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Kurs:Algebraische Kurven (Osnabrück 2025-2026)/Vorlesung 20

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Normale Ringe und Normalisierung

Ein Integritätsbereich heißt normal, wenn er ganz-abgeschlossen in seinem Quotientenkörper ist.

Wichtige Beispiele für normale Ringe werden durch faktorielle Ringe geliefert.


Satz  

Es sei R ein faktorieller Integritätsbereich.

Dann ist R normal.

Beweis  

Es sei  K=Q(R)  der Quotientenkörper von R und  qK  ein Element, das die Ganzheitsgleichung

qn+rn1qn1+rn2qn2++r1q+r0=0

mit  riR  erfüllt. Wir schreiben q=a/b mit a,bR, b0, wobei wir annehmen können, dass die Darstellung gekürzt ist, dass also a und b keinen gemeinsamen Primteiler besitzen. Wir müssen zeigen, dass b eine Einheit in R ist, da dann  q=ab1  zu R gehört.

Wir multiplizieren die obige Ganzheitsgleichung mit bn und erhalten in R

an+(rn1b)an1+(rn2b2)an2++(r1bn1)a+(r0bn)=0.

Wenn b keine Einheit ist, dann gibt es einen Primteiler p von b. Dieser teilt alle Summanden (rnibi)ani für i1 und daher auch den ersten, also an. Das bedeutet aber, dass a selbst ein Vielfaches von p ist, im Widerspruch zur vorausgesetzten Teilerfremdheit.



Es sei R ein normaler Integritätsbereich und sei  SR  ein multiplikatives System.

Dann ist auch die Nenneraufnahme RS normal.

Beweis

Siehe Aufgabe 20.6.



Es sei R ein Integritätsbereich und Q(R) sein Quotientenkörper. Dann nennt man den ganzen Abschluss von R in Q(R) die Normalisierung von R.

Die Normalisierung ist nach Korollar 19.10 ein Unterring des Quotientenkörpers. Es ist eine nichttriviale Tatsache, dass falls R von endlichem Typ über einem Körper ist, dann auch die Normalisierung davon von endlichem Typ ist.



Normalisierung von Monoidringen

Wir wollen besprechen, wann Monoidringe normal sind und wie gegebenenfalls die Normalisierung eines Monoidrings aussieht. Hierzu brauchen wir zunächst Bedingungen, die sicherstellen, dass ein Monoidring über einem Integritätsbereich wieder integer ist.


Ein kommutatives Monoid M heißt torsionsfrei, wenn für  m,nM  aus  rm=rn  für eine positive Zahl  r+  stets  m=n  folgt.



Satz  

Es sei R ein Integritätsbereich und sei M ein torsionsfreies kommutatives Monoid, das die Kürzungsregel erfüllt.

Dann ist der Monoidring R[M] ein Integritätsbereich.

Beweis  

Zunächst ist  MΓ(M),  wobei Γ(M) die Differenzengruppe zu M bezeichnet. Damit ist  R[M]R[Γ(M)]  ein Unterring, und es genügt die Aussage für R[Γ(M)] zu beweisen. Da M torsionsfrei ist, ist nach Aufgabe 20.10 auch Γ(M) torsionsfrei. Wir können also annehmen, dass M eine torsionsfreie kommutative Gruppe ist. Es sei nun

nManXnnMbnXn=0.

Da hier fast alle Koeffizienten 0 sind, spielt sich dies in einer endlich erzeugten Untergruppe U der torsionsfreien Gruppe M ab. Nach dem Hauptsatz über endlich erzeugte torsionsfreie kommutative Gruppen ist dann  Un.  Wir können also sogar  M=n  annehmen. Dann ist aber R[M] eine Nenneraufnahme eines Polynomringes über einem Integritätsbereich und damit integer.


Für ein Monoid ohne Kürzungsregel kann der zugehörige Monoidring über einem Integritätsbereich Nullteiler besitzen.


Es sei M ein Monoid, in dem es zwei verschiedene Elemente m und n gebe mit  m+n=n+n.  Daraus folgt ohne die Kürzungsregel nicht  m=n.  Im Monoidring über einem beliebigen Integritätsbereich R ist XmXn0 und Xn0, aber

(XmXn)Xn=Xm+nXn+n=X2nX2n=0.


Es sei M ein torsionsfreies kommutatives Monoid mit Kürzungsregel und mit zugehöriger Differenzengruppe Γ(M). Dann heißt das Untermonoid

M~={mΓ(M) es gibt r+ mit rmM}

die Normalisierung von M.



Satz  

Es sei M ein torsionsfreies kommutatives Monoid mit Kürzungsregel und mit zugehöriger Differenzengruppe Γ(M) und mit Normalisierung M~, MM~Γ(M). Es sei R ein normaler Integritätsbereich.

Dann ist die Normalisierung des Monoidringes R[M] der Monoidring R[M~].

Insbesondere ist der Monoidring zu einem normalen Monoid über einem normalen Ring selbst wieder normal.

Beweis  

Zunächst ist

R[M]R[M~]R[Γ(M)]Q(R)[Γ(M)]Q(R[M]).

Es sei  mM~  mit m=nk,n,kM, und mit  rm=m+m++m=M  (r mal). Damit ist  Tm=Tn/Tk  ein Element im Quotientenkörper und nach der zweiten Eigenschaft ist  (Tm)rR[M].  Dies bedeutet, dass eine (reine) Ganzheitsgleichung für Tm vorliegt und damit Tm zur Normalisierung von R[M] gehört. Somit gilt  K[M~]K[M]norm.  Für die Umkehrung kann man M durch M~ ersetzen und sich somit auf den Fall beschränken, wo M normal ist. Man beweist zuerst, dass für eine torsionsfreie kommutative Gruppe G der Gruppenring R[G] normal ist, was daraus folgt, dass der Polynomring über einem normalen Bereich wieder normal ist. Dann muss man zeigen, dass R[M] in R[Γ(M)] ganz-abgeschlossen ist. Ein Element  qR(Γ(M))  und eine Ganzheitsgleichung dafür lebt im Monoidring zu einer endlich erzeugten Untergruppe  UΓ(M),  sodass man  Γ(M)=n  annehmen darf.

Hier kommt nun etwas konvexe Geometrie ins Spiel, was wir nicht ausführen. Jedenfalls lässt sich ein normales Untermonoid  Mn  als der Durchschnitt (innerhalb von n oder n) von n und einem polyedrischen Kegel darstellen. Ein solcher Kegel ist selbst wiederum der Durchschnitt von endlich vielen Halbräumen Hi (Lemma von Gordan). Dabei ist ein Halbraum H durch eine lineare Abbildung p:V=n mit  H=p1(+)  gegeben. Daraus folgt, dass M ein endlicher Durchschnitt  M=iIMi  mit  Mi=pi1()  ist. Daraus ergibt sich, dass die Mi eine Form  Mi×n1  haben. Damit ist  R[M]=iIR[Mi]  nach Aufgabe 20.7 normal, da die einzelnen  R[Mi]R[×n1]  normal sind.



Wir betrachten die algebraische Fläche, die durch die Gleichung

X2Z=Y2

gegeben ist. Wir wollen sie als die Fläche zu einem Monoidring verstehen. Dazu sei

M=(1,0),(1,1),(0,2)2.

Wegen  (1,1)(1,0)=(0,1)  ist 2 das Differenzengitter (Differenzengruppe). Da  2(0,1)=(0,2)M  ist, muss 2 die Normalisierung von M sein. Die drei Erzeuger ergeben einen surjektiven Monoidhomomorphismus

3M,eimi.

Diese monomiale Abbildung 3M2 bedeutet geometrisch die Abbildung

𝔸K2KSpek(K[M])𝔸K3,(s,t)(s,st,t2).

Dabei gehen (monomial gesehen) 2e1+e3 und 2e2 beide auf das Element (1,1), und das liefert die Gleichung  X2Z=Y2,  die man natürlich auch direkt ablesen kann.

Man kann die definierende Gleichung auch als  Z=(YX)2  ansehen. Von K[X,Y] ausgehend wird also ein Quadrat zu YX adjungiert.



Wir betrachten das durch (1,0),(1,2) und (0,1) erzeugte Untermonoid  M2.  Für den zugehörigen Monoidring gilt  K[M]K[X,Y,Z]/(Z2XY).  Wir behaupten, dass das Monoid normal ist, also mit seiner Normalisierung übereinstimmt. Die beiden Erzeuger (1,0) und (1,2) definieren je eine Gerade in 2, und das Monoid besteht aus allen Gitterpunkten (Punkte im 2) innerhalb des durch diese Geraden definierten Kegels. Dies sieht man so: Die Gitterpunkte in diesem Kegel sind durch die beiden Bedingungen

{(s,t)2t0 und t2s}

gegeben. Ein Punkt daraus mit  s0  gehört offensichtlich zu M. Es sei also (s,t) ein Punkt daraus mit  s<0.  Wegen der zweiten linearen Bedingung kann man

(s,t)=s(1,2)+(t+2s)(0,1)

schreiben, was wegen  t+2s0  zu M gehört.

Mit den zwei Geraden lässt sich M auch sofort als  M=M1M2  beschreiben, mit  M1={(s,t)t0}×  und  M2={(s,t)t2s}×,  wobei die zweite Identifizierung von der -Basis (1,2),(0,1) herrührt. Aus dieser expliziten Beschreibung folgt, dass der zugehörige Monoidring normal ist.




Monomiale Kurven und Normalisierung

Wir werden später sehen, dass eine algebraische Kurve genau dann normal ist, wenn sie nichtsingulär ist. Im Fall einer monomilaen Kurve lässt sich die Normalisierung einfach beschreiben.



Satz  

Es sei  M  ein durch teilerfremde e1,,en erzeugtes Untermonoid, und  K[M]K[T]  die zugehörige Ringerweiterung von Monoidringen.

Dann ist K[T] die Normalisierung von K[M].

Mit anderen Worten: Die monomiale Abbildung

𝔸K1KSpek(K[M])

ist eine Normalisierung.

Beweis  

Wir haben  K[M]=K[Te1,,Ten]K[T].  Da die Exponenten teilerfremd sind, erzeugen sie die Eins und das bedeutet (multiplikativ betrachtet), dass es ein Monom in diesen Potenzen (auch mit negativen Exponenten) gibt, das gleich T ist. D.h. T ist ein Quotient von Elementen aus K[M] und daher sind die Quotientenkörper gleich. Andererseits erfüllt T eine Ganzheitsgleichung über K[M], beispielsweise (richtig gelesen)  Te1Te1=0.  Da K[T] normal ist (sogar faktoriell, da es ja ein Hauptidealbereich ist), muss es sich um die Normalisierung handeln.


Monomiale Kurven liefern also eine Vielzahl an Beispielen, wo die Normalisierung auf der Ebene der K-Spektren eine Bijektion ist. Es handelt sich auch um eine Homöomorphie bezüglich der Zariski-Topologie, die ja im Kurvenfall sehr einfach ist. Dennoch wäre es falsch, die beiden Kurven als identisch anzusehen. Die Normalisierung ist (bei ei1 für alle i) auf der Ringebene keine Bijektion, und in der algebraischen Geometrie darf man nicht nur die mengentheoretische oder topologische Gestalt des Nullstellengebildes anschauen, man darf die Ringe (und die Gleichungen selbst) im Hintergrund nicht vergessen. Den Unterschied sieht man auch in der eingebetteten Situation, wo die Neilsche Parabel eine Spitze besitzt.

Mit der Normalisierung bekommt der Singularitätsgrad einer monomialen Kurve eine neue Interpretation.


Lemma  

Es sei  M  ein durch teilerfremde Erzeuger definiertes numerisches Monoid. Es sei  R=K[M]  der zugehörige Monoidring und  Rnorm=K[T]  die Normalisierung davon. Dann gilt für den Singularitätsgrad von M die Gleichung

δ(M)=dimK(Rnorm/R).

Beweis  

Die Normalisierung besitzt die K-Basis Tm,m, und der Monoidring K[M] besitzt die K-Basis Tm,mM. Daher besitzt der Restklassenraum K[T]/K[M] die K-Basis Tm,mM. Die Dimension des Restraumes ist die Anzahl der Elemente einer Basis, und diese Anzahl ist die Anzahl der Lücken, also der Singularitätsgrad von M.



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