Zahlentheorie (Osnabrück 2008)/Vorlesung 6
Aus Wikiversity
Inhaltsverzeichnis |
Wir beenden zunächst unsere Überlegungen, wann die Einheitengruppe eines Restklassenringes von
zyklisch ist.
Lemma
Die Einheitengruppe von
ist nicht zyklisch für
.
Beweis
Die Abbildung
ist. Der Kern besteht also neben 1 aus einem weiteren Element
, das die Ordnung zwei besitzt. Das Element − 1 wird unter der Abbildung auf − 1 geschickt, und in
gilt
, da
ist. Deshalb gehört − 1 nicht zum Kern und somit ist
in
. Also besitzt diese Gruppe zwei verschiedene Elemente der Ordnung zwei. Damit kann die Gruppe nicht zyklisch sein.
Unser abschließendes Resultat ist nun der folgende Satz.
Satz
Die EinheitengruppeDefinition
ist genau dann zyklisch, wenn
ist.Beweis
In den beschriebenen Fällen ist die Einheitengruppe
zyklisch aufgrund von Satz 5.4, Bemerkung 5.12 und der Isomorphie
zyklisch sei. Es sei
die kanonische Primfaktorzerlegung mit ungeraden Primzahlen
und
, die nach dem Chinesischen Restsatz zur Isomorphie
sind aber gerade für pi ungerade und
, und die Ordnung von
ist gerade für
. Also ist
. Bei k = 1 ist r = 2 nicht möglich. Bei k = 0 verbleiben die angeführten Fälle n = 1,2,4.
- Quadratische Reste
Wir wollen nun wissen, welche Zahlen k modulo einer fixierten Zahl n (häufig einer Primzahl) ein Quadrat sind, also eine Quadratwurzel besitzen. Man spricht von quadratischen Resten und quadratischen Nichtresten (besser ist es, von nichtquadratischen Resten zu sprechen).
Definition (Quadratische Reste)
Eine ganze Zahl k heißt quadratischer Rest modulo n, wenn es eine Zahl x gibt mit
Eine Quadratzahl ist natürlich auch ein quadratischer Rest modulo jeder Zahl n. Umgekehrt ist eine Zahl, die selbst keine Quadratzahl ist, modulo gewisser Zahlen ein quadratischer Rest und modulo gewisser Zahlen ein quadratischer Nichtrest. Grundsätzlich kann man zu gegebenen k und n naiv testen, ob k ein quadratischer Rest ist oder nicht, indem man alle Reste quadriert und schaut, ob der durch k definierte Rest dabei ist. Die Frage nach den Quadratresten weist aber eine Reihe von Gesetzmäßigkeiten auf, die wir im folgenden kennen lernen werden und mit deren Hilfe man effektiver entscheiden kann, ob ein Quadratrest vorliegt oder nicht.
Satz (Quadratreste und Chinesischer Restsatz)
Sei n eine positive natürliche Zahl mit kanonischer Primfaktorzerlegung
(die pi seien also verschieden). Dann ist k genau dann Quadratrest modulo n, wenn k Quadratrest modulo
ist für alle
.
Beweis
Dies folgt unmittelbar aus Chinesischen Restsatz (Satz 4.13).

Satz (Quadratreste unter Reduktion I)
Sei p eine ungerade Primzahl und sei
.
- Ist k teilerfremd zu p (also kein Vielfaches von p), dann ist k genau dann ein Quadratrest modulo pr, wenn k ein Quadratrest modulo p ist.
- Ist k = psu mit u teilerfremd zu p und s < r, so ist k genau dann ein Quadratrest modulo pr, wenn s gerade und wenn u ein Quadratrest modulo p ist.
Beweis
Die natürliche Abbildung
liefert sofort, dass ein Quadratrest modulo pr auch ein Quadratrest modulo p ist. Wir zeigen zunächst die Umkehrung für Einheiten. Nach Lemma 5.9 ist die Abbildung
surjektiv und nach Satz 5.11 sind die beteiligten Gruppen zyklisch. D.h. ein Erzeuger wird auf einen Erzeuger abgebildet. Insbesondere kann man diese Gruppen so mit additiven zyklischen Gruppen identifizieren, dass der Homomorphismus die 1 auf die 1 schickt. Dies erreicht man, indem man im folgenden kommutativen Diagramm die Identifikation links mit einem primitiven Element
und rechts ebenfalls mit g (jetzt aufgefasst in
stiftet.
vor.
Die Voraussetzung, dass k modulo p ein Quadratrest ist, übersetzt sich dahingehend, dass das k entsprechende Element (sagen wir b = (b1,b2)) in
ein Vielfaches von 2 ist. D.h. die zweite Komponente, also b2, ist ein Vielfaches der 2. Da modulo der ungeraden Zahl pr − 1 jede Zahl ein Vielfaches von 2 ist (da 2 eine Einheit in
, ist auch die erste Komponente, also b1, ein Vielfaches von 2 und so muss b insgesamt ein Vielfaches der 2 sein.
Sei nun k = psu,
, und zunächst angenommen, dass k ein Quadrat ist. D.h wir können k schreiben als k = x2 mit x = ptv, wobei v eine Einheit sei. Es ist also psu = p2tv2 in
und es ist 2t < r (sonst steht hier 0). Durch Betrachten modulo ps und modulo p2t sieht man, dass s = 2t sein muss. Insbesondere ist s gerade. Es gilt also
und somit können wir ps(u − v2) = cpr schreiben. Kürzen in
ergibt u − v2 = cpr − s, also
. Also ist u ein quadratischer Rest modulo p und nach dem ersten Teil auch modulo pr.
Die Umkehrung von (2) ist nach der unter (1) bewiesenen Aussage klar.

Satz (Quadratreste unter Reduktion II)
Sei p = 2 und sei
.
- Für r = 2 ist k genau dann quadratischer Rest, wenn
ist. - Für
und k ungerade ist k genau dann quadratischer Rest modulo 2r, wenn
ist.
Beweis
(1) ist trivial.
(2). In
ist von den ungeraden Zahlen lediglich die 1 ein Quadrat, so dass der Ringhomomorphismus
zeigt, dass die numerische Bedingung notwendig ist. Sei diese umgekehrt nun erfüllt, also
mit
. Dann kann man nach Bemerkung 5.12 schreiben
. Dies gilt aber auch modulo 8, woraus sofort folgt, dass i gerade und dass das Vorzeichen positiv ist. Dann ist 5i / 2 eine Quadratwurzel von a in
.
Wir werden uns im folgenden weitgehend darauf beschränken, welche Zahlen modulo einer Primzahl Quadratreste sind. Da allerdings die Primfaktorzerlegung einer größeren Zahl nicht völlig unproblematisch ist, müssen wir später auch Techniken entwickeln, die ohne Kenntnis der Primfaktorzerlegung auskommen. Direkt beantworten lässt sich die Frage, wann − 1 ein Quadratrest modulo einer Primzahl ist.
Satz (Wann ist − 1 ein Quadratrest)
Sei p eine Primzahl. Dann gelten folgende Aussagen.
Für p = 2 ist − 1 = 1 ein Quadrat in
.
Für
ist − 1 ein Quadrat in
.
Für
ist − 1 kein Quadrat in
.
Beweis
Die erste Aussage ist klar, sei also p ungerade. Nach Satz 5.4 ist die Einheitengruppe zyklisch der geraden Ordnung lp − 1. Identifiziert man
mit
, so entspricht
dem Element (p − 1) / 2, und − 1 besitzt genau dann eine Quadratwurzel, wenn (p − 1) / 2 in
ein Vielfaches von 2 ist. Dies ist aber genau dann der Fall, wenn (p − 1) / 2 selbst gerade ist, was zu
äquivalent ist.








