Kurs:Diskrete Mathematik (Osnabrück 2026)/Vorlesung 25
- Hamiltonkreise
Ein Kreis in einem Graphen heißt Hamiltonkreis, wenn in ihm jeder Knotenpunkt vorkommt.
Da in einem Kreis ein Punkt höchstens einmal vorkommt, kommt in einem Hamiltonkreis jeder Punkt genau einmal vor. Ein Hamiltonscher Pfad ist ein Kantenzug, bei dem jeder Knoten genau einmal durchlaufen wird, die Enden müssen aber nicht wie bei einem Hamiltonkreis notwendigerweise durch eine Kante verbunden sein.
Ein Graph heißt hamiltonsch, wenn es in ihm einen Hamiltonkreis gibt.

Der folgende Satz heißt Satz von Ore.
Satz
Es sei ein Graph mit mindestens drei Knotenpunkten, der die Bedingung
für je zwei nicht adjazente Knoten erfüllt.
Dann ist hamiltonsch.
Beweis
Wir argumentieren bei einer fixierten Knotenmenge absteigend über die Kantenmenge. Für einen vollständigen Graphen ist die Aussage richtig. Wir müssen zeigen, dass die Aussage richtig bleibt, wenn man aus einem Graphen, für den die Aussage gilt, eine Kante herausnimmt. Es sei also ein Graph, für den es einen Hamiltonkreis gibt, und es sei die Kante, die wir herausnehmen. Es sei der verkleinerte Graph. Wenn es in einen Hamiltonkreis gibt, in dem nicht vorkommt, so ist dies direkt ein Hamiltonkreis für . Es sei also (alle beziehen sich auf )
mit ein Hamiltonkreis von . Wir betrachten die Mengen
und
Dabei ist (in der Definition von ) als zu interpretieren und die Nachbarschaften beziehen sich auf . Aufgrund der Voraussetzung über die Grade ( und sind nicht adjazent in und ist so groß wie ) ist
Das Element gehört nicht zur Vereinigung , da ein Knotenpunkt nicht mit sich selbst benachbart ist. Daher gibt es nach der Siebformel ein Element
Es gibt also die Verbindungskanten und und somit den Hamiltonkreis
der ohne die Kante auskommt und daher ein Hamiltonkreis in ist.
- Eulersche Graphen

Man spricht auch kurz von einem Eulerzug. Bei einem eulerschen Kantenzug wird jede Kante genau einmal durchlaufen. Es kann dabei Knoten geben, die dabei mehrfach oder auch (isolierte Punkte) gar nicht berührt werden. Unter einem geschlossenen eulerschen Kantenzug versteht man einen eulerschen Kantenzug, bei dem die Anfangskante mit der Endkante koinzident ist. Nicht geschlossene eulersche Kantenzüge nennt man auch offene eulersche Kantenzüge. Das ursprüngliche Brückenproblem bezieht sich auf einen Multigraphen, da die linke Insel doppelt mit beiden Flussseiten verbunden ist. Indem man aber auf diesen Kanten jeweils einen Hilfsknoten einführt, gelangt man zu einem äquivalenten Problem über einen einfachen Graphen.
Ein Graph heißt eulersch, wenn in ihm ein geschlossener Eulerzug existiert.
Zwei Untergraphen und in einem Graphen heißen kantendisjunkt, wenn ist.
Satz
Für einen zusammenhängenden Graphen sind folgende Aussagen äquivalent.
- ist eulersch.
- Jeder Knotenpunkt von hat einen geraden Grad.
- ist die Vereinigung von kantendisjunkten Kreisen (wobei ein einzelner Punkt hier als Kreis gelte).
Beweis
Von (1) nach (2) ist klar, da bei einem geschlossenen Eulerzug jeder Knotenpunkt genau so oft besucht wie verlassen wird.
Von (2) nach (3). Wir führen Induktion über die Anzahl der Kanten. Da der Graph zusammenhängend ist, handelt es sich um einen isolierten Punkt oder aber jeder Knoten besitzt einen Grad von zumindest . Deshalb muss es in einen Kreis geben. Man kann ja in einem beliebigen Punkt starten und von diesem Punkt ausgehend nach und nach einen Kantenzug konstruieren. Wenn der Kantenzug in einen Punkt hineingeht, so kann man den Kantenzug fortsetzen, da zumindest zwei Kanten in dem Punkt zusammenlaufen. Sobald ein schon erreichter Punkt erneut auftaucht, ist der Kreis fertig, die „Vorperiode“ kann man außer Acht lassen. Es seien die Kanten des Kreises und wir betrachten den neuen Graphen . Wenn ein Punkt aus zu einer Kante aus inzident ist, so reduziert sich der Grad in diesem Knoten um , da ja jeder Punkt in einem Kreis inzident zu zwei Kanten ist. Wenn ein Punkt im Kreis nicht aufgerufen wird, so ändert sich der Grad nicht. In jedem Fall besitzt in jeder Punkt wieder einen geraden Grad. Der neue Graph muss nicht mehr zusammenhängend sein, allerdings erfüllen die einzelnen Zusammenhangskomponenten von wieder die Voraussetzung, dass sämtliche Grade gerade sind. Nach Induktionsvoraussetzung besitzen die Zusammenhangskomponenten jeweils eine Darstellung als Vereinigung mit kantendisjunkten Kreisen. Also besitzt eine Darstellung als Vereinigung mit kantendisjunkten Kreisen und zusammen mit ergibt sich eine Darstellung von als Vereinigung mit kantendisjunkten Kreisen.
Von (3) nach (1). Es seien , , die beteiligten kantendisjunkten Kreise, die überdecken. Wir konstruieren induktiv Kantenzüge, die für zunehmend größere Vereinigungen dieser Kreise einen Eulerzug darstellen. Einen einzelnen Kreis kann man unmittelbar als einen Eulerzug für diesen Kreis auffassen. Es sei nun vorausgesetzt, dass man Kreise, die wir als durchnummerieren, derart gefunden hat, dass es einen Eulerzug für
gibt. Bei gibt es aufgrund des Zusammenhangs des Graphen einen weiteren Kreis, den wir nennen, der einen gemeinsamen Knotenpunkt mit hat, sagen wir . Dann erhält man aus dem Eulerzug für einen Eulerzug für , indem man, wenn der Eulerzug den Punkt erreicht, in den Kreis abbiegt, diesen einmal durchläuft und danach an der Stelle den alten Eulerzug fortsetzt. Da kantendisjunkt zu ist, entsteht dabei wieder ein Eulerzug.
Das im Beweis zu Satz 25.7 beschriebene Verfahren, um, falls die Gradbedingung erfüllt ist, einen geschlossenen eulerschen Kantenzug über die kantendisjunkten Kreise zu finden, ist grundsätzlich konstruktiv. Man nennt das Verfahren den Algorithmus von Hierholzer. Bei einem Knotenpunkt vom Grad ist der Kantendurchlauf für einen Eulerzug bis auf die Orientierung vorgegeben. Man kann aber im Allgemeinen bei einem Knotenpunkt mit einem Grad nicht frei vorgeben, in welcher Reihenfolge die in dem Punkt zusammenlaufenden Kanten hintereinander gelegt werden. Im Schmetterlingsgraphen können in einem Eulerzug die beiden rechten Kanten, die am Kreuzungspunkt anliegen, nicht direkt aufeinander folgen, da sonst der rechte Kreis geschlossen wird.
Korollar
Es sei ein zusammenhängender Graph, für den der Grad eines jeden Knotenpunktes gerade ist. Es sei ein Punkt und es seien adjazente Punkte zu .
Dann ist die Kantenfolge genau dann Teil eines geschlossenen Eulerzuges durch , wenn der Graph , der aus entsteht, indem man einen neuen Punkt einführt und die beiden Kanten durch ersetzt, zusammenhängend ist.
Beweis
Der konstruierte „Überbrückungsgraph“ besitzt ebenfalls die Eigenschaft, dass jeder Knotenpunkt einen geraden Grad besitzt. Wenn er zusammenhängend ist, so gibt es nach Satz 25.7 einen geschlossenen Eulerzug durch . Da an nur die beiden Kanten und anliegen, werden diese hintereinander durchlaufen. Wenn man die Konstruktion rückgängig macht (also und identifiziert), so erhält man einen Eulerzug von , bei dem die beiden Kanten hintereinander vorkommen. Wenn es umgekehrt einen Eulerzug von gibt, der die beiden Kanten hintereinander durchläuft, so kann man daraus direkt einen Eulerzug von konstruieren, was zeigt, dass zusammenhängend ist.
Satz
In einem zusammenhängenden Graphen
gibt es genau dann einen nichtgeschlossenen Eulerzug, wenn es genau zwei Knotenpunkte mit ungeradem Grad gibt.
Beweis
Ein nicht geschlossener Eulerzug besitzt einen Anfangspunkt und einen davon verschiedenen Endpunkt . Wenn man den Eulerzug durchläuft und dabei für jeden Punkt die Grade zählt, so erhöht sich bei jedem Durchlauf durch einen Punkt (egal ob oder oder sonst ein Punkt) der Grad um . Am Anfang und am Ende kommt für bzw. nochmal dazu.
Es seien und die beiden Punkte mit ungeradem Grad. Wenn nicht zu gehört, so nimmt man diese Kante hinzu und erhält einen neuen Graphen , bei dem nun alle Knotenpunkte einen geraden Grad besitzen. Nach Satz 25.7 gibt es in einen geschlossenen Eulerzug. Dieser ist ohne die Kante ein nichtgeschlossener Eulerzug von . Wenn hingegen zu gehört, so nimmt man einen neuen Punkt zur Knotenmenge und die Kanten und zur Kantenmenge hinzu. Im neuen Graphen besitzt wieder jeder Knoten einen geraden Grad. Ein geschlossener Eulerzug von enthält den Kantenzug . Da in sonst keiner Kante auftritt, erhält man, indem man dieses Teilstück und weglässt, einen nichtgeschlossenen Eulerzug von .
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