null wird, also modulo
den Rest null hat für alle
. Dann ist x ein Vielfaches von
für alle
, d.h., in der Primfaktorzerlegung von x muss pi zumindest mit Exponent ri vorkommen. Also muss x nach Satz 3.10 ein Vielfaches des Produktes sein muss, also ein Vielfaches von n. Damit ist x = 0 in
und die Abbildung ist injektiv.

(a) Bestimme für die Zahlen 3, 5 und 7 modulare Basislösungen, finde also die kleinsten positiven Zahlen, die in
und (0,0,1) repräsentieren.
(b) Finde mit den Basislösungen die kleinste positive Lösung x der simultanen Kongruenzen
(a) (1,0,0): alle Vielfachen von
haben modulo 5 und modulo 7 den Rest 0. Unter diesen Vielfachen muss also die Lösung liegen. 35 hat modulo 3 den Rest 2, somit hat 70 modulo 3 den Rest 1. Also repräsentiert 70 das Restetupel (1,0,0).
(0,1,0): hier betrachtet man die Vielfachen von 21, und 21 hat modulo 5 den Rest 1. Also repräsentiert 21 das Restetupel (0,1,0).
(0,0,1): hier betrachtet man die Vielfachen von 15, und 15 hat modulo 7 den Rest 1. Also repräsentiert 15 das Restetupel (0,0,1).
(b) Man schreibt (in
)
.
- Die Einheiten im Restklassenring
Wir wollen zeigen, dass die Einheitengruppe
, wenn p eine Primzahl ist, eine zyklische Gruppe ist, also von einem Element erzeugt wird. Der Restklassenring
ist ein Körper, und wir werden hier nach einigen Vorbereitungen allgemeiner zeigen, dass jede endliche Untergruppe der multiplikativen Gruppe eines Körpers zyklisch ist. Dazu benötigen wir einige Resultate über kommutative Gruppen und zu Polynomringen über Körpern. Wir beginnen mit zwei gruppentheoretischen Lemmata. Wir verwenden multiplikative Schreibweise.
Lemma
Sei G eine kommutative Gruppe und
Elemente der endlichen Ordnungen
und
, wobei n und m teilerfremd seien.
Dann hat xy die Ordnung nm.
Beweis
Sei (xy)k = 1. Wir haben zu zeigen, dass k ein Vielfaches von nm ist. Es ist

Definition (Exponent)
Der Exponent exp(G) einer endlichen Gruppe G ist die kleinste positive Zahl n mit der Eigenschaft, dass xn = 1 ist für alle
.
Lemma
Sei G eine endliche kommutative Gruppe und sei
, wobei exp(G) den ExponentenDefinition der Gruppe bezeichnet.
Dann ist G zyklisch.
Beweis
Sei
die Primfaktorzerlegung der Gruppenordnung. Der Exponent der Gruppe ist
gibt es ein Element
, dessen Ordnung ein Vielfaches von
ist. Dann gibt es auch (in der von x erzeugten zyklischen Untergruppe) ein Element xi der Ordnung
. Dann hat das Produkt
nach Lemma 4.14 die Ordnung n.




















