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Kurs:Einführung in die Theorie der Schemata/Vorlesung 2

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Ein (affines) Schema hat, verglichen mit einem metrischen Raum, topologisch eher ungewöhnliche Eigenschaften, die wir hier vorstellen wollen. Wir beginnen mit der Irreduzibilität.



Irreduzible Räume

Ein topologischer Raum heißt irreduzibel, wenn    ist und es keine Zerlegung    mit abgeschlossenen Mengen    gibt.



Ein topologischer Raum    ist genau dann irreduzibel,

wenn für nichtleere offene Teilmengen    auch der Durchschnitt nicht leer ist.

Dies folgt unmittelbar aus der Definition, da für die abgeschlossenen Teilmengen    und    die Beziehung    genau dann gilt, wenn    ist.


Eine Teilmenge    eines topologischen Raumes heißt irreduzibel, wenn sie als topologischer Raum mit der induzierten Topologie irreduzibel ist.



Es sei ein kommutativer Ring und    ein Ideal.

Dann ist die abgeschlossene Teilmenge

genau dann irreduzibel, wenn das Radikal zu ein Primideal ist.

Wir können direkt annehmen, dass ein Radikal ist. Ferner ist es nicht das Einheitsideal. Wenn nicht irreduzibel ist, so gibt es eine nichttriviale Zerlegung

wobei wir als Radikale ansetzen können. Das bedeutet  .  Wegen    ist nach Proposition 1.4  (5)

Somit gibt es , und . Daher ist

und ist kein Primideal.

Wenn umgekehrt kein Primideal ist, so gibt es Elemente    und  .  Dann ist    und somit

Da ein Radikal ist, ist    für alle  .  Nach Aufgabe 1.5 gibt es ein Primideal mit    und  .  Also ist

und entsprechend für . Nach Lemma 2.2 ist nicht irreduzibel.


Es liegt also durch eine Korrespondenz zwischen den Primidealen und den abgeschlossenen irreduziblen Teilmengen des Spektrums vor. Die maximalen Ideale entsprechen den einzelnen abgeschlossenen Punkten, die minimalen Primideale entsprechen den sogenannten irreduziblen Komponenten des Spektrums.


Zu einem topologischen Raum und einer abgeschlossenen irreduziblen Teilmenge    nennt man einen Punkt    mit der Eigenschaft, dass für jede offene Menge    die Beziehung    genau dann gilt, wenn    ist, den generischen Punkt von .



Die Krulldimension

Zu einem topologischen Raum nennt man die maximale Länge von abgeschlossenen irreduziblen Teilmengen

in die Krulldimension des Raumes.



Die Krulldimension eines kommutativen Ringes

stimmt mit der Krulldimension seines Spektrums überein.

Dies folgt aus Lemma 2.3 und Proposition 1.4  (5).




Noethersche Räume

Ein topologischer Raum heißt noethersch, wenn in ihm jede aufsteigende Kette

von offenen Mengen stationär wird, d.h. es gibt ein mit



Ein topologischer Raum

ist genau dann noethersch, wenn in ihm jede offene Teilmenge quasikompakt ist.

Zunächst ist in einem noetherschen Raum jede offene Teilmenge selbst noethersch. Für die Hinrichtung genügt es also zu zeigen, dass quasikompakt ist. Sei    eine offene Überdeckung und angenommen, es gäbe keine endliche Teilüberdeckung. Dann kann man eine echt aufsteigende unendliche Kette von offenen Teilmengen der Form

mit    endlich konstruieren. Es sei umgekehrt jede offene Teilmenge quasikompakt und eine aufsteigende Kette    gegeben. Dann ist

offen und quasikompakt und daher gibt es eine endliche Teilüberdeckung. Dies bedeutet, dass es einen Index mit    für alle    gibt.


Für einen noetherschen Raum gilt: jede nichtleere Teilmenge von offenen Mengen (abgeschlossenen Mengen) besitzt ein maximales (minimales) Element. Dies kann man vorteilhaft als Beweisprinzip einsetzen (Beweis durch noethersche Induktion): Man möchte zeigen, dass eine gewisse Eigenschaft für alle abgeschlossenen Teilmengen gilt, und man betrachtet die Menge derjenigen abgeschlossenen Teilmengen, die nicht erfüllen. Man möchte zeigen, dass die Menge leer ist, und nimmt an, dass sie nicht leer ist. Dann besitzt sie auch ein minimales Element, und dies muss man dann zum Widerspruch führen. Die Gültigkeit dieses Beweisprinzips beruht darauf, dass man in einer nichtleeren Menge ohne einem minimalen Element eine unendlich absteigende Kette konstruieren kann. Ein typisches Beispiel für dieses Beweisprinzip liefert der Beweis der folgenden Aussage.



Für jeden noetherschen topologischen Raum

gibt es eine eindeutige Zerlegung    in abgeschlossene irreduzible Teilmengen.

Die Existenz beweisen wir durch noethersche Induktion über die abgeschlossenen Teilmengen von . Angenommen, nicht jede abgeschlossene Teilmenge habe eine solche Zerlegung. Dann gibt es auch eine minimale Teilmenge, sagen wir  ,  ohne eine solche Zerlegung. Diese Menge kann nicht irreduzibel sein, sondern es gibt eine nicht-triviale Darstellung  .  Da und echte Teilmengen von sind, gibt es für diese beiden jeweils endliche Darstellungen als Vereinigung von abgeschlossenen irreduziblen Teilmengen. Diese beiden vereinigen sich zu einer endlichen Darstellung von , was ein Widerspruch ist.
Zur Eindeutigkeit. Seien

zwei Zerlegungen in irreduzible Teilmengen (jeweils ohne Inklusionsbeziehung). Es ist

Da irreduzibel ist, muss    für ein sein. Umgekehrt ist mit dem gleichen Argument    für ein , woraus    und    folgt. Ebenso findet sich etc. in der Zerlegung rechts wieder, sodass die Zerlegung eindeutig ist.


Die dabei auftretenden Mengen nennt man die irreduziblen Komponenten des Raumes.



Zusammenhangseigenschaften



Es seien und kommutative Ringe mit dem Produktring  .  Dann gibt es eine natürliche Homöomorphie

Dabei werden die Einbettungen von links nach rechts durch die Projektionen , , induziert.



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