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Kurs:Einführung in die Theorie der Schemata/Vorlesung 9

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Beringte Räume

Ein topologischer Raum, der mit einer Garbe von kommutativen Ringen versehen ist, heißt beringter Raum.

Ein beringter Raum wird oft in der Form angegeben, wobei der zugrunde liegende Raum ist und die Garbe von kommutativen Ringen ist. Diese heißt die Strukturgarbe des beringten Raumes. Die Auswertung    nennt man auch den Schnittring zur offenen Menge    und den globalen Schnittring. Im Anschluss an Beispiel 5.3 bzw. Beispiel 5.4 haben wir die folgenden Standardbeispiele.


Es sei ein topologischer Raum. Zu jeder offenen Teilmenge    ist

ein kommutativer Ring und die Zuordnung ist mit den natürlichen Restriktionsabbildungen eine Garbe, wodurch zu einem beringten Raum wird.



Auf einer differenzierbaren Mannigfaltigkeit ist zu jeder offenen Teilmenge    durch

ein kommutativer Ring gegeben. Diese Zuordnung ist eine Garbe, wodurch zu einem beringten Raum wird.



Auf einer komplexen Mannigfaltigkeit ist zu jeder offenen Teilmenge    durch

ein kommutativer Ring gegeben. Diese Zuordnung ist eine Garbe, wodurch zu einem beringten Raum wird.



Es sei ein kommutativer Ring und    ein einpunktiger topologischer Raum. Dieser wird durch die Festlegung    und    zu einem beringten Raum.



Zu einem Punkt    in einem beringten Raum nennt man den Halm der Strukturgarbe den Halm im Punkt .

Er wird mit oder kurz mit bezeichnet.



Morphismen von beringten Räumen

Zu einer stetigen Abbildung zwischen topologischen Räumen gehört zu jeder offenen Teilmenge    der Ringhomomorphismus

Für diese zurückgezogene stetige Funktion schreibt man auch . Diese Schreibweise verwenden wir auch in der folgenden abstrakten Definition.


Es seien und beringte Räume. Ein Morphismus beringter Räume ist eine stetige Abbildung zusammen mit einer Familie von Ringhomomorphismen

zu jeder offenen Menge  ,  die mit den Restriktionsabbildungen verträglich sind.

Die Verträglichkeit bedeutet, dass für offene Mengen    das Diagramm

kommutiert. Ein Morphismus von beringten Räumen induziert für jeden Punkt    einen Ringhomomorphismus der Halme

wobei ein  ,  das durch    mit einer offenen Umgebung    repräsentiert wird, auf den Keim von    abgebildet wird.


Ein Morphismus beringter Räume heißt Isomorphismus, wenn es einen Morphismus beringter Räume mit    und    (als Identität von beringten Räumen) gibt.



Verklebungsdaten für beringte Räume

Die folgende Konstruktion ist eine Erweiterung von Fakt *****.


Unter einem Verklebungsdatum für beringte Räume versteht man den folgenden Datensatz.

  1. Eine Familie , , von beringten Räumen.
  2. Für jedes Paar eine offene Teilmenge    (mit ).
  3. Für jedes Paar einen Isomorphismus

    von beringten Räumen (mit .)

  4. Für Indizes    ist die Kozykelbedingung

    als Homomorphismus von nach erfüllt.



Es sei ein Verklebungsdatum , , für beringte Räume gegeben.

Dann gibt es einen beringten Raum , eine offene Überdeckung    und Isomorphismen derart, dass

ist und

gilt.

Die Existenz eines zugrunde liegenden Raumes ergibt sich aus Fakt *****. Zu einer offenen Menge    liegt eine Überdeckung

vor und wir setzen

Dies ist eine Garbe auf von kommutativen Ringen, die auf den über die mit den vorgegebenen Garben auf übereinstimmt.




Lokal beringte Räume

Ein beringter Raum heißt lokal beringt, wenn für jeden Punkt    der Halm ein lokaler Ring ist.


Ein topologischer Raum ist mit der Garbe der stetigen Funktionen ein lokal beringter Raum: Für jeden Punkt    und eine in einer offenen Umgebung von definierte stetige Funktion gilt    genau dann, wenn es eine offene Umgebung gibt, auf der invertierbar ist. Daher sind die Halme lokale Ringe und ist lokal beringt.


Entsprechendes gilt auf einer reellen oder komplexen Mannigfaltigkeit.


Zu einem lokal beringten Raum und einem Punkt    nennt man den Restekörper des lokalen Ringes den Restekörper von . Er wird mit bezeichnet.

Der Restekörper bei einem topologischen Raum versehen mit der Garbe der stetigen Funktionen ist einfach , siehe Aufgabe 9.16.


Zu einem lokal beringten Raum , einem Punkt    und einer globalen Funktion    nennt man den Wert von im Restekörper von die Auswertung von in . Sie wird mit bezeichnet.

IN einem lokal beringten Raum hat man zu jedem    und jedem Punkt    die Äquivalenz    in genau dann, wenn    genau dann, wenn ist keine Einheit in .


Es seien und lokal beringte Räume. Ein Morphismus lokal beringter Räume von nach ist ein Morphismus der beringten Räume, für den die induzierten Ringhomomorphismen

für jeden Punkt    lokale Homomorphismen sind.



Der Invertierbarkeitsort



Zu einem lokal beringten Raum und einer globalen Funktion    ist

offen.

Zunächst ist    im Restekörper genau dann, wenn    im lokalen Ring gilt, und dies ist genau dann der Fall, wenn in nicht invertierbar ist. Sei  .  Dann ist in invertierbar und es gibt    mit  .  Es gibt eine offene Umgebung    mit (einem Repräsentanten)

und eine eventuell kleinere offene Umgebung mit  .  Auf dieser offenen Umgebung ist somit invertierbar und es gilt  .  Die Vereinigung dieser offenen Umgebungen zeigt, dass offen ist.


Die Menge der Punkte, für die als Element im Halm nicht ist, muss hingegen nicht offen sein, siehe Beispiel 12.8.


Zu einem lokal beringten Raum und einer globalen Funktion    nennt man

den Invertierbarkeitsort von .

Nach Aufgabe 9.20 ist in eine Einheit.



Es seien und lokal beringte Räume und ein Morphismus lokal beringter Räume.

Dann gilt für die Invertierbarkeitsorte zu    die Beziehung

Das Element ist in eine Einheit und der Ringhomomorphismus

zeigt, dass in eine Einheit ist, was    bedeutet. Für einen Punkt

ist eine Einheit im lokalen Ring . Wegen der Lokalität des Ringhomomorphismus

muss auch    eine Einheit sein, was    und damit

bedeutet.



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