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Kurs:Algebraische Kurven (Osnabrück 2025-2026)/Vorlesung 18

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Monomiale Kurven

Wir spezialisieren nun die Theorie der Monoidringe auf den eindimensionalen Fall und gelangen zu denjenigen Ringen, die monomiale Kurven beschreiben.


Eine monomiale Kurve ist das Bild der affinen Geraden 𝔸K1 unter einer Abbildung der Form

𝔸K1𝔸Kn,t(te1,,ten),

mit  ei1  für alle i.

Wir werden gleich sehen, dass das Bild einer solchen monomialen Abbildung Zariski-abgeschlossen ist, d.h., dass eine monomiale Kurve wirklich eine algebraische Kurve ist. Eine monomiale Kurve ist insbesondere eine parametrisierte und damit eine (aber im Allgemeinen nicht ebene) rationale Kurve. Manchmal bezeichnet man auch die Abbildung selbst als monomiale Kurve. Häufig beschränkt man sich auf den Fall, wo die Exponenten ei insgesamt teilerfremd sind. Dies ist keine wesentliche Einschränkung, da man andernfalls stets  ei=mfi  mit dem größten gemeinsamen Teiler m und teilerfremden Zahlen fi schreiben kann. Dann kann man die Gesamtabbildung als Hintereinanderschaltung

𝔸K1𝔸K1𝔸Kn mit ttm=s und s(s1f1,,snfn)

auffassen, wobei vorne ein einfaches Potenzieren und hinten eine monomiale Kurvenabbildung mit teilerfremden Exponenten vorliegt.

Eine monomiale Abbildung t(t1e1,,tnen) ist nichts anderes als die zum Monoidhomomorphismus n, der den i-ten Basisvektor auf ei schickt, im Sinne von Bemerkung 17.9 gehörende Abbildung der zugehörigen K-Spektren. Diese Monoidabbildung faktorisiert

nM,

wobei M das von den ei erzeugte Untermonoid der natürlichen Zahlen ist. Ein solches Untermonoid heißt numerisches Monoid. Die erste Abbildung ist dabei eine Surjektion. Es liegen also insgesamt Ringhomomorphismen

K[n]=K[X1,,Xn]K[M]K[]=K[T]

und geometrisch die Spektrumsabbildungen

𝔸K1KSpek(K[M])𝔸Kn

vor. Das Bild der affinen Geraden liegt also im K-Spektrum des Monoidringes K[M]. Wir werden in Satz 18.10 sehen, dass die Abbildung 𝔸K1KSpek(K[M]) stets surjektiv ist und im Fall, dass die Exponenten ei teilerfremd sind, auch injektiv.



Die Neilsche Parabel C ist das Bild unter der monomialen Abbildung

𝔸K1𝔸K2,t(t2,t3)=(x,y).

Die zugehörige Gleichung ist  y2=x3,  d.h. es ist  C=V(Y2X3)


Das Besondere an monomialen Kurven ist, dass sie zwar allein durch das Exponententupel (e1,,en) bzw. das davon erzeugte numerische Monoid gegeben sind, also durch einen sehr kleinen Betrag an (kombinatorischer) Information, aber zugleich ein reichhaltiges Beispielmaterial an algebraischen Kurven liefern (dies gilt allgemein für Monoidringe und die dadurch definierten algebraischen Varietäten).



Lemma  

Es sei  M  ein numerisches Monoid, das von teilerfremden natürlichen Zahlen e1,,en erzeugt sei.

Dann gibt es zu jedem  m  eine Darstellung

m=a1e1++anen mit 0ai<ei+1 für 1in1.

Für m hinreichend groß kann man zusätzlich noch  an0  erreichen, sodass es dann eine Darstellung mit nichtnegativen Koeffizienten gibt.

Beweis  

Wegen der Teilerfremdheit gibt es natürlich eine Darstellung

m=b1e1++bnen

mit ganzzahligen Koeffizienten bi. Wir werden sie schrittweise auf die gewünschte Gestalt bringen. Wir schreiben  b1=c1e2+a1  mit  0a1<e2  (Division mit Rest). Dies setzt man in die Gleichung für m ein und schlägt den Term c1e2e1 zu b2e2 dazu. Ebenso bringt man den (neuen) zweiten Koeffizienten auf die gewünschte Form, indem man ihn mit dem dritten Erzeuger verarbeitet. So kann man alle ersten n1 Koeffizienten auf die gewünschte Gestalt bringen.

Es sei die Darstellung nun in der gewünschten Form. Dann ist die Summe der ersten n1 Summanden beschränkt. Wenn m größer als diese Schranke ist, so muss der letzte Summand und damit auch der letzte Koeffizient nichtnegativ sein.


Zu einem von teilerfremden Elementen erzeugten Untermonoid gehören also ab einer gewissen Stelle alle natürlichen Zahlen. Diese bekommt sogar einen eigenen Namen.


Es sei  M  ein durch teilerfremde Erzeuger definiertes numerisches Monoid. Dann nennt man die minimale Zahl f mit  fM  die Führungszahl von M.

Wir geben noch einige weitere Definitionen von numerischen Invarianten von monomialen Kurven, die man diskret, also auf der Ebene des numerischen Monoids berechnen kann. Wir werden später sehen, dass diese Invarianten allgemeiner für beliebige algebraische Kurven definiert werden können, dort aber im allgemeinen schwieriger zu berechnen sind.


Es sei  M  ein numerisches Monoid mit teilerfremden Erzeugern. Dann nennt man die minimale Anzahl von Elementen in einem Erzeugendensystem für M die Einbettungsdimension von M.


Es sei  M  ein durch teilerfremde Erzeuger definiertes numerisches Monoid. Dann nennt man das minimale positive Element eM, e1, die Multiplizität von M, geschrieben e(M).


Es sei  M  ein durch teilerfremde Erzeuger definiertes numerisches Monoid. Dann nennt man die Anzahl der Lücken, d.h. der natürlichen Zahlen M, den Singularitätsgrad von M, geschrieben δ(M).


Wir betrachten das durch 5,8 und 11 erzeugte numerische Monoid M. M besteht also aus allen Summen 5a1+8a2+11a3 mit nichtnegativen Koeffizienten a1,a2,a3. Es lässt sich einfach überlegen, dass M die folgenden Elemente enthält:

0,5,8,10,11,13,15,16,18,19,20,21,22,23,24,25,.

Da es insbesondere fünf Zahlen hintereinander enthält (von 18 bis 22), muss jede weitere Zahl auch dazu gehören, da man ja einfach  5M  dazuaddieren kann. Damit ist die Führungszahl 18, die Multiplizität ist 5, der Singularitätsgrad ist 10 und die Einbettungsdimension ist 3.




Satz  

Es sei  M  ein durch teilerfremde natürliche Zahlen e1,,en erzeugtes Untermonoid.

Dann ist die monomiale Abbildung

𝔸K1KSpek(K[M])

eine Bijektion.

Beweis  

Die Abbildung kann man nach Bemerkung 17.9 als die natürliche Abbildung

𝔸K1=Mormon(,K)Mormon(M,K)

auffassen, die durch die Inklusion von Monoiden  M  induziert ist. Zur Injektivität seien  a,bK  gegeben und sei angenommen, dass für alle  mM  gilt:  am=bm.  Bei  b=0  folgt sofort  a=0,  sei also  b0,  was  a0  nach sich zieht. Da es für M ein teilerfremdes Erzeugendensystem gibt, gehören nach Lemma 18.4 ab einem gewissen f alle natürlichen Zahlen zu M. Es ist also insbesondere  af=bf  und  af+1=bf+1.  Damit ist

a=af+1af=bf+1bf=b.

Zur Surjektivität. Es sei ein Monoidhomomorphismus φ:MK gegeben, und wir müssen ihn zu einem Monoidhomomorphismus auf ganz fortsetzen. Es sei  φ(ei)=aiK.  Zwischen diesen Werten gilt die Beziehung

ajei=φ(ej)ei=φ(eiej)=φ(ei)ej=aiej.

Wenn eines der  ai=0  ist, so müssen alle =0 sein und die Nullabbildung ist eine Fortsetzung. Wir können also annehmen, dass alle ai Einheiten sind. Wegen der Teilerfremdheit der ei gibt es eine Darstellung der Eins, d.h. es gibt ganze Zahlen m1,,mn mit  m1e1++mnen=1.  Wir behaupten, dass durch 1a=a1m1anmn eine Fortsetzung auf gegeben ist. Dazu müssen wir zeigen, dass der durch 1a (also kak) definierte Monoidhomomorphismus mit φ übereinstimmt, was man nur für die ei überprüfen muss. Betrachten wir also e1. Dann ist

ae1=(a1m1anmn)e1=a1e1m1a2e1m2ane1mn=a11i=2nmiei(a2e1m2ane1mn)=a1(a1m2e2a2e1m2)(a1mnenane1mn)=a1(a1e2a2e1)m2(a1enane1)mn=a1,

da die Faktoren rechts in der vorletzten Zeile alle gleich 1 nach der Vorüberlegung (oberes Display) sind.


Bemerkung

Den vorstehenden Satz kann man auch über die universelle Eigenschaft der Differenzengruppe beweisen. Wir skizzieren dies kurz für die Surjektivität. Die Differenzengruppe eines numerischen Monoids mit teilerfremden Erzeugern ist . Der Fall, dass ein Erzeuger auf 0 geht, wird wie im Beweis abgehandelt. Dann kann man davon ausgehen, dass ein Monoidhomomorphismus φ:MK× in die Einheitengruppe des Körpers vorliegt. Dann gibt es nach der universellen Eigenschaft der Monoidringe eine (eindeutig bestimmte) Fortsetzung φ~:K×, die das Urbild liefert.


Die folgenden beiden Aussagen zeigen, dass es für ein numerisches Monoid ein kanonisches Erzeugendensystem gibt und dass damit die Einbettungsdimension eine neue Interpretation erhält, die sich später auf beliebige noethersche lokale Ringe übertragen lässt (ein Monoidring ist natürlich nicht lokal, wohl aber die Lokalisierung an der Singularität eines numerischen Monoids).



Lemma  

Es sei  M  ein numerisches Monoid mit teilerfremden Erzeugern, und es sei  M+={mMm1}  und  M++M+={m+mm,mM+}

Dann ist

M+(M++M+)

ein Erzeugendensystem für M, und jedes andere Erzeugendensystem enthält dieses.

Beweis  

Ein Element  mM+(M++M+)  lässt sich nicht als Summe von anderen Elementen darstellen, daher gehört es zu jedem Erzeugendensystem. Umgekehrt ist es aber schon ein Erzeugendensystem. Wäre das nicht der Fall, so gäbe es ein minimales Element  xM,  das nicht von diesen Elementen erzeugt würde. Insbesondere gehört dann x nicht zu diesen Elementen und daher ist  x=x1+x2  mit  x1,x2M++M+.  Diese beiden Summanden sind aber kleiner als x und deshalb gibt es für sie eine Summendarstellung aus diesen Elementen, was sofort ein Widerspruch ist.



Korollar  

Es sei  M  ein numerisches Monoid mit teilerfremden Erzeugern, und es sei  M+={mMm1}  und  M++M+={m+mm,mM+}.  Dann ist die Einbettungsdimension von M gleich der Anzahl von M+(M++M+).

Beweis  

Dies folgt direkt aus Lemma 18.12.


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