Zum Inhalt springen

Kurs:Invariantentheorie/4/Klausur mit Lösungen

Aus Wikiversity


Aufgabe 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16
Punkte 3 3 2 5 2 2 7 4 3 5 2 5 6 6 6 3 64




Aufgabe (3 Punkte)

Definiere die folgenden (kursiv gedruckten) Begriffe.

  1. Ein Fixpunkt einer Operation einer Gruppe auf einer Menge .
  2. Ein Charakter eines Monoids in einem Körper .
  3. Der ganze Abschluss zu einer Erweiterung    kommutativer Ringe.
  4. Die Zariski-Topologie auf dem Spektrum eines kommutativen Ringes .
  5. Ein einfach zusammenhängender topologischer Raum .
  6. Eine linear-algebraische Gruppe über einem algebraisch abgeschlossenen Körper .


Lösung

  1. Der Punkt    heißt Fixpunkt der Operation, wenn    ist für alle  
  2. Ein Charakter ist ein Monoidhomomorphismus
  3. Unter dem ganzen Abschluss von in versteht man die Menge aller Elemente , die ganz über sind,
  4. Die Zariski-Topologie ist dadurch gegeben, dass zu einer beliebigen Teilmenge    die Mengen

    als offen erklärt werden.

  5. Ein topologischer Raum heißt einfach zusammenhängend, wenn er wegzusammenhängend ist und wenn jeder stetige geschlossene Weg in nullhomotop ist.
  6. Eine linear-algebraische Gruppe ist eine Zariski-abgeschlossene Untergruppe  


Aufgabe (3 Punkte)

Formuliere die folgenden Sätze.

  1. Die Klassengleichung zu einer Gruppe auf einer endlichen Menge .
  2. Der Satz über den Invariantenring zur alternierenden Gruppe .
  3. Das Lemma von Schur.


Lösung

  1. Es sei eine Gruppe, die auf einer endlichen Menge operiere. Es sei die Menge der Fixpunkte der Operation und es seien die verschiedenen Bahnen mit mindestens zwei Elementen. Dann ist
  2. Es sei ein Körper der Charakteristik  .  Die alternierende Gruppe operiere natürlich auf   Dann ist
  3. Es sei ein Körper, eine Gruppe und seien zwei - Vektorräume mit zwei gegebenen irreduziblen Darstellungen und . Es sei eine lineare Abbildung mit

    für alle  ,  wobei den zu gehörenden Automorphismus auf bezeichnet.

    Dann ist    oder aber definiert eine Äquivalenz

    der beiden Darstellungen.


Aufgabe (2 Punkte)

Schreibe das symmetrische Polynom

als Polynom in den elementarsymmetrischen Polynomen.


Lösung

Es ist

mit den beiden elementarsymmetrischen Polynomen    und  


Aufgabe (5 (3+2) Punkte)

Es sei eine Gruppe und eine Menge. Es sei die Gruppe der Permutationen auf . Zeige folgende Aussagen.

  1. Wenn auf operiert, so ist die Abbildung

    ein Gruppenhomomorphismus.

  2. Wenn umgekehrt ein Gruppenhomomorphismus

    vorliegt, so wird durch

    eine Gruppenoperation von auf definiert.


Lösung

  1. Zu    sei

    die zugehörige Abbildung. Es ist

    Daher ist die Zuordnung

    mit den Verknüpfungen verträglich. Ferner ist

    also ist die Identität. Für jedes    ist

    (ebenso für die umgekehrte Reihenfolge) und daher ist bijektiv. Also gehört zur Permutationsgruppe . Somit liegt insgesamt ein Gruppenhomomorphismus

    vor.

  2. Es ist

    und

    Also liegt eine Gruppenoperation vor.


Aufgabe (2 Punkte)

Es sei eine Gruppe und

eine eindimensionale Darstellung von in einen Körper . Zeige, dass durch die Abelianisierung von faktorisiert.


Lösung

Die multiplikative Gruppe des Körpers ist kommutativ. Deshalb werden alle Kommutatoren von auf abgebildet und gehören zum Kern. Damit gehört die Kommutatoruntergruppe von zum Kern und die Abbildung faktorisiert nach dem Homomorphiesatz durch , also durch die Abelianisierung.


Aufgabe (2 Punkte)

Es sei eine Menge, auf der eine Gruppe operiere, und sei

eine Abbildung in eine weitere Menge . Zeige, dass genau dann - invariant ist, wenn das Diagramm

kommutiert, wobei die Gruppenoperation und die zweite Projektion bezeichnet.


Lösung

Die Kommutativität des Diagramms bedeutet

für alle    und alle  .  Dies bedeutet

für alle    und alle  ,  was genau die Definition der -Invarianz ist (mit der trivialen Operation auf ).


Aufgabe (7 Punkte)

Beweise den Satz über die Invariantenringe zu einem Normalteiler  


Lösung

Die Operation ist zunächst wohldefiniert, d.h. unabhängig vom Repräsentanten. Es seien dazu    mit    gegeben und  .  Dann ist

Wegen der Normalteilereigenschaft gibt es für    und    ein    mit  .  Für    ist

und somit gehört ebenfalls zu . Wir haben also eine Abbildung

Diese Abbildung ist in der Tat eine Gruppenoperation. Das neutrale Element wirkt identisch und die Assoziativität ergibt sich aus

Es liegt also eine Operation von auf vor, und da die Elemente    identisch wirken, induziert dies eine Operation von auf . Bei den Abbildungen handelt es sich um Ringautomorphismen auf , da es sich um Einschränkungen von Ringautomorphismen auf handelt, wobei sich die Surjektivität aus der Existenz von ergibt.

Wir kommen zur Gleichheit

Zum Beweis der Inklusion sei  .  Dann ist insbesondere  .  Wegen    ist auch - invariant. Zum Beweis der Inklusion sei  .  Doch dann ist für    wiederum  


Aufgabe (4 Punkte)

Es seien und Integritätsbereiche und sei    eine ganze Ringerweiterung. Es sei    ein Element, das in eine Einheit ist. Zeige, dass dann schon in eine Einheit ist.


Lösung

Es sei das Inverse von , also . Da ganz über ist, gibt es eine Ganzheitsgleichung für , sagen wir

mit . Wir multiplizieren diese Gleichung mit und erhalten

bzw.

Ausklammern von ergibt

und damit

wobei der Ausdruck in der Klammer zu gehört. Also besitzt auch ein Inverses in .


Aufgabe (3 Punkte)

Man gebe ein Beispiel für eine lineare Abbildung

an, deren Ordnung ist und die keine Isometrie ist.


Lösung

Wir betrachten

Es ist

die Ordnung ist also . Es liegt keine Isometrie vor, da der erste Standardvektor auf , also auf einen Vektor der Länge abgebildet wird.


Aufgabe (5 Punkte)

Es sei ein Körper der Charakteristik . Wir betrachten die Operation von auf , wobei das nichttriviale Element durch operieren möge. Bestimme die Fixpunkte dieser Operation.


Lösung

Die Primideale in sind das Nullideal und die Primhauptideale

wobei ein irrduzibles Polynom ist. Das Nullideal ist ein Fixpunkt, da ja bei jedem Ringautomorphismus das Urbild der die ist. Das Urbild von zum angegebenen (nichttrivialen) Automorphismus ist , in wird also überall durch ersetzt. Wenn in nur Potenzen von mit einem geraden Exponenten vorkommen, so wird dieses Primideal auf sich selbst abgebildet und ist ein Fixpunkt. Das Primideal wird auf , also auf sich selbst abgebildet, und ist ebenfalls ein Fixpunkt. Wir behaupten, dass es keine weiteren Fixpunkte gibt. Die Fixpunktbedingugn kann man als

schreiben, wobei eine Einheit, also eine Konstante ist. Wenn in der konstante Term gleich ist, so muss wegen der Primeigenschaft    sein. Der konstante Term ist also nicht . Dann impliziert die Bedingung, dass    ist. Doch dann kann die Bedingung nur erfüllt sein, wenn nur Potenzen mit geraden Exponenten vorkommen.


Aufgabe (2 Punkte)

Berechne

im Monoidring über dem Körper .


Lösung

Es ist


Aufgabe (5 Punkte)

Zeige, dass es eine nichtalgebraische Darstellung der multiplikativen Gruppe in gibt, die reduzibel ist, aber keine Zerlegung in eindimensionale Darstellungen erlaubt.


Lösung

Wir betrachten die nichtalgebraische Darstellung

Dies ist ein Gruppenhomomorphismus, da er sich in der Form

zusammensetzt. Der Untervektorraum ist invariant unter der Operation, die dort die identische Operation induziert. Die Operation ist also nicht irreduzibel. Aus der Bedingung

mit    folgt direkt  ,  was keine Lösung besitzt. Es gibt also außer keinen weiteren Eigenraum und damit auch keinen weiteren eindimensionalen invarianten Untervektorraum. Daher kann die Darstellung nicht als direkte Summe von einfacheren Darstellungen geschrieben werden.


Aufgabe (6 Punkte)

Beweise das Lemma von Maschke.


Lösung

Aufgrund von Lemma 9.12 (Lineare Algebra (Osnabrück 2024-2025)) kann man    mit einem - Untervektorraum schreiben, und man hat eine Projektion (längs )

mit  ,  wobei die Einbettung    bezeichnet. Wir betrachten die lineare Abbildung (mit ; dies ist eine Einheit in )

Für    ist (wegen und da auf die Identität ist)

und das Bild von ist gleich , d.h. ist ebenfalls eine Projektion auf . Allerdings ist diese Projektion zusätzlich - verträglich. Für    ist nämlich (mit )

Wir setzen nun  .  Als Kern einer mit der Operation verträglichen linearen Abbildung ist nach Lemma 28.5 (Invariantentheorie (Osnabrück 2025-2026)) ebenfalls -invariant, und es ist offenbar  


Aufgabe (6 Punkte)

Es sei ein Körper. Zeige explizit, dass durch die Zuordnung

ein Gruppenhomomorphismus gegeben ist. Ist diese Abbildung injektiv?


Lösung

Es ist

Das Produkt der beiden Bildmatrizen ist

Das Bild der Produktmatrix ist

was übereinstimmt. Somit ist die Zuordnung mit der Verküpfung verträglich. Die Determinante der Bildmatrix ist

Daher werden invertierbare Matrizen auf invertierbare Matrizen geschickt und es liegt ein Gruppenhomomorphismus der allgemeinen linearen Gruppen vor. Die Abbildung ist nicht injektiv, da auf die Einheitsmatrix abgebildet wird.


Aufgabe (6 (2+1+1+2) Punkte)

Wir betrachten auf dem    die Operation der multiplikativen Gruppe eines algebraisch abgeschlossenen Körpers , die durch

zu einem fixierten Tupel    gegeben ist.

a) Bestimme .

b) Bestimme das - invariante Komplement von .

c) Zeige, dass die Projektion

- verträglich ist.

d) Zeige, dass die Zerlegung von in irreduzible Untervektorräume nicht eindeutig bestimmt sein muss.


Lösung


a) Es ist

Dabei ist direkt klar. Die andere Inklusion ist klar, da es zu jedem    wegen der algebraischen Abgeschlossenheit (entscheidend ist die Unendlichkeit) ein    gibt mit  

b) Es ist

ein direktes Komplement zu . Dieser Raum ist -invariant, da überhaupt jeder eindimensionale Raum invariant ist.

c) Zu und unterscheiden sich die Einträge mit    nicht und deshalb stimmt auch die Gesamtprojektion auf diese Komponenten überein.

d) Es seien beispielsweise alle    und  .  Dann ist jede vollständige Zerlegung in eindimensionale Untervektorräume eine Zerlegung in irreduzible invariante Untervektorräume.


Aufgabe (3 Punkte)

Zeige, dass die additive Gruppe keine kompakte Untergruppe enthält, die in der Zariski-Topologie dicht ist.


Lösung

Die triviale Gruppe ist kompakt, aber nicht Zariski-dicht. Sobald eine Untergruppe    eine Zahl    enthält, enthält die Gruppe bereits die Folge , die die diskrete Topologie trägt und keine konvergetne Teilfolge enthält. Daher kann nicht kompakt sein.