Kurs:Funktionentheorie/Eindeutigkeitslemma für Logarithmuszweige
Einleitung
[Bearbeiten]Das Eindeutigkeitslemma für Logarithmuszweige behandelt die Eindeutigkeit eines Zweiges des Logarithmus. Dabei ist mit der Wahl eines einfach zusammenhängenden Gebietes mit und der Festlegung des Imaginärteiles des Logarithmuszweige für ein einziges der gesamte Zweig des Logarithmus bereits eindeutig definiert. Ferner wird zwischen dem (reellen) Hauptzweig und dem imaginären Hauptzweig des Logarithmus unterschieden, wobei einmal der negative reelle Achse für entfernt wurde und für imaginären Hauptzweig des Logarithmus negative imaginäre Achse für in fehlt.
Eindeutigkeitslemma für Logarithmuszweige
[Bearbeiten]Sei ein einfach zusammenhängendes Gebiet mit . Wählt man ein beliebiges mit mit , so ist der Zweig des Logarithmus auf eindeutig durch folgendes Integral definiert:
Dabei ist ein stetig differenzierbarer Weg von nach .
Beweis - Eindeutigkeitslemma
[Bearbeiten]Wegen kann man mit und einem beliebigen mit kann man lokal auf Kreisscheiben in eine Potenzreihe um entwickeln (siehe lokale Entwicklung in Potenzreihen).
Beweisschritt 1 - lokale Stammfunktionen
[Bearbeiten]Nach den Holomorphiekriterien besitzt jede holomorphe Funktion lokale Stammfunktionen. Wegen gleichmäßiger Konvergenz der Partialsumme der Potenzreihe für mit Entwicklungspunkt kann man summandenweise integrieren (siehe auch Normalverteilung). Dies liefert die folgende Potenzreihe für den Zweig des Logarithmus auf :
Beweisschritt 2 - Kompakte Spur des Integrationsweges
[Bearbeiten]Für die Definition des Zweiges des Logarithmus ist ein stetig differenzierbarer Weg von nach .
Die Spur des Wege eine kompakte Menge.
Beweisschritt 3 - Offene Überdeckung einer kompakten
[Bearbeiten]Man überdeckt nun mit beliebigen Kreisscheiben um , wobei die Kreischeiben ganz in der offenen Menge . Da die Spur kompakt ist, gibt es eine endliche Teilüberdeckung der Spur mit :
Beweisschritt 4 - Potenzreihenentwicklung für Kreisscheiben
[Bearbeiten]Für alle gibt es analog zur Potenzreihenentwicklung um auch jeweils die folgenden Potenzreihenreihenentwicklungen für den Zweig des Logarithmus auf :
Beweisschritt 5 - Kreisscheibe für Startpunkt des Weges
[Bearbeiten]Man startet mit der offenen Kreisscheibe , die als Startpunkt des Weges in der Spur von enthalten ist. Wenn bereits die ganze Spur abdeckt, hat man mit eine eindeutige Darstellung des Zweiges des Logarithmus mit erhalten, dessen Potenzreihendarstellung mit dem Identitätssatz eindeutig auf der Kreissscheibe ist.
Beweisschritt 6 - Schnitte von Kreisscheiben
[Bearbeiten]Falls offene Kreisscheibe die Menge nicht vollständig abdeckt, gibt es einen Randpunkt der Kreissscheibe liegt, der zugleich auch in der Spur liegt (d.h. . Mit der Überdeckung der Spur gilt dann:
Also muss es ein mit . Bezeichne , damit an der Bezeichnung deutlich wird, welche Kreisscheibe der offenen Überdeckung zu gewählt wurde.
Beweisschritt 7 - Randpunkt und Schnitte von Kreisscheiben
[Bearbeiten]Da nach Auswahl aus der Überdeckung gilt, liegt auch in der Vereinigung der beiden Kreisscheiben. Ferner ist auch ein Randpunkt von . Damit ist der Schnitt von jeder Umgebung von mit nicht leer. Dies gilt damit insbesondere für die offene Menge . Da der Schnitt eine nicht diskrete Menge ist, gilt mit dem Identitätssatz, dass der Zweig des Logarithmus auch auf eindeutig definiert.
Beweisschritt 8 - Überdeckung der Spur
[Bearbeiten]Falls die vollständig überdecken, hat man bereits eine eindeutige Darstellung des Zweiges des Logarithmus auf erhalten. Falls die Spur noch nicht vollständig abdeckt wurde, gibt es wieder einen Randpunkt , der zugleich auch in der Spur liegt (d.h. . Mit der Überdeckung der Spur gilt dann:
Also muss es ein mit . Bezeichne wieder als Kreisscheibe der offenen Überdeckung mit .
Beweisschritt 9 - Schnitte von Kreisscheiben
[Bearbeiten]Da der Schnitt wieder nicht diskret ist (d.h. besitzt Häufungspunkte), gibt es analog zu Schritt 6 mit dem Identitätssatz wieder eine eindeutige Darstellung für den Zweig des Logarithmus auch auf . Nach maximal Schritten für die offene Überdeckung hat man eine eindeutig des Logarithmus auf der Vereinigung erhalten wobei gilt.
Beweisschritt 10 - beliebige Integrationsweg
[Bearbeiten]Man hat nur für ein beliebiges eine Vereinigung von offenen Menge gefunden, auf der der Zweig des Logarithmus eindeutig definiert ist. Für gilt: Betrachtet man nun zwei beliebige Integrationwege mit , so gilt . Damit ist der Zweig des Logarithmus auch auf mit dem Identitätssatz wieder eindeutig definiert.
Beweisschritt 11 - Eindeutigkeit des Zweiges
[Bearbeiten]Da gilt und man als Vereinigung der wegen darstellen kann, erhält man einen eindeutigen Logarithmus auf .
Bemerkung - geschlitzte Ebene
[Bearbeiten]Eine geschlitzte Ebene für definiert man wie folgt:
Mit dem obigen Satz kann also nicht nur geschlitzte Ebenen wählen, sondern man erhält Zweige des Logarithmus für beliebige einfach zusammenhängende Gebiete , die 0 nicht enthalten.
Imaginärer Hauptzweig des Logarithmus
[Bearbeiten]Wählt man die geschlitzte Ebene für die imaginäre Einheit , so erhält man mit dem obigen Satz den imaginären Hauptzweig des Logarithmus , der sowohl für die positiven als für die negativen reellen Zahlen definiert ist. Für negative Zahlen ist der Logarithmus dann wie folgt eindeutig festgelegt:
Siehe auch
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