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Kurs:Funktionentheorie/Eckenreduktionssatz für Polygone

Aus Wikiversity

Einleitung

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Der Eckenreduktionssatz für Polygone betrachtet beliebige Randweg für Vielecke, wobei die Orientierung des Teilwege auf den Kanten beliebig gewählt werden. Mit Eckenreduktionssatz betrachtet man zwei benachbarte Weg und , die weder einen gemeinsamen Anfangspunkt noch gemeinsamen Endpunkt haben. Dann kann man bei der Berechnung des Flächenintegrales für des -Ecks durch das Flächenintegral eines -Ecks ersetzen, wobei die Kanten und durch eine einzige Kante ersetzt ersetzt werden kann.

Veranschaulichung

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Die folgende Abbildung zeigt 2 benachbarte Wege und , die weder einen gemeinsamen Anfangspunkt noch Endpunkt besitzen.

Vertice reduction lemma for orientied surface integrals
Vertice reduction lemma for orientied surface integrals

Ersetzung von 2 Wegen durch einen Weg

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In der obigen Abbildung kann man dann die beiden Wege und auf dem Rand des Polygons kann man nun durch einen Weg über ersetzen. Dadurch entsteht aus dem 7-Eck ein 6-Eck mit gleichem Flächenintegral. Im Beweis wird an dieser Stelle die Wegunabhängigkeit des Wegintegrals auf konvexen Gebieten verwenden und implizit der Cauchy-Integralsatz über die Erzeugung eine geschlossenen Weges angewendet.

Polygone - nicht konvex

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In den Voraussetzungen wird verlangt, dass die konvexe Hülle der Eckpunkte ganz in dem Gebiet als Definitionsbereich der holomorphen Funktion liegen. Die Bedeutung dieser Voraussetzung wird bei der Ersetzung von Wegintegralen deutlich, wenn das Polygon selbst nicht konvex ist. Dies zeigt die folgende Abbildung, bei der der Weg ggf. nicht mehr in dem Definitionsbereich der Funktion liegt, wenn die konvexe Hülle der Eckpunkte nicht ganz in liegt.

Veranschaulichung - Polygon - nicht konvex

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Polygon not convex with line integral with alternating orientation created with OpenSource Geogebra and exported to SVG
Polygon not convex with line integral with alternating orientation created with OpenSource Geogebra and exported to SVG

Eckenreduktionssatz für Polygone

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Sei eine holomorphe Funktion bei der die konvexe Hülle der Eckpunkte eines -Ecks in liegt. Wege, die mit und verbindet. Dann lässt sich, dass orientierte Flächenintegral über durch eine alternierendes Randintegral über mit einer geraden Anzahl von Eckpunkten aus , wobei mit die folgende Integraldarstellung erfüllt ist:


Bemerkung - Randwege

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Die Randwege sind Konvexkombinationen, die einen Eckpunkt mit einem Eckpunkt verbindet. Dabei legt die Indizierung in keiner Weise fest, mit welcher Orientierung die beiden Eckpunkte verbunden wurden. Die beiden Möglichkeiten sind:

Startpunkt und Endpunkt von Wegen

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Wenn auf einfach zusammenhängenden Gebieten eine Stammfunktion von existiert, kann man Wegintegral über die Substitutionsregel als Differenz der Stammfunktion in Startpunkt und Endpunkt von dem Integrationsweg darstellen. Für die Formulierung des Beweises ist es wesentlich, Startpunkt und Endpunkt eines Weges formal beschreiben zu können. Daher wird im Folgenden der Begriff Standpunkt und Endpunkt eines Integrationsweges definiert.

Definition - Anfangs- Endpunkt eines Weges

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Sei ein Weg in dem Gebiet . Der Anfangspunkt/Startpunkt des Weges ist und der Endpunktist . Ohne Angabe der Parametrisierung bezeichnet und .

Beweis

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Man startet bei dem Randweg über orientierte Fläche eines -Eck über ein -Eck in dem Gebiet . Dabei ist nicht notwendig alternierend. Der Randweg besteht als Kette aus Teilwegen mit und oder .

Beweisschritt 1 - Reduktionmöglichkeit

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Nun gibt es für 2 Möglichkeiten:

  • ist bereits ein alternierender Randweg - dann ist nichts mehr zu zeigen.
  • ist kein alternierender Randweg und dann muss man eine Reduktions der Eckenanzahl um mindest 1 durchführen können.

Beweisschritt 2 - Auswahl von 2 Wegen

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Wenn kein alternierender Randweg ist, dann kann man mindestens 2 aufeinanderfolgende Wege finden, mit

  • (W1) d.h. Anfangspunkt des ersten Weges ist Endpunkt des zweiten Weges ,
  • (W2) , d.h. Endpunkt des ersten Weges ist Anfangspunkt des zweiten Weges

Bemerkung - Anfangs- und Endpunkt

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In der obigen Abbildung trifft (W1) für die beiden Wege und zu, denn es gilt

In diesem Fall würden die beiden Wege und durch den Weg ersetzt werden, was die Eckenanzahl von 7 auf 6 reduziert.

Beweisschritt 3 - Ersetzung der 2 Wege

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Man definiert nun einen neuen Weg für die beiden Fälle (W1) und (W2):

  • (W1) d.h. Anfangspunkt des zweiten Weges ist auch Anfangspunkt von und der Endpunkt des ersten Weges ist der Endpunkt von
  • (W2) d.h. Anfangspunkt des ersten Weges ist auch Anfangspunkt von und der Endpunkt des zweiten Weges ist der Endpunkt von

Beweisschritt 4 - Flächenintegral nach Eckenreduktion

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Man muss nun noch zeigen, dass sich der Wert des Flächenintegrals beim Übergang von einem -Eck zu einem -Eck nicht ändert. Diese Ergebnis erhält man durch Anwendung der Cauchy-Integralsatzes, denn bilden einen stückweise stetig differenzierbaren geschlossenen Integrationsweg in einer konvexen Mengen und daher ist das Integral über die Kette 0. Daher ist das Integral über und bzgl. der holomorphen Funktion bzw. gleich.

Bemerkung - Wegindizierung

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Die Wegindizierung soll dabei ohne Einschränkung immer so gewählt werden, dass zwei benachbarte Wege und mindestens einen gemeinsame Punkt in gibt, der Anfangs- bzw. Endpunkt jeweils in einem der beiden Wege ist, d.h.

Beweisschritt 5 - ungerade Anzahl von Ecken

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Bei einer ungeraden Anzahl von Ecken gibt es auch eine ungerade Anzahl von Wegen. Daher muss es immer mindestens eine Ecke geben geben, an der ein Anfangspunkt und eine Endpunkt von zwei benachbarten Wegen einen gemeinsamen Punkt als Anfangs- bzw. Endpunkt besitzen, d.h. es gilt oder umgekehrt . Daher ist eine Eckenreduktion bei einer ungeraden Anzahl von Ecken immer möglich.

Beweisschritt 6 - iterative Eckenreduktion

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Wenn nun die Eckenanzahl reduziert wurde, erhält man einen Randweg . Für diesen Randweg macht man erneut eine Prüfung, ob bereits ein alternierender Randweg ist und reduziert ggf. die Eckenanzahl mit den Schritte 1-5 weiter, bis ein alter alternierender Randweg .

Beweisschritt 7 - wechselnde Vorzeichen

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In der obigen Abbildung kann man Iterationsprinzip anschaulich über benachbarte Wege und veranschaulichen, die die gleiche Orientierung besitzen, d.h. in der gleichen Farbe markiert wurden. Formal stoßen bei benachbarten Weg mit gleicher Orientierung zusammen. Die Eckenreduktions kann daher so lange durchgeführt werden, bis in jedem Eckpunkt des Polygons nur zwei Anfangspunkte oder zwei Endpunkte zusammenstoßen. Nach vollständiger Eckenreduktion hat man daher die wechselnden Vorzeichen aus der Behauptung.

Reduktion im Dreieck auf 2 Eckpunkte

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Diese Reduktionsmöglichkeit für eine ungerade Anzahl von Ecken zeigt sich beim Darstellungslemma für Dreiecksintegrale, denn dort lässt sich das Integral über eine orientiert Fläche über eine Wegintegral über eine Seite darstellen. In dem alternierenden Randwegintegral mit eine ungeraden Anzahl von Ecken heben sich Werte der Flächenstammfunktion im Anfangs- und Endpunkt alternierenden Randwegintegrals auf.

Veranschaulichung - Eckenreduktion im Dreieck

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In der folgenden Abbildung kann man erkennen, dass in dem Punkt die Wegorientierungen nicht alternieren. Dies kann man also durch die Eckenreduktion durch eine direkte Verbindung von nach ersetzen.

Integration for an area in the complex number plane - LibreOffice Draw export - Image of series 03 for Wikiversity
Integration for an area in the complex number plane - LibreOffice Draw export - Image of series 03 for Wikiversity

Bemerkung - Faktor 1/2 in Stammfunktion

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Da bei dem alternierenden Randwegintegral über im Integranden über wird dann über 2x über den Integrationsweg integriert und man erhält als Flächenintegral über das Darstellungslemma für Dreiecksintegrale.

Reduktion im Dreieck auf einen Eckpunkt

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Bei geschlossenen Wege (wie im Lemma von Goursat) lässt sich das Randwegintegral durch sukzessive Anwendung auf ein Integral reduzieren. Bei der Differenz der Flächenstammfunktionen ist damit Integral 0. Dies stellt den Zusammenhang zwischen dem Eckenreduktionssatz und dem Cauchy-Integralsatz her, wenn man diesen auf geschlossene Polygone und geschlossene Integrationswege über den Rand des Polygons anwendet. Die wesentliche Aussage ist aber beim Eckenreduktionssatz, dass nur wechselnde Integralrichtungen (so wie beim Lemma für Rechteckintegrale) bzw. wechsende Vorzeichen bei den Flächenstammfunktionen einen Beitrag zum orientierten Flächenintegral liefern.

Aufgabe - Flächenberechnung n-Eck

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Lesen sind näherungsweise die Eckpunkte des 7-Ecks in der folgenden Abbildung ab und berechnen Sie den orientierten Flächeninhalt möglichst effizient. Wenden Sie vorab den Eckenreduktionssatz an, um das orientierte Flächenintegral möglichst effizient über das alternierende Randwegintegral eines 6-Ecks berechnen zu können.

Veranschaulichung - Polygon

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Polygon not convex with line integral with alternating orientation created with OpenSource Geogebra and exported to SVG
Polygon not convex with line integral with alternating orientation created with OpenSource Geogebra and exported to SVG

Siehe auch

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