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Fehlerfunktion

Aus Wikiversity

Einleitung

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Diese Lerneinheit behandelt die Gaußsche Fehlerfunktion, zur Fehlerfunktion in der Approximationstheorie, welche eine orientierten Fehler als Differenz zwischen einer (oft unbekannten) Funktion und ihrer Approximation beschreibt.

Datenpunkte für unbekannte Funktion

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In der Praxis besteht das "Wissen über die unbekannten Funktion" in der Regel aus Datenpaaren mit . Dabei versucht man in der Approximationstheorie bzw. bei der Verwendung einer Verlustfunktion (Statistik) den Fehler zwischen und .

Differenzierbarkeit der Fehlerfunktion

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Die Differenzierbarkeit der Fehlerfunktion ist eine wesentliche Eigenschaft, um Methoden aus der numerischen Mathematik verwenden zu können, die die Differenzierbarkeit der Fehlerfunktion benötigen.

Graph der Fehlerfunktion

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Graph der Fehlerfunktion
Graph der Fehlerfunktion

Definition als Integral

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Als Fehlerfunktion oder Gaußsche Fehlerfunktion bezeichnet man in der Theorie der speziellen Funktionen die durch das Integral

definierte Funktion.[1]

Bezeichnungen

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Die Bezeichnung kommt von error function.


Aufgabe für Studierende - Differenzierbarkeit

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Erläutern Sie, warum die Fehlerfunktion differenzierbar ist!

Bemerkung - Wert im Nullpunkt

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Durch die obige Definition ist der Wert der Fehlerfunktion im Nullpunkt eindeutig festgelegt, denn es gilt:

Bemerkung - Reihendarstellung des Integranden

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Der Integrand hat über die Reihendarstellung der Exponentialfunktion die folgenden Reihendarstellung:

Fehlerfunktion als Stammfunktion

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Mit der obigen Definition als Integral ist die Fehlerfunktion eine Stammfunktion von . Durch ist auch die Konstante als der Taylorreihe der Stammfunktion eindeutig festgelegt. Daher hat die Taylorreihe von folgende Darstellung:

Für ein reelles Argument ist eine reellwertige Funktion, da die Koeffizienten der Taylorreihe alle reellwertig sind.

Sigmoide Funktion

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Die Fehlerfunktion ist eine Sigmoidfunktion, findet Anwendung in der Statistik und in der Theorie der partiellen Differentialgleichungen und hängt eng mit dem Fehlerintegral zusammen.


Entwicklung als Taylor-Reihe

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Der Integrand der Fehlerfunktion hat folgende Reihendarstellung:

Diese ergibt sich direkt durch Einsetzen des Terms in die Reihendarstellung der Exponentialfunktion. Mit komplexem Argument ist der Integrand eine ganze Funktion.

Gleichmäßige Konvergenz der Partialsummen

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Auf Kreisschreiben konvergieren die Taylorsummen gleichmäßig gegen den Integranden der Fehlerfunktion. Daher kann man die Stammfunktion auf durch summandenweise Integration bilden.

Anwendung des Identitätssatzes

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Mit dem Identitätssatz kann man die Stammfunktion des Integranden als ganze Funktion auf erweitern. Dies liefert eine Stammfunktion von :

Mit kann man diese Potenzreihendarstellung für auch für verwenden.

Komplementäre Fehlerfunktion

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Die komplementäre (bzw. konjugierte) Fehlerfunktion ist gegeben durch

Punktsymmetrie des Graphen

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Die Punktsymmetrie des Graphen der Fehlerfunktion ergibt sich direkt über die ungeraden Exponenten mit . Daher erfüllt sowohl als auch die folgende Eigenschaften:

Verallgemeinerte Fehlerfunktion

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Die verallgemeinerte Fehlerfunktion wird durch das Integral

definiert.

Eigenschaften

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Es gilt:

Die Fehlerfunktion ist ungerade:

Das uneigentliche Integral von bis ist

Außerdem gilt:

Verwendung

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Verwandtschaft mit der Normalverteilung

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Die Fehlerfunktion hat eine gewisse Ähnlichkeit mit der Verteilungsfunktion der Normalverteilung. Sie hat jedoch eine Zielmenge von , während eine Verteilungsfunktion zwingend Werte aus dem Bereich annehmen muss.

Darstellung der Standardnormalverteilung mit Fehlerfunktion

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Es gilt für die Standardnormalverteilung

Verteilungsfunktion - Normalverteilung

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Für die Verteilungsfunktion einer beliebigen Normalverteilung mit Standardabweichung und Erwartungswert

Messreihe - Messfehler

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Falls die Abweichungen der einzelnen Ergebnisse einer Messreihe vom gemeinsamen Mittelwert durch eine Normalverteilung mit Standardabweichung und Erwartungswert 0 beschrieben werden können, dann ist die Wahrscheinlichkeit, mit der der Messfehler einer einzelnen Messung zwischen und liegt (für positives ).

Pseudozufallszahlen

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Die Fehlerfunktion kann verwendet werden, um mit Hilfe der Inversionsmethode normalverteilte Pseudozufallszahlen zu generieren.[2]

Wärmeleitungsgleichung

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Die Fehlerfunktion und die komplementäre Fehlerfunktion kommen beispielsweise in Lösungen der Wärmeleitungsgleichung vor, wenn Randwertbedingungen durch die Heaviside-Funktion vorgegeben sind.

Numerische Berechnung

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Die Fehlerfunktion ist wie die Verteilungsfunktion der Normalverteilung nicht durch eine geschlossene Funktion darstellbar und muss numerisch bestimmt werden.

Berechnung für kleine Werte - Taylorreihe

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Für kleine reelle Werte erfolgt die Berechnung mit der Reihenentwicklung

Berechnung für große Werte - Kettenbruch

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Für große reelle Werte mit der Kettenbruchentwicklung

Approximation für komplexen Wertebereich

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Für den kompletten Wertebereich gibt es folgende Approximation mit einem maximalen Fehler von :[3]

mit

und

Konvergenzgeschwindigkeit - Bürmann-Theorem

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Eine für alle reellen Werte von schnell konvergierende Entwicklung[4] erhält man unter Verwendung des Theorems von Heinrich H. Bürmann:[5][6]

Fehlerabschätzung für die Näherung

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Durch geeignete Wahl von und ergibt sich daraus eine Näherung, deren größter relativer Fehler bei kleiner als ist:

Komplexe Fehlerfunktion

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Die komplexe Fehlerfunktion im Bereich und . Der Farbton gibt den Winkel an, die Helligkeit den Betrag der komplexen Zahl.

Die Definitionsgleichung der Fehlerfunktion kann auf komplexe Argumente ausgeweitet werden:

In diesem Fall ist eine komplexwertige Funktion. Unter komplexer Konjugation gilt

.

Imaginäre Fehlerfunktion

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Die imaginäre Fehlerfunktion ist gegeben durch

mit der Reihenentwicklung

.

Zusammenhang - Faddeeva-Funktion

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Zur Berechnung können und weitere verwandte Funktionen auch durch die Faddeeva-Funktion ausgedrückt werden. Die Faddeeva-Funktion ist eine skalierte komplexe komplementäre Fehlerfunktion und auch als relativistische Plasma-Dispersions-Funktion bekannt. Sie ist mit den Dawson-Integralen und dem Voigt-Profil verwandt. Eine numerische Implementierung von Steven G. Johnson steht als C-Bibliothek libcerf zur Verfügung.[7]

Literatur

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Einzelnachweise

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  1. Bronstein, Semendjajew, Taschenbuch der Mathematik, 6. Auflage, S. 782
  2. Für eine konkrete Implementierung siehe z. B. Peter John Acklam: An algorithm for computing the inverse normal cumulative distribution function. (Memento vom 5. Mai 2007 im Internet Archive)
  3. Numerical Recipes in Fortran 77: The Art of Scientific Computing. Cambridge University Press, 1992, ISBN 0-521-43064-X, S. 214.
  4. H. M. Schöpf, P. H. Supancic: On Bürmann’s Theorem and Its Application to Problems of Linear and Nonlinear Heat Transfer and Diffusion. In: The Mathematica Journal, 2014. doi:10.3888/tmj.16-11.
  5. Moritz Cantor: Bürmann, Heinrich. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 47, Duncker & Humblot, Leipzig 1903, S. 392–394.
  6. E. W. Weisstein: Bürmann’s Theorem. mathworld
  7. Steven G. Johnson, Joachim Wuttke: libcerf.

Siehe auch

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Seiteninformation

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Diese Lernresource können Sie als Wiki2Reveal-Foliensatz darstellen.

Wiki2Reveal

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Dieser Wiki2Reveal Foliensatz wurde für den Lerneinheit Kurs:Funktionentheorie' erstellt der Link für die Wiki2Reveal-Folien wurde mit dem Wiki2Reveal-Linkgenerator erstellt.

Wikipedia2Wikiversity

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