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Kurs:Einführung in die Theorie der Schemata/Vorlesung 17

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Lokal freie Garben

Ein 𝒪X-Modul auf einem beringten Raum X heißt lokal frei vom Rang r, wenn es eine offene Überdeckung  X=iIUi  und 𝒪Ui-Modulisomorphismen  |Ui(𝒪Ui)r  für jedes  iI  gibt.

Für  r=1  erhält man die invertierbaren Garben, diese sind einfach die lokal freien Garben vom Rang r. Die einfachsten lokal freien Garben sind die freien Garben ist 𝒪Xr (zu r). Gemäß der Definition ist eine lokal freie Garbe lokal, also auf einer Überdeckung aus offenen Mengen, frei. Lokal lassen sich also freie Garben und lokal freie Garben nicht unterscheiden. Lokal freie Garben reflektieren daher globale Eigenschaften des beringten Raumes X.

Wir betrachten lokal freie Garben auf Schemata, wo sich enge Beziehungen zu projektiven und flachen Moduln ergeben. Lokal freie Garben sind insbesondere kohärente Moduln. Über einem lokalen Ring sind alle lokal freien Garben frei, da das Spektrum nur einen abgeschlossenen Punkt enthält und dieser nur die Gesamtmenge als offene Umgebung besitzt. Wenn man jedoch zu einem lokalen Ring das punktierte Spektrum  U=D(𝔪)=Spek(R){𝔪}  betrachtet, so gibt es darauf in der Regel viele nichttriviale (nichtfreie) lokal freie Garben, die Eigenschaften des lokalen Ringes (der Singularität) widerspiegeln. Da jedes Schema durch affine Schemata überdeckt wird, muss man insbesondere zuerst die lokal freien Garben auf einem affinen Schema verstehen.


Satz  

Es sei R ein kommutativer noetherscher Ring und sei M ein endlich erzeugter R-Modul. Es sei  r.  Dann sind die folgenden Eigenschaften äquivalent.

  1. Die Lokalisierungen M𝔭 sind frei vom Rang r für jedes Primideal  𝔭Spek(R)
  2. Die Lokalisierungen M𝔪sind frei vom Rang r für jedes maximale Ideal 𝔪 von R.
  3. Es gibt Elemente  f1,,fkR,  die das Einheitsideal erzeugen derart, dass die Nenneraufnahmen Mfj für jedes  j=1,,k  frei vom Rang r sind.
  4. Die zu M gehörige kohärente Garbe M~ auf Spek(R) ist lokal frei vom Rang r.

Beweis  

(1)(2). Dies ist eine Spezialisierung.
(2)(3). Wir fixieren ein maximales Ideal 𝔪. Nach Voraussetzung gibt es einen R𝔪-Modulisomorphismus

φ:(R𝔪)rM𝔪.

Wir schreiben das Bild des i-ten Standardvektors ei als

φ(ei)=migi

mit  miM  und  giR𝔪.  Es sei  g=g1gr  das Produkt der Nenner. Wir betrachten die Situation über D(g). Der Isomorphismus φ ist über D(g) (auf Rg) definiert, d.h. wir haben einen Rg-Modulhomomorphismus

ψ:(Rg)rMg,

der in der Lokalisierung an 𝔪 den Isomorphismus φ induziert. Allerdings ist ψ im Allgemeinen kein Isomorphismus. Es sei v1,,vs ein Erzeugendensystem für den Modul M. Da ψ auf R𝔪 eine Surjektion induziert, gibt es Elemente  uj=ajhj(R𝔪)r,  die nach vj abbilden. Die Nenner hj gehören nicht zu 𝔪, daher können wir g durch  h=gh1hs  ersetzen und erhalten

ψ:(Rh)rMh

mit Elementen  uj=(Rh)r  derart, dass die ψ(uj) in M𝔪 auf die Erzeuger vj einschränken. Dies bedeutet, dass es Elemente  pj𝔪  mit  pjψ(uj)=pjvj  in Mh gibt. Wenn man h durch  p=hp1ps  ersetzt, erhält man, dass ψ ebenfalls surjektiv ist. Es sei N der Kern von (diesem neuen) ψ. Da φ injektiv ist, gilt  N𝔪=0.  Da R noethersch ist, ist N nach Lemma 23.2 (Kommutative Algebra) endlich erzeugt und so gibt es wiederum ein Element f, f𝔪, mit  Nf=0.  Indem wir weiter verkleinern erhalten wir einen Isomorphismus ψ:(Rf)rMf für ein f, f𝔪.

Wir wissen also, dass es zu jedem maximalen Ideal 𝔪 eine offene Umgebung  𝔪D(f𝔪)  derart gibt, dass Mf𝔪 frei vom Rang r ist. Daher enthält

𝔪 maximal ideal D(f𝔪)

alle maximalen Ideale und auch alle Primideale, es liegt also eine offene Überdeckung von Spek(R) vor. Daher ist nach Proposition 1.4  (4) (f𝔪:𝔪 maximal) das Einheitsideal, und dieses wird bereits von endlich vielen der f𝔪 erzeugt.
(3)(4). Da die Elemente das Einheitsideal erzeugen, überdecken die zugehörigen offenen Mengen D(fj), j=1,,k, das Spektrum Spek(R). Da Mfj freie Rfj-Moduln vom Rang r sind, liegen 𝒪X|D(fj)-Modulisomorphismen  M~|D(fj)(Rfj)r~𝒪D(fj)r  vor. Daher ist M~ lokal frei.
(4)(1). Sei  𝔭Spek(R)  ein Primideal. Die lokale Freiheit bedeutet, dass wir eine offene Überdeckung  X=iIUi  derart haben, dass die M~|Ui frei vom Rang r sind. Somit gibt es einen Index i mit  𝔭Ui.  Indem wir zu einer eventuell kleineren offenen Umgebung von 𝔭 übergehen können wir  Ui=D(f)  mit  f𝔭  übergehen. Dabei gilt, dass  Mf~M~|D(f)  frei vom Rang r ist. Doch dann ist erst recht die Lokalisierung M𝔭 frei vom Rang r.


Das Beispiel aus Aufgabe 14.7 zeigt, dass es bei einem nichtnoetherschen Ring R einem Modul M mit  M𝔭=R𝔭  geben kann, ohne dass diese Isomorphie auf eine offene Umgebung fortsetzbar ist.

Wir setzen lokal freie Moduln in Bezug zu projektiven Moduln.


Es sei R ein kommutativer Ring und M ein R-Modul. Der Modul M heißt projektiv, wenn es zu jedem surjektiven R-Modulhomomorphismus

θ:AB

und jedem Modulhomomorphismus

φ:MB

einen Modulhomomorphismus

ψ:MA

mit

φ=θψ

gibt.

Ein Modul ist genau dann projektiv, wenn er ein direkter Summand von einem freien Modul ist.


Lemma  

Es sei R ein kommutativer lokaler Ring und M ein endlich erzeugter R-Modul. Dann ist M genau dann frei, wenn M ein projektiver Modul ist.

Beweis  

Dass freie Moduln projektiv sind, wurde in Lemma 47.2 (Kommutative Algebra) bewiesen. Es sei also M projektiv. Es sei m1,,mn ein minimales Erzeugendensystem von M und sei

p:RnM

der zugehörige surjektive Modulhomomorphismus. Wegen der Minimalität ist

(R/𝔪)nM/𝔪M

eine R/𝔪-lineare bijektive Abbildung. Wegen der Projektivität gibt es einen Modulhomomorphismus i:MRn mit  pi=IdM.  Dann ist

RnMN

mit  N=kernp  und wobei wir M mit i(M) identifizieren. Wir betrachten nun

RnMNM

und die induzierten R/𝔪-linearen Abbildungen

(R/𝔪)nM/𝔪MN/𝔪NM/𝔪M.

Hierbei ist sowohl die Abbildung links als auch die Gesamtabbildung bijektiv. Daher muss  N/𝔪N=0  sein. Aus Lemma 29.5 (Kommutative Algebra) folgt  N=0  und somit ist  Rn=M  frei.



Lemma  

Es sei R ein noetherscher kommutativer Ring und M ein endlich erzeugter R-Modul. Dann ist M genau dann lokal frei, wenn M ein projektiver Modul ist.

Beweis  

Die eine Richtung folgt direkt aus Lemma 17.4 unter Berücksichtigung von Aufgabe 17.16. Zum Beweis der Umkehrung sei p:LM ein surjektiver Modulhomomorphismus mit einem endlich erzeugten freien R-Modul L. Es ist zu zeigen, dass es einen Homomorphismus i:ML mit  pi=IdM  gibt. Dies ist insbesondere dann gesichert, wenn man zeigen kann, dass der natürliche Homomorphismus

HomR(M,L)HomR(M,M),φpφ,

surjektiv ist, da ja dann insbesondere die Identität getroffen wird. Nach Fakt ***** kann man die Surjektivität lokal testen. Für die Homomorphismenmoduln gilt unter den gegebenen Endlichkeitsvoraussetzungen nach Fakt *****

(HomR(M,L))𝔭=HomR𝔭(M𝔭,L𝔭).

Die Surjektivität von

HomR𝔭(M𝔭,L𝔭)HomR𝔭(M𝔭,M𝔭)

folgt aber für jedes Primideal 𝔭 aus der Freiheit von M𝔭 und Lemma 47.2 (Kommutative Algebra).


Es gilt ferner der folgende Satz, den wir nicht beweisen.


Satz

Es sei R ein kommutativer noetherscher Ring und M ein endlich erzeugter R-Modul. Dann sind folgende Aussagen äquivalent.

  1. M ist lokal frei.
  2. M ist ein projektiver Modul.
  3. M ist ein flacher Modul.

Mit dem folgenden Satz erhält man viele lokal freie Garben, die im Allgemeinen nicht trivial sind.



Satz  

Es sei X ein noethersches Schema und sei

θ:G

ein surjektiver Garbenhomomorphismus zwischen lokal freien Garben auf X.

Dann ist der Kern von θ ebenfalls lokal frei.

Beweis  

Da die lokale Freiheit eine lokale Eigenschaft ist, können wir direkt annehmen, dass

X=Spek(R)

ein affines Schema zu einem noetherschen Ring R ist und (durch weitere Verkleinerung der offenen Menge) dass ein surjektiver Modulhomomorphismus θ:RrRs vorliegt. Nach Fakt ***** gibt es ein φ:RsRr mit

θφ=IdRs.

Somit gibt es eine direkte Summenzerlegung

Rr=kernθRs

und θ ist die Projektion auf den Summanden Rs. Damit ist kernθ nach Lemma 47.3 (Kommutative Algebra) ein projektiver R-Modul und nach Lemma 17.5 lokal frei.


Zu Elementen  f1,,fnR  in einem kommutativen Ring R gehört der Modulhomomorphismus RnR, eifi. Das Bild ist das von den fi erzeugte Ideal, insbesondere ist diese Abbildung nur dann surjektiv, wenn die fi das Einheitsideal erzeugen. Der zugehörige Modulhomomorphismus 𝒪Xn𝒪X ist im Allgemeinen auch nicht surjektiv und der Kern ist im Allgemeinen nicht lokal frei. Wenn man allerdings die Einschränkung dieses Garbenhomomorphismus auf die offene Teilmenge  U=i=1nD(fi)  betrachtet, also 𝒪Un𝒪U, so erhält man einen surjektiven Garbenhomomorphismus, da auf den einzelnen D(fi) wegen 1fiei1 ein surjektiver Garbenhomomorphismus vorliegt. Der Kern ist dann nach Satz 17.7 eine lokal freie Garbe auf dem quasiaffinen Schema U, es wird mit Syz(f1,,fn) bezeichnet, man sprich von einer Syzygiengarbe oder Kerngarbe . Wenn R ein lokaler Ring ist und die fi ein Ideal erzeugen, dass zum maximalen Ideal 𝔪 primär ist (d.h. die fi schneiden geometrisch den abgeschlossenen Punkt heraus), so ist die Syzygiengarbe eine lokal freie Garbe auf dem punktierten Spektrum D(𝔪).


Die Variablen  X1,,XnK[X1,,Xn]=R  definieren das maximale Ideal (X1,,Xn) und die kurze exakte Sequenz

0Syz(X1,,Xn)Rn(X1,,Xn)0

von R-Moduln, wobei der i-te Standardvektor ei auf Xi geschickt wird. Dies induziert gemäß Lemma 14.9 eine kurze exakte Sequenz von quasikohärenten Moduln

0Syz(X1,,Xn)~𝒪𝔸Knn(X1,,Xn)~0

auf dem affinen Raum 𝔸Kn. In der Mitte steht eine freie Garbe, links und rechts stehen (außer bei kleinen n) keine lokal freien Garben. Wenn man diese Sequenz aber auf das punktierte Spektrum

U=D(X1,,Xn)𝔸Kn

einschränkt, so wird rechts nach Aufgabe 14.1 das maximale Ideal zur Strukturgarbe und somit liegt die Situation

0Syz(X1,,Xn)𝒪Un𝒪U0

aus Bemerkung 17.8 vor, wobei jetzt links die lokal freie Syzygiengarbe steht. Für  n=3  ist dies die Garbenversion zu Beispiel ..




Determinantengarben

Zu einer lokal freien Garbe 𝒢 auf einem beringten Raum (X,𝒪X) vom Rang r nennt man die Vergarbung der Prägarbe UrΓ(U,𝒢) die Determinantengarbe von 𝒢. Sie wird mit Det𝒢 bezeichnet.



Satz  

Es sei (X,𝒪X) ein beringter Raum und sei

0𝒢0

eine kurze exakte Sequenz von lokal freien Garben auf X.

Dann gibt es eine kanonische Isomorphie

DetGDetFDetH.

Beweis  

Es sei r der Rang von und s der Rang von . Wir betrachten offene Teilmengen  UX,  auf denen die drei beteiligten Garben trivialisieren und worauf die Garbensurjektion einen Schnitt besitzt. Solche offenen Mengen überdecken X. Es liegt dann die Situation

0𝒪Ur𝒪Ur+s𝒪Us0

vor und sei

θ:𝒪Us𝒪Ur+s

ein Schnitt. Wir definieren

Ψ:r𝒪Ur×s𝒪Usr+s𝒪Ur+s

durch

Ψ(u1ur,w1ws):=u1urθ(w1)θ(ws).

Diese Abbildung ist unabhängig vom gewählten Schnitt θ. Für einen weiteren Schnitt θ liegt ja θθ in . Doch dann ist

u1urθ(w1)θ(ws)=u1ur(θ(w1)+u1)(θ(ws)+us)=u1urθ(w1)θ(ws),

da ja stets eine lineare Abhängigkeit zwischen den r+1 Vektoren u1,,ur,uj vorliegt und daher die entsprechenden Dachprodukte 0 sind. Die Abbildung Ψ ist bilinear und definiert daher eine lineare Abbildung

Ψ~:r𝒪Urs𝒪Usr+s𝒪Ur+s.

Da die Abbildungen kanonisch sind, induzierten sie auf kleineren offenen Teilmengen stets die gleiche Abbildung. Daher verkleben sie nach Korollar 6.10 zu einem Garbenhomomorphismus

rsr+s𝒢.

Dieser ist lokal aufgrund der expliziten Beschreibung ein Isomorphismus, also nach Lemma 6.6 auch global ein Isomorphismus.



Es sei (X,𝒪X) ein beringter Raum und sei

=1r

eine direkte Summe von invertierbaren Garben.

Dann ist

DetF1r.

Beweis

Siehe Aufgabe 17.22.



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