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Kurs:Funktionentheorie/Goursat mit Ausnahme eines Punktes

Aus Wikiversity

Einleitung

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Diese Lernressource erweitert das Lemma von Goursat auf Funktionen f, die bis auf die Ausnahme eines Punktes zo holomorph sind und zumindest noch in zo stetig sind. Die Verallgemeinerung des Satzes ist für den Beweis der Cauchy-Integralformel erforderlich. Letztlich wird sich aber mit dem Riemannschen Hebbarkeitssatz herausstellen, dass die Holomorphie mit Ausnahme eine Punktes, in dem die Funktion noch stetig ist, keine wirkliche Verallgemeinerung darstellt, da sich die Funktion f:G in diesem Punkt zoG holomorph forsetzen lässt. Die Inhalte kann man als Wiki2Reveal Folien angezeigt werden.

Zielsetzung

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Diese Lernressource hat das Ziel das Lemma von Goursat in den Voraussetzungen für eine holomorphe Funktion f:G in einem Punhkt zoG anzuschwächen und für diesen Punkt nicht mehr die Holomorphie vorauszusetzen, sondern man verlangt in einem Punkt nur noch die Stetigkeit. Man beweist, dass diese Ausnahme eines Punktes, in dem man nur noch die Stetigkeit voraussetzt, immer noch das gleiche Resultat des Lemmas von Goursat liefert.

Bemerkung - Erweiterung des Lemmas von Goursat - Stetigkeit in einem Punkt

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Mit der Einschränkung der Stetigkeit in einem Punkt gilt das Lemma von Goursat gilt weiterhin, wenn man die Voraussetzungen der Holomorphie einer Funktion g:U in einem Punkt zoU abschwächt und in diesem Punkt nur noch die Stetigkeit zoU verlangt. Das Korollar zum Lemma von Goursat mit Ausnahme von einem Punkt wird dabei auf den Umkreis für die Dreieck angewendet.

Nutzung in der Cauchy-Integralformel

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In der Cauchy-Integralformel für Kreisscheiben ist diese Einschränkung erforderlich, da man dort eine Funktion als Differenzenquotient definiert, wobei beim Grenzwertübergang gegen zo die Ableitung f(zo) erzeugt wird.

g:Uξg(ξ)={f(ξ)f(zo)ξzo,ξzof(zo),ξ=zo

Lemma von Goursat - Ausnahme ein Punkt

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Sei f:U{zo} eine holomorphe Funktion, die aber in zoU aber noch stetig ist. Sei Δ(z1,z2,z3)U ein abgeschlossenes konvexes Dreieck, dann gilt:

z1,z2,z3f(z)dz=0

Voraussetzungen - Details

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  • (P1) Sei U eine offene Teilmenge mit zoU,
  • (P2) Seien z1,z2,z3 drei nicht kollineare Punkte, die das Dreieck
Δ(z1,z2,z3):={k=13λkzk|(k13λk=1)k{1,2,3}:λk[0,1]}U
definieren,
  • (P3) Sei f:U eine holomorphe Funktion,
  • (P4) Sei z1,z2,z3:[0,3] der geschlossene Weg über den Dreiecksrand von Δ(z1,z2,z3) mit Startpunkt z1.

Beweis - Lemma von Goursat - Ausnahme ein Punkt

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Der Beweis gliedert sich in 4 Fälle, die bezogen auf die Lage von zoU unterscheiden:

  • (F0) zoΔ(z1,z2,z3) , d.h. zo liegt nicht auf dem Rand und im Inneren des Dreiecks.
  • (F1) zo=zk mit k=1,2,3, d.h. dass zo ein Eckpunkt des Dreiecks ist.
  • (F2) Mit zoSpur(z1,z2,z3) liegt zo auf einer Dreiecksseite - also auf dem Integrationsweg,
  • (F3) zo liegt im Inneren des Dreiecks.

Dabei folgert man aus (F1) den Fall (F2) und aus (F2) folgert man dann (F3).

Beweis - (F0)

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Für den Fall (F0) ist nichts zu zeigen, da man hier das Lemma von Goursat direkt anwenden kann, wenn man die Umgebung U durch eine offene Menge U~U ersetzt die zo nicht enthält.

Beweis (F1)

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Zunächst nimmt man bzgl. der Beweisidee zu (F1) an, dass der Punkt (hier z0, in dem man nur noch die Stetigkeit voraussetzt, ein Eckpunkt des Dreiecks ist (hier z0:=z3).

Erweiterung des Lemmas von Goursat - Voraussetzung in einem Punkt nun noch stetig aber nicht notwendiger Weise holomorph

Beweis (F1) - Schritt 1

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Wie beim Lemma von Goursat zerlegt man das Ausgangsdreieck in Teildreiecke. Die eingefügten Teilstrecken (wie z.B. z1,z5) werden dabei jeweils in beide Richtungen durchlaufen. Man fügt also sowohl das Wegintegral über z1,z5 und z5,z1 zu Wegintegral über z1,z2,z3. Das erfolgt analog für z4,z5 und z5,z4. Durch die umgekehrt Laufrichtung heben sich die Wegintegral jeweils auf.

Beweis (F1) - Schritt 2

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Über die Dreieckszerlegung ergibt sich die folgende Integraldarstellung:

z1,z2,z3f(z)dz=z1,z2,z3f(z)dz+z1,z5f(z)dz+z5,z1f(z)dz+z4,z5f(z)dz+z5,z4f(z)dz=z1,z2,z5f(z)dz=0+z1,z5,z4f(z)dz=0+z3,z4,z5f(z)dz

Beweis (F1) - Schritt 3 - Lemma von Goursat

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Die Integrale über z1,z2,z5 und z1,z5,z4 ist nach dem Lemma von Goursat 0, da in der Umgebung von diese Dreiecken kein Ausnahmepunkt liegen, in dem z0 nur stetig ist. In der obigen Abbildung wurde als Ausnahmepunkt z0:=z3 gewählt. Damit erhält man:

z1,z2,z3f(z)dz=z3,z4,z5f(z)dz

Beweis (F1) - Schritt 4 - Grenzwertprozess

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Man lässt nun mit (analog zur Animation) die Punkt z4 und z5 gegen z3 laufen:

  • z4(n):=1nz1+(11n)z3
  • z5(n):=1nz2+(11n)z3

Beweis (F1) - Schritt 5 - Grenzwertprozess

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Die Folgen (z4(n))n und (z5(n))n wurden als Konvexkombinationen definert und es gilt:

  • limnz4(n)=limn1nz1+(11n)z3=z3
  • limnz5(n)=limn1nz2+(11n)z3=z3

Beweis (F1) - Schritt 6 - Grenzwertprozess

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Da die Funktion f in dem Eckpunkt z0:=z3 des Dreiecks noch stetig ist, folgt:

  • limnf(z4(n))=f(z3)
  • limnf(z5(n))=f(z3)

Beweis (F1) - Schritt 7 - Epsilon-Delta-Kriterium

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Mit dem ε-δ-Kriterium kann man für alle ε>0 ein δ>0 finden, sodass folgende Ungleichung für alle |zzo|<δ mit zo:=z3 gilt wegen der Dreieckungleichung:

|f(z)||f(z0)||f(z)f(z0)|<ε

Man wählt nun mit der Konvergenz der Folgen nnε, dass |z4(n)zo|<δ und |z5(n)zo|<δ. Damit liegen auch alle Punkte auf dem Dreiecksrand z3,z4(n),z5(n) in Dδ(zo).

Beweis (F1) - Schritt 8 - Abschätzung Integral

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Man kann mit |f(z)|<ε+|f(z0)| die Funktion auf ganz Dδ(zo) nach oben gegen ε+|f(z0)| abschätzen. Die Abschätzung gilt dann auch für die Spur von z3,z4(n),z5(n), die in der Kreisscheibe Dδ(zo) liegt.

Beweis (F1) - Schritt 9 - Abschätzung Integral

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Es gilt damit:

|z1,z2,z3f(z)dz|z3,z4(n),z5(n)|f(z)|dzz3,z4(n),z5(n)|f(zo)|+εdz(|f(zo)|+ε)(z3,z4(n),z5(n))n0n0

Dies gilt analog für jeden anderen Eckpunkt des Dreiecks.

Beweis (F2) - Punkt auf Dreieckseite

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Wenn der Punkt z0 auf einer Dreickseite liegt und keine Eckpunkt ist, kann man Dreieck mit z0 in zwei Teildreicke zerlegen.

Beweis (F2) - Schritt 1 - Punkt auf Dreieckseite

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Ohne Einschränkung liegt der Punkt z0 auf der Dreiecksseite zwischen z2 und z3. Dann wählt man als Teildreiecke die Dreiecke

  • z0,z1,z2 mit ergänztem Wegintegral z0,z1
  • z1,z0,z3 mit ergänztem Wegintegral z1,z0

Beweis (F2) - Schritt 2 - Anwendung von (F1)

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Der Punkt z0 ist nun Eckpunkt von beiden Dreiecken z0,z1,z2 und z1,z0,z3 und man den Fall (F1) anwenden.

z1,z2,z3f(z)dz=z0,z1,z2f(z)dz=0(F1)+z1,z0,z3f(z)dz=0(F1)

Beweis (F3) - Punkt im Inneren des Dreiecks

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Wenn der Punkt z0 im Inneren des Dreicks liegt, kann man von der Eckpunkt z1 durch z0 eine Gerade ziehen, die die gegenüberliegende Dreieckseite in z6 schneidet. Nun ergänzt man zwei weitere Integrationswege:

z1,z6 und z1,z6

kann man Dreieck mit z0 in zwei Teildreicke zerlegen.

Beweis (F3) - Schritt 1 - Punkt im Dreiecksinneren

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Dann wählt man als Teildreiecke die Dreiecke

  • z6,z1,z2 mit ergänztem Wegintegral z6,z1
  • z1,z6,z3 mit ergänztem Wegintegral z1,z6

Die ergänzten Wegintegrale verändern verändern das Gesamtintegral durch die umgekehrte Laufrichtung nicht.

Beweis (F3) - Schritt 2 - Punkt im Dreiecksinneren

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Damit liegt z0 auf den zerlegten beiden Dreiecksränden auf einer Dreiecksseite z6,z1 bzw. z1,z6. Damit kann man in beiden Teildreiecken den Fall (F2) anwenden.

z1,z2,z3f(z)dz=z6,z1,z2f(z)dz=0(F2)+z1,z6,z3f(z)dz=0(F2)

Aufgaben für Studierende - Berechnung von Schnittpunkt

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In dem obigen Fall (F3), wenn z0 ein innerer Punkt ist, gibt es einen eindeutig definiert Punkt z6 auf der Dreiecksseite zwischen z2 und z3. Berechnen Sie den Punkt z6 aus den gegeben Punkte z0,z1,z2,z3 mit einem linearen Gleichungssystem.

Korrolar für Kreisscheiben - Ausnahme ein Punkt

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Sei f:U{zo} eine holomorphe Funktion, die aber in zoU aber noch stetig ist. Sei Dr(z1)U eine abgeschlossene Kreisscheibe, dann gilt:

Dr(z1)f(z)dz=0

Beweisidee - Korollar für Kreisscheiben

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Die Beweisidee beruht im Wesentlichen darauf, das Lemma von Goursat mit Ausnahme eines Punktes auf den Umkreis des Dreiecks zu erweitern und dann die Dreiecksseiten in beide Richtungen zu durchlaufen, damit man das Integral über den Kreisrand nicht verändert. Im Inneren des Dreiecks wendet man das Lemma von Goursat mit Ausnahme eines Punktes an und das Integral über den Dreiecksrand verschwindet. Auf einem geschlossenen Weg über einen Kreisbogen und einer Dreieckseite existiert eine Stammfunktion und daher ist das Integral über diese 3 geschlossenen Wege ebenfalls 0.

Abbildung zur Beweisidee

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Visualisierung für das Korollar für Kreisscheiben

Die Abbildung zeigt den Punkt zo, in dem die holomorphe Funktion noch stetig ist und einen beliebigen Punkt zDr(z1) im Inneren der Kreisscheibe. Geometrisch entsteht

  • ξ1 als Schnittpunkt der Geraden durch z1 und z mit dem Kreisrand, wenn die Punkte verschieden sind und
  • ξm und ξ3 als Schnittpunkte der Geraden g durch z1 und zo mit dem Kreisrand, wenn die Punkte verschieden sind.
  • Auf diese Dreieck ξ1,ξ2,ξ3 wird das Lemma von Goursat mit Ausnahme eines Punktes angewendet.

Aufgabe für Studierende - Korollar

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Führen Sie die Beweisidee vollständig mit den Details aus und betrachten Sie auch die Fälle zo=z1, zo=z, z1=z und z0,z1,z liegen auf einer Geraden.

Siehe auch

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Seiteninformation

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Wiki2Reveal

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Dieser Wiki2Reveal Foliensatz wurde für den Lerneinheit Kurs:Funktionentheorie' erstellt der Link für die Wiki2Reveal-Folien wurde mit dem Wiki2Reveal-Linkgenerator erstellt.