Kurs:Elementare und algebraische Zahlentheorie/4/Klausur mit Lösungen
| Aufgabe | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 | 16 | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Punkte | 3 | 3 | 3 | 4 | 3 | 3 | 3 | 2 | 9 | 4 | 5 | 3 | 6 | 6 | 4 | 3 | 64 |
Aufgabe (3 Punkte)
Definiere die folgenden (kursiv gedruckten) Begriffe.
- Die Assoziiertheit von Elementen in einem kommutativen Ring .
- Ein Hauptidealbereich.
- Ein pythagoreisches Tripel.
- Der Grad einer endlichen Körpererweiterung .
- Die konvexe Hülle von .
- Den Divisor zu einem Ideal in einem Zahlbereich .
- Zwei Elemente und heißen assoziiert, wenn es eine Einheit derart gibt, dass ist.
- Ein Integritätsbereich, in dem jedes Ideal ein Hauptideal ist, heißt Hauptidealbereich.
- Ein pythagoreisches Tripel ist eine ganzzahlige Lösung der diophantischen Gleichung
- Bei einer endlichen Körpererweiterung nennt man die - (Vektorraum-)Dimension von den Grad der Körpererweiterung.
- Die kleinste konvexe Teilmenge , die umfasst, heißt die konvexe Hülle von .
- Man nennt den
Divisor
mit
den Divisor zum Ideal .
Aufgabe (3 Punkte)
Formuliere die folgenden Sätze.
- Der Charakterisierungssatz für Restklassenringe von mit zyklischer Einheitengruppe.
- Der Satz über die Charakterisierung von pythagoreischen Tripeln.
- Der Satz über Primideale in einem Zahlbereich.
- Die
Einheitengruppe
ist genau dann
zyklisch,
wenn
ist, wobei eine ungerade Primzahl und
ist. - Es sei ein
pythagoreisches Tripel
mit gerade und mit
.
Dann gibt es eindeutig bestimmte ganze teilerfremde Zahlen mit
und
und mit
Das pythagoreische Tripel ist genau dann primitiv, wenn eine Einheit
ist und und nicht beide ungerade sind. - Es sei ein Zahlbereich. Dann ist jedes von verschiedene Primideal von bereits ein maximales Ideal.
Aufgabe (3 Punkte)
Zeige durch Induktion, dass jede natürliche Zahl eine Zerlegung in Primzahlen besitzt.
Wir beweisen die Existenz durch Induktion über . Für liegt eine Primzahl vor. Bei ist entweder eine Primzahl, und diese bildet die Primfaktorzerlegung, oder aber ist keine Primzahl. In diesem Fall gibt es eine nichttriviale Zerlegung mit kleineren Zahlen . Für diese Zahlen gibt es nach Induktionsvoraussetzung jeweils eine Zerlegung in Primfaktoren, und diese setzen sich zu einer Primfaktorzerlegung für zusammen.
Aufgabe (4 Punkte)
Es seien drei verschiedene Zahlen gegeben. Wie viele Teiler besitzt das Produkt minimal?
Wir können
annehmen. Das Produkt hat zumindest die Teiler
wobei allerdings welche identisch sein können. Da aber alle Zahlen größer als und untereinander verschieden sind, sind auch die Produkte mit zwei Faktoren untereinander und auch vom Gesamtprodukt verschieden. Ferner sind die Zweierprodukte von allen Zahlen verschieden, die in ihnen vorkommen. Wegen den Größenverhältnissen ist und . Es kann allenfalls
sein. Es gibt also mindestens Teiler. Wählt man , und , so ist
und dies hat in der Tat sieben Teiler.
Aufgabe (3 (1.5+1.5) Punkte)
a) Bestimme für die Zahlen , und modulare Basislösungen, finde also die kleinsten positiven Zahlen, die in
die Restetupel und repräsentieren.
b) Finde mit den Basislösungen die kleinste positive Lösung der simultanen Kongruenzen
a) : Wir betrachten die Vielfachen von , diese haben modulo und modulo den Rest . Unter diesen Vielfachen muss also die Lösung liegen. hat modulo den Rest , somit hat modulo den Rest . Also repräsentiert das Restetupel .
: Hier betrachtet man die Vielfachen von , und hat modulo den Rest und hat modulo den Rest , also repräsentiert das Restetupel .
: Hier betrachtet man die Vielfachen von , und hat modulo den Rest und hat modulo den Rest , also repräsentiert das Restetupel .
b) Man schreibt
(in )
Die Lösung ist dann
Die minimale Lösung ist dann .
Aufgabe (3 Punkte)
Bestimme sämtliche primitive Einheiten im Restklassenkörper .
Die multiplikative Ordnung ist ein Teiler von . Wir bestimmen zuerst die Ordnung von . Es ist
der Erzeuger auf Erzeuger abbildet. Die Erzeuger links sind (die zu teilerfremden Zahlen), und diese werden auf die primitiven Einheiten
abgebildet.
Aufgabe (3 Punkte)
Es sei ein kommutativer Ring mit Elementen, wobei eine Primzahl sei. Zeige, dass ein Körper ist.
Es sei , . Wir betrachten die von erzeugte additive Untergruppe von . Wegen handelt es sich nicht um die triviale Gruppe. Da nach dem Satz von Lagrange die Ordnung jeder Untergruppe die Gruppenordnung teilt und diese eine Primzahl ist, erzeugt schon ganz . Es gibt also insbesondere eine natürliche Zahl mit
Da jeder Ring die natürlichen Zahlen enthält, bedeutet dies, dass eine Einheit ist.
Aufgabe (2 Punkte)
Betrachte die Quadratrestgruppe
wobei die Untergruppe der Quadrate bezeichne. Zeige, dass es zu jeder Restklasse einen Repräsentanten aus gibt.
Die Restklasse in der Quadratrestgruppe werde durch repräsentiert. Da Quadrate in der Quadratrestgruppe gleich sind, hat man , d.h. man hat einen Vertreter aus . Sei dessen kanonische Primfaktorzerlegung. Durch sukzessive Multiplikation mit den Quadraten (in ) kann man die Exponenten zu oder zu machen und erhält einen quadratfreien Repräsentanten.
Aufgabe (9 Punkte)
Zeige, dass die diophantische Gleichung
keine ganzzahlige nichttriviale Lösung besitzt.
Es sei eine nichttriviale Lösung, d.h. alle Einträge sind . Wir können annehmen, dass alle Einträge sogar positiv sind. Wenn es eine solche Lösung gibt, dann gibt es auch eine nichttriviale Lösung mit minimalem positiven (unter allen nichttrivialen Lösungen). Wir zeigen, dass es dann eine Lösung mit kleinerem positiven gibt, was einen Widerspruch bedeutet.
Wegen der Minimalität ist primitiv, die Einträge sind also (sogar paarweise) teilerfremd. Wir können als ungerade annehmen. Es ist dann
ein primitives pythagoreisches Tripel. Daher gibt es nach Satz 10.6 (Zahlentheorie (Osnabrück 2025)) teilerfremde natürliche Zahlen mit
und mit ungerade. Betrachtung der ersten Gleichung modulo zeigt, dass ungerade sein muss (und gerade). Die erste Gleichung
ist selbst ein primitives pythagoreisches Tripel. Es gibt also erneut teilerfremde natürliche Zahlen mit
( ist ungerade, gerade) mit ist ungerade. Somit sind paarweise teilerfremd. Aus
folgt
und aus der Teilerfremdheit der Faktoren folgt, dass die einzelnen Faktoren hier selbst Quadrate sind, also
Damit ist
eine neue nichttriviale Lösung der ursprünglichen Gleichung. Wegen
widerspricht dies der Minimalität von .
Aufgabe (4 Punkte)
Es sei ein Ideal in einem kommutativen Ring . Zeige, dass genau dann ein Primideal ist, wenn der Kern eines Ringhomomorphismus in einen Körper ist.
Sei zunächst ein Primideal. Dann ist nach Lemma 16.13 (Zahlentheorie (Osnabrück 2025)) der Restkassenring ein Integritätsbereich, es existiert also der Quotientenkörper . Die kanonische Projektion
ist also ein Ringhomomorphismus in einen Körper mit .
Umgekehrt ist der Kern eines Ringhomomorphismus
nach Fakt ***** stets ein Ideal. Sei , d.h.
Da ein Körper ist, ist nach Fakt ***** nullteilerfrei, also muss oder sein, was äquivalent zu oder ist, damit ist ein Primideal.
Aufgabe (5 Punkte)
Es sei versehen mit der üblichen Addition. Es sei eine weitere Verknüpfung auf derart gegeben, dass ein kommutativer Ring ist. Ferner gelte . Zeige, dass die übliche Multiplikation sein muss.
Wir zeigen zuerst, dass das neutrale Element zur Verknüpfung ist. Für eine natürliche Zahl ist nach dem allgemeinen Distributivgesetz
Für negatives mit und ist
und daraus folgt
Für einen Bruch mit ist
und
Damit ist
da dies die einzige rationale Zahl ist, die -fach mit sich selbst addiert ergibt.
Nach dem Distributivgesetz und dem bisher Bewiesenen ist für natürliche Zahlen
Der gleiche Trick wie oben zeigt, dass dies auch für ganze Zahlen gilt. Wegen
muss
sein (für ), da dies die einzige rationale Zahl ist, die -fach mit sich selbst addiert den Wert ergibt. Daher ist schließlich ist
Aufgabe (3 Punkte)
Ein angeordneter Körper enthalte die Wurzeln und . Zeige, dass auch enthält.
Aus
erhält man durch Division durch die Gleichung
Somit ist
Da nach Voraussetzung der Körper die beiden Zahlen und enthält, muss er auch das inverse Element und somit auch das angegebene Produkt enthalten.
Aufgabe (6 Punkte)
Es sei ein Integritätsbereich mit Quotientenkörper . Zeige
wobei der Durchschnitt über alle maximale Ideale läuft und in genommen wird.
Die Inklusion ist klar. Es sei also und sei angenommen, gehöre zum Durchschnitt rechts. Für jedes maximale Ideal ist also , d.h. es gibt und mit . Wir betrachten das Ideal
Dieses Ideal ist in keinem maximalen Ideal enthalten, also muss es nach dem Lemma von Zorn das Einheitsideal sein. Es gibt also endlich viele maximale Ideale , und mit
wobei gesetzt wurde. Damit ist
Wir schreiben
Also gehört zu .
Aufgabe (6 Punkte)
Man gebe ein Beispiel von zwei Zahlbereichen und , die als Ringe nicht isomorph sind, aber die Eigenschaft haben, dass sowohl die additiven Strukturen und als Gruppen isomorph als auch die multiplikativen Strukturen und als Monoide isomorph sind.
Wir suchen unter den quadratischen Zahlbereichen. Nach Korollar 18.10 (Zahlentheorie (Osnabrück 2025)) ist ihre additive Struktur stets gleich , einen additiven Isomorphismus gibt es also stets. Zu verschiedenen quadratfreien Zahlen sind die Ringe und nicht isomorph, da in die Zahl keine Quadratwurzel besitzt (dies gilt sogar in den Quotientenkörpern, und ein Ringisomorphismus der Ringe würde einen Körperisomorphismus auf den Quotientenkörpern induzieren). Um einen Isomorphismus der multiplikativen Struktur zu erhalten, such wir nach Beispielen, wo diese besonders einfach ist. Dies trifft im faktoriellen Fall zu, dann dann jedes von verschiedene Element eine Darstellung
mit einer Einheit besitzt, und wobei die bis auf Assoziiertheit eindeutig bestimmt sind. Um Komplikationen mit Einheiten aus dem Weg zu gehen, betrachten wir imaginär-quadratische Zahlkörper zu
da dort nur und Einheiten sind. Somit betrachten wir die beiden quadratischen Zahlbereiche zu und , die nach Satz 25.5 (Zahlentheorie (Osnabrück 2025)) faktoriell sind. In beiden Ringen gibt es abzählbar unendlich viele Primelemente und man wählt in beiden Ringen Assoziiertheitsklassen bzw. aus Primelementen aus. Dann erhält man durch die Zuordnung
(und auf ) einen Monoidisomorphismus.
Aufgabe (4 Punkte)
Es sei eine quadratfreie Zahl und sei ein quadratischer Zahlbereich. Definiere die Konjugation zu einem Element und zu einem Element . Definiere zu einem Ideal das konjugierte Ideal und zeige, dass es sich um ein Ideal handelt. Zeige, dass und in der Klassengruppe invers zueinander sind.
Die Konjugation zu einem Element ist folgendermaßen definiert: man kann schreiben als mit , und definiert . Für Elemente aus ist die Konjugation genauso definiert.
Zu einem Ideal setzt man
Dies ist ein Ideal wegen und wegen .
Nach Satz 21.10 (Zahlentheorie (Osnabrück 2025)) ist
ein Hauptideal, also ist das Produkt der beiden Ideale das neutrale Element in der Klassengruppe, also sind sie invers zueinander.
Aufgabe (3 Punkte)
Es sei der quadratische Zahlbereich zu . Zeige mittels Korollar 27.10 (Zahlentheorie (Osnabrück 2025)), dass faktoriell ist.
Es ist und deshalb ist die Normschranke aus Korollar 27.10 (Zahlentheorie (Osnabrück 2025)) gleich
Es ist also nur die Primzahl zu überprüfen. Wir haben direkt die Faktorzerlegung
Die beiden Faktoren besitzen die Norm und sind deshalb Primelemente. Also besitzt eine Zerlegung in Primelemente.