Kurs:Algebraische Kurven/20/Klausur mit Lösungen
| Aufgabe | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 | 16 | 17 | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Punkte | 3 | 3 | 4 | 5 | 3 | 4 | 2 | 6 | 4 | 4 | 2 | 4 | 4 | 3 | 4 | 4 | 5 | 64 |
Aufgabe (3 Punkte)
Definiere die folgenden (kursiv gedruckten) Begriffe.
- Der Polynomring in einer Variablen über einem kommutativen Ring .
- Eine irreduzible Komponente einer affin-algebraischen Menge .
- Eine Nenneraufnahme zu einem multiplikativen System in einem kommutativen Ring .
- Die Einbettungsdimension eines lokalen kommutativen noetherschen Ringes .
- Ein transversaler Schnitt von zwei ebenen Kurven und in einem Punkt .
- Eine projektive ebene Kurve.
- Der Polynomring über besteht aus allen Polynomen
und mit komponentenweiser Addition und einer Multiplikation, die durch distributive Fortsetzung der Regel
definiert ist.
- Eine affin-algebraische Teilmenge heißt eine irreduzible Komponente von , wenn sie irreduzibel ist und wenn es keine irreduzible Teilmenge gibt.
- Man nennt den Unterring
die Nenneraufnahme zu .
- Die minimale Idealerzeugendenzahl für das maximale Ideal heißt die Einbettungsdimension von .
- Die Kurven und schneiden sich im Punkt transversal, wenn sowohl auf als auch auf ein glatter Punkt ist und wenn die Tangenten der beiden Kurven im Punkt verschieden sind.
- Eine projektive ebene Kurve ist die Nullstellenmenge zu einem homogenen nicht-konstanten Polynom .
Aufgabe (3 Punkte)
Formuliere die folgenden Sätze.
- Der Satz über die polynomiale Parametrisierung einer ebenen Kurve.
- Der Satz über die universelle Eigenschaft der Monoidringe.
- Der Satz über die algebraische Struktur eines Potenzreihenrings .
- Es sei ein Körper und seien zwei Polynome. Dann gibt es ein Polynom , , mit . D.h. das Bild einer polynomial parametrisierten Kurve liegt in einer ebenen algebraischen Kurve .
- Es sei ein kommutativer Ring und sei ein kommutatives Monoid. Es sei eine kommutative -Algebra und
ein Monoidhomomorphismus (bezüglich der multiplikativen Struktur von ). Dann gibt es einen eindeutig bestimmten -Algebrahomomorphismus
derart, dass das Diagramm
- Es sei ein Körper und der Potenzreihenring in einer Variablen. Dann ist ein diskreter Bewertungsring.
Aufgabe (4 Punkte)
Man gebe Beispiele für die Methode (Zugang, Strategie), Invarianten (aussagekräftige natürliche Zahlen) von Kurven oder Ringen über die Vektorraumdimension von gewissen Vektorräumen zu definieren. Welche Vorteile hat dieser Zugang?
Aufgabe (5 (2+2+1) Punkte)
Es seien
und sei
.
a) Zeige, dass die beiden Polynome und Teiler des Polynoms sind.
b) Es sei
.
Ist stets ein Teiler von ?
c) Man gebe drei Primfaktoren von an.
a) Es ist
und daher ist (und ebenso ) ein Teiler von .
b) Dies ist nicht der Fall. Für
ist
Das Polynom hat keine reelle Nullstelle und ist deshalb kein Vielfaches von . Daher ist kein Teiler von .
c) Da Teiler von sind, ergibt sich aus Teil a), dass und
Teiler von sind. Daher sind Primteiler von .
Aufgabe (3 Punkte)
Bestimme die -Koordinaten der Schnittpunkte der Graphen der beiden reellen Polynome
und
Ein Schnittpunkt liegt genau dann an den Stellen vor, die eine Nullstelle von sind. Es ist
Wir normieren dieses quadratische Polynom und erhalten die Bedingung
Die Lösungen dafür sind
Dies sind die -Koordinaten der beiden Schnittpunkte.
Aufgabe (4 Punkte)
Beweise den Satz über den Schnitt einer ebenen Kurve mit einer Geraden.
Eine ebene algebraische Kurve ist nach Definition immer die Nullstelle eines Polynoms in zwei Variablen. Die Gerade sei durch die Gleichung gegeben. Ohne Einschränkung sei , dann kann man nach auflösen und erhält die Geradengleichung . Ein Schnittpunkt muss sowohl als auch die Geradengleichung erfüllen. Mit der Geradengleichung kann man in durch ersetzen. Dadurch wird zu einem Polynom in der einen Variablen , das wir nennen. Dann ist äquivalent dazu, dass und ist. D.h. die Schnittmenge wird durch das Polynom beschrieben. Bei ist die ganze Gerade der Schnitt. Bei gibt es nach Korollar 19.9 (Lineare Algebra (Osnabrück 2024-2025)) nur endlich viele Nullstellen.
Aufgabe (2 Punkte)
Zeige, dass es keinen Ringhomomorphismus von nach gibt.
Nehmen wir an, dass es einen Ringhomomorphismus
gebe. Dann wäre
In sind aber alle Quadrate positiv und besitzt keine Quadratwurzel, sodass ein Widerspruch vorliegt.
Aufgabe (6 (3+3) Punkte)
Es sei ein Körper, der nicht algebraisch abgeschlossen sei.
- Zeige, dass es ein homogenes Polynom in zwei Variablen über derart gibt, dass im Nullpunkt die einzige Nullstelle besitzt.
- Zeige, dass man jede
affin-algebraische Menge
durch eine einzige Gleichung beschreiben kann.
- Nach Voraussetzung gibt es ein nichtkonstantes Polynom in einer Variablen ohne Nullstelle in . Wir schreiben
mit , . Wir betrachten die Homogenisierung
Der Nullpunkt ist davon eine Nullstelle. Es sei eine Nullstelle. Bei
kann man durch dividieren und erhält mit eine Nullstelle von , was es nach Voraussetzung nicht gibt. Es ist also
Doch dann wäre und wäre eine Nullstelle des Ausgangspolynoms.
- Nach
dem Hilbertschen Basissatz
ist
Wir zeigen, dass man hierbei zwei Polynome durch eines ersetzen kann, ohne die Nullstellenmenge zu ändern. Durch Induktion über folgt daraus die Aussage. Es sei das Polynom aus Teil (1), und wir betrachten , wir ersetzen also die Variablen durch die beiden Polynome. Nach Teil (1) gilt, dass
genau dann ist, wenn
und
gilt. Also ist
Aufgabe (4 (2+2) Punkte)
Es seien zwei verschiedene Kreise in der Ebene gegeben, die durch die Kreisgleichungen
bzw.
gegeben seien.
a) Zeige, dass der Restklassenring isomorph zu ist, wobei den Grad besitzt.
b) Zeige, dass der Restklassenring isomorph zu einem Ring der Form ist mit einem Polynom
vom Grad .
a) Eine Kreisgleichung hat die Form
also ist nach Ausmultiplizieren
und entsprechend
Daher ist
Da die Kreise verschieden sind, ist dies ein Polynom vom Grad oder . Dabei gilt
und damit sind auch die Restklassenringe isomorph.
b) Wir gehen aus von der Beschreibung aus (a), also
Bei konstant ist dies der Nullring. Andernfalls ist linear und dann kann man nach einer Variablen auflösen, sagen wir
Dann ist
Aufgabe (4 Punkte)
Es sei ein kommutativer Ring und ein Ideal. Zeige, dass genau dann ein Primideal ist, wenn der Restklassenring ein Integritätsbereich ist.
Es sei zunächst ein Primideal. Dann ist insbesondere und somit ist der Restklassenring nicht der Nullring. Es sei in wobei durch Elemente in repräsentiert seien. Dann ist und damit oder . was in gerade oder bedeutet.
Ist umgekehrt ein Integritätsbereich, so handelt es sich nicht um den Nullring und daher ist . Es sei . Dann ist in und daher in , also ist .
Aufgabe (2 Punkte)
Es sei ein algebraisch abgeschlossener Körper und eine kommutative -Algebra von endlichem Typ. Zeige, dass die Punkte aus den maximalen Idealen in entsprechen.
Ein -Punkt ist ein -Algebrahomomorphismus
Da eine -Algebra ist, ist dieser surjektiv. Der Kern davon ist ein maximales Ideal in . Da vom endlichen Typ über einem algebraisch abgeschlossenen Körper ist, ist Satz 10.10 (Algebraische Kurven (Osnabrück 2025-2026)) anwendbar und der Restekörper zu jedem maximalen Ideal ist gleich .
Aufgabe (4 Punkte)
Es sei ein Integritätsbereich und sein Quotientenkörper. Es sei ein Zwischenring. Zeige, dass auch der Quotientenkörper von ist.
Es sei der Quotientenkörper von . Wegen
gibt es nach Aufgabe 13.6 (Algebraische Kurven (Osnabrück 2025-2026)) einen injektiven Ringhomomorphismus
Wir behaupten, dass dieser auch surjektiv ist. Sei mit der Darstellung
mit . Wegen gibt es wiederum Darstellngen und mit . Es ist
Daher ist das Bild von .
Aufgabe (4 Punkte)
Man gebe ein Beispiel von zwei affinen Varietäten und und einem Morphismus
der bijektiv ist, wo aber die Umkehrabbildung nicht stetig ist.
Wir betrachten die affine Gerade und die punktierte Gerade
die affin ist, da man sie als Hyperbel realisieren kann. Wir betrachten die disjunkte Vereinigung
mit einem einzelnen Punkt. Dann erhält man einen natürlichen Morphismus
der auf die offene Einbettung ist und der auf den Nullpunkt abbildet. Es liegt also eine Bijektion vor. Der Punkt ist aber links eine offene Teilmenge, rechts aber nicht, daher ist die Umkehrabbildung nicht stetig.
Aufgabe (3 Punkte)
Bestimme für das numerische Monoid , das durch und erzeugt wird, die Führungszahl und den Singularitätsgrad. Zeige, dass folgendes gilt: Wenn
ist, so gehört genau eine der Zahlen oder zu .
Es ist
Die Führungszahl ist also . Eine Durchsicht der Paare
zeigt, dass jeweils genau ein Element zu gehört.
Aufgabe (4 Punkte)
Es sei algebraisch abgeschlossen. Es seien homogene Polynome vom Grad bzw. , die zueinander teilerfremd seien. Zeige
wobei den Nullpunkt bezeichnet.
Homogene Polynome lassen sich über einem algebraisch abgeschlossenen Körper als Produkt von homogenen Linearfaktoren schreiben, es ist also
und
mit Linearfaktoren , wobei die und paarweise unterschiedliche Geraden durch den Nullpunkt definieren. Insbesondere schneiden sich je zwei Geraden mit der Schnittmultiplizität im Nullpunkt. Nach Satz 26.8 (Algebraische Kurven (Osnabrück 2025-2026)) ist somit direkt
Aufgabe (4 Punkte)
Man gebe ein Beispiel für ein Ideal , das durch zwei Erzeuger minimal erzeugt wird, derart, dass das homogenisierte Ideal in nicht von den Homogenisierungen der beiden Erzeuger erzeugt wird.
Es sei
Zu diesem Ideal gehört auch
Es ist kein Hauptideal, da es oberhalb des Ideals nur endlich viele maximale Ideale gibt. Das angegebene Erzeugendensystem ist also minimal. Die Homogenisierungen der beiden Erzeuger sind und , die beide den Grad besitzen. Das davon erzeugte Ideal besitzt nur homogene ELemente vom Grad . Die Homogenisierung von ist aber vom Grad .
Aufgabe (5 Punkte)
Beweise den Satz über die noethersche Normalisierung für projektive Kurven.
Es sei ein Punkt, der nicht auf der Kurve liegt. Einen solchen Punkt gibt es, da der Körper insbesondere unendlich ist. Wir betrachten die Projektion weg von , die insgesamt einen Morphismus
induziert. Die Faser dieses Morphismus über einem Punkt (der eine Richtung in repräsentiert) besteht genau aus den Punkten der Kurve, die auf der durch definierten Geraden
liegen. Daher wird die Faser über auf beschrieben, indem man in der Kurvengleichung mittels der Geradengleichung eine Variable eliminiert. Das Ergebnis ist ein homogenes Polynom in zwei Variablen vom Grad , das nicht ist, denn sonst wäre ein Punkt der Kurve. Da wir über einem algebraisch abgeschlossenen Körper sind, besitzt dieses Polynom mindestens eine und höchstens Nullstellen, die alle von verschieden sind. Dies ergibt die Surjektivität und die Abschätzung für die Faser.