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Kurs:Diskrete Mathematik (Osnabrück 2026)/Vorlesung 5

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Gruppen

Wir besprechen Gruppen. Mit dieser Struktur kann man viele strukturelle Gemeinsamkeiten zwischen der Menge der bijektiven Abbildungen auf einer Menge oder der Addition in einem kommutativen Ring wie oder der Multiplikation in einem Körper, wenn man die herausnimmt (wie in oder in ), erfassen.


Eine Menge mit einem ausgezeichneten Element    und mit einer Verknüpfung

heißt Gruppe, wenn folgende Eigenschaften erfüllt sind.

  1. Die Verknüpfung ist assoziativ, d.h. für alle    gilt
  2. Das Element ist ein neutrales Element, d.h. für alle    gilt
  3. Zu jedem    gibt es ein inverses Element, d.h. es gibt ein    mit

Eine Gruppe ist also ein Monoid, in dem jedes Element ein inverses Element besitzt.


Eine Gruppe heißt kommutativ (oder abelsch), wenn die Verknüpfung kommutativ ist, wenn also    für alle    gilt.



Es sei eine Gruppe.

Dann ist zu jedem    das Element    mit

eindeutig bestimmt.

Es sei

und

Dann ist


Allgemeiner gilt in Gruppen die eindeutige Lösbarkeit von mit der Verknüpfung formulierten Gleichungen.



Es sei eine Gruppe.

Dann besitzen zu je zwei Gruppenelementen    die beiden Gleichungen

eindeutige Lösungen  

Wir betrachten die linke Gleichung. Aus beidseitiger Multiplikation mit von links folgt, dass nur

als Lösung in Frage kommt. Wenn man dies einsetzt, so sieht man, dass es sich in der Tat um eine Lösung handelt.

In einer (multiplikativ geschriebenen) Gruppe kann man Potenzen allgemeiner als in einem Monoid definieren, nämlich auch für negative ganze Zahlen im Exponenten. Wie in jedem Monoid bezeichnet zu    und    der Ausdruck das -fache Produkt von mit sich selbst, was    einschließt. Die Schreibweise für das inverse Element zu reiht sich in die neue Potenzschreibweise ein. Für eine negative ganze Zahl mit    und    setzt man

Dass dies die richtige Definition ist, zeigt sich darin, dass sich die Potenzgesetze aus Lemma 4.8 in die neue Situation übertragen.


Es sei eine Gruppe und seien  .  Dann gelten die folgenden Potenzgesetze für  

  1. Es ist
  2. Es ist    das inverse Element zu .

(1) folgt aus Aufgabe 5.1. (2). Bei    ist die Gleichheit eine Definition. Die Behauptung folgt aus

Daraus folgt die Aussage für negatives , sagen wir    mit  ,  aus

Für (3), (4) siehe Aufgabe 5.8.


In einer kommutativen Gruppe gilt für    und    wieder die Gleichheit

siehe Aufgabe 5.9.


Es sei eine Gruppe. Eine Teilmenge    heißt Untergruppe von wenn folgendes gilt.

  1.  
  2. Mit    ist auch  
  3. Mit    ist auch  

In einer Untergruppe kann man also die Verknüpfung der Gruppe ausführen, man kann das Inverse nehmen und das neutrale Element gehört dazu. In additiver Schreibweise bedeuten die Bedingungen einfach

  1.  
  2. Mit    ist auch  
  3. Mit    ist auch das Negative  

Beispielsweise bilden alle Vielfachen der innerhalb der ganzen Zahlen eine Untergruppe, die wir mit bezeichnen. Es ist ja

wenn    und    sind, so ist

nach dem Distributivgesetz und mit    ist  .  Wir werden in Satz 8.4 sehen, dass jede Untergruppe von diese Bauart hat.



Kommutative Ringe

Ein Halbring heißt ein Ring, wenn es zu jedem    ein Element    mit    gibt.


Ein Ring heißt kommutativ, wenn die Multiplikation kommutativ ist.

Ein kommutativer Ring ist insbesondere ein kommutativer Halbring, alle für kommutative Halbringe geltenden Eigenschaften wie beispielsweise die allgemeine binomische Formel gelten insbesondere auch für kommutative Ringe. Der wesentliche Unterschied liegt in der zusätzlichen Existenz des Negativen. Dies bedeutet, dass in einem Ring das additive Monoid eine (kommutative) Gruppe ist. Dieses Negative ist nach Lemma 5.3 eindeutig bestimmt. Für das zu jedem    eindeutig bestimmte Negative schreiben wir . Wegen

ist auch das Negative zu , also  

Mit diesem Begriff können wir festhalten.


Die ganzen Zahlen

bilden einen kommutativen Ring.


Die einelementige Menge    kann man zu einem Ring machen, indem man sowohl die Addition als auch die Multiplikation auf die einzig mögliche Weise erklärt, nämlich durch und . In diesem Fall ist  ,  dies ist also ausdrücklich erlaubt. Diesen Ring nennt man den Nullring.


Einen weiteren endlichen Ring (und zwar einen Körper) haben wir bereits in Beispiel 4.12 kennengelernt. In der zwölften Vorlesung werden wir einer Vielzahl von weiteren endlichen Ringen begegnen.

Für Elemente    in einem kommutativen Ring verwendet man

als abkürzende Schreibweise. Man spricht von der Subtraktion bzw. der Differenz. Die Subtraktion ist also die Addition von mit dem Negativen (also ) von .



Es sei ein kommutativer Ring und seien Elemente aus .

Dann gelten folgende Aussagen.

  1. (Annullationsregel),

  2. (Vorzeichenregel),

  1. Es ist  .  Durch beidseitiges Abziehen (also Addition mit ) von ergibt sich die Behauptung.
  2. nach Teil (1). Daher ist das (eindeutig bestimmte) Negative von .

  3. Nach (2) ist    und wegen    folgt die Behauptung.
  4. Dies folgt auch aus dem bisher Bewiesenen.


Wie in jedem kommutativen Halbring kann man in jedem kommutativen Ring Ausdrücke der Form mit    und    sinnvoll interpretieren, und zwar ist die -fache Summe von mit sich selbst. Auch die Potenzschreibweise wird wieder verwendet und es gelten insbesondere die in Lemma 4.8 formulierten Potenzgesetze. Darüber hinaus kann man auch für negative Zahlen den Ausdruck interpretieren, nämlich als

Insbesondere ist

in jedem kommutativen Ring sinnvoll interpretierbar. Dabei gelten naheliegende Rechengesetze, siehe Aufgabe 5.25.



Körper

Ein kommutativer Ring heißt Körper, wenn    ist und wenn jedes von verschiedene Element ein multiplikatives Inverses besitzt.

Ein Körper ist also insbesondere ein kommutativer Ring. Jede Eigenschaft, die in einem kommutativen Ring gilt, gilt auch in einem Körper (aber nicht umgekehrt).

Die wichtigsten Körper sind für uns der Körper der rationalen Zahlen, der Körper der reellen Zahlen und der Körper der komplexen Zahlen. Der Körper mit zwei Elementen wurde in Beispiel 4.12 besprochen. Wir werden weitere endliche Körper in der zwölften Vorlesung konstruieren. Zu einem Element    bezeichnet man, wie in jedem kommutativen Ring, dasjenige Element, das mit addiert die ergibt, als das Negative von , geschrieben . Zu einem Element , , bezeichnet man dasjenige Element, das mit multipliziert die ergibt, als das Inverse von (oder den Kehrwert von oder die zu reziproke Zahl), geschrieben . Auch dieses ist eindeutig bestimmt.

In einem Körper wird für beliebige Elemente  mit , die Bruchschreibweise

verwendet. Es handelt sich also um eine Abkürzung für das Produkt von mit dem inversen Element von . Die Zahl ist das eindeutig bestimmte Element, das mit multipliziert das Element ergibt. Diese Schreibweise passt mit der Bruchschreibweise für rationale Zahlen zusammen, da ja

ist.

Die Berechnung von

nennt man Division, wobei der Dividend und der Divisor der Division heißt, das Ergebnis heißt Quotient.


In einem Körper ist wie in jedem kommutativen Ring die additive Struktur eine kommutative Gruppe. Insbesondere besitzt in jedem Körper eine Gleichung der Form

mit    eine eindeutige Lösung, nämlich

wie sich direkt aus Lemma 5.4 ergibt. Darüber hinaus ist zu jedem Körper die multiplikative Struktur, wenn man die herausnimmt, also eine kommutative Gruppe. Dies bedeutet wiederum, dass eine Gleichung der Form

mit    eine eindeutige Lösung in besitzt, nämlich


Die folgende Eigenschaft heißt die Nichtnullteilereigenschaft eines Körpers. Sie gilt auch für , im Allgemeinen aber nicht für jeden kommutativen Ring, siehe Aufgabe 5.29.



Es sei ein Körper. Aus   

folgt    oder  

Beweis

Siehe Aufgabe 5.30.


In einem Körper kann man die Potenzschreibweise erweitern, da ja eine Gruppe ist und man daher zu , und    der Ausdruck wohldefiniert ist. Wie bei jeder Gruppe ist zu einer natürlichen Zahl    das -fache Produkt von mit sich selbst ( Faktoren), was den Fall    miteinschließt. Für negatives    schreibt man    mit    und setzt

Für diese Potenzen gelten insbesondere die in Lemma 5.5 formulierten Potenzgesetze, die die Potenzgesetze für positive Exponenten (siehe Lemma 4.8), die in jedem kommutativen Halbring gelten, wesentlich erweitern.



Polynomring

Der Polynomring über einem kommutativen Ring besteht aus allen Polynomen

mit ,

und mit komponentenweiser Addition und einer Multiplikation, die durch distributive Fortsetzung der Regel

definiert ist.

Ein Polynom

ist formal gesehen nichts anderes als das Tupel , die die Koeffizienten des Polynoms heißen. Der Ring heißt in diesem Zusammenhang der Grundring des Polynomrings. Aufgrund der komponentenweisen Definition der Addition liegt unmittelbar eine Gruppe vor, mit dem Nullpolynom (bei dem alle Koeffizienten null sind) als neutralem Element. Zwei Polynome sind genau dann gleich, wenn sie in allen ihren Koeffizienten übereinstimmen. Die Polynome mit    für alle    heißen konstante Polynome, man schreibt sie einfach als . Ein von verschiedenes Polynom kann man als mit    schreiben. Der Koeffizient heißt dann der Leitkoeffizient des Polynoms und heißt der Grad des Polynoms.

Die für ein einfaches Tupel zunächst ungewöhnliche Schreibweise deutet in suggestiver Weise an, wie die Multiplikation aussehen soll, das Produkt ist nämlich durch die Addition der Exponenten gegeben. Dabei nennt man die Variable des Polynomrings. Für beliebige Polynome ergibt sich die Multiplikation aus dieser einfachen Multiplikationsbedingung durch distributive Fortsetzung gemäß der Vorschrift, „alles mit allem“ zu multiplizieren. Die Multiplikation ist also explizit durch folgende Regel gegeben:



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