Zum Inhalt springen

Kurs:Funktionentheorie/Definition Flächenintegrale

Aus Wikiversity

Einleitung

[Bearbeiten]

Bei den Flächenintegralen betrachtet man Stammfunktionen zweiter Ordnung (also Stammfunktionen von Stammfunktionen). Die Flächenintegralen sollen dabei einerseits, die Flächenintegrale über Rechtecke korrekt darstellen und andererseits verträglich mit Wegintegralen für holomorphe Funktionen sein.

Definition - Lebesgue-Maß für holomorphe Funktionen

[Bearbeiten]

Sei eine holomorphe Funktion. Die Rechtecke in stellen den Erzeuger der Borelschen -Algebra auf einer konvexen Menge . Das Flächenintegral über Stammfunktionen ist das Lebesgue-Maß auf dem Funktionenraum der integrablen Funktion , dass von dem Erzeuger aller abschlossenen konvexen Rechtecke auf ganz erweitert wird.

Bemerkung - Maßerweiterung - Mengenring

[Bearbeiten]

Das Erzeugendensystem der abschlossenen konvexen Rechtecke wird für die Maßerweiterung auf zu einem Mengenring erweitert und dann mit dem Maßerweiterungssatz von Carathéodory zu einem Maß auf erweitert. Die Maßtheorie ist allerdings kein Gegenstand der Vorlesung zu Funktionentheorie und wird daher nicht weiter ausgeführt.

Rechtecke als Spezialfall für komplexe Flächen

[Bearbeiten]

Ein Rechteck oder eine offene Kreisscheibe um mit Radius sind Spezialfälle für messbare Mengen. Für eine Behandlung von komplexen Flächen in der Funktionentheorie werden komplex orientierte Flächen analog zum Wegintegral als Abbildung von einem Rechteck nach betrachtet.

Rechteck mit vier Eckpunkten in den komplexen Zahlen

Definition - komplexe orientierte Fläche

[Bearbeiten]

Sei eine stetig partiell differenzierbare Abbildung mit den partiellen Ableitungen und , dann bezeichnet eine komplexe orientierte Fläche und Gradient gibt in einem Punkt die komplexe Orientierung an.

Veranschaulichung - orientierte Fläche als Animation

[Bearbeiten]
orientierte Fläche als Animation
orientierte Fläche als Animation

Definition - normalisierte orientierte Fläche

[Bearbeiten]

Eine komplexwertige orientierte Fläche heißt normalisiert, wenn der Definitionsbereich der orientierten Fläche das Einheitsqudrat in ist.

Beispiel 1 - Rechteck

[Bearbeiten]

Ein Rechteck als Menge wird als Abbildung beschrieben. Das Rechteck kann man als komplexe orientierte Fläche auffassen, wenn man Bild von z.B. durch die Abbildung mit dem Definitionsbereich beschreibt. Die Orientierung ist dann in definiert.

Beispiel 1.1 - Normalisierung der orientierten Fläche

[Bearbeiten]

Behält man das Rechteck als Teilmenge von bei, so kann man die orientierte Fläche mit dem Definitionsbereich über die Substitutionsregel der Integration als Spezialfall der Transformationsformel für die Transformation von zu mit dem Definitionsbereich . Die Orientierung verändert sich durch Umparametrisierung und ist dann in definiert.

Aufgabe 1.2 - Normalisierung der orientierten Fläche

[Bearbeiten]

Zeigen Sie, dass sich das Flächenintegral durch die Normalisierung von zu nicht verändert. Verwenden Sie dazu die Substitutionsregel der Integration!

Beispiel 2 - Rechteck

[Bearbeiten]

Ein Rechteck ist eine Teilmenge von und die Orientierung hängt von der Wahl der Abbildung ab. Dazu definiert man die Eckpunkte von als komplexe Zahlen

Definition der Eckpunkte vom Rechteck

[Bearbeiten]

Die Eckpunkte ergeben sich auf der Intervalldarstellung von :

Rechteck als Konvexkombination

[Bearbeiten]

Das Rechteck kann man nun alternativ auch über Konvexkombinationen darstellen. Die komplexe orientierte Fläche ist dann die Abbildung:

Die Orientierung ist dann über den Gradienten

in definiert.

Beispiel 2 - Dreieck - Konvexkombinationen

[Bearbeiten]

Ein abgeschlossenes Dreieck bezeichnet die Menge aller Konvexkombinationen der Eckpunkte (siehe auch Satz von Krein-Milman). Jeder Punkt lässt sich damit über und wie folgt beschreiben (siehe Flächenintegrale über Dreiecke):

Dreieck als Abbildung

[Bearbeiten]

Durch die Abhängigkeit der Skalare kann man das Dreieck wie folgt über ein Einheitsquadrat als Definitionbereich der komplexen Fläche definieren. Eine Konvexkombination ist dabei

Orientierte Fläche über Konvexkombinationen

[Bearbeiten]

Die komplex orientierte Fläche kann nun als Konvexkombination von zwei Konvexkombinationen beschrieben werden:

Abbildung in Abhängigkeit von den Eckpunkten

[Bearbeiten]

Durch Einsetzen der Definition der Konvexkombination erster Ordnung erhält man:

Dabei wurde und zu zusammengefasst. Analog wurde dies für den zweiten Term durchgeführt.

Veranschaulichung 1 - Konvexkombination von Konvexkombinationen

[Bearbeiten]

Die folgenden Veranschaulichung zeigt den Zusammenhang zu Wegintegralen, die in diesem Fall als Konvexkombination von zwei Konvexkombinationen dargestellt werden. In der Animation wächst von 0 zu 1, während gewählt wurde.

Triangle and line integral - Animation with a small t2 - Geogebra GIF export
Triangle and line integral - Animation with a small t2 - Geogebra GIF export

Veranschaulichung 2 - Konvexkombination von Konvexkombinationen

[Bearbeiten]

Die folgenden Veranschaulichung zeigt den Zusammenhang zu Wegintegralen, die in diesem Fall als Konvexkombination von zwei Konvexkombinationen dargestellt werden. In der Animation wächst von 0 zu 1. In diesem Fall ist aber das mit gewählt worden. Dadurch bewegen sich der Punkt bei wachsendem an einer anderen Stelle durch die Dreiecksfläche. Insgesamt werden alle Punkt über mit dargestellt.

Triangle and line integral - Animation with a small t2 - Geogebra GIF export
Triangle and line integral - Animation with a small t2 - Geogebra GIF export

Bemerkung - Konvexkombination von Konvexkombinationen

[Bearbeiten]

Der rote animierte Integration ist die Konvexkombination der Konvexkombination. Dazu werden zunächst der Anfangspunkt und Endpunkt als Konvexkombinationen und gewählt und dann auf dem roten Integrationsweg der Punkt als Konvexkombination berechnet.

Gradient - Orientierung von Punkte der Fläche

[Bearbeiten]

Der Gradient der Fläche ist mit der Umrechnung der Darstellung über Konvexkombinationen direkt abzulesen:

Veranschaulichung - Gradient für orientierte Flächen

[Bearbeiten]

Der Gradient einer orientierten Fläche besteht mit den partiellen Ableitungen aus zwei komplexen Zahlen. Diese komplexen Zahlen wurden in der folgenden Animation als Vektoren in grün an der Stelle im Dreieck eingetragen.

Visualization of gradient for surface integral in complex analysis
Visualization of gradient for surface integral in complex analysis

Beispiel 3 - Kreisscheibe

[Bearbeiten]

Eine abgeschlossene Kreisscheibe parametrisiert man analog zu den Wegintegralen über Kreisränder (siehe Cauchy-Integralformel) mit Polarkoordninaten für eine Mittelpunkt der Kreisscheibe. Man erhält dann folgenden komplexen orientierten Fläche mit der Definition von :

Die Orientierung an der Stelle kann wieder über den Gradienten direkt angeben:

Beispiel 4 - Ellipse

[Bearbeiten]

Definition - orientiertes Flächenintegral

[Bearbeiten]

Sei eine komplexe orientierte Fläche eine stetigen partiellen Ableitungen und , dann wird das Flächenintegral über wie folgt definiert:

Notation - Flächenintegrale

[Bearbeiten]

Die Flächenintegral über werden mit einem Doppenintegral und notiert, um diese von einem Wegintegral über einen Integrationsweg von einem Flächenintegral über eine komplexe orientierte Fläche unterscheiden zu können. Ferner zeigt , dass bei dem Flächenintegralen Stammfunktionen 2. Ordnung (d.h. Stammfunktion einer Stammfunktion) bei der Berechnung eine wesentliche Rolle spielen.

Bemerkung - Wegintegral - Flächenintegral

[Bearbeiten]

Die stetigen partiellen Ableitung aus dem Gradienten Gradient gehen wie bei der Definition der Wegintegralen jeweils komponentenweisen für und in die Definition der Wegintegrale für das Flächenintegral mit ein. Die obigen Animationen für das Dreieck zeigt, wie man diese Doppelintegral aus zwei Wegintegralen definieren kann.

Aufgabe für Studierende

[Bearbeiten]

Welchen Bedeutung hat der Gradient ? Versuchen Sie den Gradienten geometrisch zu interpretieren, indem Sie ein Argument festhalten und dann in die Gaußsche Zahlenebene an der Stelle als komplexen Vektor mit Anfangspunkt einzeichnen.

Bemerkungen zu Geogebra

[Bearbeiten]

Wenn man in Geogebra einen Punkt als komplexe Zahl interpretieren möchte, so kann man den Realteil über und den Imaginärteil über darstellen. Die Multiplikation von zwei komplexen Zahlen als Punkt und als Punkt kann so auch algebraisch dargestellt werden:

 M : ( x(A)*x(B)-y(A)*y(B) , x(A)*y(B)+y(A)*x(B) )

Siehe auch

[Bearbeiten]

Seiteninformation

[Bearbeiten]

Diese Lernresource können Sie als Wiki2Reveal-Foliensatz darstellen.

Wiki2Reveal

[Bearbeiten]

Dieser Wiki2Reveal Foliensatz wurde für den Lerneinheit Kurs:Funktionentheorie' erstellt der Link für die Wiki2Reveal-Folien wurde mit dem Wiki2Reveal-Linkgenerator erstellt.