Bei den Flächenintegralen betrachtet man Stammfunktionen zweiter Ordnung (also Stammfunktionen von Stammfunktionen). Die Flächenintegralen sollen dabei einerseits, die Flächenintegrale über Rechtecke korrekt darstellen und andererseits verträglich mit Wegintegralen für holomorphe Funktionen sein.
Definition - Lebesgue-Maß für holomorphe Funktionen
Sei eine holomorphe Funktion. Die Rechtecke in stellen den Erzeuger der Borelschen-Algebra auf einer konvexen Menge . Das Flächenintegral über Stammfunktionen ist das Lebesgue-Maß auf dem Funktionenraum der integrablen Funktion , dass von dem Erzeuger aller abschlossenen konvexen Rechtecke auf ganz erweitert wird.
Das Erzeugendensystem der abschlossenen konvexen Rechtecke wird für die Maßerweiterung auf zu einem Mengenring erweitert und dann mit dem Maßerweiterungssatz von Carathéodory zu einem Maß auf erweitert. Die Maßtheorie ist allerdings kein Gegenstand der Vorlesung zu Funktionentheorie und wird daher nicht weiter ausgeführt.
Ein Rechteck oder eine offene Kreisscheibe um mit Radius sind Spezialfälle für messbare Mengen. Für eine Behandlung von komplexen Flächen in der Funktionentheorie werden komplex orientierte Flächen analog zum Wegintegral als Abbildung von einem Rechteck nach betrachtet.
Rechteck mit vier Eckpunkten in den komplexen Zahlen
Sei eine stetig partiell differenzierbare Abbildung mit den partiellen Ableitungen und , dann bezeichnet eine komplexe orientierte Fläche und Gradient gibt in einem Punkt die komplexe Orientierung an.
Veranschaulichung - orientierte Fläche als Animation
Ein Rechteck als Menge wird als Abbildung beschrieben.
Das Rechteck kann man als komplexe orientierte Fläche auffassen, wenn man Bild von z.B. durch die Abbildung mit dem Definitionsbereich beschreibt. Die Orientierung ist dann in definiert.
Beispiel 1.1 - Normalisierung der orientierten Fläche
Behält man das Rechteck als Teilmenge von bei, so kann man die orientierte Fläche mit dem Definitionsbereich über die Substitutionsregel der Integration als Spezialfall der Transformationsformel für die Transformation von zu mit dem Definitionsbereich . Die Orientierung verändert sich durch Umparametrisierung und ist dann in definiert.
Aufgabe 1.2 - Normalisierung der orientierten Fläche
Durch die Abhängigkeit der Skalare kann man das Dreieck wie folgt über ein Einheitsquadrat als Definitionbereich der komplexen Fläche definieren. Eine Konvexkombination ist dabei
Die folgenden Veranschaulichung zeigt den Zusammenhang zu Wegintegralen, die in diesem Fall als Konvexkombination von zwei Konvexkombinationen dargestellt werden. In der Animation wächst von 0 zu 1, während gewählt wurde.
Triangle and line integral - Animation with a small t2 - Geogebra GIF export
Veranschaulichung 2 - Konvexkombination von Konvexkombinationen
Die folgenden Veranschaulichung zeigt den Zusammenhang zu Wegintegralen, die in diesem Fall als Konvexkombination von zwei Konvexkombinationen dargestellt werden.
In der Animation wächst von 0 zu 1. In diesem Fall ist aber das mit gewählt worden. Dadurch bewegen sich der Punkt bei wachsendem an einer anderen Stelle durch die Dreiecksfläche. Insgesamt werden alle Punkt über mit dargestellt.
Triangle and line integral - Animation with a small t2 - Geogebra GIF export
Bemerkung - Konvexkombination von Konvexkombinationen
Der rote animierte Integration ist die Konvexkombination der Konvexkombination. Dazu werden zunächst der Anfangspunkt und Endpunkt als Konvexkombinationen und gewählt und dann auf dem roten Integrationsweg der Punkt als Konvexkombination berechnet.
Der Gradient einer orientierten Fläche besteht mit den partiellen Ableitungen aus zwei komplexen Zahlen. Diese komplexen Zahlen wurden in der folgenden Animation als Vektoren in grün an der Stelle im Dreieck eingetragen.
Visualization of gradient for surface integral in complex analysis
Eine abgeschlossene Kreisscheibe parametrisiert man analog zu den Wegintegralen über Kreisränder (siehe Cauchy-Integralformel) mit Polarkoordninaten für eine Mittelpunkt der Kreisscheibe. Man erhält dann folgenden komplexen orientierten Fläche mit der Definition von :
Die Orientierung an der Stelle kann wieder über den Gradienten direkt angeben:
Die Flächenintegral über werden mit einem Doppenintegral und notiert, um diese von einem Wegintegral über einen Integrationsweg von einem Flächenintegral über eine komplexe orientierte Fläche unterscheiden zu können. Ferner zeigt , dass bei dem Flächenintegralen Stammfunktionen 2. Ordnung (d.h. Stammfunktion einer Stammfunktion) bei der Berechnung eine wesentliche Rolle spielen.
Die stetigen partiellen Ableitung aus dem Gradienten Gradient gehen wie bei der Definition der Wegintegralen jeweils komponentenweisen für und in die Definition der Wegintegrale für das Flächenintegral mit ein. Die obigen Animationen für das Dreieck zeigt, wie man diese Doppelintegral aus zwei Wegintegralen definieren kann.
Welchen Bedeutung hat der Gradient ? Versuchen Sie den Gradienten geometrisch zu interpretieren, indem Sie ein Argument festhalten und dann in die Gaußsche Zahlenebene an der Stelle als komplexen Vektor mit Anfangspunkt einzeichnen.
Wenn man in Geogebra einen Punkt als komplexe Zahl interpretieren möchte, so kann man den Realteil über und den Imaginärteil über darstellen. Die Multiplikation von zwei komplexen Zahlen als Punkt und als Punkt kann so auch algebraisch dargestellt werden: