Benutzer Diskussion:Methodios/Festungsstadt/Ring
Abschnitt hinzufügenDer Dresdner Promenadenring, seit Anfang des 19. Jahrhunderts durch die sukzessive Entfestigung der Stadt entstanden, war unter denen sich damals herausbildenden Ringanlagen ein besonderes Exemplar!
Da es aufgrund des (damals) chronischen Geldmangels des sächsischen Fiskus an Mitteln für den großzügigen Erwerb des umgebenden Gartenlandes fehlte, war die Dresdner Ringstraße vergleichsweise schmal, bestand sie doch nur aus zwei durchgehenden Baumreihen, die kaum Platz für eine intensive gärtnerische und bildkünstlerische Ausgestaltung boten.
Seinen eigentlichen Reiz aber zog der städtische Verflechtungsraum aus der typischen durchgängigen Mittelbebauung, die immer wieder interessante Raumeindrücke und Platzsituationen zuließ. So war etwa der Blick aus der Prager Straße auf das bekannte Victoriahaus legendär! Aber auch der Pirnaische Platz erhielt seinen bizarren Reiz aufgrund der speziellen städtebaulichen Situation, die der Mittelbebauung geschuldet war.
Im Prinzip gab es doch nach der Entfestigung zwei Bauperioden. Zunächst 1820-1850 ein eher einfacher, klassischer Landhausstil (wie er sich auf der Neustädter Seite z.B. in der Theresienstraße und Antonstraße teilweise erhalten hat), später dann sukzessive Abriß und Errichtung großstädtischer Gründerzeitgebäude,
Die prägende Mittelbebauung hatte sich bereits ab Mitte der 60'er Jahre des 18. Jahrhunderts herausgebildet und folgte ziemlich genau den Festungsgräben, die sie um die Stadt herum umschlossen. Bis zum Beginn der Entfestigungsarbeiten am Anfang des 19. Jahrhunderts war dann daraus eine schon recht kompakte Bebauung enstanden. Da aber der Kurfürst/König schon während des 18. Jahrhunderts große Teile der Wälle verschenkt hatte und dem Staat und der Stadt nach Ende der Napoleonischen Kriege schlichtweg das Geld zum Rückkauf fehlte, hatte man nach Verschüttung der Gräben kaum Platz für eine großzügige Ringanlage. Man entschied sich deshalb dazu, auf das Gelände zwischen der Altstadt und der Mittelbebauung eine weitgehende Bausperre zu legen. Dadurch sollte der Charakter des grünen Bandes zwischen der Altstadt und den Vorstädten erhalten bleiben. Allerdings hielt man sich nicht konsequent daran, wurde doch ab etwa 1825 auf den ehemaligen westlichen Wällen der Antonsplatz angelegt, das einzige konsequente Biedermeier-Ensemble der Altstadt.
- Ab den 80'er Jahren des 19. Jahrhunderts setzte dann die weitgehende Bebauung der Gärten ein, deren Endpunkt durch den Bau des Neuen Rathauses (v. Preuss'scher Garten) markiert worden sein dürfte. Damit war der Ringboulevard, bis auf das Rudiment des sogenannten Koch-Hessischen Grundstücks, zu einer schmalen Allee verkommen. Ansonsten fand auch in dieser Zeit eine starke Überformung der angrenzenden Viertel statt. Es entstanden Kaufhausbauten wie das Viktoriahaus, der Kaiserpalast, Hänsels Residenzkaufhaus und das Kaufhaus Esders. Nach dem Ersten Weltkrieg blieb es dann eher ruhig am Ring. Die Pläne für ein Hochhaus des Dresdner Anzeigers auf dem Koch-Hessischen Terrain zerschlugen sich bekanntlich aufgrund der wirtschaftlichen Misere.
Ironischerweise wurde die unregelmäßig wirkende Anlage des Pirnaischen Platzes, ganz im Gegensatz etwa zum Postplatz, planmäßig angelegt. Gottlob Friedrich Thormeyer, einer der wenigen wirklichen Dresdner in der damaligen Zunft der Bauschaffenden, hatte ihn ab 1820 in einer querrechteckigen Form mit der Pirnaischen Gasse/Landhausstraße alz zentralen Mittelachse angelegt.
- Mit dem Durchbruch von König-Johann- (1886-1888) und Grunaer Straße (1879) und durch die Überformung mit historistischen Großbauten ab Ende des 19. Jh., wurde die einst regelmäßige Anlage zunehmend "enstellt".
Die niedrigen Häuser an der Ostseite des Platzes, am Eingang zur Pirnaischen Gasse, dürften noch aus der Zeit nach 1763 stammen und demnach im sogenannten Dresdner Hungerstil gestaltet sein. Die Südseite des Platzes, vis á vis des Kaiserpalastes, stammt hingegen noch aus der Thormeyer-Zeit und wäre demnach mit dem Prädikat "Biedermeierklassizismus" sicherlich recht treffend beschrieben.
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