Kurs:Elementare und algebraische Zahlentheorie/11/Klausur mit Lösungen/kontrolle
| Aufgabe | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Punkte | 3 | 3 | 2 | 4 | 4 | 4 | 3 | 4 | 8 | 5 | 4 | 2 | 4 | 4 | 10 | 64 |
Aufgabe (3 Punkte)
- Das Element heißt prim, wenn es eine Nichteinheit ist und wenn folgendes gilt: Teilt ein Produkt mit , so teilt es einen der Faktoren.
- Zu einer natürlichen Zahl bezeichnet die Anzahl der Elemente von .
- Die für definierte Funktion
heißt Primzahlfunktion.
- Ein kommutativer Ring heißt lokal, wenn genau ein maximales Ideal besitzt.
- Zu , , heißt die Abbildung, die jedem Primideal in die Ordnung zuordnet, der durch definierte Hauptdivisor.
- Eine
quadratische Form
auf einem
-
Modul
ist eine Abbildung
die die beiden Eigenschaften
für alle und ,
-
für alle ,
erfüllt.
Aufgabe (3 Punkte)
- Für eine ungerade Primzahl gilt:
- Die diophantische Gleichung
- Zu einem Ideal in einem Zahlbereich ist der Restklassenring endlich.
Aufgabe (2 Punkte)
Es stehen zwei Eimer ohne Markierungen zur Verfügung, ferner eine Wasserquelle. Der eine Eimer hat ein Fassungsvermögen von und der andere ein Fassungsvermögen von Litern. Zeige, dass man allein durch Auffüllungen, Ausleerungen und Umschüttungen erreichen kann, dass in einem Eimer genau ein Liter Wasser enthalten ist.
Die folgende Kette von Inhaltspaaren kann man bei den gegebenen Möglichkeiten offensichtlich erreichen.
Aufgabe (4 (1+1+2) Punkte)
Zu einer positiven natürlichen Zahl sei das
kleinste gemeinsame Vielfache
der Zahlen .
a) Bestimme für .
b) Was ist die kleinste Zahl mit
c) Was ist die kleinste Zahl mit
a) Es ist
b) Wegen
kommen in keine neuen Primteiler hinzu, also ist
und ist die kleinste Zahl mit dieser Eigenschaft.
c) Genau dann ist
wenn eine Primzahlpotenz , , ( Primzahl) ist, da diese nicht als Faktor einer kleineren Zahl auftauchen. Man muss also nach der kleinsten Folge von zwei Zahlen ohne Primzahlpotenzen suchen. Dies ist , die Antwort ist also .
Aufgabe (4 Punkte)
Zeige anhand der beiden Gaußschen Zahlen und , dass bei einem euklidischen Bereich die Division mit Rest nicht eindeutig sein muss. Man gebe vier gleichberechtigte Darstellungen für die Division mit Rest von „ durch “ an.
Der Quotient besitzt zu den vier Gaußschen Zahlen den gleichen Abstand, gemäß dem Beweis zu
Lemma 2.12 (Zahlentheorie (Osnabrück 2025))
kann man jede davon als Ausgangspunkt zur Division mit Rest nehmen. Dies führt auf die Darstellungen
mit
mit
mit
mit
Aufgabe (4 (1+3) Punkte)
a) Finde die Zahlen mit der Eigenschaft, dass die letzte Ziffer ihres Quadrates (in der Dezimaldarstellung) gleich ist.
b) Finde die Zahlen
mit der Eigenschaft, dass die beiden letzten Ziffern ihres Quadrates
(in der Dezimaldarstellung)
gleich ist.
a) Hier kann man direkt ausrechnen, dass die Lösungen sind.
b) Es geht um die Frage, für welche
die Gleichheit
(in ) gilt. Es geht also darum, die idempotenten Elemente von zu finden. Wegen
und da es modulo einer Primzahlpotenz nur die trivialen idempotenten Elemente gibt, geht es um die Elemente in der Produktdarstellung. Diese entsprechen den Zahlen .
Aufgabe (3 Punkte)
Es sei ein kommutativer Ring und . Charakterisiere mit Hilfe der Multiplikationsabbildung
wann ein Nichtnullteiler und wann eine Einheit ist.
Die Multiplikationsabbildung ist ein Gruppenhomomorphismus, wie direkt aus dem Distributivitätsgesetz folgt. Es gilt:
ist ein Nichtnullteiler genau dann, wenn für alle aus folgt . Dies ist genau dann der Fall, wenn der Kern von nur aus besteht, was genau dann gilt, wenn injektiv ist.
ist eine Einheit genau dann, wenn es ein gibt mit , was genau dann der Fall ist, wenn zum Bild von gehört. Dies wiederum ist äquivalent dazu, dass surjektiv ist, denn aus folgt sofort für jedes .
Aufgabe (4 (2+2) Punkte)
Suche für die folgenden zusammengesetzten Zahlen eine zu teilerfremde Zahl derart, dass
in gilt.
a) .
b) .
Aufgabe (8 Punkte)
Beweise das quadratische Reziprozitätsgesetz für ungerade Primzahlen.
Es sei und . Nach Lemma 8.1 (Zahlentheorie (Osnabrück 2025)) (3) gilt , sodass also zu zeigen ist. Betrachte
Diese Menge besitzt Elemente. Es ist ferner , da ja und teilerfremd sind. Es seien die negativen Elemente aus und die positiven Elemente aus . Es ist genau dann, wenn
ist, was genau für der Fall ist. Zu jedem , , gibt es also genau Elemente in . Damit hat genau
Elemente. Die entsprechende Überlegung liefert, dass genau Elemente besitzt, woraus
folgt.
Aufgabe (5 Punkte)
Es sei ein kommutativer Ring und sei ein Primelement. Zeige, dass auch im Polynomring prim ist.
Sei . Wir nehmen an, dass weder noch teilt. Dann teilt nicht alle Koeffizienten von und von . Es sei und und es seien bzw. die kleinsten Indizes derart, dass (bzw. ) kein Vielfaches von ist (für alle kleineren Indizes sind die Koeffizienten also Vielfache von ). Wir betrachten den -ten Koeffizienten von , dieser ist
Die Summanden links sind Vielfache von aufgrund der Wahl von und die Summanden rechts sind ebenso Vielfache von . Da auch der Gesamtkoeffizient nach Voraussetzung ein Vielfaches von ist, muss auch der mittlere Summand ein Vielfaches von sein. Da prim ist, ist dies ein Widerspruch.
Aufgabe (4 Punkte)
Betrachte die rationalen Zahlen als kommutative Gruppe. Es sei eine endlich erzeugte Untergruppe. Zeige, dass zyklisch ist.
Es werde von den rationalen Zahlen , ... , erzeugt. Durch Übergang zu einem Hauptnenner können wir annehmen, dass
ist. Es sei der größte gemeinsame Teiler der Zähler . Nach dem Lemma von Bezout kann man diesen als ganzzahlige Linearkombination dieser Zähler ausdrücken, d.h. gehört zu . Da die Vielfache von sind, gehören zu der von erzeugten Gruppe, also ist
Aufgabe (2 (1+1) Punkte)
Es sei
eine
rationale Zahl.
a) Zeige, dass es ein normiertes Polynom mit
gibt.
b) Zeige, dass es ein Polynom
mit ganzzahligen Koeffizienten und mit
gibt.
a) Sei
Dieses Polynom ist normiert, es hat rationale Koeffizienten und es ist offenbar
b) Sei
Dieses Polynom besitzt ganzzahlige Koeffizienten und es ist offenbar
Aufgabe (4 Punkte)
Es sei eine quadratfreie Zahl mit , und sei der zugehörige quadratische Zahlbereich. Man gebe eine Ganzheitsgleichung für über an. Man zeige, dass es keine echten Zwischenringe gibt.
Wir behaupten, dass eine Ganzheitsgleichung ist. In der Tat, es ist
Wir betrachten nun die Ringerweiterung . Es ist und eine -Basis rechts. In dieser Basis drückt sich die -Basis links, also und aus als und . Damit ist die Restklassengruppe
Daher gilt sogar für eine beliebige Gruppe zwischen und , dass die Nullgruppe oder ist. Damit ist oder .
Aufgabe (4 Punkte)
Berechne explizit die Diskriminante des quadratischen Zahlbereichs . Stelle die Multiplikationsmatrix bezüglich einer geeigneten Basis für das Element
auf und berechne damit die Spur und die Norm von .
Eine -Basis von ist gegeben durch und . Die vier Produkte sind demnach , (zweimal) und . Die Spuren davon sind , (zweimal) und . Daher ist die Diskriminante gleich
Das Element wird bezüglich der -Basis und durch die Matrix
beschrieben. Deren Determinante, also die Norm, ist somit
und die Spur ist
Aufgabe (10 Punkte)
Es sei eine quadratfreie Zahl und der zugehörige quadratische Zahlbereich. Zeige, dass es für eine Primzahl die folgenden drei Möglichkeiten:
- ist prim in .
- Es gibt ein Primideal in derart, dass ist.
- Es gibt ein Primideal in derart, dass mit ist.
Es sei . Wir betrachten den Restklassenring , der eine quadratische Erweiterung des Körpers ist. Damit gibt es nach Lemma 19.9 (Zahlentheorie (Osnabrück 2025)) die drei Möglichkeiten:
- ist ein Körper.
- ist von der Form .
- ist der Produktring .
Im ersten Fall ist ein Primelement in . Im zweiten Fall besitzt genau einen Restklassenkörper als einzigen nicht-trivialen Restklassenring, nämlich . Nach der in Aufgabe 9.9 (Zahlentheorie (Osnabrück 2025)) bewiesenen Korrespondenz gibt es also genau ein Primideal mit (das dem Ideal im Restklassenring entspricht). Dann ist (wobei hier ein Repräsentant in sei) und .
Im dritten Fall besitzt zwei Restklassenkörper und damit zwei maximale Ideale, deren Durchschnitt, das zugleich deren Produkt ist, das Nullideal ist. Zurückübersetzt nach heißt das, dass es zwei verschiedene Primideale und gibt mit und mit . Nach Aufgabe 18.23 (Zahlentheorie (Osnabrück 2025)) ist . Mit ist auch . Wir zeigen, dass ist, d.h., dass die beiden Primideale über konjugiert vorliegen. Da nach Fakt ***** bei der zweite Fall vorliegt, wissen wir, dass die Diskriminate nicht teilt.
Bei ist ungerade und ist ein Quadratrest modulo . Es seien und die beiden verschiedenen (!) Quadratwurzeln modulo . Dann werden die beiden Primideale durch beschrieben, und diese sind konjugiert.
Bei und ungerade ist nach der [[Zahlentheorie/Quadratischer Zahlbereich/Faserringe/Bemerkung|Kurs:Zahlentheorie (Osnabrück 2025)/11/Klausur mit Lösungen/kontrolle (Zahlentheorie (Osnabrück 2025))]] über die explizite Beschreibung der Faserringe wieder ein Quadratrest modulo . Es seien und die beiden verschiedenen (!) Quadratwurzeln von modulo . Dann ist und daher sind die beiden Primideale gleich , sodass wieder ein konjugiertes Paar vorliegt.
Bei und ist nach der [[Zahlentheorie/Quadratischer Zahlbereich/Faserringe/Bemerkung|Kurs:Zahlentheorie (Osnabrück 2025)/11/Klausur mit Lösungen/kontrolle (Zahlentheorie (Osnabrück 2025))]] . Die Nullstellen des beschreibenden Polynoms sind dann und . Daher sind die Primideale darüber gegeben durch und . Es ist und , sodass wieder ein konjugiertes Paar vorliegt.