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Kurs:Algebraische Kurven (Osnabrück 2025-2026)/Vorlesung 8

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Mechanisch definierte algebraische Kurven


Es sei S eine feste Stange (man denke an ein mechanisches Maschinenteil) mit zwei fixierten Punkten  P1,P2S  (man denke an Gelenke). Diese Stange kann sich in der Ebene (dem 2) bewegen, wobei die beiden Punkte sich jeweils in zwei bestimmten Bahnen B1 und B2 (man denke an Schienen) befinden müssen. Die Bahnen können dabei recht einfach gegeben sein, etwa durch Geraden oder durch Kreise. Bei einer Dampfmaschine hat man ein drehbares Rad und eine gerade Schiene, die durch eine Stange gekoppelt sind. Wie beschreibt man den zugehörigen Bewegungsprozess? Was sind die erlaubten Konfigurationen des Systems? Da eine solche Konfiguration durch die Lage der beiden Punkte bestimmt ist, und diese jeweils durch zwei Koordinaten der Ebene gegeben sind, handelt es sich insgesamt um eine vierdimensionale Situation.

Wenn man einen Punkt P der Stange fixiert (farblich markiert), wie sieht die Bewegungsbahn (oder Trajektorie) dieses Punktes in der Ebene aus?

Für die Extremfälle  P=P1  und  P=P2  sind die Bewegungsbahnen (in der Regel echte) Teilmengen von B1 und B2. Für Punkte dazwischen erwartet man eine stetige Deformation der einen Bahn in die andere.

Es seien B1 und B2 zwei ebene algebraische Kurven, die durch die Gleichungen F1=0 und F2=0 beschrieben werden,  F1,F2K[X,Y].  Es sei S eine „bewegliche Gerade“ (eine Stange) mit zwei Punkten P1,P2S, P1P2, die voneinander den Abstand d haben. Das mechanische System, das durch alle Lagen von S in der Ebene gegeben ist, bei denen gleichzeitig P1B1 und P2B2 ist, wird folgendermaßen beschrieben.

Eine Lage der Stange in der Ebene ist eindeutig bestimmt, wenn für die beiden Punkte die Lage festgelegt ist (dies berücksichtigt noch nicht die Abstandsbedingung), also durch vier Variablen  (P1,P2)=(x1,y1,x2,y2).  Eine erlaubte Konfiguration muss dann die folgenden drei algebraischen Bedingungen erfüllen.

  1.  F1(x1,y1)=0 
  2.  F2(x2,y2)=0 
  3.  (x2x1)2+(y2y1)2=d2 (Abstandsbedingung)

Es handelt sich somit um drei algebraische Gleichungen in vier Variablen, als Lösungsmenge erwartet man also eine Kurve im 𝔸K4. Ein Punkt  PS  wird durch den Abstand zu P1 bzw. P2 beschrieben. Da sich diese Punkte im mechanischen System bewegen, setzen wir die Koordinaten für den mitbewegten Punkt P als

P=P1+u(P2P1)

an (der Abstand von P zu P1 ist also u(P2P1)=|ud|) und schreiben seine Koordinaten als

(x,y)=(x1,y1)+u(x2x1,y2y1)=(ux2+(1u)x1,uy2+(1u)y1)

Man kann dann das gesamte mechanische System (durch eine lineare Transformation) in den vier Variablen x1,y1,x,y ausdrücken, indem man bei (u0)

x2=x(1u)x1u und y2=y(1u)y1u

in den Gleichungen ersetzt. In den neuen Variablen erhält man die drei Gleichungen

  1.  F1(x1,y1)=0
  2.  F2(x(1u)x1u,y(1u)y1u)=0
  3. (xx1)2+(yy1)2=u2d2.

Die zu P gehörende Trajektorie kann man grundsätzlich dadurch erhalten, dass man aus diesem Gleichungssystem die Variablen x1 und y1 „eliminiert“, was eine algebraische Gleichung für x und y ergibt. Dies ist allerdings leichter gesagt als getan, häufig ist es sinnvoller, durch geschickte Manipulationen das Gleichungssystem zu vereinfachen.


Manchmal interessiert man sich auch für die Situation, wo sich mit der Stange eine ganze Ebene mitbewegt, und für die Trajektorien von solchen Punkten. Dies ist etwa der Fall, wenn auf der Stange weitere Maschinenteile montiert sind. In diesem Fall kann man jeden Punkt der Ebene bezüglich P1 und P2 als

(x,y)=(x1,y1)+u(x2x1,y2y1)+v(y2y1,x2+x1).

Es wird also der Punkt P1 als Ursprung der bewegten Ebene, die Verbindungsgerade zu P2 als erste Koordinatenachse und die dazu senkrechte Achse als zweite Koordinatenachse genommen.


Das gesamte mechanische (Stangen-)System wird also durch vier Variablen mit drei Gleichungen beschrieben. Die sichtbare Wirkungsweise, nämlich der Bewegungsablauf eines fixierten Punktes P auf S, liefert aber eine Trajektorie in der affinen Ebene.

Wir betrachten einige Beispiele.



Zwei Geraden als Bahnen

Es seien L1 und L2 zwei Geraden in der reellen Ebene 2 und sei S eine bewegliche Gerade (eine Stange) mit zwei Punkten P1,P2, die voneinander den Abstand d haben. Erlaubte Konfigurationen des Systems sind diejenigen Lagen von S, für die gleichzeitig P1L1 und P2L2 gelten. Die Geraden seien durch  L1={(x,y)a1x+b1y=c1}  und  L2={(x,y)a2x+b2y=c2}  festgelegt.

Die erlaubten Konfigurationen werden dann gemäß der Situation 8.1 durch die drei Bedingungen festgelegt:

  1.  a1x1+b1y1=c1
  2.  a2x2+b2y2=c2
  3.  (x2x1)2+(y2y1)2=d2

Die Lösungsmenge der beiden linearen Gleichungen sind (einzeln betrachtet) dreidimensionale Unterräume. Die Lösungsmenge der dritten Gleichung kann man als das Produkt eines Kreises (in den Variablen x2x1 und y2y1) mit einer affinen Ebene auffassen. Das ist eine Art von Zylinder, wobei allerdings die Fasern zweidimensional sind. Wie kann man die gemeinsame Nullstellenmenge beschreiben, und wie sieht die Trajektorie des mechanischen Systems aus, die ein Punkt  PS  erzeugt?

Durch eine Variablentransformation kann man annehmen, dass die erste Gerade die x-Achse ist, also durch die Gleichung  y=0  definiert ist, und die andere durch  ax+by=c.  Das liefert für das System die Bedingung  y1=0,  und das bedeutet, dass man die Variable y1 eliminieren kann. Man gelangt dann zu einem System mit den drei Variablen x1,x2,y2 und den zwei Bedingungen

  1.  (x2x1)2+y22=d2
  2.  ax2+by2=c


Parallele Geraden


Wenn die zweite Gerade parallel zur ersten ist, so ist  a=0  und man kann die zweite Gleichung nach y2 auflösen und erhält  y2=cb=e  (b0, sonst liegt keine Gerade vor). Die Zahl e ist der Abstand der parallelen Geraden. Man kann nun auch y2 eliminieren, und übrig bleibt die einzige Gleichung  (x2x1)2+e2=d2,  also

(x2x1)2=d2e2=(de)(d+e).

Bei  e>d  gibt es hierfür keine Lösung (der konstante Abstand der parallelen Geraden ist größer als der Koppelungsabstand auf der Stange).

Bei  e=d  ergibt sich die Bedingung  x1=x2.  Dies entspricht der Situation, wo der Parallelabstand der Geraden gleich dem Koppelungsabstand ist. Dann sind die einzigen erlaubten Konfigurationen diejenigen, wo die Stange senkrecht zu den beiden Geraden ist. Die Lösungsmenge ist also eine Gerade. Für jeden Punkt auf der Stange ist die Trajektorie einfach eine weitere parallele Gerade.

Es sei nun  e<d.  Dann ist

x2x1=±(de)(d+e).

Die Lösungsmenge besteht aus zwei disjunkten Geraden. Dies entspricht den beiden unterschiedlichen Einhängungen, die nicht ineinander überführt werden können. Das mechanische System besteht also aus zwei Zusammenhangskomponenten. Für einen Punkt auf der Stange ergibt sich aber bei beiden Einhängungen die gleiche Trajektorie, nämlich eine parallele Gerade, die in gewissem Sinne doppelt durchlaufen wird. Hier besteht also die Lösungsmenge des vollen mechanischen Systems aus zwei (parallelen) affinen Geraden im vierdimensionalen affinen Raum, deren Trajektorien zu einem fixierten Punkt aber nur eine Gerade ist.


Nicht parallele Geraden

Wir betrachten nun den Fall, wo die beiden Geraden nicht parallel sind. Dann treffen sie sich und die Lösungsmenge kann nicht leer sein. Wir können durch eine weitere lineare Transformation annehmen, dass der Schnittpunkt gleich dem Nullpunkt (0,0) ist. Die zweite Gleichung wird dann durch  x2=ey2  beschrieben. Damit kann man x2 eliminieren und erhält in den beiden Variablen x1,y2 die einzige Gleichung

(ey2x1)2+y22=d2.

Der Konfigurationsraum des mechanischen Systems spielt sich also in einer (durch y1=0 und x2=ey2 definierten) Ebene ab und wird durch eine Quadrik beschrieben. Betrachtet man ey2x1 als eine neue Variable, so sieht man, dass es sich um eine Ellipse (in den Koordinaten x1,y2; in den Koordinaten ey2x1,y2 ist es ein Kreis) handelt.


Wie sehen die Trajektorien aus? Es sei P derjenige Punkt auf der Stange, der durch P1+t(P2P1) gegeben ist. Nach der Situationsbeschreibung hat der Punkt P die Koordinaten

((1t)x1+tey2,ty2),

wobei  (ey2x1)2+y22=d2  sein muss. In den Extremfällen t=0 und t=1 ergeben sich (x1,0) (x1 beliebig) bzw. (ey2,y2) (y2 beliebig) als Lösungsmenge. Hierbei muss nach wie vor  (ey2x1)2+y22=d2  erfüllt sein, d.h. es muss zu gegebenem x1 (bzw. y2) eine Lösung der Gleichung in der anderen Variablen geben. Die gibt es, wenn x1 (bzw. y2) hinreichend klein ist. Insgesamt ergeben sich also gewisse Strecken auf den Ausgangsgeraden. Die Punkte P1 und P2 müssen ja auf ihren Bahnen bleiben, und können sich von der anderen Geraden nicht beliebig weit entfernen.

Es sei also  t0,1.  Aus dem Ansatz

(x,y)=((1t)x1+tey2,ty2)

folgt  y2=yt  und  x1=xtey21t=xey1t  (das Urbild ist also eindeutig festgelegt). Die Gleichung wird dann zu

(eytxey1t)2+y2t2=d2,

was wieder die Gleichung einer Ellipse ist.




Gerade und Kreis als Bahnen

Wir betrachten nun den Fall einer mechanischen Kurve, wo die eine Bahn eine Gerade und die zweite Bahn ein Kreis ist. Dies ist die Situation bei einer Dampfmaschine (insbesondere, wenn die Gerade durch den Kreismittelpunkt verläuft).


Wir können ohne Einschränkung annehmen, dass die Gerade durch  y=0  gegeben ist. Die Koordinaten des Punktes auf der Geraden sind dann

P1=(x1,y1)=(x1,0).

Für den Kreis kann man annehmen, dass er den Mittelpunkt (0,b) und den Radius r besitzt. Der Kreisbahnpunkt  P2=(x2,y2)  erfüllt dann die Bedingung  x22+(y2b)2=r2.  Das gesamte mechanische System wird also durch die beiden Bedingungen

  1.  x22+(y2b)2=r2 
  2.  (x2x1)2+y22=d2 

beschrieben, wobei d wieder der Koppelungsabstand sei. Betrachtet man diese zwei Gleichungen in den Koordinaten x2,y2 und x2x1, so sieht man, dass es sich um den Schnitt von zwei Zylindern handelt, ähnlich wie in Beispiel 4.6. Die erlaubten Stangenkonfigurationen des mechanischen Systems lassen sich also in drei geeigneten Koordinaten als der Durchschnitt von zwei Zylindern deuten. Dabei müssen allerdings weder die Radien übereinstimmen noch müssen die Innenachsen der Zylinder sich treffen. Ein solcher Durchschnitt und die zugehörigen Trajektorien können schon relativ kompliziert sein.

In den folgenden Beispielen brauchen wir ein Lemma, das eine einfache Eliminationssituation beschreibt.


Lemma  

Es sei R ein Integritätsbereich und seien F1=a1X2+b1X+c1 und F2=a2X2+b2X+c2 zwei quadratische Polynome in einer Variablen über R mit  a10  und (a1,b1) und (a2,b2) linear unabhängig. Dann gehört zum Ideal (F1,F2)R das Element

(a2c1a1c2)2b1(a2c1b2c2a2b1+a1b2c2)+c1(a1b222a2b1b2).

Beweis  

Wir haben zunächst

a2F1a1F2=(a2b1a1b2)X+a2c1a1c2.

Daraus ergibt sich der Ausdruck (dieses Argument ist nicht ganz richtig, es lässt sich aber auch rigoroser durchführen)

X=a2c1a1c2a2b1a1b2.

Wir setzen das in F1 ein und multiplizieren mit dem Quadrat des Nenners und erhalten

a1(a2c1a1c2)2b1(a2c1a1c2)(a2b1a1b2)+c1(a2b1a1b2)2.

Hier kommt im zweiten Summand b1a2c1a2b1 und im dritten Summand c1a22b12 vor; diese beiden Summanden heben sich weg, in allen übrigen Monomen kommt a1 vor. Wir können also a1 wegkürzen und übrig bleibt

(a2c1a1c2)2b1(a2c1b2c2a2b1+a1b2c2)+c1(a1b222a2b1b2).



Wir betrachten das mechanische Koppelungssystem, das durch den Einheitskreis und die dazu tangentiale Gerade durch (0,1) mit dem Koppelungsabstand  d=2  definiert ist, also durch den Geradenbahnpunkt und Kreisbahnpunkt

P1=(x1,1) und P2=(x2,y2)

mit den beiden Bedingungen

  1.  x22+y22=1
  2.  (x2x1)2+(y21)2=4

Es handelt sich also um den Schnitt von zwei Zylindern, allerdings mit unterschiedlichen Radien und mit Innenachsen, die sich nicht treffen. Die Differenz der beiden Gleichungen ist

x122x1x22y22=0,

mit der man eine Gleichung ersetzen kann. Daraus sieht man auch, dass man die Variable y2 eliminieren kann und so zu einem System mit einer Gleichung in zwei Variablen kommt, siehe Aufgabe 8.9, und dass das System irreduzibel ist, siehe Aufgabe 8.10.

Interessant sind die beiden Geraden

G1=V(x2,y2+1)

und

G2=V(x2x1,y2+1),

die sich im Punkt

P=(0,0,1)

schneiden. Die Gerade G1 liegt auf dem einen Zylinder und schneidet den anderen Zylinder tangential, und umgekehrt. Das geometrische Bild ist, dass der kleinere Zylinder aus dem größeren eine „gebogene Acht“ herausstanzt, wobei P der Kreuzungspunkt der Acht ist.


Die erlaubten Stangenkonfigurationen lassen sich folgendermaßen gewinnen. Zu jedem Kreispunkt gibt es zwei Möglichkeiten, wie die Stange liegen kann, mit der Ausnahme des Kreisbahnpunktes (0,1), wo der Geradenbahnpunkt (0,1) sein muss.

Wir starten mit der Situation, wo der Punkt (0,1) der Kreisbahnpunkt ist, und wo (2,1) der Geradenbahnpunkt ist (die Stange liegt also links auf der Geraden), und lassen den Kreisbahnpunkt im Uhrzeigersinn um den Kreis wandern. Der Kreisbahnpunkt zieht dann den Geradenbahnpunkt hinter sich her, bis er unten bei (0,1) angekommen ist. Die Stange ist dann der vertikale Durchmesser des Kreises (der Geradenbahnpunkt ist dann in (0,1) und der Kreisbahnpunkt ganz unten). Ab dann wandert der Kreisbahnpunkt auf dem linken Kreisbogen nach oben und schiebt dabei die Stange weiter nach rechts, bis der Geradenbahnpunkt bei (2,1) ankommt.

Die andere Möglichkeit, wo der Punkt (0,1) der Kreisbahnpunkt ist, ist die, wo die Stange rechts auf der Geraden liegt (mit (2,1) als Geradenbahnpunkt). Der Kreisbahnpunkt bewegt sich erneut im Uhrzeigersinn. Dabei schiebt er den Geradenbahnpunkt zuerst nach rechts bis zu einem gewissen Extremum, bei dem die Stange senkrecht zum Kreis im Kreisbahnpunkt steht. Von da an zieht der Kreisbahnpunkt den Geradenbahnpunkt zurück nach links, wobei sich die Stange aufrichtet, bis sie den vertikalen Durchmesser des Kreises einnimmt. Weiter wandert der Kreisbahnpunkt auf dem linken Kreisbogen wieder nach oben, wobei er den Geradenbahnpunkt bis zum Extremum nach links schiebt, und im letzten Stück wieder nach (2,1) zieht.

Insbesondere wird der vertikale Durchmesser des Kreises zweimal von der Stange eingenommen, diese Stangenkonfiguration entspricht also dem Kreuzungspunkt der Acht.

Wir wollen nun die Trajektorie zum Mittelpunkt der Stange berechnen, also zu

P=P1+12(P2P1)=(x1,1)+12(x2x1,y21)=(12x1+12x2,12y2+12)=:(x,y).

Wir interessieren uns für eine Gleichung für x und y, und führen die Variable  z=12x112x2  ein. Dann ist

x1=x+z,x2=xz und y2=2y1

und das Gleichungssystem schreibt sich in den neuen Variablen als

(xz)2+(2y1)2=1 und (2z)2+(2y2)2=4,

wobei man letzteres als  z2+(y1)2=1  schreiben kann bzw. als  z2+y22y=0.  Die erste Gleichung ergibt ausgerechnet

z22zx+x2+4y24y=0.

Damit ergibt sich nach Lemma 8.4 (mit R=[x,y] und der zusätzlichen Variablen z; es ist also a1=a2=1 und b1=0) die Gleichung

(c1c2)2+c1b22=(y22yx24y2+4y)2+(y22y)(2x)2=(3y2+2yx2)2+(y22y)(2x)2=9y4+x4+4y212y3+6x2y24x2y+4x2y28x2y=9y4+10x2y2+x412y312x2y+4y2.

Das ist eine Quartik (Kurve vom Grad vier) mit zwei Singularitäten.


Bild zur Übung



Wir betrachten das mechanische System aus Einheitskreis und x-Achse, wo der Koppelungsabstand  d=1  ist. Das mechanische System wird dann durch die beiden Gleichungen

  1.  x22+y22=1
  2.  (x2x1)2+y22=1 

beschrieben. Es handelt sich um den Durchschnitt von zwei Zylindern mit gleichem Radius und sich treffenden Innenachsen, d.h. wir können auf die Ergebnisse von Beispiel 4.6 zurückgreifen. Dort wurde gezeigt, dass der Durchschnitt durch zwei Ellipsen gegeben ist, die sich in zwei Punkten schneiden. Diese Beschreibung muss sich auch im Kontext des mechanischen Systems wiederfinden. Welche Stangenkonfigurationen entsprechen der einen Ellipse, welche der anderen, welche Konfigurationen liegen auf beiden?

Machen wir uns also einen Überblick über die erlaubten Konfigurationen. Wenn der Geradenpunkt (also der Punkt auf der Geradenbahn) der Kreismittelpunkt ist, so ist jeder Punkt des Kreises als Kreisbahnpunkt erlaubt. Die radialen Strahlen des Kreises bilden also eine Schar von erlaubten Stangenkonfigurationen, und diese bilden zusammen die eine Ellipse. Die andere Ellipse entspricht der Menge der Stangenkonfigurationen, bei denen der Geradenbahnpunkt von 2 nach +2 läuft und dabei den Kreisbahnpunkt im oberen oder unteren Kreisbogen vor sich herschiebt bzw. hinterherzieht. Es gibt zwei Stangenkonfigurationen, die zu beiden Familien gehören, nämlich die mit dem Kreismittelpunkt als Geradenbahnpunkt und (0,1) bzw. (0,1) als Kreisbahnpunkt. In einer solchen Stangenkonfiguration kann das mechanische System nicht nur vorwärts und rückwärts laufen, sondern wesentlich die Richtung wechseln.

Wie sehen die Trajektorien eines Punktes auf der bewegten Stange aus? Die Gesamttrajektorie ist die Vereinigung der beiden Trajektorien, die zu den beiden irreduziblen Komponenten des Systems gehören. Wie viele Selbstdurchdringungspunkte gibt es?

Für einen Punkt  P=P1+u(P2P1)  der Koppelungsstange sind die Koordinaten gleich

(z1,z2)=(x1+u(x2x1),uy2).

Bei  u=0  ist die Trajektorie das reelle Intervall [2,2], und bei  u=1  ist es der Einheitskreis. Es sei also nun  u0,1.  Die Projektion der radialen Komponenten des Sytems ist einfach der Kreis mit Radius u. Die Projektion der anderen Ellipse ist wieder eine Ellipse, die den Kreis in unterschiedlicher Weise schneiden kann. Siehe auch Aufgabe 8.23.



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