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Kurs:Einführung in die Theorie der Schemata/Vorlesung 1

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Das Spektrum eines kommutativen Ringes

Zu einem kommutativen Ring R nennt man die Menge der Primideale von R das Spektrum von R, geschrieben

Spek(R).

Man spricht auch von einem affinen Schema.


Auf dem Spektrum eines kommutativen Ringes R ist die Zariski-Topologie dadurch gegeben, dass zu einer beliebigen Teilmenge  TR  die Mengen

D(T):={𝔭Spek(R)T⊈𝔭}

als offen erklärt werden.

Für einelementige Teilmengen  T={f}  schreiben wir D(f) statt D({f}).



Lemma  

Die Zariski-Topologie auf dem Spektrum Spek(R) eines kommutativen Ringes R

ist in der Tat eine Topologie.

Beweis  

Es ist  D(0)=  und  D(1)=Spek(R),  da jedes Primideal die 0 und kein Primideal die 1 enthält.

Zu einer beliebigen Familie Ti, iI, aus Teilmengen  TiR  ist

iID(Ti)=D(iITi).

Dabei ist die Inklusion klar, da

TiiITi

gilt und da aus  ST  stets  D(S)D(T)  folgt. Für die andere Inklusion sei  𝔭D(iITi).  D.h. es gibt ein  fiITi  mit  f𝔭.  Somit gibt es ein  iI  mit  fTi  und daher  𝔭D(Ti)  für dieses i.

Zu einer endlichen Familie T1,,Tn aus Teilmengen  TiR  ist

i=1nD(Ti)=D(T1Tn).

Dabei bezeichnet T1Tn die Menge aller Produkte f1fn mit  fiTi.  Hierbei ist die Inklusion klar. Für die umgekehrte Inklusion sei  𝔭D(Ti)  für alle  i=1,,n  vorausgesetzt. Das bedeutet, dass es  fiTi  mit  fi𝔭  gibt. Aufgrund der Primidealeigenschaft ist dann  f1fn𝔭,  also  𝔭D(T1Tn)


Wir betrachten das Spektrum stets als topologischen Raum. Die Primideale sind die Punkte dieses Raumes. Wir schreiben häufig  X=Spek(R)  und  xX,  um die geometrische Sichtweise zu betonen. Für das Primideal, das durch x repräsentiert wird, schreibt man dann wiederum 𝔭x.

Die Komplemente der offenen Mengen, also die abgeschlossenen Mengen in der Zariski-Topologie, werden mit

V(T)={𝔭Spek(R)T𝔭}

bezeichnet.



Proposition  

Für das Spektrum  X=Spek(R)  eines kommutativen Ringes R gelten folgende Eigenschaften.

  1. Es ist  D(T)=D(𝔞),  wobei 𝔞 das durch T erzeugte Ideal (Radikal) in R sei. Man kann sich also bei der Beschreibung der offenen Teilmengen auf die Radikale von R beschränken.
  2. Für eine Familie 𝔞i, iI, von Idealen in R ist
    iID(𝔞i)=D(iI𝔞i).
  3. Für eine endliche Familie 𝔞i, i=1,,n, von Idealen in R ist
    i=1nD(𝔞i)=D(i=1n𝔞i)=D(𝔞1𝔞n).
  4. Es ist  D(𝔞)=X  genau dann, wenn 𝔞 das Einheitsideal ist.
  5. Es ist  D(𝔞)D(𝔟)  genau dann, wenn  𝔞rad(𝔟)  gilt.
  6. Das Spektrum ist genau dann leer, wenn R der Nullring ist.
  7. Es ist  D(𝔞)=  genau dann, wenn 𝔞 nur nilpotente Elemente enthält.
  8. Die offenen Mengen D(f), fR, bilden eine Basis der Topologie.
  9. Eine Familie von offenen Mengen D(𝔞i), iI, ist genau dann eine Überdeckung von X, wenn die Ideale 𝔞i zusammen das Einheitsideal erzeugen.

Beweis  

(1). Die Inklusion ist klar. Die andere Inklusion beweisen wir durch Kontraposition und nehmen  𝔭D(T)  an. Dann ist  T𝔭  und somit gilt

𝔞rad(𝔞)𝔭,
da ein Primideal ein Radikalideal ist. Daher ist auch

 𝔭D(rad(𝔞))
(2) und (3) sind klar nach (1) und dem Beweis zu Lemma 1.3.
(4). Wenn 𝔞 nicht das Einheitsideal ist, so gibt es nach Aufgabe 1.1 ein maximales Ideal  𝔞𝔪,  also  𝔪D(𝔞)
(5). Die Implikation von rechts nach links ist klar. Für die Umkehrung sei  𝔞⊈rad(𝔟)  vorausgesetzt. Dann gibt es nach Aufgabe ***** ein  f𝔞  mit  fn𝔟  für alle  n.  Dann gibt es auch ein Primideal  𝔭𝔟  mit  f𝔭.  Also ist  𝔭D(𝔞)  und  𝔭D(𝔟)
(6). Der Nullring besitzt kein Primideal. Ein vom Nullring verschiedener kommutativer Ring besitzt nach Aufgabe 1.1 maximale Ideale.
(7). Jedes Primideal enthält sämtliche nilpotenten Elemente, also ist  V(𝔞)=X  für ein solches Ideal. Wenn dagegen 𝔞 ein nicht nilpotentes Element f enthält, so gibt es nach Aufgabe 1.5 auch ein Primideal 𝔭 mit  f𝔭,  also ist  𝔭D(f)D(𝔞)
(8). Dies folgt direkt aus  D(𝔞)=f𝔞D(f)
(9) folgt aus und (2) und (4).



Proposition  

Für das Spektrum  X=Spek(R)  eines kommutativen Ringes R gelten folgende Eigenschaften.

  1. Der Abschluss einer Teilmenge  TX  ist V(xT𝔭x).
  2. Der Abschluss eines Punktes  xX  ist V(𝔭x).
  3. Ein Punkt  xSpek(R)  ist genau dann abgeschlossen, wenn 𝔭x ein maximales Ideal ist.

Beweis  

(1). Für  yT  ist  yV(𝔭y)V(xT𝔭x),  sodass die angegebene Menge eine abgeschlossene Menge ist, die T umfasst. Es sei 𝔮 ein Primideal mit  𝔮V(xT𝔭x),  also  xT𝔭x𝔮.  Um zu zeigen, dass 𝔮 auch zum Abschluss von T gehört, muss man zeigen, dass T jede offene Umgebung von 𝔮 schneidet. Es sei also  𝔮D(f),  d.h.  f𝔮.  Dann ist auch  fxT𝔭x  und somit gibt es ein  xT  mit  f𝔭x.  Also ist  𝔭xD(f)  und somit  TD(f)
(2) ist ein Spezialfall von (1).
(3) folgt aus (2).




Korollar  

Das Spektrum  X=Spek(R)  eines kommutativen Ringes R

ist quasikompakt.

Beweis  

Nach Proposition 1.4  (9) ist  X=iID(𝔞i)  genau dann, wenn die Ideale 𝔞i, iI, zusammen das Einheitsideal erzeugen. Das von der Familie erzeugte Ideal besteht aus allen endlichen Summen f1++fn mit  fj𝔞ij.  Wenn also das Einheitsideal erzeugt wird, so bedeutet dies, dass es eine endliche Auswahl  {i1,,in}I  und Elemente  fj𝔞ij  mit  j=1nfj=1  gibt. Dann ist aber

X=D(1)=j=1nD(fj)=j=1nD(𝔞ij)

und somit ist eine endliche überdeckende Teilfamilie gefunden.


Das Spektrum ist nur in Ausnahmesituationen ein Hausdorffraum, d.h. im Allgemeinen kann man zwei Punkte des Spektrums nicht durch offene Umgebungen trennen.


Ein Körper hat bekanntlich nur zwei Ideale, nämlich das Einheitsideal K, das kein Primideal ist, und das Nullideal 0, das ein Primideal ist. Das Spektrum eines Körpers besteht also aus einem einzigen Punkt.



Datei:Spektrum von Z. xcf
So stellt man sich das Spektrum von vor. Die Verbindungslinien sollen vermitteln, dass es sich um ein eindimensionales Objekt handelt. Das Nullideal malt man fett, um anzudeuten, dass es sich um einen dichten Punkt handelt.

Die Primideale in sind einerseits die maximalen Ideale (p), wobei p eine Primzahl ist, und andererseits das Nullideal 0. Die maximalen Ideale bilden die abgeschlossenen Punkte von Spek(). Das Nullideal ist darin ein weiterer nicht abgeschlossener Punkt. Die einzige abgeschlossene Menge, in der dieser Punkt enthalten ist, ist die ganze Menge. Die abgeschlossenen Mengen in Spek() sind neben der Gesamtmenge die endlichen Teilmengen aus maximalen Idealen.

Man visualisiert Spek() als eine (gedachte Gerade), auf der die Primzahlen diskret liegen, während der Nullpunkt ein fetter Punkt ist, der die gesamte Gerade repräsentiert.



Für den Polynomring  R=K[X1,,Xn]  über einem Körper K vermitteln die sogenannten Punktideale eine gute geometrische Vorstellung von Spek(R). Ein Punktideal hat die Form

(X1a1,X2a2,,Xnan)

zu einem festen Tupel  a=(a1,a2,,an)Kn.  Ein Punktideal ist der Kern des durch Xiai festgelegten K-Algebrahomomorphismus

φa:RK

und daher ein maximales Ideal. Diese Zuordnung definiert insgesamt eine injektive Abbildung

KnSpek(R).

Wenn K algebraisch abgeschlossen ist, so werden dadurch sogar alle maximale Ideale von R erfasst. Daher stellt man sich das Spektrum des Polynomrings in n Variablen als den affinen Raum vor, der allerdings auch noch weitere nichtabgeschlossene (und schwerer zu visualisierende) Punkte enthält. Zu einem Polynom  fK[X1,,Xn]  besitzt V(f)Kn eine anschauliche Interpretation: Es ist  aV(f)Kn  genau dann, wenn  f(a1,,an)=0  ist.




Funktorielle Eigenschaften



Proposition  

Es sei φ:RS ein Ringhomomorphismus zwischen kommutativen Ringen.

Dann gelten folgende Aussagen.

  1. Die Zuordnung
    φ:Spek(S)Spek(R),𝔭φ(𝔭):=φ1(𝔭),

    ist (wohldefiniert und) stetig.

  2. Es ist  (φ)1(D(𝔞))=D(𝔞S)  für jedes Ideal  𝔞R
  3. Für einen weiteren Ringhomomorphismus
    ψ:ST

    gilt  (ψφ)=φψ

Beweis  

Die Abbildung ist nach Aufgabe 3.1 wohldefiniert. Zur Stetigkeit ist die Aussage (2) zu zeigen. Wir argumentieren mit den abgeschlossenen Mengen. Für ein Primideal  𝔮Spek(S)  ist  φ(𝔮)V(𝔞)  genau dann, wenn  𝔞φ1(𝔮)  ist. Dies ist äquivalent zu  φ(𝔞)𝔮  und ebenso zu  𝔞S𝔮.  (3) ist klar.


Die in der vorstehenden Aussage eingeführte stetige Abbildung heißt Spektrumsabbildung (zu dem gegebenen Ringhomomorphismus). Bei einem Unterring  RS  geht es einfach um die Zuordnung 𝔭𝔭R. In diesem Fall spricht man auch von „Runterschneiden“.



Proposition  

Es sei R ein kommutativer Ring. Dann gelten folgende Aussagen.

  1. Zu einem Ideal  𝔞R  und der Restklassenabbildung
    q:RR/𝔞

    ist die Spektrumsabbildung

    q:Spek(R/𝔞)Spek(R)

    eine abgeschlossene Einbettung, deren Bild V(𝔞) ist.

  2. Zu einem multiplikativen System  MR  ist die zur kanonischen Abbildung
    ι:RRM

    gehörige Abbildung

    ι:Spek(RM)Spek(R)

    injektiv, und das Bild besteht aus der Menge der Primideale von R, die zu M disjunkt sind.

  3. Zu  fR  ist die zur kanonischen Abbildung
    ι:RRf

    gehörige Abbildung

    ι:Spek(Rf)Spek(R)

    eine offene Einbettung, deren Bild gleich D(f) ist.

Beweis  

(1) folgt aus Aufgabe 1.6: Die Primideale in R/𝔞 entsprechen über 𝔭q1(𝔭)=𝔭+𝔞 den Primidealen von R, die 𝔞 enthalten. Die angegebene Abbildung ist also bijektiv und hat das beschriebene Bild. Zu einem Ideal  𝔟R/𝔞  und einem Primideal  𝔭R/𝔞  ist  𝔟𝔭  genau dann, wenn

𝔟+𝔞=q1(𝔟)𝔭+𝔞=q1(𝔭)

in R gilt. Also ist das Bild von V(𝔟) gleich V(𝔟+𝔞) und damit abgeschlossen.
Für (2) siehe Aufgabe 1.7.
(3). Da für ein Primideal 𝔭 und ein Element  fR  die Beziehung  f𝔭  genau dann gilt, wenn 𝔭 zum multiplikativen System {fnn} disjunkt ist, folgt aus Teil (2), dass die Abbildung injektiv ist und dass ihr Bild gleich D(f) ist. Das gleiche Argument, angewendet auf  gR  bzw.  g1Rf  zeigt, dass das Bild von  D(g)Spek(Rf)  gleich D(fg) und damit offen ist.



Lemma  

Es sei φ:RS ein Ringhomomorphismus zwischen kommutativen Ringen und es sei

φ:Spek(S)Spek(R),𝔭φ(𝔭),

die zugehörige Spektrumsabbildung.

Dann ist die Faser über einem Primideal  𝔮Spek(R)  gleich Spek((S/𝔮S)φ(R𝔮)).

D.h. die Faser besteht aus allen Primidealen  𝔭Spek(S)  mit  𝔮S𝔭  und mit  𝔭φ(R𝔮)=

Beweis  

Aufgrund von Proposition 1.11 müssen wir nur die zweite Formulierung beweisen. Für ein Primideal  𝔭S  gilt  φ1(𝔭)=𝔮  genau dann, wenn sowohl  φ(𝔮)𝔭  als auch  φ(R𝔮)S𝔭  gilt. Die erste Bedingung ist zu  𝔮S𝔭  und die zweite Bedingung ist zu

φ(R𝔮)𝔭=

äquivalent.


Insbesondere ist die Faser eines Spektrumsmorphismus über einem Punkt selbst wieder das Spektrum eines Ringes. Ein Spezialfall der vorstehenden Aussage ist, dass die Faser über einem maximalen Ideal 𝔪 gleich Spek(S/𝔪S) ist, da in diesem Fall aus  𝔪S𝔭  sofort  𝔪φ1(𝔭)  folgt und wegen der Maximalität Gleichheit gelten muss. Bei einem Integritätsbereich R und dem Nullideal erübrigt es sich, das Erweiterungsideal zu betrachten, die Faser wird einfach durch Spek(Sφ(R{0})) beschrieben.



Korollar  

Es sei

φ:RS

ein Ringhomomorphismus zwischen kommutativen Ringen und es sei

φ:Spek(S)Spek(R),𝔭φ(𝔭),

die zugehörige Spektrumsabbildung.

Dann ist die Faser über einem Primideal  𝔮Spek(R)  genau dann leer, wenn  𝔮Sφ(R𝔮)

Beweis  

Dies folgt aus Lemma 1.12 und Proposition 1.4  (6).


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