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Kurs:Invariantentheorie/5/Klausur mit Lösungen

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Aufgabe 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13
Punkte 3 3 10 4 4 3 8 10 5 2 4 2 7 65




Aufgabe (3 Punkte)

Definiere die folgenden (kursiv gedruckten) Begriffe.

  1. Das -te elementarsymmetrische Polynom in Variablen.
  2. Eine -graduierte - Algebra , wobei eine kommutative Gruppe und ein kommutativer Ring ist.
  3. Ein endlicher Modul über einem kommutativen Ring .
  4. Eine kommutative Hopfalgebra über eienm kommutativen Ring .
  5. Eine Pseudoreflektion auf einem endlichdimensionalen - Vektorraum .
  6. Eine vollständig reduzible Darstellung

    einer Gruppe in einem - Vektorraum .


Lösung

  1. Das -te elementarsymmetrische Polynom in Variablen ist das Polynom
  2. Die - Algebra heißt -graduiert, wenn es eine direkte Summenzerlegung

    mit - Untermoduln derart gibt, dass    ist und für die Multiplikation auf die Beziehung

    gilt.

  3. Der Modul heißt endlich, wenn es ein endliches Erzeugendensystem für ihn gibt.
  4. Eine kommutative - Algebra heißt Hopf-Algebra, wenn es fixierte - Algebrahomomorphismen

    und

    derart gibt, dass die Diagramme


    und

    kommutieren.

  5. Eine Pseudoreflektion ist ein linearer Automorphismus, wenn er in einer geeigneten Basis durch eine Matrix der Form

    wobei    eine Einheitswurzel ist, beschrieben werden kann.

  6. Die Darstellung

    heißt vollständig reduzibel, wenn die direkte Summe aus - invarianten Untervektorräumen ist, die jeweils irreduzibel sind.


Aufgabe (3 Punkte)

Formuliere die folgenden Sätze.

  1. Der Satz über die Graduierung des Invariantenringes bei einer linearen Operation.
  2. Der Satz über die Primvermeidung.
  3. Der Satz von Maschke über eine endliche Gruppe.


Lösung

  1. Es sei ein Körper, ein endlichdimensionaler - Vektorraum und

    eine lineare Operation einer Gruppe auf .

    Dann ist der Fixring    der induzierten Operation auf dem Polynomring ein - graduierter Unterring.

    Dabei ist

    die -te Stufe des Fixringes ist der Fixraum

    der induzierten Operation auf der -ten Stufe des Polynomringes.
  2. Es sei ein kommutativer Ring, ein Ideal und eine endliche Familie von Primidealen. Es gelte   Dann ist    für ein .
  3. Es sei ein Körper und eine endliche Gruppe, deren Ordnung kein Vielfaches der Charakteristik von sei. Dann ist linear reduktiv.


Aufgabe weiter

Es sei ein Körper. Wir betrachten zu jedem    die Abbildung

die einem Nullstellentupel das Koeffiziententupel (ohne die ) des normierten Polynoms

zuordnet.

  1. Beschreibe explizit für  
  2. Beschreibe explizit für  
  3. Begründe, dass die polynomiale Abbildungen sind.
  4. Zeige, dass die Fasern von endlich sind.
  5. Wann ist die Faser zu einem Tupel leer?
  6. Was ist die maximale Anzahl in einer Faser? Man gebe Beispiele, dass diese Maximalanzahl für    erreicht wird.
  7. Es sei nun algebraisch abgeschlossen. Zeige, dass surjektiv ist.


Lösung

  1. Bei    handelt es sich wegen

    um die Abbildung

  2. Bei    handelt es sich wegen

    um die Abbildung

  3. Es sei und zwischen und fixiert. Dann ist der Koeffizient des Polynoms aufgrund des Distributivgesetzes gleich

    wobei das Vorzeichen von der Parität von abhängt. Somit liegt in jeder Komponente eine polynomiale Abbildung vor.

  4. Ein Tupel gehört genau dann zur Faser über dem Koeffiziententupel , wenn

    ist. Dies bedeutet insbesondere, dass die Nullstellen von sein müssen. Da ein Polynom nur endliche viele Nullstellen besitzt, gibt es auch nur endlich viele Permutationen davon.

  5. Die Faser zu einem Koeffiziententupel ist genau dann leer, wenn das dadurch gegebene Polynom nicht vollständig in Linearfaktoren zerfällt.
  6. Die maximale Anzahl in einer Faser ist . Die Faser besteht aus den (geordneten) Nullstellentupeln zu dem durch das Koeffiziententupel gegebenen Polynom, wenn dieses vollständig in Linearfaktoren zerfällt (andernfalls ist die Faser leer). Da es maximal Nullstellen gibt, kann man höchstens geordnete Tupel daraus bilden. Wenn es verschiedene Nullstellen gibt, so kann man daraus durch Permutationen genau geordnete Tupel bilden. Beispielsweise wird das Nullstellentupel auf ein Koeffiziententupel abgebildet, dessen Faser aus all den Permutationen davon besteht.
  7. Wenn algebraisch abgeschlossen ist, so zerfällt jedes normierte Polynom in normierte Linearfaktoren, was nach Teil (5) bedeutet, dass die Faser nicht leer ist. Dies bedeutet insgesamt die Surjektivität von .


Aufgabe (4 Punkte)

Es sei ein endlicher Körper (mit Elementen). Bestimme die Anzahl der Elemente in


Lösung

Es sei eine invertierbare Matrix über . Dies bedeutet, dass die Spaltenvektoren eine Basis von bilden und dies bedeutet wiederum, dass die einen -dimensionalen Untervektorraum erzeugen. Ein -dimensionaler Untervektorraum besitzt Elemente. Wenn fixiert sind, so gibt es Vektoren , die sicherstellen, dass der von den Vektoren erzeugte Untervektorraum eine Dimension mehr hat. Daher ist die Gesamtzahl von solchen Matrizen gleich


Aufgabe (4 Punkte)

Es sei ein Körper und    eine zyklische Untergruppe, die von    erzeugt werde. Zeige, dass ein Untervektorraum    genau dann - invariant ist, wenn er - invariant ist.


Lösung erstellen


Aufgabe (3 Punkte)

Man gebe eine Matrix    der Ordnung an.


Lösung

Es sei

Dann ist

Ferner ist

und

also ist die Ordnung gleich .


Aufgabe (8 Punkte)

Beweise den Satz über Charaktere und Automorphismen bei graduierten Algebren.


Lösung

Zu jedem Charakter

ist die durch

   definierte Abbildung mit der Addition verträglich. Die Verträglichkeit mit der Multiplikation folgt für homogene Elemente und aus

woraus sich aufgrund des Distributivgesetzes auch der allgemeine Fall ergibt. Für    (und insbesondere für ) ist ferner  ,  sodass ein - Algebrahomomorphismus vorliegt.
Der triviale (konstante) Charakter geht bei dieser Zuordnung auf die Identität. Es seien nun zwei Charaktere    gegeben. Für ein homogenes Element    ist

sodass die Gesamtzuordnung mit den Verknüpfungen verträglich ist. Daher gilt auch

sodass jedes ein - Algebraautomorphismus und die Gesamtzuordnung ein Gruppenhomomorphismus ist.
Die Injektivität ergibt sich unter Verwendung von Lemma 44.22 (Lineare Algebra (Osnabrück 2024-2025)) folgendermaßen. Bei    gibt es ein    mit  .  Nach Voraussetzung ist

sei also , . Damit ist  ,  da eine Einheit ist. Also ist  


Aufgabe (10 Punkte)

Beweise den Hilbertschen Basissatz.


Lösung

Es sei ein Ideal im Polynomring . Zu    definieren wir ein Ideal in durch

Das Menge besteht also aus allen Leitkoeffizienten von Polynomen vom Grad aus . Es handelt sich dabei offensichtlich um Ideale in (wobei wir hier als Leitkoeffizient zulassen). Ferner ist  ,  da man ja ein Polynom vom Grad mit Leitkoeffizient mit der Variablen multiplizieren kann, um ein Polynom vom Grad zu erhalten, das wieder als Leitkoeffizienten besitzt. Da noethersch ist, muss diese aufsteigende Idealkette stationär werden; sei derart, dass    ist.

Zu jedem    sei nun    ein endliches Erzeugendensystem, und es seien

zugehörige Polynome aus (die es nach Definition der geben muss).

Wir behaupten, dass von allen erzeugt wird. Dazu beweisen wir für jedes    durch Induktion über den Grad von , dass es als -Linearkombination mit diesen darstellbar ist. Für konstant, also  ,  ist dies klar. Es sei nun der Grad von gleich und die Aussage sei für kleineren Grad bewiesen. Wir schreiben

Es ist    und damit kann man als -Linearkombination der , , , schreiben. Bei    kann man sogar als -Linearkombination der , , schreiben, sagen wir  .  Dann ist    und hat einen kleineren Grad, sodass man darauf die Induktionsvoraussetzung anwenden kann. Bei    ist

Damit gehört

ebenfalls zu und hat einen kleineren Grad, sodass man wieder die Induktionsvoraussetzung anwenden kann.


Aufgabe (5 Punkte)

Es sei ein kommutativer Ring. Zeige, dass auf dem Polynomring durch die - Algebrahomomorphismen

und

eine Hopf-Struktur erklärt wird.


Lösung

Wir müssen die Eigenschaften einer Hopf-Struktur nachweisen. Da alle Homomorphismen in den relevanten Diagrammen - Algebrahomomorphismen sind, die von ausgehen, genügt es, zu zeigen, dass die Variable unabhängig vom Weg letztlich auf das gleiche Element abgebildet wird.

Zur Koassoziativität.

Es ist

Das Gleiche ergibt sich, wenn man auswertet.

Nachweis der Koeinheit.

Es ist

Nachweis des Koinversen.

Es ist

Dies stimmt mit überein.


Aufgabe (2 Punkte)

Zeige, dass die Nullstellenmengen    (mit ) über einem Körper der Charakteristik genau in    singulär sind.


Lösung

Die partiellen Ableitungen sind

Im Nullpunkt sind alle partiellen Ableitungen gleich und daher liegt eine Singularität vor. Wenn umgekehrt alle partiellen Ableitungen in einem Punkt gleich sind, so ist zunächst    und  .  Also ist    oder  .  Daraus folgt mit der mittleren partiellen Ableitung, dass auch die andere Variable gleich ist. Singulär liegt also nur im Nullpunkt vor.


Aufgabe (4 Punkte)

Bestimme die linearen Untergruppen der multiplikativen Gruppe eines Körpers .


Lösung

Die Gruppe selbst ist eine lineare Untergruppe. Jede echte lineare Untergruppe wird durch zumindest eine polynomiale Gleichung in einer Variablen beschrieben und besitzt daher nach Korollar 19.9 (Lineare Algebra (Osnabrück 2024-2025)) nur endlich viele Elemente. Umgekehrt kann jede endliche Teilmenge als die Nullstellenmenge eines Polynoms beschrieben werden. Daher geht es um die endlichen Untergruppen der multiplikativen Gruppe. besitze Elemente. Dann gilt für jedes    nach dem Satz von Lagrange die Bedingung  ,  d.h. ist eine -te Einheitswurzel. Die polynomiale Gleichung    besitzt also im vorliegenden Fall genau Lösungen, und die Gruppe ist die -elementige Gruppe der -ten Einheitswurzeln.


Aufgabe (2 Punkte)

Es sei ein endlichdimensionaler Vektorraum über einem Körper und sei die zugehörge allgemeine lineare Gruppe. Zeige, dass unter der natürlichen Operation

irreduzibel ist.


Lösung

Es ist zu zeigen, dass es keinen echten invarianten Untervektorraum    gibt. Es sei  ,   .  Dann gibt es aber zu jedem Vektor    aufgrund des Basisergänzungssatzes und des Festlegungssatzes eine bijektive lineare Abbildung mit

D.h. ist nur im Fall    invariant unter der Gruppe.


Aufgabe (7 (2+5) Punkte)


a) Zeige, dass die drei Matrizen

bezüglich der Matrizenmultiplikation eine Gruppe bilden, die isomorph zur ist.


b) Finde für die in (a) beschriebene zweidimensionale Darstellung der Gruppe die Zerlegung in irreduzible eindimensionale Darstellungen über .


Lösung


a) Es ist

und

Daher liegt eine Gruppe vor, die von einem Element der Ordnung erzeugt wird, und die damit isomorph zur ist.


b) Da eine zyklische Gruppe vorliegt, geht es um die Eigenräume des Erzeugers . Das charakteristische Polynom der Matrix ist

Die Nullstellen davon sind

dies sind also die Eigenwerte. Der Kern von

ist und der Kern von

ist , dies sind die Eigenräume. Somit liegt die direkte Zerlegung

in invariante Untervektorräume vor, wobei der Erzeuger in der ersten Komponente durch Multiplikation mit und in der zweiten Komponente durch Multiplikation mit wirkt.