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Kurs:Algebraische Kurven (Osnabrück 2025-2026)/Vorlesung 21

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Diskrete Bewertungsringe

Wir setzen nun die lokale Untersuchung von algebraischen Kurven fort und werden im weiteren Verlauf verschiedene Charakterisierungen dafür finden, dass ein Punkt einer Kurve nichtsingulär (oder glatt) ist. Zu dem Punkt P auf der Kurve gehört der lokale Ring in P, der die Lokalisierung des affinen Koordinatenringes der Kurve am maximalen Ideal ist, das zu P gehört. Wenn  P=(a,b)C=V(F)𝔸K2  ist, so lässt sich der lokale Ring in doppelter Weise beschreiben, nämlich als

K[X,Y](Xa,Yb)/(F)(K[X,Y]/(F))𝔪

(dabei ist 𝔪 das maximale Ideal aufgefasst im Restklassenring). Dieser Ring beschreibt die wesentlichen algebraischen Eigenschaften des Punktes auf der Kurve. Wichtig ist zunächst der Begriff des diskreten Bewertungsringes.


Ein diskreter Bewertungsring R ist ein Hauptidealbereich mit der Eigenschaft, dass es bis auf Assoziiertheit genau ein Primelement in R gibt.

Einen Erzeuger des maximalen Ideals in einem diskreten Bewertungsring nennt man auch eine Ortsuniformisierende.



Lemma  

Ein diskreter Bewertungsring ist

ein lokaler, noetherscher Hauptidealbereich mit genau zwei Primidealen, nämlich 0 und dem maximalen Ideal 𝔪.

Beweis

Ein diskreter Bewertungsring ist kein Körper. In einem Hauptidealbereich, der kein Körper ist, wird jedes maximale Ideal von einen Primelement erzeugt, und die Primerzeuger zu verschiedenen maximalen Idealen können nicht assoziiert sein. Also gibt es genau ein maximales Ideal. Ebenso wird jedes von null verschiedene Primideal durch ein Primelement erzeugt, sodass es neben dem maximalen Ideal nur noch das Nullideal gibt.

Es sei K ein Körper, K[X] der Polynomring und  R=K[X](X)  die Lokalisierung am maximalen Ideal  𝔪=(X).  Dann ist R ein diskreter Bewertungsring. Die beiden einzigen Primideale von R sind  (0)(X),  und ein Hauptidealbereich liegt vor, da ja K[X] ein Hauptidealbereich ist. Da es nur ein maximales Ideal gibt, kann es bis auf Assoziiertheit auch nur ein Primelement geben, nämlich X.



Es sei p eine Primzahl und sei  R=(p)  die Lokalisierung am maximalen Ideal  𝔪=(p).  Dann ist R ein diskreter Bewertungsring. Die beiden einzigen Primideale von R sind  (0)(p),  und ein Hauptidealbereich liegt vor, da ja ein Hauptidealbereich ist. Da es nur ein maximales Ideal gibt, kann es bis auf Assoziiertheit auch nur ein Primelement geben, nämlich p.



Zu einem Element fR,f0, in einem diskreten Bewertungsring R mit Primelement p heißt die Zahl  n  mit der Eigenschaft  f=upn,  wobei u eine Einheit bezeichnet, die Ordnung von f. Sie wird mit ord(f) bezeichnet.

Die Ordnung ist also nichts anderes als der Exponent zum (bis auf Assoziiertheit) einzigen Primelement in der Primfaktorzerlegung. Sie hat folgende Eigenschaften.


Es sei R ein diskreter Bewertungsring mit maximalem Ideal  𝔪=(p)

Dann hat die Ordnung

R{0},ford(f),

folgende Eigenschaften.

  1.  ord(fg)=ord(f)+ord(g)
  2.  ord(f+g)min(ord(f),ord(g))
  3. Es ist  f𝔪  genau dann, wenn  ord(f)1  ist.
  4. Es ist  fR×  genau dann, wenn  ord(f)=0  ist.

Beweis

Siehe Aufgabe 21.2.


Wir wollen eine wichtige Charakterisierung für diskrete Bewertungsringe beweisen, die insbesondere beinhaltet, dass ein normaler lokaler Integritätsbereich mit genau zwei Primidealen bereits ein diskreter Bewertungsring ist. Dazu benötigen wir einige Vorbereitungen.



Lemma  

Es sei S ein noetherscher lokaler kommutativer Ring. Es sei vorausgesetzt, dass das maximale Ideal 𝔪 das einzige Primideal von S ist.

Dann gibt es einen Exponenten  n  mit

𝔪n=0.

Beweis  

Wir behaupten zunächst, dass jedes Element in S eine Einheit oder nilpotent ist. Es sei hierzu  fS  keine Einheit. Dann ist  f𝔪.  Angenommen, f ist nicht nilpotent. Dann gibt es nach Lemma 22.15 (Zahlentheorie (Osnabrück 2025)) ein Primideal 𝔭 in S mit  f𝔭.  Damit ergibt sich der Widerspruch  𝔭𝔪.  Es ist also jedes Element im maximalen Ideal nilpotent. Insbesondere gibt es für ein endliches Erzeugendensystem f1,,fk von 𝔪 eine natürliche Zahl m mit fim=0 für alle i=1,,k. Sei  n=km.  Dann ist ein beliebiges Element aus 𝔪n von der Gestalt

(i=1kai1fi)(i=1kai2fi)(i=1kainfi).

Ausmultiplizieren ergibt eine Linearkombination mit Monomen f1r1fkrk und i=1kri=n, sodass ein fi mit einem Exponenten  n/k=m  vorkommt. Daher ist das Produkt 0.



Satz  

Es sei R ein noetherscher lokaler Integritätsbereich mit der Eigenschaft, dass es genau zwei Primideale  0𝔪  gibt. Dann sind folgende Aussagen äquivalent.

  1. R ist ein diskreter Bewertungsring.
  2. R ist ein Hauptidealbereich.
  3. R ist faktoriell.
  4. R ist normal.
  5. 𝔪 ist ein Hauptideal.

Beweis  

(1)(2) folgt direkt aus der Definition 21.1.

(2)(3) folgt aus Satz 9.3 (Kommutative Algebra).

(3)(4) folgt aus Satz 20.2.

(4)(5). Es sei f𝔪, f0. Dann ist R/(f) ein noetherscher lokaler Ring mit nur einem Primideal (nämlich 𝔪~=𝔪R/(f)). Daher gibt es nach Lemma 21.7 ein  n  mit  𝔪~n=0.  Zurückübersetzt nach R heißt das, dass  𝔪n(f)  gilt. Wir wählen n minimal mit den Eigenschaften

𝔪n(f) und 𝔪n1⊈(f).

Wähle g𝔪n1 mit g∉(f) und betrachte

h:=fgQ(R)

(es ist g0). Das Inverse, also  h1=gf,  gehört nicht zu R, sonst wäre  g(f).  Da R nach Voraussetzung normal ist, ist h1 auch nicht ganz über R. Nach dem Modulkriterium Lemma 19.9 für die Ganzheit gilt insbesondere für das maximale Ideal  𝔪R  die Beziehung

h1𝔪⊈𝔪.

Nach Wahl von g ist aber auch

h1𝔪=gf𝔪𝔪nfR.

Daher ist h1𝔪 ein Ideal in R, das nicht im maximalen Ideal enthalten ist. Also ist  h1𝔪=R.  Das heißt einerseits  h𝔪  und andererseits gilt für ein beliebiges  x𝔪  die Beziehung  h1xR,  also  x=h(h1x),  also  x(h)  und somit  (h)=𝔪

(5)(1). Sei  𝔪=(π).  Dann ist π ein Primelement und zwar bis auf Assoziiertheit das einzige. Es sei fR, f0 keine Einheit. Dann ist  f𝔪  und daher  f=πg1.  Dann ist g1 eine Einheit oder  g1𝔪.  Im zweiten Fall ist wieder  g1=πg2  und  f=π2g2

Wir behaupten, dass man  f=πku  mit einem  k  und einer Einheit u schreiben kann. Andernfalls könnte man  f=πngn  mit beliebig großem n schreiben. Nach Lemma 21.7 gibt es ein  m  mit  (πm)=𝔪m(f).  Bei  nm+1  ergibt sich  πm=af=aπm+1b  und der Widerspruch  1=abπ

Es lässt sich also jede Nichteinheit 0 als Produkt einer Potenz des Primelements mit einer Einheit schreiben. Insbesondere ist R faktoriell. Für ein beliebiges Ideal  𝔞=(f1,,fs)  ist  fi=πniui  mit Einheiten ui. Dann sieht man leicht, dass  𝔞=(πn)  ist mit  n=mini{ni}



Das Lemma von Nakayama

Nach dem vorangehenden Überlegungen liegt ein diskreter Bewertungsring genau dann vor, wenn der lokale Integritätsbereich die Eigenschaft hat, dass das maximale Ideal durch ein Element erzeugt wird. Es ist von daher naheliegend, generell die lokalen Ringe zu Punkten auf einer algebraischen Kurve dahingehend zu studieren, wie viele Erzeuger das maximale Ideal benötigt. Dies führt zum Begriff der Einbettungsdimension, den wir schon im Zusammenhang mit monomialen Kurven erwähnt haben. Diese Einbettungsdimension ist auch die Dimension des R/𝔪-Vektorraumes 𝔪/𝔪2, für diesen Zusammenhang brauchen wir aber einige Vorbereitungen und insbesondere das Lemma von Nakayama.

Im Lemma von Nakayama wird folgende Konstruktion betrachtet: Zu einem R-Modul V, einem Untermodul  UV  und einem Ideal  IR  bezeichnet man mit IU den R-Untermodul von V, der von allen Elementen der Form fv,fI,vU, erzeugt wird (dies ist auch ein R-Untermodul von U). Ist U ebenfalls ein Ideal (also ein R-Untermodul von R), so fällt dieses Konzept mit dem Produkt von Idealen zusammen. Der Restklassenmodul V/IV ist dabei in natürlicher Weise nicht nur ein R-Modul, sondern auch ein R/I-Modul. Wenn I ein maximales Ideal ist, so bedeutet dies, dass der Restklassenmodul sogar ein Vektorraum über dem Restklassenkörper ist.


Lemma  

Es sei (R,𝔪) ein lokaler Ring und sei V ein endlich erzeugter R-Modul. Es sei  𝔪V=V  vorausgesetzt.

Dann ist  V=0

Beweis  

Es sei v1,,vn ein Erzeugendensystem von V. Nach Voraussetzung gibt es wegen  vi𝔪V  zu jedem vi eine Darstellung

vi=ai1v1++ainvn

mit  aij𝔪.  Daraus ergibt sich für jedes i eine Darstellung

(1aii)vi=ai1v1++ai,i1vi1+ai,i+1vi+1++ainvn.

Da  aii𝔪  ist, ist der Koeffizient 1aii eine Einheit. Dies bedeutet aber, dass man nach vi auflösen kann, sodass also vi überflüssig ist. So kann man sukzessive auf alle Erzeuger verzichten, was bedeutet, dass der Nullmodul vorliegen muss.



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