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Kurs:Algebraische Kurven (Osnabrück 2025-2026)/Vorlesung 19

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Restklassendarstellung für monomiale Kurven

Es sei  M  ein numerisches Monoid, das von den teilerfremden natürlichen Zahlen e1,,en erzeugt werde. Die zugehörige Surjektion nM führt zu einer Surjektion

K[X1,,Xn]K[M],XiTei,

und einer abgeschlossenen Einbettung C=KSpek(K[M])𝔸Kn. Durch welche Gleichungen lässt sich C beschreiben?



Satz  

Es sei  M  ein durch teilerfremde Elemente e1,,en erzeugtes Untermonoid und sei nM die zugehörige surjektive Abbildung mit dem zugehörigen Restklassenhomomorphismus φ:K[X1,,Xn]K[M].

Dann wird das Kernideal durch

kerφ=(iI1XiriiI2Xisi:I1,I2{1,,n} disjunkt ,iI1riei=iI2siei)

(mit ri,si1) beschrieben.

Beweis  

Dass die angegebenen Elemente zum Kernideal gehören folgt direkt aus

φ(iI1Xiri)=iI1(tei)ri=tiI1riei.

Für die Umkehrung sei  FK[X1,,Xn]  ein Polynom mit  φ(F)=0.  Wir schreiben

F=νaνXν

(mit ν=(ν1,,νn)). Daher ist

φ(F)=νaνti=1nνiei=k=0(ν:i=1nνiei=kaν)tk.

Da dieses Polynom gleich 0 ist müssen alle Koeffizienten 0 sein, d.h. zu jedem k gehört auch

Fk=ν:i=1nνiei=kaνXν

zum Kern. Wir können also annehmen, dass in F nur Monome Xν mit dem gleichen Wert  i=1nνiei=k  vorkommen. Betrachten wir ein solches Monom aus F, sagen wir Xν (mit aν0). Es muss in F mindestens noch ein weiteres Monom, sagen wir Xμ, vorkommen, da ein einzelnes Monom nicht auf 0 abgebildet wird. Wir schreiben

F=aν(XνXμ)+(FaνXν+aνXμ).

Im Summand rechts kommt Xν nicht mehr vor, und es kommt auch kein neues Monom hinzu. In XνXμ können wir diejenigen Variablen, die beidseitig auftreten, so weit ausklammern, dass sich ein Ausdruck der Form

XνXμ=X1b1Xnbn(iI1XiriiI2Xisi)

mit disjunkten I1 und I2 und mit  iI1eiri=iI2eisi  ergibt. Der linke Summand in obiger Beschreibung von F gehört also zu dem von den angegebenen Binomen erzeugten Ideal und wir können mit dem rechten Summand, in dem ein Monom weniger vorkommt, fortfahren.


Die im vorstehenden Satz auftretenden Gleichungen nennt man binomiale Gleichungen. Die einfachsten binomialen Gleichungen sind von der Bauart (ij)

Xiej/ggT(ei,ej)=Xjei/ggT(ei,ej).

Im Fall von ebenen monomialen Kurven ist das auch die einzige Gleichung.


Korollar  

Es sei C die durch t(te1,te2)=(x,y) (mit e1,e2 teilerfremd) gegebene monomiale ebene Kurve.

Dann ist

C=V(Xe2Ye1).

Beweis  

Dies folgt sofort aus Satz 19.1.


Bei monomialen Raumkurven lassen sich die beschreibenden Gleichungen auch noch einigermaßen einfach bestimmen, da man immer eine Variable isolieren kann.


Es sei  C𝔸K3  die „gedrehte Kubik“, also das Bild der monomialen Abbildung, die durch t(t,t2,t3) gegeben ist. Diese Kurve ist isomorph zu einer affinen Geraden und insbesondere glatt. Das beschreibende Ideal ist nach Satz 19.1 gleich

𝔞=(YX2,ZX3,Y3Z2,ZXY)=(YX2,ZX3).

Die beiden letzten Idealerzeuger sind dabei überflüssig, da sie sich durch die beiden anderen ausdrücken lassen. Insgesamt ist also

C=V(YX2,ZX3).

Die Bilder von C unter den drei verschiedenen Projektion sind

C1=V(Z2Y3),C2=V(ZX3),C3=V(YX2).

Dabei sind C2 und C3 isomorph zur affinen Geraden (als Graph einer Abbildung), während C1 die singuläre Neilsche Parabel ist.



Es sei C die durch

t(t3,t4,t5)=(x,y,z)

gegebene monomiale Kurve. Für jede der drei Variablen müssen wir gemäß Satz 19.1 schauen, welche Potenzen davon, wenn man die t-Potenz substituiert, sich auch als Monom in den beiden anderen Variablen ausdrücken lassen.

Zunächst haben wir die Gleichungen, in denen jeweils nur zwei Variablen vorkommen. Das sind

Y3=X4,Z3=X5,Z4=Y5.

Hier kann es, wie im ebenen Fall, immer nur eine Beziehung geben.

In den Relationen, wo alle drei Variablen beteiligt sind, kommt eine der Variablen allein vor. Starten wir mit X. Zunächst lassen sich X und X2 nicht durch die anderen Variablen ausdrücken, dafür haben wir  X3=T9=YZ.  Eine andere (davon unabhängige) Kombination ist nicht möglich. Grundsätzlich impliziert eine mehrfache Darstellung  Xk=YiZj=YaZb,  dass man zwischen Potenzen von Y und von Z eine Beziehung hat, da man ja die kleineren Potenzen rauskürzen kann. Da wir alle Relationen mit nur zwei Variablen schon aufgelistet haben, liefert eine Potenz von X immer nur maximal eine neue Relation. Wir behaupten, dass wir für X alleinstehend schon fertig sind. Ist nämlich  Xk=YiZj,  so ist  k3.  Bei  i=0  oder  j=0  haben wir die Gleichungen schon aufgelistet. Es sei also  i,j1.  Dann kann man aber mittels der Gleichung  X3=YZ  die Exponenten in der Gleichung kleiner machen (indem man den Exponenten von X um 3 reduziert und die Exponenten von Y und von Z um 1).

Für Y hat man sofort die Gleichung  Y2=ZX,  mit der man wieder alle anderen Gleichungen reduzieren kann.

Für Z hat man  Z2=X2Y  und  Z3=XY3.  Es gibt keine kleineren Monome in X und Y, die man als Potenz von Z ausdrücken kann. Daher kann man jede andere Relation mittels einer von diesen auf eine frühere zurückführen.

Insgesamt haben wir also für die Kurve C die Gleichungen

C=V(Y3X4,Z3X5,Z4Y5,X3YZ,Y2XZ,Z2X2Y,Z3XY3).



Ganzheit

Es seien R und S kommutative Ringe und sei  RS  eine Ringerweiterung. Für ein Element  xS  heißt eine Gleichung der Form

xn+rn1xn1+rn2xn2++r1x+r0=0,

wobei die Koeffizienten ri,i=0,,n1, zu R gehören, eine Ganzheitsgleichung für x.


Es seien R und S kommutative Ringe und  RS  eine Ringerweiterung. Ein Element  xS  heißt ganz (über R), wenn x eine Ganzheitsgleichung mit Koeffizienten aus R erfüllt.


Es seien R und S kommutative Ringe und  RS  eine Ringerweiterung. Dann nennt man die Menge der Elemente  xS,  die ganz über R sind, den ganzen Abschluss von R in S.


Es seien R und S kommutative Ringe und sei  RS  eine Ringerweiterung. Dann heißt S ganz über R, wenn jedes Element  xS  ganz über R ist.

S ist genau dann ganz über R, wenn der ganze Abschluss von R in S gleich S ist.



Lemma  

Es seien R und S kommutative Ringe und  RS  eine Ringerweiterung. Für ein Element  xS  sind folgende Aussagen äquivalent.

  1. x ist ganz über R.
  2. Es gibt eine R-Unteralgebra T von S mit  xT  und die ein endlicher R-Modul ist.
  3. Es gibt einen endlichen R-Untermodul M von S, der einen Nichtnullteiler aus S enthält, mit  xMM

Beweis  

(1) (2). Wir betrachten die von den Potenzen von x erzeugte R-Unteralgebra R[x] von S, die aus allen polynomialen Ausdrücken in x mit Koeffizienten aus R besteht. Aus einer Ganzheitsgleichung

xn+rn1xn1+rn2xn2++r1x+r0=0

ergibt sich

xn=rn1xn1rn2xn2r1xr0.

Man kann also xn durch einen polynomialen Ausdruck von einem kleineren Grad ausdrücken. Durch Multiplikation dieser letzten Gleichung mit xi kann man jede Potenz von x mit einem Exponenten n durch einen polynomialen Ausdruck von einem kleineren Grad ersetzen. Insgesamt kann man dann aber all diese Potenzen durch polynomiale Ausdrücke vom Grad n1 ersetzen. Damit ist

R[x]=R+Rx+Rx2++Rxn2+Rxn1

und die Potenzen x0=1,x1,x2,,xn1 bilden ein endliches R-Modul-Erzeugendensystem von  T=R[x]

(2) (3). Es sei  xTST eine R-Unteralgebra, die als R-Modul endlich erzeugt sei. Dann ist  xTT,  und T enthält den Nichtnullteiler 1.

(3) (1). Sei  MS  ein endlich erzeugter R-Untermodul mit  xMM.  Es seien y1,,yn erzeugende Elemente von M. Dann ist insbesondere xyi für jedes i eine R-Linearkombination der yj,j=1,,n. Dies bedeutet

xyi=j=1nrijyj

mit  rijR,  oder, als Matrix geschrieben,

x(y1y2yn)=(r1,1r1,2r1,nr2,1r2,2r2,nrn,1rn,2rn,n)(y1y2yn).

Dies schreiben wir als

0=(xr1,1r1,2r1,nr2,1xr2,2r2,nrn,1rn,2xrn,n)(y1y2yn).

Nennen wir diese Matrix A (die Einträge sind aus S), und sei Aadj die adjungierte Matrix. Dann gilt  AadjAy=0  (y bezeichne den Vektor (y1,,yn)) und nach der Cramerschen Regel ist  AadjA=(detA)En,  also gilt

((detA)En)y=0.

Es ist also  (detA)yj=0  für alle j und damit

(detA)z=0

für alle  zM.  Da M nach Voraussetzung einen Nichtnullteiler enthält, muss  detA=0  sein. Die Determinante ist aber ein normierter polynomialer Ausdruck in x vom Grad n, sodass eine Ganzheitsgleichung vorliegt.



Korollar  

Es seien R und S kommutative Ringe und sei  RS  eine Ringerweiterung.

Dann ist der ganze Abschluss von R in S eine R-Unteralgebra von S.

Beweis  

Die Ganzheitsgleichungen Xr,rR, zeigen, dass jedes Element aus R ganz über R ist. Es seien  x1S  und  x2S  ganz über R. Nach der Charakterisierung der Ganzheit gibt es endliche R-Unteralgebren  T1,T2S  mit  x1T1  und  x2T2.  Es sei y1,,yn ein R-Erzeugendensystem von T1 und z1,,zm ein R-Erzeugendensystem von T2. Wir können annehmen, dass  y1=z1=1  ist. Betrachte den endlich erzeugten R-Modul

T=T1T2=yizj,i=1,,n,j=1,,m,

der offensichtlich x1+x2 und x1x2 (und 1) enthält. Dieser R-Modul T ist auch wieder eine R-Algebra, da für zwei beliebige Elemente gilt

(rijyizj)(sklykzl)=rijsklyiykzjzl,

und für die Produkte gilt  yiykT1  und  zjzlT2,  sodass diese Linearkombination zu T gehört. Dies zeigt, dass die Summe und das Produkt von zwei ganzen Elementen wieder ganz ist. Deshalb ist der ganze Abschluss ein Unterring von S, der R enthält. Also liegt eine R-Unteralgebra vor.



Es seien R und S kommutative Ringe und  RS  eine Ringerweiterung. Man nennt R ganz-abgeschlossen in S, wenn der ganze Abschluss von R in S gleich R ist.


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