Der Residuensatz ist ein wesentliches Werkzeug in der Funktionentheorie, um Integrale über nullhomologe Zyklen und Funktionen berechnen zu können, die bis auf isolierte Singularitäten auf einem Gebiet
holomorph sind. Der Residuensatz kommt insbesondere dann zum Einsatz, wenn herkömmliche Methoden der Integralrechnung versagen. Die folgenden Beispiele sind zeigen ausführliche Berechnung der Residuen.
Ein Spezialfall von nullhomologen Zyklen ist ein einfach geschlossener Weg, der keine Punkte aus
umrundet. Für diese Fall werden nun elementare Anwendungen des Residuensatzes berechnet.
Das zu berechnende Integal ist ein Integral über ein Intervall über eine Kreisscheibe um
mit dem Radius
über die folgende meromorphe Funktion
:

Der Weg über dne Kreis um
mit dem Radius
ist wie folgt definiert:
![{\displaystyle {\begin{array}{rrcl}\gamma :&[0,2\pi ]&\rightarrow &\mathbb {C} \\&t&\mapsto &\gamma (t)=z_{o}+r\cdot e^{i\cdot t}\end{array}}}](https://wikimedia.org/api/rest_v1/media/math/render/svg/98c90192de1e744d975b8752b21432a06b69ebbc)
Unmittelbar erkennt man, dass die Funktion
eine Nullstelle der Ordnung 2 in
besitzt. Ferner hat die meromorphe Funktion
zwei Pole erster Ordnung in
und
, wie durch die folgende Umformung ersichtlich ist:

Dabei wurde die 3.bionomische Formel für die Faktorisierung des Nenners verwendet.
In dem Residuensatz geht laut Aussage des Satzes die Umlaufzahl des Zylus
ein, der in diesem Fall aus einem einfach geschlossenen Weg
besteht. Also gilt für alle
auch
.
Um den Residuensatz anwwenden zu können, dürfen keine Singularitäten auf der Spur von
liegen. Um das zu überprüfen, berechnet man den Abstand zwischen einer Singulariät
und
.

Die Abstände sind alle
und liegen damit nicht auf dem Kreisrand mit Radius 2 um
. Ferner geben die Abstände auch an, ob diese Singularitäten von dem Weg
umrundet werden. Es gilt
und
.
Berechnung von
erfolgt über:

Berechnung von


Damit erhält man über den Residuensatz das Ergebnis des reellen Integrals:

Pole und gebrochen rationale Funktionen
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Analog zur Primfaktorzerlegung von Zählen und Nenner und dem Kürzen von Primfaktoren, erlaubt die Zerlegung des Zählers und Nenners in Linearfaktoren der Form
mit dem Fundamentalsatz der Algebra eine ähnliches Vorgehen für die Bestimmung des Grades von Polen im Nenner.
Beispiel 1: Trigonometrisches Integral
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Das Integral ist eigentlich ein reelles Integral für den Weg
mit dem Definitionsbereich
.

Diese Integral wird über die Transformationsformel in ein Integral über den Kreisrand in komplexen Zahlenebene transformiert.
Den Kosinus kann man für reellwertige
über die Eulersche Formel wie folgt ausdrücken:

Den Realteil einer Zahl
kann man ferner über
darstellen:

Dies wendet man auf den Kosinus als Realteil von
an.
Man setzt
gilt für die Darstellung von
.
Die Umformung mit Potenzgesetze liefert dann:

Schritt 1.3 - Definition des Integrationsweges
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Definition des Integrationsweges:
![{\displaystyle {\begin{array}{rrcl}\gamma :&[0,2\pi ]&\rightarrow &\mathbb {C} \\&x&\mapsto &\gamma (x)=e^{ix}\end{array}}}](https://wikimedia.org/api/rest_v1/media/math/render/svg/b6f88844138823685aa7df7b7bb5126b2a9d15c3)
Für die Ableitung des Integrationsweges gilt
. Diese wird für die Anwendung der Substitutionsregel benötigt.
Schritt 1.4 - Ersetzung der Kosinusdefinition
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Mit den Schritten 1.1-1.2 kann man Ausgangsintegral wie folgt umschreiben:

Dabei wird man dem Faktor 1 erweitert, der im Zählen und Nennen die Ableitung
erhält
Schritt 1.5 - Integration mit Substitutionsregel
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Durch die Anwendung der Substitutionsregel integriert man nicht mehr über den Weg
, sondern nun über den Kreisrand
mit Radius 1:

(Bemerkung: Von Schritt 1.4 zu Schritt 1.5 wird die Definition des Wegintegrals aus FT1, wie bisher noch nicht gewohnt, umgekehrt angewendet.)
Die Lösungen (Wurzeln) einer quadratischen Gleichung
mit reellen Koeffizienten
,
und
lassen sich mit der Mitternachtsformel

berechnen. Die Anzahl der reellen Lösungen hängt vom Term unter der Wurzel ab.
Für den Nenner
bestimmt man die beiden Nullstellen, die Polstellen 1. Ordnung sind:

Damit erhält man die Nullstellen
und
.
Die Umlaufzahl geht in die Summendarstellung des Residuensatzes ein. Dabei wird nur
von dem Integrationsweg
auf dem Einheitskreis mit
umrundet.
liegt außerhalb des Einheitskreises und es gilt
und
.
Da es nun eine relevante Singularität
berücksichten muss, die zugleich nur eine Polstelle 1. Ordnung ist, kann man das Residuum wie folgt berechnen:


Damit erhält man über den Residuensatz das Ergebnis des reellen Integrals:

Das Integral hat im Nenner ein reelles Polynom, das zwar keine reellwertigen Nullstellen besitzt, aber mit dem Fundamentalsatz der Algebra komplexwertige Nullstellen, die man in diesem Beispiel über die 3. Binomische Formel berechnen kann:

Die Nullstellen im Nenner lassen sich mit der 3. binomischen Formel in Linearfaktoren zerlegen.

Die Nullstellen des Nenners sind die Polstellen der Funktion
mit:

Polstellen sind
und
.
Ein uneigentliches Integral ist ein Grenzwertprozess:

Das Integral über die reelle Achse wird wieder als Wegintegral über den Weg
mit dem Definitionsbereich
interpretiert.
Ferner wird ein weiterer Weg
mit dem Definitionsbereich
definiert. Die Kette

ist ein Zyklus, über den integriert wird. Wenn
groß genug gewählt wird, werden alle Singularitäten aus der oberen Halbebene umrundet. Berechnet wird nun das Integral:

Schritt 2.5 - Umlaufzahlen für die Polstellen
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Nur
und
liegen in der oberen Halbebene. Für
werden
und
von dem Zyklus
jeweils mit
umrundet.
Für die Singularität
liegt ein Pol 1. Ordnung vor und daher erhält man das Residuum wie folgt:

Analog gilt für
als Pol 1. Ordnung:

Den vorderen Linearfaktor
bzw.
kann gegen den entsprechenden Linearfaktor im Nenner kürzen, wenn man bei dem Grenzwertprozess
bzw.
voraussetzt.
Mit der Anwendung des Residuensatzes erhält man für
:

Als Ergebnis des Integrals über Zyklus
erhält man:

Schritt 2.8 - Grenzwertprozess für den Halbkreis
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Für die Berechnung des Integrals über
wird man nun zeigen, dass das Integral über
für den Grenzwertprozess
gegen 0 konvergiert:

Schritt 2.9 - Grenzwertprozess für den Halbkreis
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Um zu zeigen, dass
gilt, schätzt man das Integral betragsmäßig nach oben ab:

Ohne Einschränkung sei mit dem Grenzwertprozess
gewählt werden.
Da
gilt, liefert auch das uneigentliche reelle Integral den gleichen Wert:

Als Ergebnis des reellen Integrals über den Residuensatz erhält man daher auch:

Beispiel 3 - Integral mit trigonometrischer Funktion im Zähler
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Das folgende uneigentliche Integral soll nun mit dem Residuensatz berechnet werden:

Der Graph des Nenner
ist auf der reellen Achse achsenssymmetrisch zur reellen
-Achse. Auch der Graph vom Kosinus ist achsensymmetrisch zur
-Achse.
Die Achsensymmetrie des Zählers und Nenners zur
-Achse erlaubt die Berechnung des Integrals für
.

Schritt 3.2 - Integration über den Kreisrand
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Das Integral von
bis
durchläuft
einmal den Kreisrand mit de Radius
. Da der Kosinus
der Realteil von
ist, gilt auch:

Man definiert nun eine Funktion in Abhängigkeit von

Die Polstellen sind
sind Polstellen 1.Ordnung, die sich durch die Anwendung der 3. binomischen Formel ergeben. Dabei liegt
in der oberen Halbebene und
in der unteren Halbebene der Gaußschen Zahlenebene. Beide Singularitäten würden von dem Kreis mit Radius
umlaufen. Der Zyklus
für das Integral wird durch ein Integral auf der reellen Achse und ein Integral über einen Halbkreis in der oberen Halbebene in 3.4 zusammengesetzt.
Ferner wird ein weiterer Weg
mit dem Definitionsbereich
definiert. Die Kette

ist ein Zyklus, über den integriert wird. Wenn
groß genug gewählt wird, werden alle Singularitäten aus der oberen Halbebene umrundet. Berechnet wird nun das Integral:

Die Residuen werden wie folgt für die beiden Pole 1. Ordnung berechnet:

Analog gilt für die zweite Singularität in
berechnet:

Die Anwendung des Residuensatzes erhält man mit
und
und
:

Da
der Realteil von
ist, gilt
und
:

Das zweite Integral geht gegen 0, weil der Zählergrad von
um 2 größer ist als der Nennergrad. Hier muss die rationale Funktion ohne
,
bzw.
untersucht werden.
Das Ergebnis des Integrals benötigt die Verwendung der Symmetrieeigenschaften des reellen Integrals:

Damit wurde das reelle Integral insgesamt über den Residuensatz berechnet.
Berechnen Sie mit den Ideen aus der obigen Integralberechnung für
![{\displaystyle {\begin{array}{rrcl}\gamma _{R}:&[0,2\pi ]&\rightarrow &\mathbb {C} \\&t&\mapsto &\gamma (t)=R\cdot e^{i\cdot t}\end{array}}}](https://wikimedia.org/api/rest_v1/media/math/render/svg/7c01019e0b70dc72724f74ff03aa02c9085752ab)
das folgende Integral:

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