Zum Inhalt springen

Kurs:Algebraische Kurven (Osnabrück 2025-2026)/Vorlesung 10

Aus Wikiversity



Noethersche Moduln

Wir wollen zeigen, das für einen noetherschen Ring R und einen endlich erzeugten R-Modul jeder R-Untermodul wieder endlich erzeugt ist. Solche Moduln nennt man noethersch.


Es sei R ein kommutativer Ring und M ein R-Modul. Dann heißt M noethersch, wenn jeder R-Untermodul von M endlich erzeugt ist.

Für  M=R  stimmt dies mit der Definition eines noetherschen Ringes überein, da ja die R-Untermoduln von R gerade die Ideale sind.

In den folgenden Aussagen verwenden wir folgende Sprech- bzw. Schreibweise.


Es sei R ein kommutativer Ring und seien M1,M2,M3 R-Moduln. Man nennt ein Diagramm der Form

0M1M2M30

eine kurze exakte Sequenz von R-Moduln, wenn M1 ein R-Untermodul von M2 ist, und wenn M3 ein Restklassenmodul von M2 ist, der isomorph zu M2/M1 ist.

Die Exaktheit bedeutet, dass an jeder Stelle die Beziehung

kernφi+1=bildφi

gilt, wenn φi die R-Modulhomomorphismen bezeichnet.



Lemma  

Es sei R ein kommutativer Ring und

0M1MM30

eine kurze exakte Sequenz von R-Moduln.

Dann ist M genau dann noethersch, wenn sowohl M1 als auch M3 noethersch sind.

Beweis  

Es sei zunächst M noethersch, und  UM1  ein Untermodul. Dann ist U direkt auch ein Untermodul von M, also nach Voraussetzung endlich erzeugt. Es sei nun  VM3  ein Untermodul des Restklassenmoduls. Das Urbild von V in M unter der Restklassenabbildung sei V~. Dieser Modul ist nach Voraussetzung endlich erzeugt, und die Bilder eines solchen Erzeugendensystems erzeugen auch den Bildmodul V.

Es seien nun die äußeren Moduln M1 und M3 noethersch, und sei  UM  ein Untermodul. Es sei  U3M3  der Bild-Untermodul davon. U3 wird von endlich vielen Elementen s1,,sn erzeugt, und wir können annehmen, dass diese  si=ri  die Bilder von Elementen  riU  sind. Betrachte UM1. Dies ist ein Untermodul von M1, und daher endlich erzeugt, sagen wir von t1,,tk, die wir als Elemente in U auffassen. Wir behaupten, dass

r1,,rn,t1,,tk

ein Erzeugendensystem von U bilden. Es sei dazu  mU  ein beliebiges Element. Dann ist  m=i=1naisi  und daher geht das Element mi=1nairi rechts auf 0. Dann gehört es aber zum Kern der Restklassenabbildung, also zu M1. Andererseits gehört dieses Element auch zu U, also zum Durchschnitt M1U, der ja von den t1,,tk erzeugt wird. Also kann man

mi=1nairi=j=1kbjtj

bzw.  m=i=1nairi+j=1kbjtj  schreiben.



Satz  

Es sei R ein noetherscher kommutativer Ring und M ein endlich erzeugter R-Modul.

Dann ist M ein noetherscher Modul.

Beweis  

Wir beweisen die Aussage durch Induktion über die Anzahl n der Modulerzeuger von M. Bei  n=0  liegt der Nullmodul vor. Es sei  n=1.  Dann gibt es eine surjektive Abbildung RMR/𝔞. Nach Lemma 10.3 ist aber ein Restklassenmodul eines noetherschen Moduls wieder noethersch, und der Ring selbst ist nach Voraussetzung noethersch, also ist M noethersch.

Es sei nun  n2  und die Aussage für kleinere n bereits bewiesen. Es sei m1,,mn ein Erzeugendensystem von M. Wir betrachten den durch m1,,mn1 erzeugten R-Untermodul, den wir mit M1 bezeichnen. Dieser Untermodul gibt Anlass zu einer kurzen exakten Sequenz, nämlich

0M1MM/M1=:M30.

Hier wird der linke Modul von n1 Elementen erzeugt und ist nach Induktionsvoraussetzung noethersch. Der rechte Modul wird von der Restklasse von mn, also von einem Element erzeugt, ist also auch noethersch. Nach Lemma 10.3 ist dann M noethersch.



Hilbertscher Nullstellensatz - algebraische Version

Im Folgenden werden für eine R-Algebra A die Begriffe endlich und endlich erzeugt wichtig sein. Ersteres bedeutet, dass A, aufgefasst als R-Modul, endlich erzeugt ist, das zweite, dass A als Algebra endlich erzeugt ist. Der Polynomring R[X1,,Xn] ist im letzteren Sinne endlich erzeugt, und zwar bilden die Variablen ein endliches Algebra-Erzeugendensystem. Der Polynomring ist aber nicht als Modul endlich erzeugt, das einfachste Modul-Erzeugendensystem ist durch alle Monome gegeben.

Wir wollen die algebraische Version des Hilbertschen Nullstellensatzes beweisen. Dazu benötigen wir die beiden folgenden Lemmata.



Lemma  

Es sei R ein noetherscher kommutativer Ring und A eine endlich erzeugte R-Algebra. Es sei  BA  eine R-Unteralgebra, über der A endlich (als B-Modul) sei.

Dann ist auch B eine endlich erzeugte R-Algebra.

Beweis  

Wir schreiben  A=R[x1,,xn]  und  A=Ba1++Bam  mit  aiA.  Wir setzen xi=j=1mbijaj und aiaj=k=1mbijkak mit Koeffizienten  bij,bijkB.  Wir betrachten die von diesen Koeffizienten erzeugte R-Unteralgebra S von B und den S-Untermodul  A~=Sa1++SamA.  Die Produkte aiaj gehören wieder zu diesem Modul, daher ist A~ sogar eine S-Algebra. Weil die xi ebenfalls zu A~ gehören, gilt sogar  A=A~.  Dies bedeutet, dass A ein endlicher S-Modul ist. Nach Korollar 9.9 ist S ein noetherscher Ring und nach Satz 10.4 ist der S-Untermodul  BA  ebenfalls endlicher S-Modul. Die Kette  RSB  zeigt schließlich, dass B eine endlich erzeugte R-Algebra ist.



Lemma  

Es sei K ein Körper und  R=K(X)  der zugehörige rationale Funktionenkörper.

Dann ist R keine endlich erzeugte K-Algebra.

Beweis  

Es sei angenommen, dass die rationalen Funktionen Fi=PiQi, i=1,,n, ein endliches Erzeugendensystem von K(X) bilden, mit Pi,QiK[X], Qi0. Durch Übergang zu einem Hauptnenner kann man annehmen, dass die Nenner  Qi=Q  gleich sind. Die Annahme bedeutet also insbesondere, dass der Körper der rationalen Funktionen sich durch Nenneraufnahme an nur einem Element ergeben würde. Da Q keine Konstante ist (sonst wäre K[X]=K(X), was nicht der Fall ist), ist  Q10  und daher ist  1Q1K(X).  Also gibt es eine Darstellung

1Q1=PQs

mit einem geeigneten s. Daraus folgt  Qs=(Q1)P.  Da Qs und Q1 das Einheitsideal in K[X] erzeugen, folgt daraus, dass bereits Q1 das Einheitsideal erzeugt, also selbst eine Einheit ist. Dann wäre Q aber doch eine Konstante, was es nicht ist.


Die folgende Aussage ist die algebraische Version des Hilbertschen Nullstellensatzes.


Satz  

Es sei K ein Körper und sei  KL  eine Körpererweiterung, die (als K-Algebra) endlich erzeugt sei.

Dann ist L endlich über K.

Beweis  

Wir setzen  L=K[x1,,xn].  Es sei Ki der Quotientenkörper von K[x1,,xi] (innerhalb von L). Wir haben also eine Körperkette

K=K0K1Kn=L.

Wir wollen zeigen, dass L endlich über K ist, und dazu genügt es nach Satz 2.8 (Körper- und Galoistheorie (Osnabrück 2018-2019)) zu zeigen, dass jeder Schritt in der Körperkette endlich ist. Es sei angenommen, dass  KiKi+1  nicht endlich ist, aber alle folgenden Schritte endlich sind. Wir wenden Lemma 10.5 auf

KKi+1L

an und erhalten, dass Ki+1 endlich erzeugt über K ist. Dann ist insbesondere Ki+1 auch endlich erzeugt über Ki. Andererseits ist Ki+1 der Quotientenkörper von Ki[xi+1]. Wir haben also eine Kette

KiKi[xi+1]Q(Ki[xi+1])=Ki+1,

wo Ki+1 endlich erzeugt über Ki ist, aber nicht endlich. Wäre xi+1 algebraisch über Ki, so auch endlich, und dann wäre Ki[xi+1] bereits ein Körper nach Aufgabe 10.1. Dann wäre die letzte Kette insgesamt endlich, im Widerspruch zur Wahl von i. Also ist xi+1 transzendent über Ki. Dann ist aber Ki[xi+1] isomorph zu einem Polynomring in einer Variablen und Q(Ki[xi+1]) ist isomorph zum rationalen Funktionenkörper über Ki. Dieser ist aber nach Lemma 10.6 nicht endlich erzeugt, sodass sich erneut ein Widerspruch ergibt.



Satz  

Es sei K ein Körper und seien A und B zwei K-Algebren von endlichem Typ. Es sei φ:AB ein K-Algebrahomomorphismus.

Dann ist für jedes maximale Ideal 𝔪 aus B auch das Urbild φ1(𝔪) ein maximales Ideal.

Beweis  

Es sei 𝔪 ein maximales Ideal aus B. Wir wissen nach Aufgabe 4.19, dass unter jedem Ringhomomorphismus das Urbild eines Primideals wieder prim ist, also ist φ1(𝔪) zunächst ein Primideal, das wir 𝔭 nennen. Wir erhalten induzierte Ringhomomorphismen

KA/𝔭B/𝔪=L,

wobei L ein Körper ist und wobei beide Homomorphismen injektiv und von endlichem Typ sind. Da die Gesamtabbildung von endlichem Typ ist und K und L Körper sind, folgt aus Satz 10.7, dass diese Abbildung endlich ist. Wir wollen zeigen, dass der Zwischenring A/𝔭 ein Körper ist. Dies folgt aber aus Aufgabe 10.2.



Satz  

Es sei K ein Körper und sei A eine K-Algebra von endlichem Typ.

Dann ist jedes Radikal in A der Durchschnitt von maximalen Idealen.

Beweis  

Nach Aufgabe 10.17 ist jedes Radikal der Durchschnitt von Primidealen. Es genügt also zu zeigen, dass jedes Primideal in einer endlich erzeugten Algebra der Durchschnitt von maximalen Idealen ist. Es sei 𝔭 ein Primideal und  f𝔭.  Dann ist 𝔭 ein Primideal in der Nenneraufnahme  B:=Af.  Es gibt ein (in Af) maximales Ideal  𝔪Af  oberhalb von 𝔭Af. Wir fassen Af als endlich erzeugte K-Algebra auf und betrachten

φ:AAf.

Dann ist  𝔭φ1(𝔪)  und  fφ1(𝔪).  Nach Satz 10.8 ist φ1(𝔪) maximal.



Satz  

Es sei K ein algebraisch abgeschlossener Körper und sei A eine endlich erzeugte K-Algebra.

Dann ist jeder Restklassenkörper von A isomorph zu K.

Anders formuliert: Jedes maximale Ideal in A ist ein Punktideal.

Beweis  

Es sei 𝔪 ein maximales Ideal der endlich erzeugten K-Algebra A und betrachte

KAA/𝔪=:L.

Hier ist L ein Körper und zugleich eine endlich erzeugte K-Algebra. Nach Satz 10.7 muss also L eine endliche K-Algebra sein. Da K algebraisch abgeschlossen ist, muss  K=L  sein.



<< | Kurs:Algebraische Kurven (Osnabrück 2025-2026) | >>
PDF-Version dieser Vorlesung
Arbeitsblatt zur Vorlesung (PDF)