Kurs:Invariantentheorie/3/Klausur mit Lösungen
| Aufgabe | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Punkte | 3 | 3 | 8 | 5 | 3 | 7 | 6 | 4 | 4 | 4 | 8 | 9 | 64 |
Aufgabe (3 Punkte)
Definiere die folgenden (kursiv gedruckten) Begriffe.
- Eine Bahn zu einer Gruppenoperation einer Gruppe auf einer Menge .
- Die alternierende Gruppe .
- Ein noetherscher Ring .
- Die Hilbert-Reihe zu einer linearen Operation einer endlichen Gruppe auf einem Polynomring .
- Ein affines Gruppenschema.
- Eine -rationale Darstellung einer affin-algebraischen Gruppe über einem Körper .
- Eine
Bahn
ist eine Teilmenge der Form
- Die alternierende Gruppe ist
- Ein kommutativer Ring heißt noethersch, wenn jedes Ideal darin endlich erzeugt ist.
- Die
Hilbert-Reihe
ist die
Potenzreihe
- Es sei ein
kommutativer Ring
und eine kommutative
-
Hopf-Algebra.
Dann nennt man das
Spektrum
zusammen mit den induzierten
-
Morphismen
und
das zugehörige affine Gruppenschema.
- Unter einer
-rationalen Darstellung
von versteht man einen
Gruppenhomomorphismus
mit einem endlichdimensionalen - Vektorraum , die durch einen - Hopf-Algebrahomomorphismus der Hopf-Algebren zu bzw. induziert wird.
Aufgabe (3 Punkte)
Formuliere die folgenden Sätze.
- Der Satz über die Invariantenringe zu einem Normalteiler .
- Der Hilbertsche Basissatz.
- Die Formel von Molien.
- Die
Restklassengruppe
operiert auf durch
und es ist
- Es sei ein noetherscher Ring. Dann ist auch der Polynomring noethersch.
- Es sei ein
algebraisch abgeschlossener Körper
der
Charakteristik
. Die
endliche Gruppe
operiere linear
auf einem
endlichdimensionalen
-
Vektorraum
.
Dann ist
Aufgabe (8 Punkte)
Beweise den Hauptsatz über symmetrische Polynome.
Wir führen Induktion über die gradlexikographische Ordnung. Zur Existenz. Es sei ein symmetrisches Polynom. Es sei das Leitmonom von (mit dem Koeffizienten ) Es ist für alle . Andernfalls nämlich betrachtet man die Permutation, die und vertauscht. Das resultierende Monom muss wegen der Symmetrie ebenfalls in vorkommen, wäre aber größer in der gradlexikographischen Ordnung.
Wir betrachten das Polynom
Dabei treten rechts die elementarsymmetrischen Polynome mit nichtnegativen Exponenten auf. Das Polynom rechts enthält ebenfalls als Leitmonom: Hierzu muss man sich die Monome in klar machen. Das Leitmonom von ist und das Leitmonom von ist (das Leitmonom ist multiplikativ, siehe Aufgabe 1.14 (Invariantentheorie (Osnabrück 2025-2026))). Daher hat das Polynom rechts das Leitmonom
In der Differenz verschwindet also dieses Monom, d.h. hat einen kleineren Grad in der gradlexikographischen Ordung. Da ebenfalls symmetrisch ist, liefert die Induktionsvoraussetzung die Behauptung.
Zur Eindeutigkeit. Wir zeigen, dass die elementarsymmetrischen Polynome
algebraisch unabhängig
sind. Es sei also
wobei ein Polynom in den Variablen sei. Wir schreiben als Summe von Monomen der Form
mit . Es sei dasjenige Tupel mit
das in der gradlexikographischen Ordnung maximal ist unter allen Tupeln, für die in vorkommt
(es werden also die verglichen, nicht die Differenzen).
Dann besitzt als Polynom in das Leitmonom und wäre nicht .
Aufgabe (5 (1+1+1+2) Punkte)
Wir betrachten die Untergruppe mit der zugehörigen Operation, also
Es sei
a) Beschreibe die zugehörige Operation von auf
(von rechts).
b) Was ist
( sei die Operation aus (a)).
c) Wir nennt man die
-
invarianten Funktionen
aus ? Was sind typsche Beispiele dafür
(man denke an Analysis 1)?
d) Zeige, dass es außer den Konstanten keine invarianten Polynome gibt.
a) Zu eienr stetigen Funktion und ist diejenige stetige Funktion, die durch
gegeben ist.
b) Es ist
c) Invarianz liegt genau dann vor, wenn
für alle
und
gilt. Solche Funktionen nennt man periodisch
(mit Periodenlänge ).
Typische Beispiele sind die
(gestauchten)
trigonometrischen Funktionen wie .
d) Wenn ein Polynom und invariant unter der Operation, so besitzt insbesondere den gleichen Wert für jedes . Dann sind alle ganze Zahlen Nullstellen des Polynoms . Doch dann ist
das Nullpolynom, also ist konstant gleich .
Aufgabe (3 Punkte)
Es sei eine Gruppe, die auf den Mengen und operiere. Wir betrachten die Operation der Gruppe auf der Abbildungsmenge , wobei ein Gruppenelement durch
wirkt. Zeige, dass genau dann - verträglich ist, wenn ein Fixpunkt der Operation ist.
Die Verträglichkeit bedeutet
für alle und . Dies bedeutet die Abbildungsgleichheit
für alle . Da die (als Abbildung auf den Mengen) bijektiv sind, kann man dies als
für alle verstehen, was die Fixpunkteigenschaft unter der angegebenen Operation bedeutet.
Aufgabe (7 (3+2+2) Punkte)
a) Es sei ein Körper. Zeige, dass die Einheitengruppe von nicht zyklisch unendlich ist.
b) Es sei ein
kommutativer Ring,
dessen
Charakteristik
nicht zwei sei. Zeige, dass die Einheitengruppe von nicht zyklisch unendlich ist.
c) Beschreibe einen kommutativen Ring, dessen Einheitengruppe zyklisch unendlich ist.
a)
b) Der Ring enthält die , die wegen der Voraussetzung über die Charakteristik nicht gleich ist, und dessen multiplikative Ordnung gleich ist. In einer unendlichen zyklischen Gruppe gibt es aber nur die Ordnung und die Ordnung unendlich.
c) In der Nenneraufnahme sind genau die Potenzen mit
Einheiten, die Einheitengruppe ist also isomorph zu .
Aufgabe (6 (1+1+4) Punkte)
Es sei ein algebraisch abgeschlossener Körper der Charakteristik und sei eine endliche kommutative Gruppe mit der zugehörigen Charaktergruppe . Es sei
ein surjektiver Gruppenhomomorphismus mit der zugehörigen Graduierung auf und der zugehörigen Operation von auf . Es sei ein fixierter Punkt. Es sei und sei die von den , , erzeugte Untergruppe von .
- Bestimme und für den Nullpunkt .
- Bestimme und für den Einspunkt .
- Zeige, dass die
Isotropiegruppe
im Punkt der Operation gleich
ist.
- In diesem Fall ist
und somit ist
- In diesem Fall ist
und somit ist
da ja die Graduierungsabbildung als surjektiv vorausgesetzt wurde.
- Es ist
zu zeigen. Die Wirkungsweise des Charakters ist durch
gegeben. Hierbei gilt genau dann, wenn
für alle gilt, was genau dann der Fall ist, wenn oder ist. Wenn rechts dazugehört, so ist für die zweite Bedingung und für die erste Bedingung erfüllt. Wenn rechts nicht dazugehört, so gibt es ein mit . Für dieses ist und daher ist . Also gehört nicht zur Isotropiegruppe.
Aufgabe (4 Punkte)
Beweise den Satz über die Primvermeidung.
Aufgabe (4 Punkte)
Es seien und kommutative Monoide und ein kommutativer Ring. Zeige die - Algebraisomorphie
Der Monoidring besitzt die - Basis , . Das Tensorprodukt von freien Moduln besitzt die Tensorkombinationen der beiden Bases als Basis. Daher ist , , eine Basis von und , ist eine Basis von . Somit ist durch die Zuordnung auf den Basen
direkt ein - Modulisomorphismus gegeben. Dabei entspricht
dem Element
Ferner entspricht
den Element
die Zuordnung respektiert also auch die Multiplikation.
Aufgabe (4 Punkte)
Zeige, dass eine endliche Gruppe über jedem Körper eine lineare Gruppe ist.
Aufgabe (8 (1+1+2+3+1) Punkte)
Wir betrachten die Permutationsmatrix
über .
a) Bestimme das
charakteristische Polynom
von .
b) Bestimme die Faktorzerlegung von . Was sind die
Eigenwerte
von ?
c) Bestimme die Eigenräume zu den Eigenwerten von .
d) Bestimme die direkte Summenzerlegung von in
-
invariante Untervektorräume,
die der Faktorzerlegung von entspricht.
e) Bestimme zu einer Basis, die sich aus Basen der einzelnen invarianten Untervektorräume zusammensetzt, die beschreibende Matrix.
a) Es ist
das charakteristische Polynom ist also .
b) Es sind und Nullstellen, dies führt zur Faktorzerlegung
der Faktor rechts ist reell nullstellenfrei und lässt sich nicht weiter zerlegen. Die Eigenwerte sind
und .
c) Aufgrund der Faktorzerlegung sind die beiden Eigenräume eindimensional. Der Eigenraum zu ist . Der Eigenraum zu ist der Kern von
das ist .
d) Wir bestimmen den Kern der Matrix, die entsteht, wenn man in die Matrix einsetzt. Wegen
geht es um
Der Kern ist durch die beiden Erzeuger und gegeben, der zum Faktor zugehörige invariante Untervektorraum ist also
Die direkte Summenzerlegung ist also
e) Bezüglich der Basis ist die beschreibende Matrix gleich
Aufgabe (9 (3+4+2) Punkte)
Es sei ein algebraisch abgeschlossener Körper der Charakteristik . Wir betrachten die Operation der allgemeinen linearen Gruppe auf dem Vektorraum der - Matrizen durch Konjugation, also
a) Beschreibe die Operation explizit.
b) Bestimme den Untervektorraum . Verwende
den Satz über die Jordansche Normalform!
c) Beschreibe die invariante Projektion
a) Zu ist
Somit ist die Operation explizit durch
gegeben.
b) Für Streckungsmatrizen, also für
und
,
ist das Ergebnis wieder die gleiche Streckungsmatrix. Diese sind also invariant. Wir behaupten, dass die Streckungen die einzigen invarianten Matrizen sind. Die Konjugation beschreibt einen Basiswechsel. Wir können den Satz über die jordansche Normalform anwenden und erhalten zu einer Matrix eine äquivalente Matrix der Form
Im ersten Fall sei (der Streckungsfall wurde schon behandelt). In diesem Fall ergibt die Konjugation mit
die Matrix , was zeigt, dass diese Matrizen nicht invariant sind. Im zweiten Fall ergibt die Konjugation mit
für den Eintrag links unten den Wert . Diese Matrizen sind also auch nicht invariant.
c) Wir betrachten die lineare Abbildung
Das Ergebnis ist eine Streckung und eine Streckung wird auf sich selbst abgebildet. Da sich die Spur bei Konjugation nicht ändert (als Summe der Eigenwerte), ist diese Projektion -invariant.