Ein Wegintegral kann man als Skalarprodukt auf einem Teilraum von holomorphen Funktionen interpretiert werden. Dies spielt insbesondere im Kontext von Funktionenräumen auf kompakten Gebieten oder in der Theorie der Hardy-Räume. Man betrachtet nun die im Folgenden definierte Abbildung.
Sei
ein Gebiet (offene, zusammenhängende Menge), und sei
eine stetig differenzierbarer Weg in dem Gebiet
). Für zwei holomorphe Funktionen
(also holomorph auf
) betrachten man das Wegintegral:

Dabei ist
auf einem Gebiet
durch ein Integrationsweg definiert, der parallel zu reellen Achse läuft.
Das obige Wegintegral ist für beliebige Wege
kein Skalarprodukt, da
im Allgemeinen nicht hermitesch. Dies zeigt die Berechnung der Konjugation des Wegintegrals:

Im Allgemeinen gilt nicht
für alle
.
Wenn man aber stattdessen die Anforderung stellt, dass
für alle
gilt, erhält man mit
die Eigenschaft hermitesch über die folgende Gleichungskette:

Da
als Gebiet eine offene Menge ist, gibt es um jeden Punkt
eine offene Kreisscheibe,
. Man definiert nun zwei Punkte in der Kreisscheibe
mit
und für
liegt der Integrationsweg
als Konvexkombination erster Ordnung zwischen
und
ganz in
:
![{\displaystyle {\begin{array}{rrcl}\gamma :&[0,1]&\rightarrow &G\subset \mathbb {C} \\&t&\mapsto &\gamma (t)=(1-t)\cdot z_{1}+t\cdot z_{2}\end{array}}}](https://wikimedia.org/api/rest_v1/media/math/render/svg/35521c2465bdeee7b41ac2cfca2705805bc4ef70)
Für die Ableitung des Integrationsweges gilt
für alle
, denn man erhält:

Weil
reellwertig für alle
ist, gilt auch
. Insbesondere gilt für alle
, dass
bzw.
erfüllt ist.
Mit der oben definierten Konvexkombination gilt
für alle
und
. Die reellwertige Ableitung
liefert die Eigenschaft hermitesch über die folgende Gleichungskette:

Ein Skalarprodukt muss die Eigenschaft der Definitheit erfüllen, d.h. für beliebige holomorphe Funktionen
muss gelten:

Dabei wertet das Skalarprodukt als Integral die Funktion
auf der Spur von
aus.
Da
als holomorphe Funktion insbesondere stetig ist, ist auch
und
eine stetige Funktion, die auf dem Intervall
das Minimum und Maximum annimmt. Sei
. Es gilt dann:

Damit das rechte Integral über die stetige nicht-negative Funktion
mit
die Eigenschaft
erfüllt, muss
auf der Spur von
konstant 0 sein.
Epsilon-Delta-Kriterium für Spurpunkt 1
[Bearbeiten]
Wenn einen Punkt
mit
gibt mit
, dann gibt es zu jedem
wegen der Stetigkeit von
eine
-Umgebung von
, wobei für alle
gilt:

Epsilon-Delta-Kriterium für Spurpunkt 2
[Bearbeiten]
Da dieses für alle
gilt, kann man auch
wählen. Damit wäre dann

Epsilon-Delta-Kriterium für Spurpunkt 3
[Bearbeiten]
Damit kann man folgern, dass das Skalarprodukt von
mit
einen positiven Wert besitzt.

Die positive Definitheit mit den obigen Argumenten kann analog auf den Raum der stetigen Funktionen
bzw.
anwenden, wobei das zugehörige Skalarprodukt für diese Räume als Spezialfall wie folgt definiert wird:

bzw.

Bisher wurde mit den obigen Argumenten nur gezeigt, dass
auf der Spur von
konstant 0 ist. Für die positive Definitheit muss aber auch
nicht nur auf der Spur von
konstant 0 sein, sondern auf dem ganzen Definitionsbereich
. Die Spur von
ist eine nicht-diskrete Menge in
. Daher muss nach dem Identitätssatz auch die Funktion
auf ganz
der Nullfunktion entsprechen. Diese liefert die Definitheit für das Skalarprodukt, denn es gilt für beliebige holomorphe Funktionen
:

Für das Gebiet
als offene und zusammenhängende Menge liefert die oben definierte Konvexkombination
zwischen
eine stetig differenzierbare Kurve. Für zwei holomorphe Funktionen
ist
eine stetige Funktion auf
, wobei
auf
eine Maximum annimmt:

Damit sind alle Integral für zwei beliebige holomorphe Funktionen
auf dem Gebiet
endlich.
Sei
und
,
und mit dem Integrationsweg
als Konvexkombination:
![{\displaystyle {\begin{array}{rrcl}\gamma :&[0,1]&\rightarrow &\mathbb {C} \\&t&\mapsto &\gamma (t)=(1-t)\cdot z_{1}+t\cdot z_{2}\end{array}}}](https://wikimedia.org/api/rest_v1/media/math/render/svg/11630eb95015f3aa68efe86952c42bc12b27cab8)
Beweisen Sie die noch fehlenden Eigenschaften für das Skalarprodukt, d.h. die Semilinearität in der 1. Komponenten und die Linearität in der 2. Komponente.
Das folgende Beispiel zeigt den Nachweis der Additivität vom Skalarprodukt:

Berechnen Sie die Norm
einer holomorphen Funktion
auf
mit
.
Um die folgende Norm
zu berechnet, berechnet man zunächst
![{\displaystyle {\begin{array}{rcl}\|f_{0}\|_{\gamma }^{2}&=&\displaystyle \,\int _{\gamma }{\overline {f_{0}(z)}}\cdot f_{0}(z)\,dz=\,\int _{\gamma }\underbrace {{\overline {1}}\cdot 1} _{=1}\,dz\\&=&\displaystyle \,\int _{0}^{1}1\cdot \gamma {\,}'(t)\,dz=\left[z\right]_{1+i}^{5+i}=(5+i)-(1+i)=4\end{array}}}](https://wikimedia.org/api/rest_v1/media/math/render/svg/907c7d536acb0223f977196b8b50547b93fc6021)
Damit erhält man für die Norm
Um die folgende Norm
zu berechnet, berechnet man zunächst
mit

Beispiel 2.2 - Real- Imaginärteilzerlegung für n=1
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Durch Umformung bzw. Vereinfachung von
erhält für
und das Integral ist:
![{\displaystyle {\begin{array}{rcl}\|f_{1}\|_{\gamma }^{2}&=&\displaystyle \,\int _{0}^{1}64t^{2}+32t+8\,dt=\left[{\frac {64}{3}}t^{3}+16t^{2}+8t\right]_{0}^{1}\\&=&\displaystyle {\frac {64}{3}}+16+8={\frac {64+48+24}{3}}={\frac {136}{3}}\end{array}}}](https://wikimedia.org/api/rest_v1/media/math/render/svg/f0070b77fc57a73522f372823f43493f1fc7dfb9)
Damit erhält man für die Norm
Um die folgende Norm
berechnen zu können, berechnet man zunächst
mit
. Ferner verwenden Sie für den Integranden:

Führen Sie die Berechnungen analog zu dem obigen Vorgehen weiter.
Aufgabe 3 - Orthonormalbasis der Funktionen
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Erzeugen Sie aus
eine Orthonormalbasis
mit
und
für
und
auf
.
Die folgende Norm
wurde bereits in Aufgabe 2 berechnet. Daher muss man
nur normalisieren und man definiert den ersten Vektor der Orthonormalbasis wie folgt:

Beispiel 3.2 - Berechnung der Projektion n=1
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Man subtrahiert von dem Ausgangsvektor
(Funktion) die Orthogonalprojektion auf
wie folgt:
. Berechnet man nun das Skalarprodukt von
, so erhält man:

Bestimmen Sie nun
und normalisieren Sie dann
mit
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