Kurs:Gott im islamischen Denken
- Hochschule: Otto-Friedrich-Universität Bamberg
- Veranstaltungstitel: Gott in der Geschichte des islamischen Denkens
- Veranstaltungsdauer: 24. April – 24. Juli 2020 (Sommersemester 2020)
- LSF-Eintrag: Univis Uni Bamberg Seminar Univis Uni Bamberg Lektüreübung
Inhalt der Veranstaltung
[Bearbeiten]Bei Gott und Islam denkt man schnell an Allah. Doch hat Gott im Islam nicht nur einen, sondern sehr viele Namen. „Ihm kommen die schönen Namen zu“, so heißt es schon in einem Koranvers (Sure 17:110), der Grundlage der Lehre von den 99 Gottesnamen ist. Die verschiedenen Namen Gottes stehen dabei für die unterschiedlichen Aspekte seines Wesens und Wirkens. Die islamische Theologie hat sich in der Vergangenheit sehr viel mit den Namen Gottes befasst, darüber hinaus aber auch das Verhältnis Gottes zu seiner Schöpfung genauer zu bestimmen versucht. Ist Gott ein Körper? Hat er die Gestalt eines Menschen? Hat er bestimmte Eigenschaften, und wenn ja, wie verhalten sie sich zu seinem Wesen? Was genau bedeutet der Tau??d, das islamische Bekenntnis zur Einheit Gottes? Kann Gott seiner Schöpfung innewohnen, also in ihr Platz nehmen? Und kann umgekehrt der Mensch göttliche Eigenschaften annehmen oder in Gott aufgehen? Die verschiedenen islamischen Strömungen und Lehrrichtungen des Islams haben sich zu all diesen Fragen sehr unterschiedlich positioniert. Aufgabe des Seminars wird es sein, gemeinsam einen historischen Überblick über die verschiedenen islamischen Gottesvorstellungen zu erarbeiten. Die ersten drei bis vier Sitzungen geben eine Einführung ins Thema, die übrigen Sitzungen haben Werkstattcharakter, d.h. die gemeinsame Besprechung von Einzelprojekten steht im Vordergrund.
Die Seminarteilnehmer/innen sollen insbesondere lernen, eigenständig Projekte für Hausarbeiten in Form von Wikipedia-Artikeln oder argumentativen Essays zu entwickeln und diese ihren Mitstudierenden vorzustellen, sowie umgekehrt auch erwartet wird, dass sich die Seminarteilnehmer/innen mit den Projekten ihrer Mitstudierenden auseinandersetzen und ihnen qualifizierte Rückmeldungen dazu geben. Das Seminar ist von einer arabischen Lektüreübung begleitet, in der einschlägige klassisch-arabische Texte gelesen werden.
Dogmatische Gruppen
[Bearbeiten]- Muʿtazila, verbunden mit zaiditischen Schia, zum Teil auch Imamiten
- Aschʿarīya, verbunden Malikiten und Schafiiten
- Māturīdīya, verbunden mit Hanafiten
- Traditionalisten werden Hanbaliten und Atharīya genannt.
Termini technici
[Bearbeiten]- Rationalistische, Systematische, spekulative Theologie wird Kalām genannt, von Traditionalisten abgelehnt, ʿAqīda ist die Glaubenslehre, Dschadal
- Vorherbestimmung: Qadar. Zwei Positionen: 1. Qadarīya nur die guten Taten sind von Gott vorherbestimmt; 2. Dschabrīya nur Gott handelt, nicht der Mensch; 3. Sunniten vertreten Mittelposition des Kasb, d.h. die Menschen müssen ihre Taten erwerben.
- Positionen hinsichtlich der Attribute Gottes: 1. völlige Entleerung (taʿṭīl) Gottes, vertreten von Dschahm ibn Safwān, 2. Verähnlichung (tašbīh) Gottes mit der Schöpfung, hat man Muqātil ibn Sulaimān, den Hanbaliten, 3. das Freisprechen (tanzīh) Gottes von allen Eigenschaften des Geschaffenen.
- Gott als waǧib al-wuǧūd,
- Ismailitische Gotteslehre: Emanationstheorie (faiḍ), Universalintellekt (al-ʿaql al-kullī)