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Kurs:Elementare und algebraische Zahlentheorie/17/Klausur mit Lösungen

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Aufgabe 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14
Punkte 3 3 1 3 4 5 6 7 3 7 3 4 5 10 64




Aufgabe (3 Punkte)

Definiere die folgenden (kursiv gedruckten) Begriffe.

  1. Ein Monoid .
  2. Ein irreduzibles Element in einen kommutativen Ring .
  3. Ein faktorieller Bereich .
  4. Eine primitive Einheit in .
  5. Das Minimalpolynom eines Elementes    in einer endlichen Körpererweiterung  
  6. Ein lokaler Ring.


Lösung

  1. Ein Monoid ist eine Menge zusammen mit einer Verknüpfung

    und einem ausgezeichneten Element derart, dass folgende beiden Bedingungen erfüllt sind.

    1. Die Verknüpfung ist assoziativ, d.h. es gilt

      für alle .

    2. ist neutrales Element der Verknüpfung, d.h. es gilt

      für alle .

  2. Eine Nichteinheit in einem kommutativen Ring heißt irreduzibel, wenn eine Faktorisierung nur dann möglich ist, wenn einer der Faktoren eine Einheit ist.
  3. Ein Integritätsbereich heißt faktorieller Bereich, wenn die beiden folgenden Eigenschaften erfüllt sind.
    1. Jedes irreduzible Element in ist prim.
    2. Jedes Element , , ist ein Produkt aus irreduziblen Elementen.
  4. Eine Einheit heißt primitiv, wenn sie die Einheitengruppe erzeugt.
  5. Das Minimalpolynom von (über ) ist das normierte Polynom von minimalem Grad mit .
  6. Ein kommutativer Ring heißt lokal, wenn genau ein maximales Ideal besitzt.


Aufgabe (3 Punkte)

Formuliere die folgenden Sätze.

  1. Der Satz von Euler über Einheiten in einem Restklassenring von .
  2. Der Satz über die Beziehung von faktoriell und normal.
  3. Der Minkowskische Gitterpunktsatz.


Lösung

  1. Es sei eine natürliche Zahl. Dann gilt für jede zu teilerfremde Zahl die Beziehung
  2. Es sei ein faktorieller Integritätsbereich. Dann ist normal.
  3. Es sei ein Gitter im mit Grundmasche . Es sei eine konvexe, kompakte, zentralsymmetrische Teilmenge in , die zusätzlich die Volumenbedingung
    erfülle. Dann enthält mindestens einen von verschiedenen Gitterpunkt.


Aufgabe (1 Punkt)

Ist die Abbildung

injektiv oder nicht?


Lösung

Die Abbildung ist nicht injektiv, da wegen

die beiden Paare und unter auf das gleiche Element abgebildet werden.


Aufgabe (3 Punkte)

Bestimme das kleinste gemeinsame Vielfache und den größten gemeinsamen Teiler der drei Zahlen

Die Ergebnisse sollen ausgerechnet vorliegen.


Lösung

Nach Satz . (Zahlentheorie (Osnabrück 2025)) (angewendet auf drei Zahlen) ist der größte gemeinsame Teiler gleich

und das kleinste geminsame Vielfache ist gleich


Aufgabe (4 Punkte)

Die beiden Flöhe Carlo und Fredo sitzen im Nullpunkt eines beidseitig unendlich langen Zentimeterbandes. Carlo kann Sprünge der Weite und (in Zentimeter) machen, Fredo kann Sprünge der Weite und machen. Auf welchen Zentimeterpositionen können sich die beiden Flöhe begegnen?


Lösung

Wir bestimmen zuerst, auf welchen Positionen sich jeweils die beiden Flöhe befinden können, indem wir den euklidischen Algorithmus anwenden. Für Carlo ergibt sich

der größte gemeinsame Teiler der beiden Sprungweiten ist also und die möglichen Positionen von Carlo sind . Für Fredo ergibt sich

der größte gemeinsame Teiler der beiden Sprungweiten ist also und die möglichen Positionen von Fredo sind . Die gemeinsamen Positionen von Carlo und Fredo werden durch

beschrieben. Dafür müssen wir das kleinste gemeinsame Vielfache von und ausrechnen. Wegen

und

ist das kleinste gemeinsame Vielfache gleich

Die beiden Flöhe können sich also in den Positionen treffen.


Aufgabe (5 (1+1+1+2) Punkte)


a) Bestimme die kanonische Produktzerlegung des Restklassenringes .

b) Bestimme die Anzahl der Einheiten in .

c) Berechne das Bild von in der kanonischen Zerlegung. Begründe, dass eine Einheit in ist.

d) Bestimme die multiplikative Ordnung von in .


Lösung


a) Wegen

ist


b) Die Anzahl der Einheiten in den einzelnen Gruppen sind der Reihe nach , daher gibt es insgesamt Einheiten in .

c) Das zu gehörige Restetupel ist . Da diese Reste jeweils Einheiten sind, ist eine Einheit in .

d) Wir berechnen die Ordnungen in den einzelnen Komponenten. hat die Ordnung in . In ist  

Deshalb muss die Ordnung nach [[Gruppentheorie/Lagrange/Ordnung eines Elementes/Fakt|Kurs:Lineare Algebra (Osnabrück 2024-2025)/17/Klausur mit Lösungen (Lineare Algebra (Osnabrück 2024-2025)) (Zahlentheorie (Osnabrück 2025))]] gleich sein. In ist  ,  daher ist die Ordnung gleich . Die multiplikative Ordnung von ist das kleinste gemeinsame Vielfache dieser Einzelordnungen, also gleich .


Aufgabe (6 Punkte)

Es sei eine positive natürliche Zahl mit der Faktorzerlegung

wobei zu teilerfremd sei (   und    sind erlaubt). Zeige, dass die Periodenlänge der Dezimalentwicklung von gleich der multiplikativen Ordnung von in ist.


Lösung

Die Periodenlänge einer abbrechenden Dezimalentwicklung verstehen wir als (die wiederholt sich). Da die teilerfremd zu ist, ist in eine Einheit und besitzt daher eine multiplikative Ordnung. Der Divisionsalgorithmus berechnet sukzessive die Reste von in , da ja der vorhergehende Rest mit multipliziert wird. Periode tritt ein, wenn sich Reste erstmalig wiederholen, wenn also    in mit    ist und minimal mit dieser Eigenschaft sind. Der chinesische Restsatz liefert die Isomorphie

und die Bedingung    muss in den drei Komponenten gelten. In den ersten beiden Komponenten ist nilpotent, da ja ein Vielfaches von und ein Vielfaches von ist. Diese Komponenten sind also für die Periodenlänge unerheblich (allerdings spielen sie eine Rolle für die Frage, wann frühestens die Periodizität anfängt). In der dritten Komponente ist eine Einheit, also ein Element der Einheitengruppe . Nach Satz . (Zahlentheorie (Osnabrück 2025)) tritt die erste Wiederholung ein, wenn erstmalig    gilt, also bei der multiplikativen Ordnung von .


Aufgabe (7 (3+2+2) Punkte)


a) Es sei ein Körper. Zeige, dass die Einheitengruppe von nicht zyklisch unendlich ist.


b) Es sei ein kommutativer Ring, dessen Charakteristik nicht zwei sei. Zeige, dass die Einheitengruppe von nicht zyklisch unendlich ist.


c) Beschreibe einen kommutativen Ring, dessen Einheitengruppe zyklisch unendlich ist.


Lösung


a)


b) Der Ring enthält die , die wegen der Voraussetzung über die Charakteristik nicht gleich ist, und dessen multiplikative Ordnung gleich ist. In einer unendlichen zyklischen Gruppe gibt es aber nur die Ordnung und die Ordnung unendlich.


c) In der Nenneraufnahme sind genau die Potenzen mit    Einheiten, die Einheitengruppe ist also isomorph zu .


Aufgabe (3 Punkte)

Es sei

Zeige, dass von und erzeugte Ideal kein Hauptideal ist.


Lösung

Im umfassenden Ring ist

ein Hauptideal. All seine Elemente gehören bereits zu , es besteht ja aus allen Elementen, wo beide Komponenten gerade sind. Wenn das Ideal in ein Hauptideal wäre, so käme als Erzeuger nur ein Erzeuger des Ideals in in Frage, also oder ein dazu assoziiertes Element. In ist aber kein Vielfaches von , da das Element in fehlt.


Aufgabe (7 Punkte)

Zeige, unter Verwendung der Divergenz von , dass die Reihe der Kehrwerte der Primzahlen, also

divergiert.


Lösung erstellen


Aufgabe (3 (2+1) Punkte)


a) Zeige, dass die Endziffer einer Sophie-Germain-Primzahl im Zehnersystem nicht sein kann.


b) Zeige, dass die Zahlen als Endziffer einer Sophie-Germain-Primzahl auftreten können.


Lösung


a) Es sei  .  Dann ist

also sicher keine Primzahl.


b) Dies ist klar aufgrund der Primzahlpaare , , ,


Aufgabe (4 Punkte)

Zeige, dass es überabzählbar viele Untergruppen der multiplikativen Gruppe gibt.


Lösung

Zu einer jeden Teilmenge von Primzahlen betrachten wir

wobei in den Produkten stets    bis auf endlich viele Ausnahmen ist. Ein Produkt von zwei solchen Elementen ist wieder von der gleichen Form, und das inverse Element zu ist , also auch von der gleichen Form. Es handelt sich also für jedes um eine Untergruppe der multiplikativen Gruppe. Für

sind die zugehörigen Untergruppen verschieden, da bei , auch aufgrund der eindeutigen Primfaktorzerlegung gilt. Da die Menge der Primzahlen unendlich ist, ist ihre Potenzmenge überabzählbar, und das überträgt sich auf die soeben konstruierten Untergruppen.


Aufgabe (5 Punkte)

Es sei    eine quadratfreie Zahl und der zugehörige quadratische Zahlbereich. Zeige, dass die Diskriminante von gleich

bzw.

ist.


Lösung

Im Fall    ist nach Satz 20.9 (Zahlentheorie (Osnabrück 2025))    und daher bilden und eine Ganzheitsbasis. Die möglichen Produkte zu dieser Basis sind in Matrixschreibweise

Wendet man darauf komponentenweise die Spur an so erhält man

und die Determinante davon ist .

Im Fall    ist hingegen

und eine Ganzheitsbasis ist und . Die Matrix der Basisprodukte ist dann

Wendet man darauf die Spur an (die Spur von ist ), so erhält man

und die Determinante davon ist


Aufgabe (10 Punkte)

Es sei    der quadratische Zahlbereich zu  .  Bestimme die Klassengruppe von .


Lösung

Die Diskriminante ist , jede Idealklasse wird nach Lemma 27.5 (Zahlentheorie (Osnabrück 2025)) durch ein Ideal der Norm repräsentiert, also . Da die Idealklassengruppe durch Primideale erzeugt wird, müssen wir nur Primideale betrachten, die auf oder runterschneiden. Der Ganzheitsring ist

Für ein Element ist die Norm gleich .

Der Ring oberhalb von    ist

Das einzige Primideal oberhalb von ist also

Dessen Norm ist , es ist kein Hauptideal, da nicht die Norm eines Elementes ist, und es ist

Insbesondere ist ein Element der Ordnung in der Klassengruppe.

Der Ring oberhalb von    ist

Die Primideale oberhalb von sind also

und

Die Norm der beiden Ideale ist , es sind keine Hauptideale, da nicht die Norm eines Elementes ist, und es ist

Die Norm von ist , dies sind für    keine Hauptideale. Dagegen besitzt

die Norm und es gibt auch Elemente der Norm , beispielsweise . Daher muss es ein Hauptideal sein.

Der Ring oberhalb von    ist

Dies ist ein Körper und ist träge und in der Klassengruppe trivial.

Wir wissen also, dass die Klassengruppe von den beiden Primidealen erzeugt wird, mit Ordnung zwei bzw. Ordnung vier. Wir betrachten das Produkt

Das Element

gehört zu diesem Produktideal. Es besitzt die Norm wie das Ideal, deshalb ist es ein Hauptideal. Daher ist dieses Ideal in der Klassengruppe trivial und ist isomorph zum Quadrat von . Deshalb ist die Klassengruppe isomorph zu .