Kurs:Invariantentheorie/6/Klausur mit Lösungen
| Aufgabe | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 | 16 | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Punkte | 3 | 3 | 2 | 3 | 2 | 9 | 5 | 3 | 3 | 3 | 9 | 6 | 2 | 5 | 3 | 4 | 65 |
Aufgabe (3 Punkte)
Definiere die folgenden (kursiv gedruckten) Begriffe.
- Eine Gruppenoperation einer Gruppe auf einer Menge .
- Der Bahnenraum zu einer Gruppenoperation einer Gruppe auf einer Menge .
- Eine kurze exakte Sequenz von Moduln über einem kommutatuven Ring .
- Der durch Ringwechsel gewonnene Modul zu einem - Modul und einem Ringhomomorphismus .
- Die unitäre Gruppe des .
- Eine Quotientensingularität.
- Menge/Gruppenoperation/Links/Definition/Begriff/Inhalt
- Gruppenoperation/Bahnenraum/Definition/Begriff/Inhalt
- Modultheorie (kommutative Algebra)/Kurze exakte Sequenz/Definition/Begriff/Inhalt
- Modul/Ringwechsel/Definition/Begriff/Inhalt
- C^n/Skalarprodukt/Unitäre Gruppe/Definition/Begriff/Inhalt
- Quotientensingularität/Endlich/Definition/Begriff/Inhalt
Aufgabe (3 Punkte)
Formuliere die folgenden Sätze.
- Der Satz über den Quotientenkörper eines Invariantenringes zu einer endlichen Gruppe.
- Der Satz über Charaktere und faktorielle Invariantenringe.
- Der Satz über die universelle Eigenschaft des Tensorprodukts für Moduln.
- Es sei eine
endliche Gruppe,
die auf einem
Integritätsbereich
als Gruppe von
Ringautomorphismen
operiere.
Dann ist
- Es sei ein
faktorieller Bereich
und es sei eine
endliche Gruppe,
die auf als Gruppe von
Ringautomorphismen
operiere. Die
Charaktergruppe
zu mit Werten in der Einheitengruppe sei trivial, d.h. es ist
Dann ist auch der Invariantenring
faktoriell. - Es sei ein
kommutativer Ring und seien
-
Moduln.
- Die
Abbildung
ist - multilinear.
- Es sei ein weiterer
-
Modul und
eine multilineare Abbildung. Dann gibt es eine eindeutig bestimmte - lineare Abbildung
mit .
- Die
Abbildung
Aufgabe (2 Punkte)
Zeige, dass jede komplexe Einheitswurzel auf dem Einheitskreis liegt.
Für eine komplexe Einheitswurzel gilt
für ein gewisses . Da der komplexe Betrag multiplikativ ist, gilt
Daher ist eine positive reelle Zahl, deren -te Potenz ist. Daher ist
und diese Bedingung charakterisiert den Einheitskreis.
Aufgabe (3 Punkte)
Wegen
gehört auch die zu . Wegen
gehört die und die zu . Es sei . Dann ist wegen
auch . Es seien . Dann ist
und ebenso
also ist auch . Also liegt ein Unterring vor.
Aufgabe (2 Punkte)
Die multiplikative Gruppe operiere auf durch Multiplikation. Zeige, dass unter den stetigen Funktionen von nach nur die konstanten Funktionen - invariant sind
Die konstanten Funktionen sind offenbar invariant. Eine invariante Funktion
ist insbesondere auf der durch gegebenen Bahn konstant. Im stetigen Fall folgt daraus wegen der Dichtheit von in , dass überhaupt die Funktion konstant ist.
Aufgabe weiter
Wir betrachten die Operation der additiven Gruppe auf durch
und die zugehörige Operation auf dem Polynomring .
a) Zeige, dass eine Operation vorliegt.
b) Zeige, dass die Operation nicht linear ist.
c) Bestimme die
Bahnen
der Operation. Skizziere die
(reelle)
Situation.
d) Welche Untergruppen treten als
Isotropiegruppen
auf?
e) Bestimme den Invariantenring .
f) Zeige, dass die Abbildung in den Bahnenraum nicht abgeschlossen ist
(wobei der in der natürlichen Topologie und der Bahnenraum mit der Quotiententopologie versehen ist).
a) Für
liegt offenbar die Identität vor. Für
ist
b) Die Operation ist nicht linear, da bei einer linearen Operation der Nullpunkt auf sich selbst abgebildet wird, hier aber
gilt.
c) Die Bahn zu jedem Punkt ist , also einfach die Menge .
d) Sämtliche Isotropiegruppen sind trivial, da aus
sofort
folgt.
e) Das Polynom ist offenbar invariant. Wir behaupten, dass nur Polynome in invariant sind, der Invariantenring ist also . Wir schreiben ein Polynom in der Form
wobei in den nur vorkomme und und sei. Es sei mit . Dann liegt ein Polynom
in der einen Variablen vor. Wenn man darin durch ersetzt, so kann nur für endlich viele Polynome das gleiche Polynom rauskommen, und nicht für alle . Solche Polynome sind also nicht invariant.
f) Die Quotientenabbildung kann man direkt durch die zweite Projektion
beschreiben. Die Hyperbel besitzt das Bild . Die Hyperbel ist abgeschlossen als Urbild einer stetigen Abbildung. Das Bild ist aber nicht abgeschlossen, da sein Urbild gleich ist, was nicht abgeschlossen ist.
Aufgabe (5 Punkte)
Beweise den Satz über die Existenz des Reynolds-Operators (endliche Gruppe).
Aufgrund der Voraussetzung an die Charakteristik ist eine Einheit in und damit in , also ist die angegebene Abbildung wohldefiniert. Die Abbildung ist offenbar ein Gruppenhomomorphismus. Für und ist ferner
daher liegt ein - Modulhomomorphismus vor. Für ist
also ist
Aufgabe (3 Punkte)
Es sei ein algebraisch abgeschlossener Körper und sei ein homogenes Polynom. Zeige: zerfällt in Linearfaktoren.
Es sei
Die Dehomogenisierung ist das Polynom
in einer Variablen und besitzt aufgrund der algebraischen Abgeschlossenheit eine Faktorzerlegung
Wenn man zurückhomogenisiert, erhält man die Faktorzerlegung
Aufgabe (3 Punkte)
Wir betrachten die natürliche Operation der symmetrischen Gruppe auf dem Polynomring über einem Körper . Bestimme eine Ganzheitsgleichung für die Variablen über dem Invariantenring.
Ohen Einschränkung sei . Wir multiplizieren das Produkt
aus und erhalten
mit den elementar-symmetrischen Polynomen . Dies ist direkt eine Ganzheitsgleichung für über den Ring der symmetrischen Polynome.
Aufgabe (3 Punkte)
Es sei ein normaler Integritätsbereich und , . Zeige, dass die Nenneraufnahme ebenfalls normal ist.
Es sei ein Element im Quotientenkörper und angenommen, dass es eine Ganzheitsgleichung über erfüllt. Es gibt also eine Gleichung der Form
mit . D.h. die lassen sich schreiben als Brüche, deren Nenner Potenzen von sind. Man kann dann annehmen, dass alle Brüche mit einer festen Potenz als Nenner geschrieben sind, und da man zu einer größeren Potenz übergehen kann, darf man auch annehmen, dass ein Vielfaches von ist. Wir multiplizieren die Gleichung mit und erhalten
Dabei sind alle Koeffizienten aus und daher liegt eine Ganzheitsgleichung für vor. Wegen der Normalität von bedeutet dies , also .
Aufgabe (9 Punkte)
Beweise die Formel von Molien.
Der lineare Automorphismus ist nach Fakt ***** diagonalisierbar, da er endliche Ordnung hat. In einer geeigneten Basis besitzt die duale Abbildung die Gestalt
Auf der -ten Stufe induziert dies den linearen Automorphismus
mit . Die Eigenvektoren von sind die verschiedenen Monome
(es sei ) mit mit den Eigenwerten . Die Spur von ist daher
mit
Damit ist unter Verwendung der geometrischen Reihe
Aufgabe (6 Punkte)
Man gebe ein Beispiel für eine nichttriviale zyklische Reflektionsgruppe derart, dass die Erzeuger der Gruppe keine Pseudoreflektionen sind.
Es seien teilerfremde Zahlen (beispielsweise ) und sei eine primitive -te Einheitswurzel und eine primitive -te Einheitswurzel. Wir betrachten die von der Matrix
erzeugte Untergruppe. Diese ist eine zyklische Gruppe der Ordnung . Diese Matrix ist keine Pseudoreflektion, da sie insgesamt drei Eigenwerte besitzt. Die anderen Erzeuger der Gruppe sind von der Form mit teilerfremd zu . Dann ist teilerfremd zu und zu und daher sind und ebenfalls primitiv. Insbesondere besitzt wieder drei verschiedene Eigenwerte und ist keine Pseudoreflektion.
Es ist
dies sind also Pseudoreflektionen. Nach dem Lemma von Bezout gibt es ganze Zahlen mit
Daher ist
und somit wird die Gruppe von den Pseudoreflektionen und erzeugt, ist also eine Reflektionsgruppe.
Aufgabe (2 Punkte)
Zeige, dass der Ring über einem Körper der Charakteristik genau in singulär ist.
Die partiellen Ableitungen sind
Im Nullpunkt sind alle partiellen Ableitungen gleich und daher liegt eine Singularität vor. Wenn umgekehrt alle partiellen Ableitungen in einem Punkt gleich sind, so ist (aufgrund der Voraussetzung an die Charakteristik) zunächst und . Also ist oder . Daraus folgt mit der mittleren partiellen Ableitung, dass auch die andere Variable gleich ist. Singulär liegt also nur im Nullpunkt vor.
Aufgabe (5 (1+1+3) Punkte)
Es sei fixiert. Wir betrachten
und die offene Menge
a) Es sei . Zeige, dass
eine algebraische (rationale) Abbildung ist, die auf abbildet.
b) Zeige, dass die Einschränkung von auf
ein geschlossener stetiger Weg in mit Aufpunkt ist. Beschreibe explizit die Verknüpfung dieser Abbildung mit der trigonometrischen Parametrisierung des Einheitskreises.
c) Es sei
Zeige, dass es eine rationale Abbildung
mit
genau dann gibt, wenn ein Vielfaches von ist.
a) Es ist
daher erfüllen die Bildpunkte der Abbildung die Gleichung
und liegen somit auf . Das Bild landet in , da der Nullpunkt allein schon wegen der dritten Komponenten ausgeschlossen ist.
b) Mit der Parametisierung des komplexen Einheitskreises
ist die verknüpfte Abbildung gleich
Auf wird der Kreis durchlaufen, deshalb ist dies ein geschlossener Weg mit Aufpunkt .
c) Bei
kann man direkt
ansetzen, dies erfüllt wegen
die Bedingung. Angenommen, es gibt eine rationale Liftung, also insbesondere eine rationale Funktion
mit
Aus der Faktorialität und der Normalität von folgt, dass schon in eine -te Wurzel besitzt. Doch dann muss ein Vielfaches von sein.
Aufgabe (3 Punkte)
Es sei ein Körper und sei ein endlichdimensionaler - Vektorraum der Dimension . Zeige, dass es einen injektiven Gruppenhomomorphismus
gibt.
Der Vektorraum ist isomorph zu , wir können also direkt mit starten. Wir betrachten die Abbildung
die offenbar injektiv ist. Dabei gilt
es liegt also in der Tat ein Gruppenhomomorphismus vor.
Aufgabe (4 Punkte)
Beweise den Satz über irreduzible Darstellungen einer kommutativen Gruppe.
Es sei
eine irreduzible Darstellung. Wegen der Kommutativität von gilt für die zu gehörenden linearen Abbildungen
Aus Fakt *****, angewandt für festes und alle , folgt, dass eine Streckung ist. Dann sind aber überhaupt sämtliche Automorphismen der Darstellung Streckungen. Unter einer Streckung ist aber jeder Untervektorraum invariant, sodass in diesem Fall jeder Untervektorraum - invariant ist. Dann muss aber wegen der Irreduzibilität eindimensional sein.